Dungeon Siege 2

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Midas Interactive
Entwickler
Gas Powered Games
Erscheinungsdatum
-
Genre
RPG
USK
12
Dungeon Siege 2 [PC , Justgamers]

Gesamtwertung

84%/10

Grafik

Gut

Sound

Gut

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Sehr gut

Bedienung

Gut

Dungeon Siege 2

Schwert & Schild – Die Story

So gut wie jedes RPG lebt vom Kampf des Guten gegen das Böse – genau wie Dungeon Siege 2. Denn einst versuchte der dunkle Herrscher Zaramoth, die Welt von Aranna ins Verderben zu stürzen, doch der tapfere Held Azunai stellte sich ihm gegenüber. Beide Krieger kämpften in einer letzten entscheidenden Schlacht um das Schicksal der Welt. Auf dem Schlachtfeld, welche später als die Ebene der Tränen in die Geschichte einging, führten beide legendäre Waffen mit ungeheuren magischen Kräften. Das Schwert des Zaramoth, die Verkörperung des Bösen erhob sich gegen das Schild des Azunai.

Unzählige Jahre später klopft das Böse erneut an die Tür. Dem Fiesling Valdis gelang es mit Hilfe seiner dunklen Magier, das Schwert des Zaramoth zu bergen. Valdis könnte mit dieser Waffe die Welt von Aranna in ihrem alten Gefüge zerstören und eine neue Welt des Schreckens herbeiführen. Doch um das Schwert wieder zu aktivieren, braucht Valdis das Schild von Azunai, welches für immer mit dem Schicksal des Schwertes verbunden ist. Eben jenes Schild zerbrach auf der Ebene der Tränen und wurde über die ganze Welt verteilt. Während eines großen Feldzugs, der eine Schneise der Zerstörung hinter sich lässt, zieht Valdis durch Aranna, um alle Teile zu finden.

Eigentlich kann niemand Valdis aufhalten. Niemand, bis auf den Spieler natürlich! Ist unser Charakter der geborene Held? Nein, denn er macht am Anfang genau das Falsche. Frei nach dem Motto „Im Krieg ist sich jeder selbst am nächsten“ arbeitet unser Charakter ausgerechnet für Valdis höchstpersönlich und sichert mit seinem Freund Drevin als Söldner die Eroberung eines alten Schreins. Am Ziel angekommen will jeder natürlich das Geld sehen, doch Valdis wird wütend und schlägt um sich: unser Freund Drevin wird getötet und wir selbst bewusstlos.

Wach werden wir im Gefängnis der Dryaden, einem Naturvolk, welches wir zuvor noch bekämpften. Wir kommen also vom Regen in die Traufe. Doch hier beginnt die eigentliche Story anzusetzen, denn unser Held wird geläutert und beweist sich selbst und den Dryaden, dass er fortan für das Gute kämpfen will und versuchen will, Valdis zu stoppen. Recht früh erfahren wir im Spiel zudem, dass unser Charakter nicht nur ein kleines Würstchen ist, welches sich gegen den übermächtigen Valdis stellt. Der Charakter ist nämlich ein direkter Nachfahre Azunais und entstammt so einer alten Linie, die als ausgestorben galt. Außerdem ist er im Besitz eines mysteriösen Amuletts, welches ihm Drevin vor seinem Tod überreichte. Auch dieser Gegenstand hat eine entscheidende Rolle beim Schicksal Arannas.

Wie man sieht, ist die Story trotz aller Versprechungen nicht sonderlich originell: Das typische Schema mit dem Bösewicht, der mit einer Waffe die Welt vernichten will, und unser Charakter ist ausgerechnet die einzige Hoffnung. Es sind auch leider keine großen Wendungen oder Überraschungen zu erkennen. Wir ziehen mit unserer Party durch Aranna und erfahren immer ein bisschen mehr, aber alles bleibt gradlinig und oft sehr berechenbar.

Trotzdem hat sich hier einiges im Vergleich zum Vorgänger getan. Es gibt in Dungeon Siege 2 z.B. viermal mehr Dialoge als im Vorgänger und weitaus mehr Zwischensequenzen, die die Story erzählen. Diese sind entweder direkt in Spielgrafik gehalten oder in Filmsequenzen, deren Stil sehr der Ingame-Grafik ähnelt. Außerdem hat jeder der Charaktere eine eigene Persönlichkeit und Story. So gibt es etwa eine Nebenquest zu Lothar, einem Halbriesen aus der eigenen Party, der seinen Namen reinwaschen will. Ihm wurde angedichtet, ein goldenes Cape gestohlen zu haben. Wir sorgen anschließend für die Wiederbeschaffung und die Ergreifung des wahren Diebes. Was Nebenquests betrifft, so wurde die Anzahl im Vergleich zum Vorgänger auch ordentlich aufgestockt. Man kann sagen, dass in jedem Gebiet zu einer Hauptquest noch ca. drei bis vier weitere Nebenquests bereitstehen, die kleinere Geschichten im DS2-Universum erzählen.

Trotzdem wirkt Dungeon Siege 2 hier immer noch ziemlich schwach auf der Brust und man hat immer noch das Gefühl, die Story sei lediglich Beiwerk. Die Dialoge mit NPCs, die alle schön mit Sprachausgabe versehen wurden, werden z.B. immer nur vom Hauptcharakter geführt; es bringt sich eigentlich nie ein anderer Charakter aus der Party mit ein. Wenn es mehrere Auswahlmöglichkeiten für Antworten gibt, so wirken sich diese kaum aus, egal was man sagt. Die anderen Spielcharaktere melden sich eh nur sehr selten zu Wort. Meist gibt es spezielle Stationen, Punkte während einer Quest, zu denen mal ein Charakter laut wird und etwas zu sagen hat. Dadurch hat man kaum das Gefühl, dass diese an der Story beteiligt sind, da auch nur selten ihre Persönlichkeit hervortritt. Dies könnte allerdings dadurch erklärt werden, dass es ja sehr viele Charaktere im Spiel gibt, die man als Partymitglied aufnehmen kann, und die Entwickler von Gas Powered Games keine Lust hatten, jeden genauer mit der Story zu verknüpfen.

Wer sich nur an der Hauptquest orientiert, macht quasi eine „kleine Tour“ durch die Welt von Aranna. Der Spieler, der schnelle Action will, wird nicht mit weiteren Details belastet, diese könnte er sich auf Wunsch bei den NPCs erfragen oder durch Bücher, die überall verstreut sind, erlesen. Freunde epischer Rollenspiele hätten sich da mehr Umfang im „Pflichtprogramm“ der Story gewünscht. Unterm Strich lässt sich also sagen, dass die Story von Dungeon Siege 2 eher mittelmäßig ist und dass man nicht viel Tolles erwarten sollte. Es ist mehr als im Vorgänger, aber Dungeon Siege 2 bleibt ein Action-Rollenspiel, mit eindeutiger Betonung auf Action.

Schießt du noch oder zauberst du schon?

Das Skillsystem weiß zu gefallen. Der Spieler hat jederzeit die volle Kontrolle darüber, was aus einem Charakter mal werden soll. Es gibt keine festen Vorlagen, sondern jeder Charakter kann theoretisch alles werden, auch wenn jede Rasse natürlich prädestiniert für eine bestimmte Klasse ist (Elfen für Magie, Halb-Riesen als Nahkämpfer). Erfahrung sammelt man nicht durch das Töten von Gegnern an sich, sondern durch das Gebrauchen der Fertigkeiten. Wenn die Bogenschützin durch viel Herumballern einen Level Up für Fernwaffen erhalten hat, kann ein Punkt in den Skilltree investiert werden. Die Skills verbessern Dinge wie etwa Gesundheit, Manaregeneration, Kampfkraft oder erlauben zusätzliche Fähigkeiten wie Dual Wielding und Heldenkräfte. Man kann allerdings auch als Bogenschütze Punkte in die Naturmagie investieren, um z.B. Buffs für die anderen Charaktere zu nutzen oder andere Spieler zu heilen. Man kann sich also für eine Laufbahn entscheiden oder verschiedene Wege vermischen, damit der Charakter auch Sub-Klassen entwickelt. Allerdings lassen sich einmal eingeschlagene Wege nicht rückgängig machen, was etwas schade ist. Denn wer sich einfach verskillt hat oder einen schwachen Allrounder auf allen Gebieten erschaffen hat, sieht alt aus. Wer bei allen Charakteren das Grundkonzept beibehalten möchte, kommt am komfortabelsten voran: Der Elf als Hauptcharakter kümmert sich um die Kampfmagie, die Dryade um den Fernkampf und der Halbriese um das Grobe im Nahkampf. Da sowohl Elf als auch Dryade am Anfang schon etwas Naturmagie beherrschen, können beide die Truppe auch heilen und stärken so das ausgewogene Konzept der Party. Später lohnt es sich, wenn zumindest ein Mitglied einen stärkeren Heilzauber erlernt, damit man in ganz harten Bossfights nicht zu schnell das Zeitliche segnet. Dafür kann man den Hauptcharakter einfach mit mehr Naturmagie hantieren lassen und er kann dann nach einiger Zeit den stärkeren Heilzauber verwenden. Danach geht es mit der Kampfmagie weiter. Es macht wirklich viel Spaß, mit den Skills herumzuspielen.

Wenn es ganz hart wird – Heldenkräfte im Einsatz

Neu in Dungeon Siege 2 sind die Heldenkräfte. Denn wer im Skilltree fleißig auflevelt, bekommt nicht nur normale Boni für seinen Charakter, sondern ab bestimmten Werten auch neue Heldenkräfte spendiert. Und diese haben es wirklich in sich. In Zeiten der Verzweiflung, in denen man seine Party schon tot am Boden liegen sieht, kann man jetzt noch alles für sich entscheiden. Es handelt sich hierbei nämlich um Attacken, die besonders mächtig sind und da es mehrere zur Auswahl gibt, kommt eine strategische Komponente hinzu. Kampfmagier können z.B. eine Blitzattacke ausführen, in der ein Strahl gleißenden Lichtes auf einen Gegner zurast und sich im Schneeballsystem auf nahe stehende Fieslinge verteilt. Oder es gibt einen Zauber, der Gegner infiziert und nach einiger Zeit tötet. Nach deren Tod werden giftige Gase freigesetzt, die den anderen Gegnern auch schaden. Fernkämpfer verfügen z.B. über eine Heldenkraft, mit der Gegner weggedrückt und betäubt werden, wogegen Krieger etwa verheerende Wirbelattacken ausführen. Diese Attacken, die die normale Angriffskraft öfters um das Tausendfache übersteigen, zählen auch zu den grafischen Highlights des Spiels, die den Bildschirm in leuchtenden Farben erstrahlen lassen. Der Kampf bekommt eine ganz neue Note und es macht wirklich Spaß, Gegner mit diesen Moves ins Jenseits zu befördern. Man entwickelt sogar eine Art Stolz für die Power der eigenen Party und man hat auch schon Redakteure von JustGamers in ihrem stillen Kämmerlein brüllen hören: „Na komm schon, zeig's mirDu glaubst, du hast es drauf?! Nimm DAS!“. Allerdings kann diese Euphorie auch schnell in bittere Reue umschlagen, spätestens dann, wenn man die Heldenkräfte zu früh eingesetzt hat. Denn einmal benutzt, müssen sich diese Kräfte erst durch weitere Kämpfe wieder aufladen oder aber man benutzt die sogenannten War Pedestals, wie sie manchmal in Dungeons zu finden sind. Das sind Säulen, die nach dem Zerbrechen für einen Charakter die Heldenkraft wiederherstellen.

Immer das richtige zur Hand haben

In das Interface hat Gas Powered Games viel Liebe gesteckt. Jedes Item, jeder Skill, jede Heldenkraft ist im Kontextmenü genau beschrieben und erklärt. Das Journal gehört mit zu den ausführlichsten, die wir bisher in RPGs erleben konnten. Hier sehen wir nicht nur für Haupt- und Nebenquests getrennt, was wir wo schrittweise zu erledigen haben, sondern wir bekommen auch noch detaillierte Informationen zu Questitems oder seltenen Fundsachen. Es gibt eine Map und sogar ein Bestiarium.

Dort sind alle angetroffenen Gegner verewigt, zusammen mit Bild, Werten und möglichen Schwächen oder Resistenzen. Dazu gibt es genauere Informationen über die Herkunft der Kreaturen und für Statistikfreunde sind sogar die jeweiligen Kills festgehalten.

Die Charakterportraits mit den nötigsten Infos befinden sich oben links im Bildschirm und lassen sich etwas in der Größe verändern. Dort kann man durch Verschieben auch die Formation der Charaktere verändern. Auf diese Weise lassen sich geschickt die Nahkämpfer mit viel HP in die vorderste Reihe setzen und Magier sowie Fernkämpfer dahinter, oder andersrum - wie man will.

Was Zauber oder Heldenkräfte betrifft, haben wir hier zudem jeweils vier Shortcuts, die sich belegen lassen. Letzteres fiel im Vorgänger etwas magerer aus, weswegen öfters die nötigen Menüs geöffnet werden mussten, wodurch der Spielfluss litt.

Auch das Verhalten der Charaktere lässt sich nach Belieben konfigurieren. Grundsätzlich ist die Steuerung viel direkter als in Dungeon Siege 1, denn die Helden müssen für alle Aktionen angeleitet werden und handeln weniger selbstständig. Wer das nicht mag, kann allerdings auf das System aus dem Vorgänger zurückgreifen und im Menü festhalten, dass sich die Partymitglieder automatisch verteidigen und immer selbstständig angreifen. Außerdem gibt es zwei Modi zum Verhalten: Mirror und Rampage. Mit dem ersteren folgen die anderen Mitglieder der Gruppe genau den Anweisungen der Figur, die der Spieler gerade steuert. Alle greifen also nur an, wenn der Spieler angreift und alle konzentrieren sich auf das gleiche Ziel.

Mit Rampage verteilen sich die Charaktere und suchen sich ihre Ziele selbst aus. Im Test erwies sich der Mirror als gute Partie, da man dadurch einen Gegner besser schnell erledigte, als vielen nur etwas geschadet zu haben. Außerdem liefen bei Rampage die Mitglieder manchmal davon und mitten in eine Gruppe von Gegnern hinein.

Die Steuerung selbst geht meist leicht von der Hand: Wegpunkte werden mit Links angeklickt, mit Rechtsklick wird gekämpft. Nur ab und zu ist es ein wenig fummelig. Klickt man z.B. auf den Boden neben den Charakteren, so wählt man diese öfters versehentlich an, anstatt einen Wegpunkt festzulegen. Die Hotkeys für wichtige Funktionen sind allerdings gut belegt worden. So kann man mit M und H die komplette Truppe zu Mana- oder Heiltränken greifen lassen oder mit Z direkt alle Items aufsammeln lassen, ohne alles mühselig anzuklicken.

Die Leertaste pausiert das Game und lässt uns in hitzigen Schlachten aufatmen und das weitere Vorgehen planen. Das einzige, was etwas gefehlt hat, war ein Hotkey für die Attacken des gerade ausgewählten Charakters. Hier hätte man z.B. gerne schnell zwischen den aktiven Zaubern gewechselt.

Ein richtig dickes Manko ist allerdings, dass es nur einen einzigen Speicherstand gibt. Man kann zwar jederzeit speichern, aber niemals mehrere Speicherstände anlegen, zu denen man zurückkehren kann. Das ist besonders ärgerlich, wenn man nachwirkend etwas anderes ausprobieren wollte oder Fehler begangen hat, die man mit alten Speicherständen ausmerzen möchte.

Damit man allerdings nach dem Laden nicht eventuell in einer aussichtslosen Situation landet, startet man immer in der nächstgelegenen Stadt, egal wo man gespeichert hat. Auch das ist etwas nervig, weil man immer wieder neu zum alten Punkt zurücklaufen muss. Abhilfe schafft da nur ein vorher angewendeter Portalzauber.

Wenn der Skorpion das Stöckchen holt

Maximal sieben Mitglieder kann eine Gruppe haben. Potenzielle Mitglieder findet man stets auf dem Weg durch die Spielwelt oder während der unterschiedlichen Quests. Man kann im Dialog immer die Statistiken der möglichen Mitglieder einsehen und sich so nach deren Klassen und Fähigkeiten erkundigen. Bieten sich NPCs während der verschieden Quests an und man lehnt sie ab, findet man sie oft in Tavernen wieder und kann sie dort nachträglich anheuern. Dort landen auch Mitglieder, die zuvor aus der Gruppe entlassen wurden. Allerdings kann man nicht sofort sieben Mitglieder aufnehmen, weil alles durch euren Level und durch euren Geldbeutel begrenzt ist. Wenn man mehr Mitglieder aufnehmen will, will die nette Dame in der Taverne erst mal Gold sehen und zwar nicht zu knapp. Leider kommt man nach den ersten vier Mitgliedern erst mal nicht zu weiteren, weil dafür der Status des Veteranen benötigt wird.

Neben menschlichen Mitgliedern feiert auch der Esel sein Comeback. Doch das ist nicht alles. Das Petsystem wurde für Dungeon Siege 2 noch erweitert, weshalb mehrere Kreaturen zur Auswahl stehen. Spieler dürfen sich auf Kreaturen wie Elementarwesen, einen Höllenhund oder auf eine Skorpionkönigin freuen. Die Liste der Kreaturen kann erweitert werden, sofern man neue Kreaturen in speziellen Abschnitten der Spielwelt einfängt. Der besondere Clou ist aber, dass diese possierlichen Tierchen wachsen. Alle fangen klein und süß an und wachsen durch Füttern. Wer da an Whiskas und Chappy denkt, liegt total falsch. Denn zu fressen gibt es richtig harte Sachen: Tränke, Rüstungen, Waffen und andere Items. Damit lassen sich in jedem Wachstumsstadium Werte wie Gesundheit, Mana, Rüstung und ähnliches beeinflussen. Auch den Pets stehen eine individuelle Heldenkraft zur Verfügung, sowie eine Emanation. Bei der Emanation (auf Deutsch „Ausstrahlung“) handelt es sich um einen Buffeffekt, der auf die nahe stehenden Charaktere wirkt. Für das Review wurde eine Skorpionkönigin ausgewählt und auf den Namen Mathilde getauft. Das Wachstum von Mathilde ging relativ rasch, besonders wenn man sie mit sehr wertvollen Rüstungen oder Waffen fütterte. Mit den Pets kann man viel Spaß haben, vor allem da man sie bis zum Erwachsenenalter gut als Müllschlucker verwenden kann, falls man überschüssige Items gerade nicht verkaufen oder ablegen mag.

Ein Weg mit vielen Umwegen

In den ersten Spielstunden von Dungeon Siege machte sich leichte Enttäuschung breit. Denn die Spielwelt wirkte wie eine große Einbahnstraße. Zusammen mit der Map, auf der Richtungspfeile und Sternchen Questorte anzeigen, musste man schon blind oder außergewöhnlich blöd sein, um nicht zu wissen, wo es entlang ging. Alles sprang einem genau ins Gesicht. Später öffneten sich die Areale zum Glück: Dungeons wurden größer und verzweigter und auch die Umgebungen selbst sind großflächiger geworden. Es führten immer mehr Wege ab, endeten dann in kleineren Dungeons und Höhlen oder führten über Umwege doch zum eigentlichen Ziel. Auch wenn man immer noch das Gefühl hat, dass es nur vorwärts geht, hat sich das Spiel auch im Hinblick auf die Linearität merklich gegenüber dem Vorgänger gebessert. Leider lassen sich die Hinweise auf der Map nicht abschalten, was dem Entdeckungsdrang und dem Schwierigkeitsgrad einen Dämpfer verpasst.

Hier und dort entdecken wir auch geheime Schalter, die direkt versteckte Items erscheinen lassen oder Durchgänge zu kleinen, versteckten Arealen freigeben. Außerdem muss man auch zu manchen Gegenden zurückkehren, um spätere Aufgaben zu erledigen oder weil die Gegner vorher zu stark waren. Ein Beispiel dafür ist eine Nebenquest, in der ein Schmied von Hak’us überfallen wurde. Sie lauerten im Keller und ich wurde gebeten, mich darum zu kümmern. Es folgte zwar der Hinweis, dass die Gefahr eventuell zu groß sein könnte, aber das kann man schnell als typisches Geplapper des NPCs auffassen. Schmerzlich musste der JustGamers-Redakteur dann feststellen, dass in einer Ecke des Kellers mehrere Gegner mit mindestens Level 20 lauerten, während man selbst nicht einmal Level 15 erreicht hatte. Zu diesem Zeitpunkt bestand hier keine echte Überlebenschance. Ein weiteres Beispiel sind die Geister, die seit Spielanfang anzutreffen sind, mit denen man aber erst später kommunizieren kann.

Was die Präsentation der Spielwelt betrifft, so ist für Abwechslung gesorgt. Die Dryadeninsel am Anfang des Spiels besticht durch dichte Wälder mit hohen Bäumen, durch welche einzelne Lichtstrahlen bis zum Boden reichen. Direkt danach folgt eine verstaubte Wüstenlandschaft, welche aufgrund geringerer Vegetation übersichtlicher ist als der dichte Dschungel und einen schönen Kontrast darstellt. Auffallend ist, dass jede Umgebung thematisch schön arrangiert wurde und die Designer die Maps noch per Hand erstellt haben.

Die Interaktion mit der Umgebung ist gegeben, aber begrenzt. So lassen sich an jeder Ecke Kisten und Vasen zerschlagen, um Items zu erhalten. Manchmal entdecken wir auch versteckte Schalter oder Sträucher, bei denen sich mit entsprechenden Skills Tränke „pflücken“ lassen. Schreine am Wegesrand füllen zudem manchmal Mana oder HP auf oder es gibt Schreine, in denen spezielle Chants gewirkt werden können. Das sind Zauberformeln aus speziellen Spruchrollen, die überall in der Spielwelt gesammelt werden können und die Gruppe für begrenzte Zeit mit einem Buff überziehen.

Um das Reisen zu erleichtern, lassen sich in regelmäßigen Abständen Teleporter entdecken und aktivieren, die im Netzwerk mit anderen Punkten der Welt und insbesondere mit den Städten verbunden sind. Falls einem diese zu weit weg sind, kann man außerdem direkt zu Beginn des Spiels ein Portal herbeizaubern, welches einen einmal zur nächsten Stadt teleportieren kann und wieder zurück. Danach verschwindet es und muss neu erstellt werden.

Passt das noch in die Tasche?

Die Spieler von Dungeon Siege 1 hatten sich darüber beklagt, dass es noch zu wenig Items gab. Diesen Forderungen ist das Entwicklerteam nachgegangen und überschüttet uns nun schon fast mit Items. Es gibt wirklich unzählige, unsagbar viele Items in Dungeon Siege 2. Das Sortiment an Waffen, Rüstungen, Ringen und ähnlichen Accessoires ist unglaublich groß. Man kann kaum ein paar Meter gehen, ohne dass einem neue, meist bessere Items vor die Füße geworfen werden.

Nicht nur, dass es unterschiedliche Items mit unterschiedlichen Werten gibt, es scheint auch wirklich eine Vielzahl von Designs zu geben, die man am Charaktermodell erkennen kann. Gas Powered Games spendierte unterschiedliche Items, mit ganz eigenen kulturellen Hintergründen. Die Waffen und Rüstungen der Dryaden scheinen mit vielen Blättern und Holzbestandteilen biologisch abbaubar zu sein, während Elfenmaterialien mit vielen Symbolen verziert und edel verarbeitet sind.

Es gibt auch ganze Item-Sets, welche beim erfolgreichen Zusammenstellen der ganzen Kollektion weitere Boni versprechen. Es gibt so viele Items, die der Spieler finden kann, dass das Inventory sehr schnell voll wird und man alle paar Minuten über ein Umrüsten nachdenken muss. Das zwingt einem keiner auf, aber es ist schon fast ein wenig lästig.

Items, die nicht schon verzaubert sind, lassen sich bei kundigen Leuten gegen Bares nach eigenen Wünschen verzaubern, denn Materialien dafür findet der Spieler auch genug. Leider hat man nie den Drang verspürt, sich Items verzaubern zu lassen. Nicht nur, dass es Geld und Zeit kostet, es erscheint auch einfach unnötig. Warum sollte der Spieler Items verbessern, wenn er nur einmal einem Monster die Rübe absägen muss, um ein besseres Schwert zu erhalten? Das Verzaubern bleibt eine nette Idee für Spieler, die sich kreativ austoben wollen, aber das Verzaubern ist genauso unnötig für das Vorankommen im Spiel wie das Einkaufen von Waffen oder Rüstungen.

Das meiste Geld, das man zusammengespart hatte, wurde für neue Partymitglieder, Tränke oder seltener für Zaubersprüche ausgegeben. Die neue Itemflut kann also als Segen oder als Fluch gesehen werden, wobei im Test doch eher ersteres überwiegte. Schließlich stellte sich schnell als größte Motivation beim Spielen von DS2, neue Items oder Zaubersprüche zu sammeln und zu sehen wie diese auf bisher unbekannte Gegner wirkten.

Besonders viel Freude machte ein Zweihänder für Lothar. Denn magische Waffen belohnen den Spieler auch mit schönen Effekten im Kampf. Dieser Zweihänder glühte rot und surrte sogar beim Zuschlagen, weswegen man sich im Kampf schon manchmal an Laserschwertkämpfe aus Star Wars erinnerte.

Eine alte Dame auf jung geschminkt

Der wahrscheinlich größte Kritikpunkt, den man bei Dungeon Siege 2 anführen könnte und der wohl der Grund sein könnte, warum die meisten Interessierten zurückschrecken. Beim ersten Anblick der Grafik im Spiel selbst teilt man schnell die Meinung. Denn in Dungeon Siege 2 wird fast die gleiche Grafikengine verwendet wie im ersten Teil von 2002. Man muss es ganz klar sagen: Im Vergleich zu den momentanen Möglichkeiten ist Dungeon Siege 2 grafisch ein altes Mädchen. Mit einer neuen Engine wäre viel mehr drin gewesen.

Der Spieler wird nach der Installation schon von einem eher hässlichen Hauptmenü in Schwarz und Rot begrüßt, welches eine nicht änderbare Auflösung von 800x600 Bildpunkten hat! In der Charaktererstellung sieht man zum ersten Mal, dass der Spielcharakter auch nicht gerade bildschön ist.

Die Figur kann man sich mittels der Kriterien Rasse, Geschlecht, Gesicht, Haartyp und Haarfarbe zusammenstellen, wobei nur eine Handvoll an Auswahlmöglichkeiten geboten wird. Andere Rollenspiele bieten hier mehr. Außerdem wirkt die Farbpallette der Haare beispielsweise mit den schrillen Farben eher wie aus einem Cartoon entsprungen.

Das Spiel läuft auf einer maximalen Auflösung von 1280x1024. Dabei fällt auf, dass die Texturen zwar immer bei näherer Betrachtung verwaschen aussehen, aber trotzdem vielfältig sind und mit Liebe gestaltet wurden. Durch die neuen Spielumgebungen wird das Auge ebenso mit neuen Impressionen verwöhnt wie mit neuen Rüstungs- oder Waffenteilen.

Die Charaktermodelle selbst bestehen aus wenigen Polygonen. Auch deswegen fühlt man sich in Zeiten einer neuen Grafikgeneration wieder an einen Comicstil erinnert, welcher allerdings auch im Bezug auf World of Warcraft etwa seinen eigenen Charme entwickeln kann.

So verschwindet jede Skepsis gegenüber dem Spiel mit jeder zusätzlichen Stunde, die man mit dem Spielen verbringt. Man taucht in die Atmosphäre des Spiels ein und gewöhnt sich an die Optik. Nicht zuletzt aufgrund des größten technischen Pluspunktes von DS2: Der Kampf- und Magieeffekte. Hier ziehen alle Farben des Regenbogens über den Bildschirm und es ist ein Fest, den Charakteren beim Metzeln zuzusehen. Feuerbälle, die realistisch durch die Gegend fliegen, erhellen die Umgebung und zerreißen beim Aufprall in vielen Rottönen.

Gerade die stärkeren Sprüche trumpfen immer mehr auf. Während der einfachste Heilzauber noch relativ unspektakulär war, schießt beim zweiten ein strahlender Lichtkegel um die Charaktere herum aus dem Boden heraus und wie ein erfrischender Regen rieseln blaue Lichtpunkte über der Party herunter, begleitet von der Zauberanimation des Magiers. Besonders die bereits erwähnten Heldenkräfte setzten hier allem die Krone auf. Schock- und Druckwellen, Energiekuppeln, Rauchschwaden, Lichtblitze, Feuerstrahlen, Energiebögen, Runen, Auras, Sternchen – hier werden alle Register gezogen.

Wichtig ist außerdem zu erwähnen, dass Geschosse und Schläge nicht gleich eine erfolgreiche Attacke sein müssen. Denn es handelt sich nicht nur um die optische Bestätigung eines Schadens, sondern um echte Objekte, von denen sich jedes auf einer eigenen Bahn befindet. Die Gegner und auch die eigenen Charaktere haben also die Möglichkeit, Attacken durch geschickte Manöver auszuweichen. Das lässt den Spieler den Attacken noch mehr Beachtung schenken, weil man sich fragt, was damit passiert.

Fazit

André Mackowiak: Dungeon Siege 2 schafft es, nach kurzer Zeit den eher mäßigen Ersteindruck zu überwinden und wirklich Spaß- und Suchtgefühle auszulösen. Die unzähligen Items und abwechslungsreichen Monsterdesigns locken den Spieler immer wieder zur nächsten Map. Die Heldenkräfte sind ein wirklich tolles Feature und bilden zusammen mit dem Skillsystem und den Pets ein mehr als solides Gameplay. Grundsätzlich merkt man, dass Gas Powered Games das Spiel nach dem Vorgänger noch verbessern wollte – was auch in vielen Bereichen gelang. Doch trotzdem gibt es einige Kritikpunkte, die verhindern, dass das Spiel bei uns bessere Wertungen erzielen konnte. Denn selbst wenn man das Spiel vielleicht als echtes Rollenspiel tarnen wollte, spricht es eindeutig Spieler an, die Action à la Diablo suchen. Die Story ist nicht das versprochene große Meisterwerk und auch die Charakterinteraktionen sind auf einem kleineren Level gehalten, um den Spieler nicht unnötig von der Action fernzuhalten. Die eingestreuten Quests sind ziemlich schematisch und die Aufgaben sehr simpel. Die Linearität ist, auch wenn sie deutlich geringer spürbar ist als im Vorgänger, immer noch vorhanden und lässt wenig Freiraum. Ein zweischneidiges Schwert ist die Grafik: Auch wenn die Effekte wirklich schön sind, bleibt es eine alte Engine und das hätte nicht sein müssen. Eine zeitgemäße Grafik macht noch kein gutes Spiel, aber eine ansprechende Präsentation kann viele Pluspunkte sammeln. Kein Verständnis habe ich für die Speicherfunktion in unserer Testversion, die nur einen Speicherstand zulässt. Wir haben uns mit der Wertung zu Dungeon Siege 2 wirklich schwer getan, weswegen wir festhalten wollen, dass es 'nur' ein wirklich gutes Spiel ist, selbst wenn es nicht zum absoluten Tophit reicht.

Marian Härtel:

Dungeon Siege 2 ist ein würdiger Nachfolger.Nach ein Weile fängt das Spiel an einen Suchtfaktor zu entwickeln, wie man diesen beispielsweise aus Diablo 2 kennt. Grafisch ist der Nachfolger sicherlich ein starker Schritt nach vorne, trotzdem leistet die Engine sich hin und wieder einige Schwächen. Auch der Sound kann des öftern nicht wirklich überzeugen. Wer Dungeon Siege geliebt hat, wird auch mit Dungeon Siege 2 schnell warm, denn es bietet Hack 'n' Slay in modernem Gewand und eine gute Portion Spielspaß. Trotz neuer Ideen bleibt das Spiel allerdings sehr linear und kann bei der Story nicht wirklich auftrumpfen.

Wer ein tiefgründiges Rollenspiel sucht, sollte daher lieber auf Morrowind IV: Oblivion warten.

Dungeon Siege 2 [PC , Justgamers]

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