Dungeon Siege

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Microsoft
Entwickler
Gas Powered Games
Erscheinungsdatum
-
Genre
RPG
USK
12
Dungeon Siege [PC , looki.de]

Gesamtwertung

81%/10

Grafik

Sehr gut

Sound

Sehr gut

Lanzeitspaß

Befriedigend

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Gut

Dungeon Siege

Die Geschichte eines Spieledesigners?

Chris Tayler, Erfinder von Innovationshit Total Annihilation versucht mit seiner Spielefirma Gas Powered Games das Rollenspielgenre mit Dungeon Siege aufzufrischen. Dabei muß man jedoch schon bei der Wortwahl vorsichtig sein, denn Dungeon Siege ist kein Rollenspiel, wie Morrowind: The Elder Scrolls III, sondern ein Hack 'n' Slay Action Spiel mit Rollenspielelementen, wie es z.B. auch bei Blizzard's Diablo II der Fall ist. Auf eine Hintergrundgeschichte legt Dungeon Siege nicht viel Wert. Auch nicht an umfangreiche Quests. Diese darf man bei Dungeon Siege gar nicht erst erwarten.

Der Beginn

Als normaler Bauer oder Bäuerin muß man sein Heimatland verteidigen, welches, nachdem es seit 300 Jahren keinen Krieg gegeben hat, von einem finsteren Feind angegriffen wird. Dabei Frage ich mich, warum bei wenig Story auch noch dieses bißchen derart 'abgedroschen' sein muß! Warum wird der unbedeutenste Mensch im Reich immer wieder zum Helden und stärker als jeder Kämpfer im Land?

Einen Charakter mit blauen Haaren bitte schön...

Aber egal...So kommt man wenigsten schnell zur Charaktergenerierung, bei der es aber nicht um Eigenschaftswerte, sondern nur das Aussehen des Helden oder der Heldin geht. Schon findet man sich auf einem Feld wieder und muss, nach einer ersten Einführung in die Hintergrundgeschichte, die ersten Bösewichte mit einer einfachen Waffe erledigen. Natürlich sind diese noch nicht allzu stark, sondern werden immer stärker je mehr Die Charakterwerte besser werden und je mehr der Held dazu lernt. Wirklich sehr innovativ. Bei dem Charakteraufbau kann man dann auch nicht viel falsch machen, weshalb der Held und seine Gruppe während der Einzelspielerkampagne auch selten in wirkliche Schwierigkeiten gerät.

Rollenspiel mal anders

Im Gegensatz zu Diablo 2 bekommt man nämlich nicht für jedes getötete Monster Erfahrungspunkte und kann diese bei Levelanstieg auf Eigenschaften verteilen (hier also auch Fehler machen!), vielmehr wird man durch den Gebrauch von vier Dingen immer besser in der jeweiligen Kategorie: Dies sind Fernwaffen, Nahkampfwaffen, Kampfzauber und Naturzauber. Den einzigen wirklichen Fehler, den man machen kann, ist, sich nicht zu spezialisieren.

Beginnt man den Helden mit einer Fernkampfwaffe (die leider auch im Nahkampf genauso viel Schaden macht und genauso benutzt werden kann, wie im Fernkampf) sollte man auch dabei bleiben, um die Werte möglichst hoch zu steigern. Allrounder taugen nichts. Das System an sich, ist recht innovativ und erinnert z.B. an Morrowind. Allerdings bewegt es sich aufgrund der nur 4 veränderbaren Werte auf einem sehr geringen Level und dürfte daher auch keine Rollenspielfans anlocken, die wohl eher zu Elder Scrolls III greifen werden. Die klassenspezifischen Werte, wie Stärke und Geschicklichkeit und Intelligenz verändern sich zwar auch, bei den jeweiligen Klassen jedoch in besonderem Maße, so dass Nahkampffähigkeit fast mit Stärke und Fernkampffähigkeit fast mit Geschicklichkeit gleichzusetzen sind. Dies gilt inbesondere, da ich keine Schadensveränderung feststellen konnte, wenn ein Gruppenmitglied seine Fähigkeit verbesserte, aber nicht die Waffe wechselte. Anscheinend dient die Fähigkeit Nahkampf z.B. nur dazu, festzustellen, wie schnell der Zuwachs an Kraft und Geschicklichkeit ist und beeinflußt so indirekt, welche Gegenstände benutzt werden können, die dann jeweils andere Eigenschaften besitzen oder mehr Schaden anrichten.

Die Gruppe ist mir heilig

Wie dann aber z.B. an Nahkämpfer oder Zauberer kommen? Ganz einfach. Im Laufe der Kampagne kann man bis zu 7 weitere Begleiter mitnehmen. Einige folgen euch, wenn ihr einen Quest löst (von denen es aber sehr wenige insgesamt gibt), andere wollen nicht gerade wenig Gold sehen, um euch zu begleiten. Die wirkliche Herausforderung an Dungeon Siege ist, die Mitstreiter richtig auszurüsten. Immer den besten Bogen, immer die beste Rüstung etc. Schon sind die allermeisten Kämpfen kaum ein Problem. Stattet man hingegen die Gruppenmitglieder nicht richtig aus, verliert man schon einmal einen schwach gerüsteten Zauberer in der Hektik des Kampfes. Mit etwas Glück ist dieser nur ohnmächtig und nach etwas Warten wieder auf den Beinen. Sollte wirklich ein Mitglied getötet werden, kann dieser auch wiederbelebt werden oder ein Spielstand geladen werden, die nämlich immer und schnell angelegt werden dürfen.

Sammeln ist meine Leidenschaft

Die Qualität der Gegenstände steigt mit dem Fortschritt in der Kampagne. Stellenweise sind die Anforderungen noch zu hoch, gerade wenn man einer großen 8-Mann Gruppe unterwegs ist und deswegen nicht ganz so viel Erfahrung sammelt. Trotzdem reichen die Gegenstände, die man auf dem Schlachtfeld findet, völlig aus, um jeden Kampf zu gewinnen. Zwar kann man in Ortschaften diese auch verkaufen, gerade aber in den späteren Gegenden findet man genug Geld, welches man direkt aufsammeln kann. Der Verkauf von Gegenständen und das Sammeln lohnt dann nicht mehr wirklich. Wer trotzdem der Sammelleidenschaft fröhnen will, die jedoch nicht so ausgeprägt sein wird, wie bei Diablo 2, da die Gegenstände einfach nicht abwechslungsreich genug sind, kann sich auch noch ein Maultier besorgen, welches viel Gepäck schleppen kann. Diese Idee fand ich wirklich nett und abwechslungsreich, auch wenn ich nach einem Versuch den Muli nicht mehr benutzt habe, da einfach kein Bedarf bestand.

Grafiko bombastico

Anders läßt sich der grafische Eindruck von Dungeon Siege kaum beschreiben. Was Chris Taylor und seine Mannen von den Gas Powered Games für ein Grafikfeuerwerk zünden, ist fantastisch. Gerade die Abwechslung der Gegenden, die dunklen Dungeons, Zwergenminen, Strände, tropischen Wälder, verschneite Berge etc. umfassen, ist sehr groß. Dies gilt auch für die Monster: Von Zwergen, Feen, Hunden, Schlangen, Dämonen, Skeletten, normalen Menschen über Zauberer, die andere Kreaturen beschwören und fiesen Endgegnern bis in sogar zu Robotern, Panzern und Hubschraubern in einem Trolllabor, findet sich fast jedes denkbare Wesen. Die Kreakturen sind dabei wirklich schön animiert und abwechslungsreich gestaltet. Außerdem haben z.B. Endgegner teilweise eine beeindruckende Größe, deren Unterschied sehr gut dargestellt wird.

Gerade aber auch die Umgebungseffekte, wie Schneegestöber, welches soweit geht, dass man kaum etwas sieht, Sonneneinstrahlung oder Regen sind gut gemacht. Auch die Zaubersprüche sind schön animiert, allerdings nicht besser, als in anderen Spielen. Gut gefallen hat mir auch die Abwechslung der Gegenden mit viel Wald und Umgebungsdetails, bei denen man sieht, dass die Leveldesigner mit viel Liebe am Werk waren. Schön auch, dass z.B. Bäume und Dächer automatisch und butterweich ausblenden, um die Sicht nicht zu versperren. Das Beste jedoch ist, dass die gesamte Grafik vollkommen ohne Laden auskommt. Es gibt keine sichtbaren Levelabschnitte. Bei einer derart riesigen und mit Effekten vollgestopften Welt, ist dies schon ein beachtliche Leistung.

Einmal Kameraman spielen

Die Kameraperspekte kann stufenlos gedreht, gewendet und gezoomt werden. Bei zu nahem Zoom kann es jedoch vorkommen, dass die Figuren etwas verpixeln. Außerdem leidet dann auch die Übersicht. Theoretisch wäre es jedoch möglich, mit Maus und Tastatursteuerung, Dungeon Siege so spielen, dass man die Gruppe immer auf die Kamera zukommen sieht. Die Steuerung ist dabei extrem einfach und intuitiv. Der Einstieg gelingt, gerade auch durch Tips am Anfang, sehr schnell. Das Problem an der Bedienung ist meiner Meinung nach, dass sie dem Spieler schon wieder zu viel abnimmt. Die Gruppenmitglieder agieren (bei der richtigen Einstellung) vollkommen autonom und intelligent! und 'säubern einen Bildschirm stellenweise ganz allein, ohne dass der Spieler etwas tun muß. Die Aktionen sind darauf beschränkt, dass man vorsichtig sich nach vorne bewegt, die Mitglieder kämpfen läßt und ab und zu veranlaßt, dass Heilungstränke zu sich genommen werden, die dann auch sofort Wirkung zeigen. Dadurch kann man seine Mitglieder mit Massen an Tränken ausrüsten und eine 'Der Schaden ist mir egal'-Taktik fahren, die dazu führt, dass ich nach 20 Stunden Spielzeit vielleicht 10-15 Situationen hatte, in denen ich meine Gruppe 10 Meter zurückziehen mußte, um Luft zu holen und neu zu gruppieren. Zwar kann man einstellen, dass die Helden keine Monster verfolgen und nicht eingenständig agieren (dann muß man Pause drücken und jeden Held einzeln einen Gegner zuweisen) eine Notwendigkeit dafür gibt es aber selbst auf den höchsten Schwierigkeitsgrad nicht und man verlängert die Spielzeit nur künstlich, den große Vorteile ergeben sich daraus nicht (außer dass man vielleicht Zauber effektiver einsetzen kann). Zuviel Automatisierung muß also nicht gut sein. Die Steuerung an sich, hat aber viele Kniffe, die sich von anderen Spielen abheben, und wo zu erkennen ist, dass hier die Designer mitgedacht haben. So kann man z.B. die Gegenstände auf dem Schlachtfeld automatisch aufsammeln lassen (sollte man sie denn brauchen), alle Gruppemitglieder mit einmal auswählen, nur einzelne per Tastatur makieren, Gegenstände im Inventar automatisch anordnen lassen und vieles mehr.

Ich würde so gerne ein Zauberer sein..

Leider kann das Zaubersystem in Dungeon Siege überhaupt nicht überzeugen. Hier wurde es viel zu viel vereinfacht und stösst damit wiederum 'Rollenspieler' ab. Zwei Zauber können automatisch in die 'Schnellzauberstelle' gesetzt werden. Praktischer Weise läßt man dies ein Angriff und z.B. ein Heilzauber sein. Will man die anderen Sprüche nutzen, muß man immer das Spiel anhalten, Inventar öffnen, Zauberbuch auswählen und den Zauber sprechen. Umständlich. Außerdem sind andere als die Angriffszauber auch selten zu gebrauchen. So können z.B. eine Vielzahl an extra Monster beschwört werden, die die Gruppe beschützen, allerdings haben die selbst auf höheren Leveln noch eine zu geringere Lebensdauer, weshalb man irgendwann darauf verzichtet, diese zu nutzen. Würde das Beschwören einfacher sein, könnte es sich ändern aber so ist es viel zu lästig. Ein Beschwörungszauber kann nicht einmal benutzt werden, wenn diese in der Schnellzauberleiste ist, aber alle Partymitglieder ausgewählt sind (was regelmäßig der Fall ist, denn nur dann formieren sich die Mitglieder in den auswählbaren Formationen!). Leider hat auch hier Dungeon Siege Potential verschenkt.

Jemand reiche mir ein Lineal

Selten habe ich ein Spiel gesehen, welches derart linear ist, wie Dungeon Siege. Mit ganz wenigen Ausnahmen, z.B. einer Sumpflandschaft oder wenigen Höhlen am Strassenrand, geht es immer nur fortwärts. Man kommt nie an eine Stelle zurück, an die man schon war. Selbst Städte betritt man an der einen Stelle und verläßt sie auf der anderen Seite. Trotzdem kommt Abwechslung vor, denn die Gegenden sind sehr unterschiedlich. Man kommt sich aber vor, als wenn man einen Film nachspielt auf dem man keinen Einfluß hat. Dies hat daher auch einen sehr unangenehmen Eindruck auf die Hintergrundgeschichte und Quest, die kaum vorhanden sind. Man bekommt einen Auftrag, kämpft sich weiter und weiter durch Höhlen und Wälder (wobei man sich fragt, warum da alle 5 Meter eigentlich eine neue Gruppe Monster steht...) und hat einen Auftrag erledigt. Dann gibt es einen neuen Auftrag und wieder kämpft man sich wie auf einem Fließband immer weiter. Während das Gameplay irgendwann langweilt, ist ein Suchtfaktor, das Spiel zu beenden, aber doch vorhanden, da man unbedingt wissen will, wie die nächsten Gegend und der nächste Gegner aussieht. Eigentlich kann man schon fast sagen, an diesem Punkt entscheidet sich, ob Dungeon Siege Spaß macht oder nicht. Will man das simple Gameplay und nimmt die lineare Handlung hin, ist Dungeon Siege Klasse. Will man ein Rollenspiel mit Handlungsfreiheit, wird Dungeon Siege arg enttäuchen.

Mama, ich will nicht alleine spielen

Auch Dungeon Siege bietet mit 'Ultraean Peninsula' eine eigene kreisrunde Welt an, die mit anderen menschlichen Spielern durchquert werden kann und auch in drei Schwierigkeitsgrade gemeistett werden will. Man kann aber auch per IP oder LAN die gesamte Singleplayer Kampagne mit bis zu sieben weiteren Mitgliedern durchspielen. Gegenstände können nach Verlassen eines Multiplayerspieles natürlich gespeichert werden. Jedoch erfolgt dies auf dem eigenen Rechner, weshalb Hacks wohl nicht weit entfernt sind. Eine weitere Welt ist gerade in Arbeit und mit einem Editor und einem 3DMax Pack etc, die bald veröffentlicht werden sollen, können intuitiv eigene Single- und Multiplayerwelten erstellt werden. Ob Dungeon Siege trotzdem langlebig ist, bleibt abzuwarten.

Fazit

Dungeon Siege ist definitiv kein Diablo 2 Killer. Zwar kann die wirklich schöne Grafik mit den abwechslungsreichen Gegenden, den schönen Animationen und Zaubersprüchen überzeugen und läßt einen Schaudern, wenn man an die pixelige 800x600 Grafik von Diablo2: LoD denkt, ich bezweifele aber, dass es Dungeon Siege schaffen wird, den Kultstatus von Diablo II zu brechen (was zugegebener Maßen auch mehr als schwer ist)

Anders herum ist Dungeon Siege gar nicht so sehr vergleichbar mit Diablo 2. Es gibt etliche feine und größere Unterschiede zu Diablo 2. So basiert Dungeon Siege auf einem anderen Rollenspielmodus, bei dem die Benutzung von Waffen und nicht das Töten an sich Erfahrung bringt, ist Dungeon Siege viel mehr auf eine große Gruppe ausgelegt (auch im Multiplayermodus) und besitzt Dungeon Siege einen Einzelspielermodus, der sich vom Mehrspielermodus unterscheidet. Die einzige wirkliche Gemeinsamkeit ist, dass beide Spiele in das Genre Hack 'n' Slay eingeordnet werden können, da es weniger auf das Rollenspiel im klassischen Verständniss ankommt, als darauf möglichst viele Gegner in möglichst kurzer Zeit zu töten.

Obwohl der Einzelspielermodus durchaus 30 Stunden Spielzeit garantieren kann, ist er nur für Anfänger von Rollenspielen gedacht. Eine Story fehlt fast völlig, Quests sind kaum vorhanden und dass Dungeon Siege linearer als Diablo 2 ist, nehme ich dem Spiel übel.

Dungeon Siege hat meiner Meinung nach einiges an Potential verschenkt. Würde die bombastische Grafik mit einem weniger linearen und simplen Gameplay verknüpft worden, hätte aus Dungeon Siege ein absolutes Topspiel werden können, welches lange Zeit als Referenz hätte herhalten müssen.

Wer also ein Spiel, wie Baldurs Gate oder auch Morrowind erwartet, sollte die Finger von Dungeon Siege lassen. Denn durch die geringe Abwechslung im Gameplay tendiert auch der Wiederspielwert gegen null. Wer jedoch schöne Grafik gepaart mit 20-30 Stunden Hack 'n' Slay mag und sich auch nicht verlaufen will, nicht anspruchsvolle Rollenspielkost braucht, nicht taktisches Vorgehen in den Kämpfen erwartet, sondern einfach nur eine Weile Spaß haben will, kann unbesorgt zugreifen.

Dungeon Siege [PC , looki.de]

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