Gesamtwertung81%/10 |
GrafikBefriedigend SoundSehr gut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungSehr gut |
Manche meinen mit Monkey Island 3 wurde seinerzeit der absolute Höhepunkt des Adventuregenres erreicht. Mit Einkehr der Dreidimensionalität haben die Rätselspiele für viele ihren Reiz und Charme verloren. Auch die Originalität schien fortan etwas auf der Strecke zu bleiben. Einige wenige Titel, wie Dreamfall, Syberia, Tunguska und nicht zuletzt Fahrenheit verhalfen dem Genre zwar zu neuem Ruhm, konnten aber die Alteingesessenen nicht wirklich vom Hocker reißen.
Ausbrechen für Fortgeschrittene...
Aus diesem Grund hat es sich Daedalic Entertainment zur Aufgabe gemacht, ein traditionelles, bissiges und unterhaltsames Adventure zu produzieren, dass im Stile von Monkey Island die Herzen wirklich aller Rätselfreunde erobern sollte. Mit Edna Bricht Aus steht dieser ehrenhafte Versuch nun in den Händlerregalen. Ob sich der Griff zum Spiel lohnt oder ob das Point n Click-Adventure endgültig ausgestorben ist, klärt der Test. Dass die Entwickler auf die Durchschlagskraft der Skurrilität setzten, wird bereits in den ersten Minuten des Spiels, wenn nicht sogar bei der Begutachtung der Verpackung deutlich.
Dieser Umstand zieht sich durch das gesamte Spiel, angefangen beim Grafikstil, über die Story bis hin zu den Rätseln. Selbst Edna sieht so beknackt aus, dass sie eigentlich sofort als Irre durchgehen würde. Passend dazu findet sie sich auch ohne Gedächtnis in einer kleinen Gummizelle einer Psychiatrie wieder. Doch Edna ist keineswegs verrückt, weshalb ihr erster Gedanke auch direkt dem Ausbrechen gewidmet ist.
Und da kommt auch schon der Zocker ins Spiel. Angetrieben von ihrem Frottee-Stoffhasen Harvey und den Klicks der Maus muss sie sich ihren Weg aus der Anstalt bahnen. Dass das nicht so einfach ist, dürfte klar sein, da sie nicht nur die ziemlich stabilen Wände, sondern auch jede Menge gestörte und bösartige Charaktere daran hindern wollen. Ihr Oberhaupt ist Dr. Marcel, der Anstaltsdirektor, der Edna aus irgendeinem bestimmten Grund festzuhalten scheint.
Im Laufe der Geschichte wird die Protagonistin dann nicht nur ihren Fluchtweg ebnen, sondern auch einer unglaublich abgefahrenen Verschwörung auf die Schliche kommen, die sich rund um ihren hingerichteten Vater schürt.
Währenddessen lässt Edna satte 120 Locations hinter sich, die allesamt mit knackigen Rätseln, lustigen Dialogen und einem kranken Grafikstil aufwarten. Da sich das Gameplay stark an den legendären Lucas Arts-Spielen orientiert, werden sich Kenner schneller zu Recht und sofort wohl fühlen. Das Interface erinnert sehr an alte Zeiten. So navigiert ihr Edna per Mausklick und Gehe zu-Befehl durch die Umgebungen und interagiert mit so gut wie allem durch die vier Möglichkeiten Nehmen, Reden, Benutzen und Ansehen. Da kommt Nostalgie auf. Da das Steuerungssystem bewehrt leicht von der Hand geht, kommen auf Neulinge schnell ins Spiel.
Die meisten Rätsel sind ziemlich abstrakt und ergeben erst im Nachhinein ihren logischen Sinn. Aber immerhin: Etwas Logik gibt es in dieser verrückten Welt, in der selbst die Wächter einen an der Klatsche zu haben scheinen. Trotzdem gibt es auch immer mal einige Aufgaben, die ohne krank genialen Verstand, über den wir natürlich verfügen, nur durch Probieren zu lösen sind.
Diese halten sich aber in Grenzen. Eigentlich kommt man ganz gut voran und selbst wenn es mal nicht so läuft, ist die Motivation so hoch, dass man kaum wagt, das Spiel auszumachen. Denn vor allem die wirklich sehr gelungenen und aberkomischen Dialoge sind das Geld schon wert. Hier fühlt man sich wie in einem postmodernen Monkey Island. Die Sprüche sind derber, sitzen aber genauso gut. Die Themen sind härter, regen aber genauso zum Lachen an.
Und die Sinnlosigkeiten werden bis zum Letzten ausgereizt, was den Charme ins Unermessliche treibt. Die Dialoge haben aber nicht nur Story technische Bedeutung, sondern stellen eine weitere Herausforderung dar. So muss man oft um im Spiel voran zu kommen den ein oder anderen Charakter überreden, einem zu helfen.
Dabei sollte man möglichst die richtige Gesprächstaktik wählen, um ihn aus der Reserve zu locken. Da man oft ziemlich viele Auswahlmöglichkeiten hat, stellt sich das als gar nicht so einfach heraus. Wirkliche Wortgefechte gibt es aber leider nicht. Manchmal steht mal allerdings auch etwas verlassen da und weiß nicht wirklich, was zu tun ist. Da gerade das Inventar nicht gerade leer bleibt, bleiben lange Verbindungsorgien nicht aus, während der man versucht Gegenstand A mit Gegenstand B bis ß zu kombinieren. Leider spricht zwar Harvey gern mit uns, aber wirklich hilfreich ist er nur selten. Er ist halt kein Max, sondern nur ein Stan.
Nein, Edna ist nicht verrückt. Zumindest in Bezug auf ihre Umgebung stimmt das. Nichtsdestotrotz ziehen die vielen sympathischen, wenn auch kranken Charaktere und die schön erzählte Story den Spieler in den Bann und lassen ihn erst wieder nach Beendigung des Titels frei. Unterstützend wirkt dabei der tolle Soundtrack und die wunderbare deutsche Vertonung, die so ausschweifend daherkommt, dass man es kaum glauben mag.
Tausend Seiten gesprochenes Skript sind dagegen nichts. Auch die vielen verbalen Anspielungen auf andere Adventures werden vor allem Kenner motivieren. Grafisch zeigt der Titel quasi seine skurrile Hülle. Wirklich gut sieht das Spiel nicht aus, trotzdem haben die holprigen 2D-Grafiken ihren Charme und passen eigentlich perfekt ins Setting. Dennoch werden vor allem Neulinge wohl ihre Gewöhnungsschwierigkeiten damit haben.
Edna bricht aus im Test.
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