Gesamtwertung81 %/10 |
GrafikUngenügend SoundMangelhaft |
Lanzeitspaß8 Spieleinstieg8 |
Bedienung8 |
Achtung, 08/15-Story: Jegliches Leben ist in Gefahr! Ein fieser Magier hat das dunkelste Geheimnis der Elfen gelüftet, welches ihm ermöglicht, das gesamte Diesseits dem Erdboden gleichzumachen. Und was müssen wir tun? Natürlich: Ihn davon abhalten. Ob Elven Legacy neben der äußerst banalen Hintergrundstory andere Qualitäten aufweisen kann oder das restliche Spiel ebenfalls auf dem Niveau der Geschichte dahin dümpelt, erfahrt Ihr in unserem Test.
Wer den Quasi-Vorgänger Fantasy Wars aus dem gleichen Hause Paradox Interactive kennt, dürfte sich in Elven Legacy sofort pudelwohl fühlen, hat die rundenbasierte Hatz nach dem ultimativen Bösen doch nicht nur das Gameplay des Titels aus dem Jahre 2007 geerbt, sondern auch die fast identische Bedienoberfläche mit denselben Buttons. Sei es drum, es kommt ja schließlich auf die inneren Werte an und man mag es kaum für möglich halten, aber genau die lässt der Titel nach der ziemlich faden und technisch schwachen Introsequenz recht schnell aufblitzen.
Wie gehabt befehligt Ihr diverse Einheiten rundenweise über eine mal mehr, mal minder große und vor allem knallbunte Karten, die in Sechsecke eingeteilt sind - quasi eine Art Schach für Freunde der virtuellen Strategie. Seid Ihr mit Euren Zügen, die je nach gewähltem Held oder unterschiedlich erfahrenen Teil des Heeres unterschiedlich sind, ist der Gegner dran. Taktik und Vorhersehung sind also das Wichtigste, denn wenn Euer Feind (Menschen, Goblins, Orks) an der Reihe ist, könnt Ihr nur zuschauen - im schlimmsten Fall wie Euer Heer reihenweise den Angriffen zum Opfer fällt.
Der wichtigste Teil Eurer Armee sind Eure beiden Helden Sagittel und Gylven - werden diese nach dem Zurückdrängen getötet, ist die gesamte Mission vorbei. Gelobt sei die Autosave-Funktiopn, die hier immer direkt zu Beginn der Partie oder vor einem der letzten Züge greift. Zusätzlich darf frei gespeichert und Euer gerade vollzogener Zug wiederholt werden, wenn Ihr rechtzeitig merkt, dass Ihr Euch falsch postiert habt.
Das ist aber auch bitter nötig, denn die Gegner-Intelligenz hat sich seit Fantasy Wars durchaus verbessert. Sicherlich ist sie immer noch weit entfernt von dem Handeln eines menschlichen Mitspielers, greift aber zumindest oft Schwachstellen in der Defensive auf und attackiert in den ungünstigsten Momenten gerade die Einheiten, die für uns wichtig sind.
Doch mit dem reinen Verschieben und Attackieren ist es nicht getan: Eure Armee entwickelt sich individuell weiter und kann dementsprechend nicht nur mit verbesserten Attributen aufwarten, nein, auch mit neuen Fähigkeiten und Manövern kann Euer Heer bedacht werden. Sagittel beispielsweise erlernt im Laufe der umfangreichen Einzelspielerkampagne, die in nebensächlichen Cutscenes und belanglosen Texttafeln erzählt wird, beispielsweise den Heilungszauber oder Konterangriffe hinzu. Elfenkriegerin Gylven profitiert dagegen vorrangig von neuen Angriffszaubern wie einen Gewitterschlag oder aus dem Boden heraus angreifende Dornen.
Auch Eure bereits früh zur Verfügung stehenden Luftschiffe und Drachen, die für Bombardements beziehungsweise Einschüchterungsattacken stets auf dem besetzten Feld des jeweiligen Gegners postiert sein müssen, ernten neue, stärkere Angriffe. Welche Fähigkeiten oder Ausrüstungsgegenstände Ihr Eurer Einheit zuweist, beziehungsweise die Reihenfolge der Zuweisung, könnt Ihr dabei selbst bestimmen, da Ihr stets aus drei neuen Verbesserungen wählt.
So schnell wie die Upgrades kommen, kann es natürlich auch passieren, dass ausgerechnet diese Einheit in einer der Missionen ums Leben kommt - dann müsst Ihr den zu ersetzenden Typus im nächsten Auftrag natürlich neu herausbilden. Erfahrene Einheiten sollten im späteren Kampagnenverlauf also demnach nicht allzu leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden.
Eine wirkliche Individualisierung erreicht Elven Legacy mit den Aufstieg der Erfahrungswerte zwar nicht, aber immerhin motivieren die Fähigkeitsschübe, noch eine Mission zu spielen... und noch eine - obwohl in Sachen Abwechslung sicherlich mehr drin gewesen wäre-, bis man merkt, dass der angesetzte Termin im echten Leben wegen der verlängerten Spielsession wieder einmal warten muss. Vor allem macht es ungeheuren Spaß, seinem Heer beim Wachsen zuzuschauen.
Startet Ihr zu Beginn gerade einmal mit zwei Helden samt einer Infanterieeinheit, weitet sich das Ganze immer weiter aus, bis man beispielsweise mit zehn Trupps in die Schlacht marschiert. Alle lassen sich zu Beginn einer jeden Runde aufgrund mangelnder "Spawnplätze" zwar nicht immer einsetzen, doch unpostierte Einheiten warten in der Reserveliste auf ihr Eingreifen, sobald sich die eigenen Reihen lichten.
Technisch gibt sich Elven Legacy allenfalls solide - sowohl Grafik als auch Sound stehen zwar in absolut keiner Relation zu Titeln wie Dawn of War 2, Company of Heroes oder selbst dem knapp drei Jahre alten Heroes of Might & Magic V, sind aber dennoch nicht so mies, wie man jetzt vielleicht vermuten dürfte. Nette Bloom-Effekte und ordentliche Spezialeffekte bleiben für das hungrige Auge übrig, während es einen guten Score auf die Ohren gibt. Diesbezüglich hätten wir uns aber wesentlich mehr Effekte der Auseinandersetzungen an sich gewünscht, statt nur müde Jubelschreie und ewig gleiche, aber solide Explosionen.
Den Mehrspielermodus konnten wir indes nicht ausführlich testen - zwar existiert neben der typischen Netzwerk- auch noch eine Hotseat-Option, an der mehrere Spieler an einem Computer Platz nehmen dürfen, aber es ist derzeit ein Unding, überhaupt einen Server zu finden, obwohl Elven Legacy bereits seit einer Woche erhältlich ist. Schade eigentlich.
In Sachen Präsentation und Story versagt Elven Legacy kläglich: Eindimensionale Abziehhelden, belanglose Hintergrund-Texte der Marke "Ich hatte heute einfach keine guten Ideen" und eher magere Cutscenes können auf in Sachen Erzählung und Effekte verwöhnte Strategen durchaus abschreckend wirken - aber das ist nur der erste Eindruck, denn in Elven Legacy schlummert ein kleiner Rohdiamant, der leider den letzten Feinschliff verpasst hat.
Mit einer umfangreichen Kampagne und einem motivierenden Erfahrungs- und Belohnungssystem hat der Paradox-Titel zwei ganz große Pluspunkte auf seiner Pro-Liste stehen. Hinzu gesellen sich eine ordentliche Anzahl an unterschiedlichen Einheiten, nette Fähigkeiten und ein angenehm taktisches Gameplay, das zwar im Großen und Ganzen reichlich bekannt sein dürfte, aber dennoch nur schwer vom Bildschirm loslässt. Sicherlich nicht die Sensation des Jahres, aber für ein eher unauffälliges Spiel verdammt ordentlich - mit knapp 30,- Euro können Genre-Fans jedenfalls nichts falsch machen.
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Elven Legacy im Test.
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