Gesamtwertung75%/10 |
GrafikGut SoundBefriedigend |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungBefriedigend |
An der Echtzeit-Strategie Reihe Empire Earth scheiden sich die Geister. Vor allem beim zweiten Teil beschwerten sich zahlreiche Spieler über zu viele Epochen, zu viele unterschiedliche Einheiten, eine zu große Vielzahl an Rohstoffen, sowie ein viel zu stressiges Gameplay, dass einen enormen Zeitdruck beim Krieg führen und parallelem Wirtschaften hervor rief. Dies haben sich die Entwickler zu Herzen genommen und präsentieren euch nun mit Empire Earth 3 eine verschlankte Version der beliebten Reihe mit gerade einmal drei Fraktionen, fünf Epochen und einigen Neuerungen. Ob diese Reduzierung zu gefallen weiß, klärt unser Test.
Die Macht liegt in deiner Hand
Weltenlenker haben es nicht leicht. Andauernd müssen sie sich mit Konkurrenten umher schlagen, die ihnen nicht den kleinsten Staat gönnen und nicht verstehen können, wie schön es doch sein kann, alles unter einer Hand regiert zu wissen. Man kann behaupten, der Boss der großen weiten Welt zu sein. Nie wieder gibt es Geldsorgen und jeder Urlaub wird nicht nur unwahrscheinlich preiswert, da man ja quasi alles nach seinem Ermessen diktiert, also auch die Urlaubspreise. Nein! Man fährt ja sogar ins eigene Land und kann sich sozusagen wie daheim fühlen. Wären da nicht die Konkurrenten.
So oder ähnlich könntet ihr euch auch bei Empire Earth 3 fühlen. Die Erde, unser aller Heimatplanet, befindet sich in einem schön aufgeteilten Zustand. 60 Provinzen werden verwaltet und regiert. Einer davon gehört zu Spielbeginn bereits euch. Da ihr jedoch als angehender Weltherrscher mit einem latenten Hang zum Größenwahn ausgestattet seid, gebt ihr euch mit diesem kleinen Bezirk natürlich nicht zufrieden. Wie könntet ihr auch!? Wenn man sieht, wie schlecht es doch der armen Bevölkerung in ihren Scheindemokratien und Möchtegern-Sozialstaaten geht Da muss doch etwas getan werden! Weil eure Regierungsform sowieso die Beste ist, greift ihr zu den verschiedenen euch zur Verfügung stehenden Mitteln und auf gehts!
Doch halt! Wer jetzt gleich vorpreschen will, sollte sich in Geduld üben (Übrigens eine weise Entscheidung, wie ihr im späteren Verlauf noch erkennen werdet). Vor die Eroberung der Welt haben die Entwickler nämlich zunächst die Qual der Wahl gestellt. Ihr müsst euch eine der drei (Ihr habt richtig gelesen! Nur drei statt zahlreichen) Fraktionen wählen, die euch anhängig sein soll. Als da wären: West, Nahost und Fernost. Alle drei unterscheiden sich erheblich voneinander.
Der Westen verfügt wie sollte es auch anders sein über exzellente und hypermoderne High-Tech-Einheiten und Waffen. In Fernost hingegen wirft man als Herrscher riesige Scharen von Manpower in die Schlachten rund um den Globus und hält es mit der guten, alten Dinosaurier-Taktik: Stampede, also komplettes Überrennen der Gegner. Entscheidet ihr euch für die Zivilisation im Mittleren Osten, erhaltet ihr kampferfahrene Kavallerie. Je nach Wahlverhalten variiert das Spiel und mit ihm eure strategischen Möglichkeiten. Ganz wie im richtigen Leben.
Rundenbasierte Echtzeitstrategie?
Wie wäre es, wenn sowohl Fans rundenbasierter Strategie-Spiele, als auch Echtzeit-Strategen in ein und demselben Spiel wortwörtlich zum Zuge kämen? Diese Überlegung müssen wohl die Entwickler im Hinterkopf gehabt haben, als sie sich an die Konzeption und Realisation des Gameplays machten. Denn dieses läuft in der Tat nach zwei unterschiedlichen Schemen ab.
Bevor es in die Schlachten geht, gibt es zunächst rundenbasierte Strategie. Auf dem 3D-Globus macht ihr euch taktisch-strategische Gedanken und plant eure Einsätze. Wer rundenbasierte Strategie-Spiele kennt, der weiß, dass dieser Teil optisch relativ anspruchslos daher kommt und ein wenig dröge wirkt. Doch für die konzeptionelle Planung und die Strategiebildung sowie den letztendlich aus Siegen gebildete Möglichkeit des Epochenaufstiegs eures Volkes von der klassischen Antike hin zur Postmodernen, ist die Rundenstrategie unabdingbar. Insgesamt steigt ein Volk fünf mal eine Zivilisationsstufe auf.
Bei der Wahl der Provinz müsst ihr den jeweiligen Typ im Auge behalten. Das heißt: Die Klassifizierung einer Provinz gibt an, wie hoch die Punktzahl ist, die pro Runde für Aktionen zur Verfügung steht. Diese teilen sich auf in verschiedene Bereiche wie Militär, Handel und Technologie. Interessant bei der Punktevergabe und der Vorbereitung zur nächsten Schlacht ist die Tatsache, dass ihr selbst gestalten könnt, wie sich eure Streitkräfte zusammensetzen sollen. Je nach eurer Wahl kann eine Schlacht anders ausfallen. Sorgfältiges Abwägen ist das A und O.
Meine Welt, deine Welt
Habt ihr den rundenbasierten Teil abgeschlossen und alle eure Möglichkeiten ausgeschöpft, geht es in den Echtzeit-Strategie Teil. Jetzt kommt es auf euer Geschick an. Je nach Lust und Laune könnt ihr selbst in die Kämpfe eintreten, oder aber die Spielzüge vom Programm berechnen lassen. Dies ist nicht wirklich unterhaltsam, sodass ihr euch wohl eher für die aktive Beteiligung am Geschehen entscheiden werdet.
Doch dies ist keinesfalls nur auf direktes Schlachten-Austragen ausgelegt. Vielmehr gibt es nun all das zu tun, was wir an Echtzeit-Strategie Spielen so lieben. Wir bauen uns in klassischer Age of Empires-Manier ein Zentrum, von dem aus wir erste Gebäude und Einheiten zum Sammeln diverser Ressourcen erstellen. Anschließend heben wir erste Einheiten aus. Da jedoch das Bevölkerungswachstum nur bis zu einem festgelegten Grad ausgereizt werden kann, stehen euch nicht beliebig viele Einheiten zur Machterweiterung und Sicherung zur Verfügung. Auch hier muss mit Bedacht vorgegangen werden. Wie bereits eingangs erwähnt, werden eure Truppen zusehends schlagkräftiger. Hierfür sorgen eure Forscher. Upgrades, neue und verbesserte Einheiten und Techniken und zahlreiche Erfindungen machen euer Heer immer effektiver.
Neben dem Schlachtenteil gilt es ab und an noch kleinere Aufgaben zu erfüllen, für die es zusätzliche Punkte zu ergattern gibt. Diese Quests sind jedoch recht banal und nicht wirklich der Rede wert. Was uns wirklich ärgert ist die zum Teil hanebüchene KI, die vor allem bei der Wegfindung Probleme macht. So bleiben Einheiten oft an unsichtbaren Kanten hängen, finden nicht selbständig ihren Weg und müssen in sinnloser Kleinstarbeit selbst deligiert werden. Auch das Schießen auf eigene Einheiten konnten wir das eine ums andere Mal beobachten. Auch die Kamera wurde unglücklich positioniert und befindet sich zu nah an den Einheiten, wodurch die Übersicht oftmals verloren geht. Das Zoomen ist nur bedingt möglich.
Nett und adrett
Grafisch reißt Empire Earth 3 keine Bäume aus. Stattdessen bietet das Spiel eine ordentliche Optik ohne nennenswerte Highlights. Die diversen Areale sind hübsch gestaltet, auch Wettereffekte sind zu erkennen. Doch mehr als ein: Nett dürfte euch wohl kaum über die Lippen kommen. Auch in Punkto Sound kann der Titel kaum mit der Konkurrenz mithalten. Nicht nur die sich permanent wiederholenden Sätze eurer Einheiten sind ein Störfaktor. Auch der schlichte Sound ist nicht besonders förderlich für eine gelungene Atmosphäre.