Enclave

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Swing Entertainment
Entwickler
Swing Entertainment
Erscheinungsdatum
-
Genre
RPG
USK
-
Enclave [PC , Justgamers]

Gesamtwertung

89%/10

Grafik

Sehr gut

Sound

Sehr gut

Lanzeitspaß

Befriedigend

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Sehr gut

Enclave

Irgendwo, wo es schön und schattig ist

Einst, vor langer langer Zeit, war die Welt noch intakt und friedlich. Doch dann, als das Dorf Celenheim grösser wurde und an Macht gewann, entbrannte an dessen Mauern eine unvorstellbare Schlacht zwischen den Heerscharen des Guten und des Bösen

Jede Seite wusste, dass nur die vollständige Vernichtung der Gegenseite zu einem Sieg führen kann. Und Vatar, der Herr der Horde der Finsternis, wollte den Sieg um jeden Preis.

Als die Schlacht hin und herwog und ein Sieger immer noch nicht feststand, betrat eine finstere Gestalt die Szenerie. Mächtige Beschwörungsgesänge anstimmend, hob die Gestalt ihren Zauberstab und entfesselte einen Sturm aus Magie. Die Armeen, verwirrt ob der Einmischung, konnten die Situation zunächst nicht einschätzen. Doch als die Erde unter ihren Füßen aufbrach und sich ein mächtiger Sturm erhob, ahnten sie, dass ihr Ende kommen würde, und eine greifbare Dunkelheit legte ihren Schleier über die Welt.

Als sich die Finsternis hob, erkannten die Bürger von Celenheim, dass der Riss, der sich auftat, die Welt für immer spalteten würde. Die Welt war geteilt, in Gut und Böse, in Licht und Schatten. Alsbald nannten die Bewohner Celenheims ihre Heimat Enclave. Die Outlander jedoch, die ihr Leben fortan im Schatten und Schrecken verbringen würden, schworen, die Enclave zu erobern.

Hier ein gutes Schwert, da ein böser Kopf… hmmmm

Helden gibt’s leider nicht wie Sand am Meer, also muss wieder der Spieler ran, um die Probleme anderer Völker und/oder Planeten zu lösen. So auch bei Enclave. Als „guter“ Kämpfer der Seite des Lichts oder als Assassine auf Seiten der „Schattigen“ beginnt der Spieler sein Abenteuer. Demzufolge bietet Enclave zwei unterschiedliche Handlungsstränge und Aufgabengebiete.

Während die Guten versuchen, das Böse ein für alle Mal zu vernichten und dem Ober-Dämon Vatar gehörig die Leviten zu lesen, haben die Anhänger der dunklen Seite die Ambition, eben diesen Vatar zur absoluten Macht zu verhelfen: klassisches Fantasy-Setting eben.

Um die gestellten Aufgaben auch problemlos zu erledigen, bedarf es manchmal einiger Spezialisten. Während den Missionen werden nämlich Charaktere freigespielt, die besondere Fähigkeiten haben. So ist beispielsweise auf der guten Seite der Eingangs erwähnte Kämpfer ein kräfitger Haudrauf, während die Jägerin ihre Feinde bevorzugt mit Pfeil und Bogen bzw Armbrust und Bolzen ausknipst. Der Magier indes… nun, der wirft lieber mit Feuerbällen und anderen lustigen Scherzen um sich.

Viel Feind, viel Ehr

Hat man seinen Helden bzw. Seite erwählt, geht es auch schon los. Fast alle der 14 Missionen pro Seite werden durch Ingame-Zwischensequenzen eingeleitet. Sei es nun die Suche nach einen Schlüssel, einem Buch oder das Beschützen eines Charakters, all dies wird in einer Story verpackt dem Spieler vermittelt. Leider laufen die meisten Missionen nach dem Schema „Von Punkt A nach Punkt B gehen und alles dazwischen niederknüppeln“ ab. Klingt langweilig, ist es auch irgendwie, aber zum Glück ist das „Dazwischen“ ansprechend verpackt und manchmal sehr fordernd.

Man steuert also seinen erwählten Helden vornehmlich aus der 3rd-Person-Sicht, also ähnlich wie damals Fräulein Lara Croft. Man kann zwar mittels Tastendruck jederzeit in eine First-Person-Sicht wechseln, dies lohnt sich aber nur beim Einsatz von Fernkampfwaffen. Was dem PC-Spieler hier sofort auffällt sind die oftmals konsolentypisch freischwebenden „Goodies“ wie Goldsäckchen, Heiltränke usw., was auch nicht verwundern darf, da es sich ja um eine Konsolenumsetzung handelt. Im Grossen und Ganzen lässt sich das Spielprinzip von Enclave aber auf wenige Worte reduzieren: Waffe zücken, Gegner meucheln, missionskritischen Gegenstand einsammeln, Simpel-Rätsel („Oh, ein Schalter, was der wohl macht?“) lösen, sich an der Grafik erfreuen und nebenbei Gold sammeln. Und selbst vor Hüpfeinlagen wird man nicht verschont.

Der Tod ist für die meisten eine eher unerfreuliche Angelegenheit. Speziell PC-Spieler mögen das frühzeitige Ableben ihres Alter-Egos nicht sonderlich. Einfach mittendrin tot umfallen ist nervig, speziell dann, wenn es keine Quicksave-Funktion gibt. Ja, richtig gelesen. Kein Quicksave. Dafür konsolentypische Rücksetzpunkte, die zwar im grossen und ganzen fair und regelmässig verteilt sind, manchmal jedoch… AAARGH!

Urg grmpf glab bla

Das größte Problem der meisten Actiontitel ist die Intelligenz der Gegner… oder vielmehr das Fehlen dessen. Im Vergleich zu beispielsweise Rune oder Severance, beides Titel, die gut mit Enclave vergleichbar sind, haben unsere Orks, Goblins und Lichs aber lobenswerte Geistesblitze vorzuweisen. So verstecken sie sich gerne mal hinter Fässern und Kisten, weichen im vollen Lauf aus, nehmen den Helden allzu gerne in die Zange und sorgen so für teilweise viel Aktion auf dem Bildschirm. Gerade im Fernkampf mit Bogen oder Magie, wird das Zielen dadurch zu einer Herausforderung. Aber auch im Nahkampf nutzen die PC-Recken u.a. ihre Schilde, um Angriffe unsererseits gekonnt abzublocken. Allerdings können Kämpfe ganz schnell in Hektik ausarten, wenn mehr als vier Bösewichte oder „Gutewichte“ auf uns einprügeln, respektive uns im Fernkampf wie ein Stachelschwein mit Pfeilen spicken.

Sammelleidenschaft

Grosse Bedeutung kommt vor jeder Mission dem Ausrüstungsbildschirm zu. Hier kann das in den vorhergehenden Missionen eingesammelte Gold in bessere Rüstung, Bewaffnung und/oder Heiltränken investiert werden. Von Schwertern über Äxten, hin zu diversen Armbrüsten und Bögen kann gekauft werden, was das Spielerherz begehrt. Schade nur, dass die Werte der Waffen nicht angezeigt werden. Nur anhand des Preises lässt sich erahnen, das die Waffe mehr Schaden machen „könnte“. Wieso man also von einem 900 Gold teuren Schwert zu einer 1000 Gold schweren Axt wechseln soll, ist dadurch nicht erklärbar. Schick sind allerdings die grafischen Auswirkungen der magischen und normalen Waffen. So hinterlässt das sündhaft teure Flammenschwert nicht nur einen Feuerschweif, sondern auch einen „nachbrennenden“ Feind. Erstaunlich übrigens, dass sich eine Konsolenumsetzung derart komfortabel und ganz shooterlike mit Tastatur und Maus steuern lässt. Ebenso erstaunlich, dass eine Gamepad-Unterstützung völlig fehlt.

Wow…

Auch wenn Enclave spielerisch etwas flach wirkt, grafisch bietet es zweifelsfrei das Beste, was das Actiongenre momentan zu bieten hat. Man ertappt sich immer öfter dabei, dass man einfach stehen bleibt und die Architektur in sich aufnimmt, anstatt weiter zu rennen und Gegner zu schnetzeln. Ob es die hochauflösenden und teilweise mit filigranen Mustern und Verzierungen versehenen Texturen oder die filmreifen Lichteffekte sind, man kommt aus dem Staunen oftmals nicht heraus. Jeder Abschnitt, jede Mission hat seine unverwechselbare Architektur. Solch eine Liebe zum Detail findet man eigentlich selten. Die Animationen wirken zwar teilweise etwas hölzern, dies läßt sich aber verschmerzen. Grafische Spielereien findet man allerorten. Wände und Gegenstände weisen Alterserscheinungen auf, Brücken wirken teilweise mehr als nur baufällig und Burgen und Zitadellen protzen eindrucksvoll mit ihrer Macht. Fleischergesellen und andere Fans von Bludbädern werden vielleicht etwas enttäuscht sein, dass man die Gegner „nur“ zu großen Blutfontänen überreden kann. Lustige Schnetzelorgien mit umher fliegenden Körperteilen gibt’s – zum Glück – nicht.

Leider wirken die Levels aber manchmal recht leblos. So ist Celenheim entweder mit Kämpfern des Lichts oder der Dunkelheit bewohnt. Normale Bevölkerung sucht man vergebens. Dafür kann man beim Plattmachen auch nicht allzu viel falsch machen. Wenn es sich bewegt, dann darf man zuhauen.

Die geskripteten Ereignisse während der Mission sorgen auch immer wieder für ein Hochschnellen der Herzfrequenz. Wenn man beispielsweise im Hafenlevel von Orkischen Kanonieren unter Feuer genommen wird und die Granaten um einem herum niedergehen und dabei Brücken, Häuser und Fässer optisch imposant zerbröseln, kann das schon recht aufregend werden.

Bumm Bumm Peng

Auch soundtechnisch weist Enclave jegliche Kritik von sich. Der teilweise orchestrale Sound passt sich jederzeit der gegebenen Situation an. Die Goblins schnattern verächtlich, die Orks grummeln und schreien Zeter und Mordio, wenn sie uns entdecken. Es „klingt“, wenn Gold eingesammelt und „klongt“, wenn auf Schilde und Gegner eingedroschen wird. Magier murmeln ihre Beschwörungen und irgendwo zwitschert ein Vogel, während Wasser in einem Springbrunnen plätschert.

Fazit

Der König ist tot, lang lebe der König. Enclave schafft es mühelos, dem mittlerweile alterschwachen Severance die Genrekrone aus der Hand zu nehmen. Seien es nun die grafischen Finessen, der Sound, die atmosphärisch dichten Zwischensequenzen oder einfach nur die unkomplizierte Hauerei. Nun gut, letzteres ist auch der größte Kritikpunkt an Enclave, denn nur Fans von simplen Hau-Drauf-Spielen werden hier ihre uneingeschränkte Freude haben. Alle anderen werden zwar von der Grafik begeistert sein, das allzu einfache Spielprinzip jedoch mit gemischten Gefühlen aufnehmen. Nichtsdestotrotz ist Enclave ein kurzweiliger Titel, der einfach Spass macht, ohne dabei zu viele graue Zellen zu verheizen. Holt’s Euch Leut’s.

Enclave [PC , Justgamers]

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