Gesamtwertung72%/10 |
GrafikGut SoundGut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Wer mit wem und wieso überhaupt?
Der Waffennarr Nicholas Porter, die Nahkampfexpertin Angel Vergas und nicht zuletzt der Streetfighter Boris Chekov bilden das spielbare Trio von Paradise City. Dabei muss man sich zu Beginn nicht einmal für einen der drei Charaktere ultimativ entscheiden, da man im Verlauf der Geschichte immer wieder zwischen den Dreien wechselt. Besondere Unterschiede erkennt man lediglich zu Beginn, da Porter bereits eine Maschinenpistole zur Seite gestellt bekommt, während Angel und Chekov auf ihre Finger- oder besser Messer bzw. Faustfertigkeiten angewiesen sind. Um den russischen Vertreter der drei Verbrecher nicht ganz ohne Waffen in die böse Welt zu schicken, steht ihm von Anfang an ein Gefolgsmann zur Seite, der auch in den ersten Missionen ordentlich aufräumt.
Das Gameplay erinnert dabei nur sehr selten an Spiele, deren Settings Paradise City ähneln. Gemeint sind hier etwa Grand Theft Auto oder True Crime. Denn im Großen und Ganzen gibt es nichts weiter zu tun, als die recht große Stadt Stück für Stück einzunehmen.
Dabei versuchten die Entwickler durch eine eher verwirrend simple Story um ein Virus und die drei Exilgefangenen etwas frischen Wind in den Gangsteralltag zu bringen, was leider kaum gelingt, da die Geschichte zu keinem Zeitpunkt wirklich an Fahrt gewinnt. Eigentlich wachsen einem die Charaktere nur ans Herz, weil man sie nach harter Arbeit mit guten Skills und noch besseren Waffen ausrüstet.
Das Übernehmen der einzelnen Gebiete von kleineren oder größeren Gangs gestaltet sich leider immer gleich. Zunächst lokalisiert man auf der Minikarte den Aufenthaltsort des jeweiligen Chefs. Daraufhin kämpft man sich durch dessen Gangmitglieder und ballert dann in feinster Strategiemanier mehrere Minuten auf ihn ein, bis er sich letztlich feige ergibt. Nach einer kleinen Unterhaltung, an der der Spieler selbstverständlich nicht teilnimmt, sprintet der ehemalige Boss wie von der Tarantel gestochen von Bars zu Einkaufsmeilen, um jedem die frohe Nachricht zu unterbreiten, dass der Spieler die ganze Szenerie übernimmt.
Nach einigen Sekunden oder auch Minuten, je nachdem, wie groß das eingenommene Gebiet ist, darf man sich dann als neuer Chef feiern lassen. Hat man die getöteten Gangster gewissenhaft ausgeraubt, sollte man einiges an Geld aufgetrieben haben, dass man dann wiederum in neue Söldnerfreunde oder gewisse Ausrüstungsgegenstände stecken darf. Natürlich verbessert man auch seine Fähigkeiten, wenn man alles umschießt, was einem vor die Mündung läuft. Wie seit den 80er Jahren bekannt, sammelt man durch das Töten von Feinden fleißig Erfahrungspunkte, die einem dann erlauben, Attribute, wie Stärke, Charisma, Konzentration, Schnelligkeit und so weiter und so fort zu verbessern.
Auch nicht neu ist die Möglichkeit sich neue Fertigkeiten in einer Art Skillbaum freischalten zu lassen. Dabei muss man zugeben, dass das Aufleveln und Ausrüsten der Charaktere wie eh und je Spaß macht. Es ist halt einfach cooler mit einer bombensicheren Rüstung, die man auf Grund seiner unglaublichen Konstitution nicht einmal benötigt in den angezettelten Bandenkrieg zu stiefeln und die Feinde nicht nur durch ein paar Schüsse aus der achtläufigen Schrotflinte, sondern durch eine Hypermegaspecialattacke aus dem Weg zu blasen.
Während man anfangs noch auf ein paar zusätzliche Gangmitglieder zurückgreifen sollte, um Gebiete zu übernehmen, ist dies später kaum mehr nötig, da die Spielfiguren einfach zu stark werden. Leider verliert das Spiel dadurch zum Ende hin stark an Reiz, da es, wie klar geworden sein dürfte, kein alternatives Gameplay anzubieten hat. Wenigstens sind ausreichend Ausrüstungsgegenstände und auch erlernbare Fertigkeiten vorhanden, um den Sammeltrieb einige Stunden am Leben zu erhalten. Wiederspielwert hat Paradise City aber so gut wie keinen.
Zwei Dinge, die begeistern sollten
Wer sich im glücklicherweise eingebundenen Multiplayermodus die Zeit vertreiben will, hat die Möglichkeit gegen bis zu sieben andere, menschliche Gegner in drei verschiedenen Spielmodi anzutreten. Leider waren die Server zum Testzeitpunkt noch gähnend leer, so dass eine wirklich Einschätzung des Spaßfaktors unsererseits nicht mit gutem Gewissen vorgenommen werden kann. Nichtsdestotrotz hören sich die unterschiedlichen Modi recht gut an.
Im Ermordungs-Modus bewegt man sich durch ein großes Areal und versucht seine Widersacher ganz einfach umzupusten. Man darf zeigen, was man in der Kampagne gelernt hat und schneller als die gegnerische Gruppe soviele Territorien einnehmen, wie man kann. Dabei kommt es natürlich auch häufig zu Schusswechseln unter den verfeindeten Gangs.
Im Standard-Modus(Was ist das übrigens bitte für ein Name?) verbinden sich die beiden oben genannten Spielvarianten. Hier muss man versuchen alle Territorien oder besser die der gegnerischen Gruppe einzunehmen und natürlich möglichst häufig deren Charaktere von der Bildfläche blasen, um stärker zu werden. Sind alle Charaktere einer Fraktion getötet und können auf Grund fehlender Gangviertel nicht erneut spawnen, ist das Spiel beendet.
Klingt lustig, muss aber wohl zu Acht gespielt werden. Hoffen wir also, dass sich noch ein paar Zocker den Titel aneignen. Grafisch spielt Paradise City überraschender Weise im oberen Mittelfeld. Leider sieht die eingebaute 3rd-Person-Perspektive zwar sehr chic aus und verzaubert vor allem bei Tag- und Nachtwechseln, ist dafür auf Grund der sehr umständlichen Steuerung nicht zum Spielen zu gebrauchen.
Man steuert das Geschehen daher meist aus der Vogelperspektive, was nicht so schön aussieht und auch Atmosphäre kostet, vor allem, weil die Zoommöglichkeiten sehr zu wünschen übrig lassen. Auch hätten ein paar weitere Charaktertypen dem Spiel mehr Authentizität verliehen und die einzelnen Viertel hätten sich auch stärker von einander unterscheiden dürfen. Dafür soll das Spiel laut Entwickler aber auch auf älteren Systemen gut laufen.