Gesamtwertung75%/10 |
GrafikGut SoundGut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungSehr gut |
Das Kerzen romantischen Abenden den besonderen Feinschliff verpassen ist allgemein bekannt, dass sie aber auch eine magische Funktion haben können, ist hingegen neu. Selbiges muss auch der junge Melvin erkennen, als er eines verregneten Tages in das Geschäft eines Kerzenhändlers platzt, um eigentlich nur Schutz vor dem Regenschauer zu suchen. Eben jener hasenzahniger Unternehmer ist dann letztendlich auch dafür verantwortlich, dass unser Melvin in das mittelalterliche Dörfchen Tallen versetzt wird, um den dortigen Bann der über das Dorf herrscht, zu brechen.
Morgen halb zehn in Tallen...Zeit für ein Rätsel!
Na toll, wie bescheuert muss ein Protagonist sein, der sich freiwillig so etwas aussucht? Aber nun gut, wir sind ja in einem Adventure, da fragt man eben nicht mehr nach dem Warum sondern nach dem Wie. Nachdem Melvin seinen kleinen Trip überstanden hat, blickt uns auch schon eine freundlich aussehende Fee, die in einem Käfig gefangen ist, in die Augen. Klar befreien wir das kleine Ding obwohl sie locker durch die Löcher des Käfigs gepasst hätte und haben somit unsere ständige Begleiterin an der Backe. Hätte man sich auch vorher zweimal überlegen können, denn die Elfe Fenny hat immer einen blöden Spruch auf den Lippen. Ob sie wir nun etwas Wichtiges fragen oder einfach in unsere Notizen glubschen man darf sich regelmäßig auf eine dumme Antwort gefasst machen, die aber manchmal dämlicher erscheint, als sie es wirklich ist. Das unterhaltsame Buddy-Prinzip geht somit auch bei Everlight voll auf.
Dennoch scheint das Spiel in den ersten Minuten schlechter als es im Endeffekt ist: Hier und da ein begeisterungsloser Sprecher, eine müde Einführung und steife Animationen. Mit einem unbeholfen wirkenden Anfang hatte bereits zuletzt Reprobates: Insel der Verdammten zu kämpfen. Doch der böse Schein trügt: Hinter Everlight verbirgt sich ein größtenteils logisches Adventure mit vielen unterhaltsamen Sprüchen unterhalb der Gürtellinie und netten und meistens auf bloße Kombination ausgelegten Rätseln. Besonders interessant ist der Tag- und Nachtwechsel, der hier nicht nur eine optische und spielerische Veränderung mit sich bringt. Besagter Fluch, der auf Tallen's Schultern lastet, bringt nämlich mit sich, dass sich bei Einbruch der Nacht alle Bewohner der Stadt in fiese, spielsüchtige oder voyeuristische Pendants, die im Gegensatz zu ihrem täglichen Egos stehen, verwandeln.
Und hier liegt die Essenz in Everlight: Wie muss ich mich tagsüber verhalten, um abends meine Aufgaben zu lösen? oder umgekehrt. Dass die Entwickler dabei manchmal über ihr Ziel hinausschießen, merkt man des Öfteren jedoch am Umfang des Inventars. Dieses ist mit der Zeit nämlich so überladen, dass die Übersichtlichkeit hier und da drunter leiden muss. Immerhin ließ man es sich nicht nehmen, wirklich jedem Anspruch gerecht zu werden.
Vor Spielstart entscheidet man sich, wieviele Hilfestellungen gegeben werden. Damit man aber dennoch nicht irgendwann im Verlauf der Handlung vor unvollendeten Tatsachen steht und nicht weiter weiß, lassen sich die Hilfen glücklicherweise jederzeit einstellen. Überhaupt ist Everlight verdammt komfortabel: In der vor Screens nur so strotzenden Stadt Tallen lassen sich Außenareale bequem und fix per Reisekarte anklicken, ohne durch zig Hintergründe zu watscheln.
Sexsüchtige Rentner wollen dich!
Zudem bewegt sich unser Sprössling nicht wie ein einbeiniger Greis Blicke auf Reprobates gerichtet sondern angenehm flott durch die Szenerien. Den Doppelklick benötigt Ihr dabei selten, auf längere Distanzen fängt Melvin automatisch an zu sprinten. Allerdings ist es dabei unverständlich, wieso die Entwickler bei aller Geschwindigkeit in Bezug auf den Spielverlauf die Screens derart mit oft unnützen Sachen vollpacken mussten. Es genügt bereits ein Drücker auf die löbliche Hotspot-Taste, um zu sehen, was sich in den Hintergründen so alles an Gegenständen angesammelt hat. Das bremst Everlight leider etwas aus, da nicht sofort ersichtlich ist, was sinnvoll und was einfach nur nutzlos ist. Womit man allerdings nicht gerechnet hätte: Die ab 6-Freigabe der USK wirkt zuweilen erstaunlich gnädig.
Hier und da kann es Everlight locker mit den bösen Witzeleien eines Tony Tough 2 aufnehmen. Ob es nun die ausschweifende Sexualpraktiken-Erklärung einer nymphomanisch veranlagten Oma ist, die gerne aus logischen Gründen Möhren und Zucchinis züchtet oder der Spanner-Opa, der auf seine alten Tage durch einen Verjüngungstrank seinen Liebessaft loswerden will.
Allzu kritischen Naturen werden solche Details natürlich negativ aufstoßen, wir hingegen fanden sie sehr amüsant und wundern uns derweil über die Altersfreigabe der Unterhaltungssoftware-Selbstkontrolle.
Wer nach den knapp 17 Stunden endlich alles über den mysteriösen Fluch, der auf Tallen lastet, erfahren hat und selbigen natürlich gelöst hat, wird allerdings auf zweierlei Arten enttäuscht sein: Zum Einen ist das wirklich enttäuschende Ende würde man es vorher kennen ein Grund zu meinen, die Mühe zum Durchspielen lohne sich nicht. Zum Anderen ist dann Everlight abgehakte Sache: Soll heißen, dass es keinerlei alternative Enden oder dergleichen gibt, wie man sie beispielsweise aus Post Mortem oder Fahrenheit kennt. Auch optisch hat Everlight leider mit kleinen Problemen zu kämpfen: Hiermit meinen vor allem die teils hakeligen Animationen und zum anderen die nicht lippensynchronen Mimiken der Figuren. Letzteres fällt vor allem dann auf, wenn die Kamera in den Dialogen recht nah an die Gesichter der Charaktere umschaltet. Absolutes Negativbeispiel: Die Unterredung mit dem nervigen Kerzenhändler ganz zu Beginn des Spiels.
Ansonsten wird eigentlich alles geboten, was den Adventure-Freund auch grafisch zufrieden stellt: Äußerst liebevoll gestaltete und detaillierte Hintergründe und gelungene Spielfiguren. Ähnlich gut sieht es beim Sound aus: Mögen wie bereits erwähnt vereinzelt gerade mal durchschnittliche Synchronstimmen zu hören sein, wird das Ruder aber vor allem durch die geglückten Vertonungen von Melvin und Fenny herumgerissen. Über die Soundeffekte gibt es genretypisch recht wenig zu berichten, gut sind sie jedenfalls auch hier. Die märchenhaft wirkende Musikuntermalung setzt dem Ganzen dann noch die passende Krone auf.
Vom Komfort her sollten sich andere Genrevertreter jedoch eine kräftige Scheibe von Everlight abschneiden, denn hier gibt es soviel Hilfen und sinnvolle Kniffe wie schon lange nicht mehr. Unterm Strich bleibt das Spiel auf jeden Fall einen Blick wert, gerade für Fans von Simon the Sorcerer oder Tony Tough.