Gesamtwertung83%/10 |
GrafikGut SoundSehr gut |
LanzeitspaßSehr gut SpieleinstiegGut |
BedienungSehr gut |
Von der Hölle in die Höhle
Mal ganz unter uns. Die Idee, unterirdische Tunnel und Räume anzulegen, jede Menge Gegenstände dort zu platzieren und fiese Pläne auszuhecken, während sich fleißige Arbeiter um alles andere kümmern, ist bei weitem nicht neu. Denn schon vor einigen Jahren machte ein ähnliches Spiel mit gleichem Konzept auf sich aufmerksam. Dungeon Keeper hieß der Titel und spritze nur so von schwarzen Humor und innovativem Spielsystem. Da ist es nicht verwunderlich, dass einige der alten Dungeon Keeper-Entwickler nun auch im Team von Elixir Studios zu finden sind. Auf jeden Fall ist nicht zu leugnen, dass das Spielprinzip sich in manchen Details ähnelt. Was auf keinen Fall schädlich ist, denn Dungeon Keeper war ein hervorragendes Spiel, um dies gleich einmal vorweg zu nehmen. Aber gerade wegen vieler eigener und vor allem innovativer Ideen sollte das Spiel von jedem Aufbaufan beachtet werden. Doch bevor ihr euch in die Unterwelt stürzen dürft, müsst ihr euch erst einmal für eine von drei fiesen Charakteren entscheiden. Hier habt ihr die Wahl zwischen einem zu klein geratenen Geschäftsmann, einer mysteriösen Schönheit und einem asiatischen Samuraischwinger.
Wie ihr diese Entscheidung fällt ist eher unwichtig, denn keiner bringt irgendwelche Vor- oder Nachteile mit sich. Ihr könnt also völlig nach Lust und Laune und eurem eigenen Geschmack euren Avatar aussuchen. Trotzdem ist er während des ganzen Spiels eure wichtigste Person. Denn als böses Genie seid ihr natürlich auch direkt im Spiel vertreten und könnt euren Avatar durch eure unterirdischen Gänge führen. Auf eure Mitarbeiter hat der alter Ego eine äußerst positive Wirkung, so steigert er alle Werte eurer Handlanger, wie z.B. Loyalität oder körperliche Kondition und Intelligenz. Ihr solltet euch jedoch nie zu weit aus dem Schutz eurer Basis wagen, denn wird euer böses Genie getötet, ist das Spiel sofort vorbei.
Klappe zu, Genie tot
Um solche eher ärgerlichen Ereignisse zu vermeiden, hat eure Basis alles zu bieten, was einer effektiven Verteidigung bedarf. Per einfachem Point and Click Prinzip legt ihr den Grundriss eurer Räume fest und füllt diese mit Objekten. So lässt sich bereits in wenigen Minuten eine vollfunktionstüchtige Basis erschaffen. Haben eure einfachen Arbeiter dann genug Dynamit herangeschafft, sprengen sie die von euch gewünschten Korridore oder Räume frei und fangen sofort an, aus einem Depot Objekte, die ihr schon vor der Sprengung festlegen könnt, herbeizuschaffen. Steht die Basis dann einmal, können sich in der Kaserne eure Mitarbeiter ausruhen oder in der Kantine einen Happen zu sich nehmen. Natürlich habt ihr die Basis nicht dafür gebaut, dass eure Mitarbeiter sich darin ausruhen können. Um dafür zu sorgen, dass eure Arbeiter auch genügend zu tun haben, muss das Herzstück eurer Basis, der Kontrollraum immer besetzt sein. Denn von dort aus kontrolliert ihr alle eure Aktionen auf der gesamten Welt. So könnt ihr Geld aus Russland stehlen, um Neuanschaffungen in eurer Basis finanzieren zu können. Oder ihr entführt wichtige Persönlichkeiten, die es euch ermöglichen neue Arten von Bediensteten zu rekrutieren.
So erlernt ihr durch das Verhör einer Putzfrau, die Fähigkeiten eines Kammerdieners. Dieser ist nichts anderes als ein besserer Arbeiter, kümmert sich jedoch zusätzlich um seine übermüdeten Mitarbeiter. Was sich jetzt nur optional anhört, ist im Spielverlauf jedoch durchaus wichtig. Denn nur wenn ihr Kammerdiener besitzt, ist es möglich diese weiter auszubilden, beispielsweise zu einem Pr-Manager oder einem Diplomaten, mit dem ihr die Länder, in denen die feindlichen Geheimorganisationen tätig sind unterwandern könnt. Was sich gegen Ende dann auftut, ist nichts anderes als ein einfacher Tech-Tree, bei dem die Rekrutierung eines höheren Mitarbeiters immer von einem niederen Mitarbeiter eine Stufe tiefer abhängig ist.
Höhere Mitarbeiter sind jedoch nicht nur für das Treiben in eurer Basis wichtig, sondern sind für die infamen Aktionen außerhalb eurer Basis unabdingbar. Söldner können beispielsweise viel schneller Geld klauen und nur Wissenschaftler wissen wie man den Eifelturm schrumpft, damit ihr ihn in eurer Basis aufstellen könnt.
Diese und viele andere Gimmicks, wie z.B. die geschrumpfte Kriegsgallone des Julius Caesar werdet ihr immer wieder auf der Weltkarte finden. Sobald ihr diese gestohlen habt, könnt ihr sie frei in eurer Basis platzieren. Je nachdem wo das gute Stück dann steht, erhöht es die Werte der in der Nähe befindlichen Arbeiter. Wissenschaftler sind jedoch noch für andere Dinge gut. Habt ihr es nämlich einmal so weit gebracht, dass ihr ein Labor und einiges an zugehörigen Testgerätschaften erwerben könnt, besitzt ihr alle Möglichkeiten der Forschung. Von da an wandern die Wissenschaftler durch eure Basis und überlegen was man dort verbessern könnte. Haben sie etwas entdeckt, könnt ihr die Forschung in Auftrag geben. Jedoch müsst ihr zu erst ein Gerät auswählen, an dem die Eigenschaften des neuen Produkts getestet werden sollen. Wählt ihr das falsche, ergibt die Forschung nichts, wählt ihr das richtige, werdet ihr mit neuen Objekten oder Fallen belohnt.
Selbst Indy hätte Angst
Fallen sind das A und O einer sicheren Basis. Durch Forschung stehen euch später eine ganze Palette von Mordinstrumenten und Gehässigkeiten zur Verfügung. Außerdem könnt ihr durch geschickte Fallenkombinationen euer internationales Hass Konto füllen. Dieses zeigt an wie berühmt und verflucht ihr in der ganzen Welt seid. Je höher der Wert desto öfter kommen feindliche Agenten, Superagenten, Saboteure oder Diebe auf eure Insel, um euch den Gar auszumachen oder zumindest zu schwächen. Hier helfen Fallen Wunder. So könnt ihr außerhalb eurer Basis Selbstschussanlagen errichten oder die Feinde im Inneren eures Heiligtums unter eine Gasglocke locken. Sollten dann immer noch ein paar Gegner übrig sein, kümmert sich entweder unsere mit Flammen bestückte Falltür um die verbleibenden Schurken, oder wir lassen unsere Arbeiter, Wachen und Söldner zum Angriff blasen.
Super Agenten lassen sich übrigens nicht auf normalem Weg töten. Hierfür müsst ihr diesen erst einmal fangen und in ein Gefängnis stecken.
Dies kann nur einer eurer Handlanger, denn diese sind um einiges stärker als eure Wachen und zudem die einzigen eurer Bediensteten, die ihr direkt steuern könnt. Alle anderen sind K.I.-gesteuert und verrichten ihre Arbeit voll automatisch, was nicht allzu selten zu starken Frustrationen führt.
Habt ihr einen Super Agenten letztendlich gefangen, bleibt dieser solange in eurem Gefängnis bis er entweder ausbricht, oder ihr endlich einen Weg gefunden habt, diesen zu vernichten. So ergreift eine der hübschen Super Agenten beispielsweise die Flucht, wenn ihr an ihr eine kleine Typberatung durch eure Wissenschaftler vollzieht.
Dadurch besondere Ereignisse wie bestimmte wichtige infame Aktionen oder der Ankunft eines Super Agenten, werdet ihr immer weiter durch die Story geführt und somit auch der Weltherrschaft ein Stück näher gebracht. So wird aus eurer ersten Insel schon bald eine zweite und sobald es die Forschung und die Funktionalität eurer Basis zulässt, dürft ihr eine von drei Massenzerstörungswaffen direkt in eurer Basis errichten. Das kann dann je nachdem ein Erdbebengenerator oder eine Rakete sein. Diesen müsst ihr euch dann durch mühsame Kleinarbeit verdienen. So schickt ihr eure Arbeiter los, um wertvolle Materialien aus der ganzen Welt zu klauen oder ihr beauftragt eure Wissenschaftler mit der Erforschung von wichtigen Gerätschaften. Stück für Stück könnt ihr euer Endzeitgerät dann errichten lassen und kommt so der Weltherrschaft immer einen Schritt näher. Es sei denn eine der feindlichen Geheimorganisationen vereitelt den Plan des großen Glücks. Evil Genius ist genau wie Dungeon Keeper in vollem 3D gehalten. So dürft ihr die Kamera schwenken, drehen und stufenlos zoomen. Dank dieser Technik verpasst ihr keines der witzigen Gimmicks, die die Entwickler im Spiel versteckt haben.
Diese werden zudem durch tolle Animationstechnik prima rübergebracht. Und auch außerhalb besticht die Liebe zum Detail. Während ihr zwar anfangs noch auf einer Wüsteninsel mit wenig Vegetation euer Unwesen treibt, verfrachtet euch das Spiel bei der zweiten Insel direkt in den Dschungel. Dort laufen Affen umher und alles ist dicht bewachsen, ohne jedoch an der maximalen FPS all zu stark zu zerren.
Ein besonderes Lob verdient die zweidimensionale Gestaltung und der Soundtrack. Beides versprüht echtes Sechziger- und Austin Powers-Flair. Knallige Farben und eine auf Aktionen reagierende Musikuntermalung sorgen dafür, dass Augen und Ohren so schnell nicht langweilig werden. Einziges und bislang auch größtes Manko sind die großen Fehler in der K.I.. So verstehen es Arbeiter nicht, ihre Prioritäten richtig zu setzen und lassen einen wichtigen Gegenstand schon einmal fallen, um sich einer weniger wichtigen Aufgabe zu widmen. Das müde und überarbeitete Mitarbeiter eigene Fallen auslösen ist durchaus in Ordnung, doch warum müssen dann alle anderen Mitarbeiter wie Lemminge einfach mit in den Tod rennen? Sollte es dann doch einmal zu drastischen Fehlern kommen, ist man jedoch für die automatische Speicherfunktion mehr als nur dankbar.
Die eher durchschnittliche K.I. versalzt einem dann leider doch die Suppe und auch wenn bei kleinen Arbeitermengen alles noch seine guten Wege geht, steigt der Frust exponential mit dem Wachstum eurer Basis. Wer sich da von den vielen lustigen Details nicht aufheitern lassen kann, wird den Titel schnell beiseite legen. Für alle anderen, denen Freizeitparks, Zoos oder Wirtschaftsimperien mittlerweile zu langweilig geworden sind, sollten sich den Titel ruhig einmal anschauen, verdient hat er es zumindest.
Evil Genius im Test.
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