Fable - The Lost Chapters

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Microsoft
Entwickler
Big Blue Box
Erscheinungsdatum
-
Genre
RPG
USK
12
Fable - The Lost Chapters [PC , looki.de]

Gesamtwertung

91%/10

Grafik

Sehr gut

Sound

Sehr gut

Lanzeitspaß

Sehr gut

Spieleinstieg

Sehr gut

Bedienung

Sehr gut

Fable - The Lost Chapters

Das Leben als kleiner Junge in einem abgelegenen aber lebenswerten Dorf kann abwechslungsreicher eigentlich kaum sein, denn das Abenteuer lauert an jeder Ecke. Nun begab es sich, dass die Schwester des kleinen Jungen, über den wir hier und heute sprechen werden, ihren Geburtstag feierte, der kleine Junge aber, wie es sich für kleine Jungen gehört, diesen Tag völlig verschwitzt hat. Da er seine kleine Schwester recht gerne hat und ein fliegender Händler zufällig eine besonders leckere Kollektion von Schokolade im Angebot hat, heißt es, Geld zu verdienen, um Schwesterherz eine Freude zu machen.

Mit Fable – The Lost Chapters ist nun endlich die versprochene Umsetzung des Xbox-Erfolges Fable für den PC erhältlich. Fable, eine Art kampforientiertes Rollenspiel, legt und legte seinen Schwerpunkt – neben der Story – auf eine freie Entwicklung des Hauptcharakters. Und das beginnt, wie in der Realität auch, in der Kindheit. Schwester hat also Geburtstag, der Händler das passende Geschenk, doch will dieser dafür drei Gold. Drei Gold für ein Haufen Schokolade! Nun, also bedeutet es, Geld zu verdienen, doch wie? Nun, der Vater des angehenden Helden verspricht, für jede gute Tat von Junior, ein ganzes Goldstück springen zu lassen. Und es gibt einige Situationen in dem beschaulichen Dörfchen, bei dem man gute Taten verüben kann. Beispielsweise einer Ehefrau ihren untreuen Mann melden, einem kleinen Dreikäsehoch vor einer ungemütlichen Tracht Prügel durch den Dorfgrobian bewahren oder ein paar Kisten bewachen.

Na, wenn das kein Angebot ist? Aber was wäre, wenn unser strahlender Held kein strahlender Held wäre, sondern eher ein… äh… Arschloch wäre, das vom erwischten Ehebrecher Schweigegeld herauspresst, dem Dorfgrobian bei der Unterdrückung anderer Kinder hilfreich zur Seite steht und die zu schützenden Kisten kurzerhand zu Kleinholz verarbeitet? Er bekäme ebenfalls all das, was er braucht, um die Aufgaben zu lösen, nur halt auf die etwas unfreundlichere Art. Diese Entscheidungsfreiheit zieht sich durch das ganze Spiel und endet nicht nur darin, ob man als superheldenhafte Lichtgestalt mit Doppel-Heiligenschein und Schmetterlingen oder als verhärmter Oberfiesling mit Hörnern und ungesunder Gesichtsfarbe durch die Gegend stapft. Nein, auch seine sexuelle Ausrichtung kann man „lenken“.

Ist man beispielsweise ein richtig guter Mensch, wird man von den Mitmenschen nicht nur lauthals angefeuert und umjubelt, sondern es verlieben sich auch immer ein paar dieser Leute, gut erkennbar an kleinen oder großen Herzchen über den Köpfen. Will man seinen Einfluss steigern, stellt man sich in Positur, benutzt ein paar der im Spiel verfügbaren Emoticons und hofft, dass was passiert.

Unter den Emoticons versteht man dabei Aktionen, die die Person gegenüber überzeugen beziehungsweise einlullen soll oder aber abschreckend oder gar Angst einflößend wirkt. So kann man sein Gegenüber entweder freundlich anlachen, ihm angeberisch die Muskeln zeigen, wie ein Wahnsinniger anbrüllen, einen kleinen Tanz vorführen oder aber auch schlicht anpupsen. Die Reaktionen sind meist entsprechend freundlich oder unfreundlich.

Doch zurück zum Sex. Um an Sex zu kommen, braucht man bei Fable – The Lost Chronicles drei Dinge: Geld, Ansehen und Attraktivität. Die Sache mit dem Geld ist einfach. Man haut Gegner platt, sammelt deren Gold und Habe ein und verkauft letzteres, wenn man an einen Händler gerät oder aber absolviert Missionen, in denen man zwar auch meist irgendwas oder irgendwen windelweich kloppt, dafür aber nochmals Geld bekommt. Das Geld investiert man dann umgehend in Geschenke wie die bereits bekannte Schokolade, in Parfüm, Blumen oder sündhaft teurem Schmuck.

Die Sache mit der Attraktivität ist schon schwerer. Rennt man schwer gepanzert in einer Furcht erregenden Rüstung rum, die im Kampf super Dienste leistet, dann erschreckt man die potentiellen Lustpartner nur. Also wechselt man regelmäßig seine Kleidung, um die Leute nicht zu verschrecken. Rüstungen und Kleidung besitzen, wie auch Waffen, rollenspieltypische Werte-Veränderungen wie die Stärke der Rüstungen und Attraktivitäts- und Bedrohungs-Punkte. Wer wie ein Meuchelmörder aussieht und allein durch die Rüstung Angst und Schrecken verbreitet, wird so schnell nicht Pimpern dürfen.

Um dem entgegenzuwirken, kann man sich – entweder zum Ausgleich oder zur Steigerung eines zu negativen Attraktivitätswerts - auch Frisuren, Bärten oder Tattoos zulegen. Da Kleidungen meist in Sets vorliegen, kann man sich im Inventar mit nur einem Klick auf ein anderes Set seiner bedrohlichen Rüstung entledigen, um sodann in freundlich wirkender Robe vor der staunenden Menge zu stehen.

Als letztes fehlt noch das Ansehen und das bekommt man, in dem man sich einen Namen macht. Wer nur rumgurkt und seine Missionen nicht wirklich zur Zufriedenheit der Auftraggeber erledigt, wird man von seinen Mitmenschen eher belächelt denn gefeiert. Wer also eher als Hühnchen denn als Paladin gerufen wird, weiß, dass er noch einiges an Arbeit zu erledigen hat. Kurios: Gewinnt man bei einem Hühnchenweitschieß-Wettbewerb, darf man sich sogar als Hühnchen verkleiden. Sollte man etwas Geld übrig haben, darf man sich auch einen netten Titel kaufen, mit dem man dann in Zukunft gerufen wird.

Aber nehmen wir mal eine Sekunde an, man hat Geld und Geschenke im Überfluss, eine Attraktivität wie ein junger Gott und ist beliebt wie ein Rockstar. Nehmen wir ferner an, eine Frau – oder Mann! – interessiert sich für uns. Was tun? Nun… hin zur Frau oder zum Kerl, mit Geschenken und Geld überhäufen und hoffen, dass das Herzchen über deren beziehungsweise über dessen Haupt immer größer wird, denn das symbolisiert den Verliebtheitsgrad. Ist die Liebe zu uns kaum noch Steigerungsfähig, wird uns klargemacht, einen Hochzeitsring zu kaufen. Wird gekauft…. Doch wo soll das traute Paar leben? Da es in jeder größeren Siedlung Häuser zu kaufen gibt, kauft man sich also für – verdammt viel – Zaster eines dieser Gebäude und investiert gleich noch mal Unsummen ins Haus, damit es da auch einigermaßen wohnlich ist. Wer jetzt glaubt, zum Schuss zu kommen, wird aber wieder enttäuscht. Denn jetzt muss das holde Eheweib beziehungsweise der Ehemann regelrecht bestochen werden und zwar abends. Irgendwann, nachdem man Geld ohne Ende in den verehrten Lebenspartner – Achtung, Wortwitz! - gesteckt hat, geht’s zur Sache. Fast wie im echten Leben, was? Und da man in jeder Siedlung eine Ehefrau oder einen Ehemann haben kann, die auch noch mit regelmäßigen Geschenken und Besuchen bei Laune gehalten werden wollen, wird ein polygames Eheleben sehr schnell zu einem teuren Vergnügen.

Ok, Sex ist abgehakt, aber logischerweise nicht Hintergrundstory von Fable. Wie eingangs schon erwähnt hat Schwester Geburtstag und man besorgt ihr ein nettes Geschenk. Doch die Geburtstagsfeier sieht leider anders aus, als geplant. Denn ein Trupp von mordgierigen Gesellen stürmt das Dorf, massakriert jeden, der sich sehen lässt, darunter auch unseren Vater, und verschleppt die Schwester und die Mutter des angehenden Helden. Als wäre das nicht schon genug Aufregung für einen Tag, taucht plötzlich ein geheimnisvoller Magier auf, rettet Junior und bringt ihn auf eine Art Helden-Schule, in der ihm alles beigebracht wird, was ein Held so braucht: Der Umgang mit Schwert, Magie und dem Bogen.

Und damit stehen wir wieder vor der Entscheidung, was wir in Zukunft verstärkt machen wollen: Gegner mit dem Schwert tranchieren, mit dem Feuerball rösten oder mit flinkem Pfeil piercen. Man kann zwar später in jede der Kampfdisziplinen, je nach eigenem Gusto, Erfahrungspunkte investieren, sollte allerdings auch die körperlichen Attribute wie Intelligenz oder Widerstandkraft nicht vernachlässigen.

Interessant: Steigert man bei der Erfahrungspunktevergabe ein Attribut oder lernt neue Zauber, altert der Charakter zusehends. Am Ende des Spieles ist man dann körperlich ein alter Mann, was teilweise verwirren kann, wenn man beispielsweise während einer Mission seine Schwester trifft, die wie eine Frau von Anfang 20 wirkt, man selber aber dank intensiver Erfahrungspunkte-Investition annähernd 60 Jahre alt ist.

Um Erfahrungspunkte zu sammeln, muss man Kämpfen und hoffentlich auch gewinnen. Kämpfe funktionieren eigentlich immer nach Schema F. Hier Held, da Gegner, Waffe zücken, und solange draufhauen, bis der Gegner tot ist. Wer viel Erfahrungspunkte in den Schwertkampf legt, säbelt seine Gegner schneller, viel effektiver und meist auch tänzerischer nieder. Das gleiche gilt auch für den Einsatz von Magie. Ist er erste Zauber noch ein putziger Blitz, der die Gegner ansengt, haben spätere und voll ausgebildete Zauber die Macht, mehrere Gegner in der Nähe regelrecht zu zerfetzen.

Im Laufe der Missionen wird immer klarer, wer hinter dem Angriff auf das Heimatdorf war und aus welchem Grund Menschen, die man im Laufe der Jahre als Freunde schätzen lernte, einen unverzeihlichen Verrat begehen und treibt so die Motivation gekonnt in die Höhe.

Grafisch merkt man Fable – The Lost Chapter seine Herkunft von der Xbox nur bedingt an. Zwar wirken einige Charaktere etwas polygonarm und auch die Animationen sind gelegentlich etwas abgehakt, von einer lieblosen Portierung kann aber nicht die Rede sein. Tolle Weitsicht, augenfreundliche Texturen und größtenteils überzeugende Animationen wissen zu überzeugen. Was weniger begeistert sind die in Level unterteilten Gebiete. Wer also von Ort A nach Ort B will, kann sich seelisch schon mal darauf einrichten, möglicherweise durch fünf oder sechs Einzellevel rennen zu dürfen, die natürlich separat nachgeladen werden. Zum Glück sind die Ladezeiten aber – je nach System - recht kurz.

Auch beim Sound kann man wenig meckern. Die deutschen Synchronsprecher machen allesamt einen hervorragenden Job und hinterlassen einen mehr als guten Eindruck. Dennoch muss man sagen, dass die britischen Sprecher dank ihres Akzentes streckenweise mehr Atmosphäre aufbauen können. Die Musik von Fable lädt größtenteils zum Träumen ein, auch wenn die Musikauswahl begrenzt ist.

Fazit

Nun, Fable - The Lost Chapter ist kein episches Rollenspiel vom Schlage eines Morrowind oder so abwechslungsreich wie Star Wars: Knight of the Old Republic aber es ist spielens- und liebenswert. Selten hat mich ein Spiel schon von Beginn an so gefesselt und konnte mich auch bis zum Ende hin begeistern. Die abwechslungsreiche Story, die dank freier Charakterentwicklung Wiederspielbarkeit bietet und nicht zuletzt der schöne Soundtrack machen Fable - The Lost Chapter zu einem kurzen aber intensiven Spielereignis, von dem es in letzter Zeit leider wenige auf dem PC gab. Für mich ein weiteres Meisterwerk von Peter Molyneux.

Fable - The Lost Chapters [PC , looki.de]

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