Fate of Hellas

Review
Plattform
PC
Vertrieb
JoWood
Entwickler
World Forge
Erscheinungsdatum
-
Genre
Strategie
USK
16
Fate of Hellas [PC , looki.de]

Gesamtwertung

59%/10

Grafik

Befriedigend

Sound

Befriedigend

Lanzeitspaß

Mangelhaft

Spieleinstieg

Befriedigend

Bedienung

Befriedigend

Fate of Hellas

Beim Namen Fate of Hellas dachten wir im ersten Moment wirklich an eine Nachspeise eines x-beliebigen griechischen Restaurants – Entwickler World Forge war fleißig wie ein ganzer Arbeiterschwarm Bienen und bastelte nicht nur Fate of Hellas, sondern auch den Titel Golden Horde und schickte beide RTS-Spiele parallel in die Läden. Ob das so ein gutes Omen ist? Warum zumindest bei Fate of Hellas ganz passable Echtzeitstrategie-Kost herausgekommen ist, erklären wir Euch im Gourmet-Spezial, pardon Test.

Griechische Schlachtplatte...

Große, epische Schlachten: Nicht mehr und nicht weniger verspricht Fate of Hellas auf der Rückseite der Hülle. Ein Versprechen, mit dem schon manche Echtzeitstrategie-Titel auf die Nase geflogen sind. Denn zu einem Epos gehört auch eine packende Geschichte und markante Charaktere – ob nun gut oder böse. Das sieht das Spiel scheinbar anders und langweilt den Genre-Fan zuerst einmal mit einem grob aufgelösten Intro und einem Sprecher, der am Tag zuvor wohl zu tief ins Glas geschaut und todmüde ins Tonstudio gekommen sein muss.

Anders können wir uns diesen Verzicht auf Elan und Betonung jedenfalls nicht erklären. Überhaupt braucht Ihr von Fate of Hellas keine ergreifende oder besondere Geschichte erwarten – die eingestreuten Handlungsfetzen – ob nun vor bzw. nach oder innerhalb einer Mission – liefern nämlich absolut keinen Ersatz und wirken reichlich blass. Aber wir wollen den Titel nicht schon zu Beginn in Grund und Boden reden: Fate of Hellas hat nämlich auch gute Seiten.

Es bietet ein nettes Einheitensystem, dass es dem Spieler erlaubt, die Ausrüstung der Mannen auch nach der Rekrutierung noch zu verbessern. Die Schritte dazu sind recht einfach: Werkstatt und Schmiede bauen und nach neuem Equipment forschen lassen. Schwerter werden dann auf Wunsch beispielsweise durch Speere ausgetauscht, die mehr Schaden anrichten.

Damit diese Verbesserungen nicht schon beim nächsten Kampf für die Katz waren, da Soldat XY zu wenig aushält, bietet der Titel kleinere Rollenspiel-Anleihen. Für besiegte Gegner und erreichte Missionsziele freuen sich Einheiten aller Art über Erfahrungspunkte, die sie irgendwann in die nächsthöhere Stufe schicken und ergo natürlich stärker und widerstandsfähiger werden lassen. Das gab es zwar schon in diversen, anderen Genre-Vertretern, macht den trockenen Strategen-Alltag aber doch um einiges interessanter. Fate of Hellas sucht seine Stärken bewusst im Aufbaubereich: Je nach Fraktion habt Ihr wie gewohnt eine Hauptbasis – bei den Spartanern zum Beispiel die Akropolis –, die wenn möglich nicht dem Gegner zum Opfer fallen darf.

Zum Bauen von Gebäuden, zum Rekrutieren von Einheiten und zum Erforschen neuer Waffen und Schilde benötigt Ihr Gold und Holz. .

Goldvorkommen befinden sich zumeist ganz in der Nähe der Basis, nah anliegende Bergwerke oder Waschanlagen (Ägypter) sind daher genauso selten ein Problem wie beständiger Holznachschub, für den einfaches Arbeitervolk einfach nur zu Bäumen befehligt werden muss – der Rest geschieht von allein.

Kasernen dienen nach wie vor der Anheuerung frischer Soldaten, mit einer Neuerung: Bevor Ihr die Ausbildung in Auftrag gebt, erstellt Ihr knappe Soldaten-Presets, die Ihr dann über den gewohnten Shortcut für kommende Rekrutierungen erreicht. Habt Ihr frische Gegenstände erforscht, könnt Ihr diese in der Kaserne – oder auf dem Schießplatz, der die gleiche Funktion erfüllt und zusätzlich neue Rekruten mit Stufe eins statt Stufe 0 in die Schlacht schickt – als neues, vorgefertigtes Einheitenmuster in die Anheuerungsleiste schieben.

Das ist äußerst komfortabel und vermeidet unnötige Neueingaben. Statt wie die Warhammer-Titel auf gewisse Limtis bei der Erstellung von Einheiten und Kriegsgeräten zu setzen, überlässt Euch Fate of Hellas hier eine freie Hand. Quasi könnt Ihr beliebig viele Einheiten erstellen, müsst parallel jedoch aufpassen, dass Euer Nahrungsvorkommen nicht nur Neige geht.

Genug Holz vor der Hütte?

Also heißt es: Bauernhöfe zur Ernte von Weizen erstellen und Speicher errichten, um Mittel so besser zu lagern. Kommt Ihr diesem nicht nach, ziehen Soldaten geschwächter in den Kampf. Selten reicht dabei jedoch ein Speicher aus – gerade bei größeren Truppenbeständen solltet Ihr hier vorsichtshalber gleich drei oder vier dieser Sorte erbauen.

Nicht immer lässt Euch die gegnerische künstliche Intelligenz dabei jedoch ausreichend Zeit: Ständig wird in Eure Bauphase gefunkt, Abhilfe schaffen Holz- und Steinfallen, die Ihr mit Bedacht einsetzen solltet. Bekommt man dadurch den Eindruck, dass die KI äußerst aggressiv vorgeht, hat man sogar Recht.

Schnell lassen sich jedoch Schwächen erkennen: Uns kam es in den Testsessions so vor, als ob Feinde keine rechte Kriegsmoral besitzen. Selbst wenn Ihr eine ganze Horde bravourös erledigt habt und nur noch ein einzelner Fußsoldat auf sein Ableben wartet, greift dieser wie gewohnt an. Rückzugs-, Flankierungs- oder andere taktische Muster scheint es nicht zu geben, selbst feindliche Steinfallen scheinen nicht per KI-Hand, sondern eher mit einem automatischen Schalter, in dem Moment, in dem wir die Angriffsfläche passieren, ausgelöst worden zu sein.

Das ist reichlich schade und lässt gegnerische Fraktionen arg gesichtslos erscheinen. Charakteristische Züge findet Ihr woanders, nur nicht bei Fate of Hellas – genauso wie spannende Kampagnen. Im Offline-Modus werden Euch lediglich zwei Kampagnen – Spartaner und Makedonier - mit je sieben Missionen angeboten: Für einen Preis von knapp 25,- Euro ist aber noch okay. Nicht okay sind allerdings die spannungsarmen Aufträge, die selten vom „Aufbauen und Niedermachen“-Schema abweichen, was schon nach dem dritten Feldzug nerven kann.

Eine Langzeitmotivation sieht jedenfalls anders aus – auch für den Preis. Gerade deshalb fragen wir uns, warum es kein Online-Modus in das fertige Spiel geschafft hat – eigentlich eine Seltenheit im Genre. Schattenseiten anderer Art gibt es übrigens noch genug: Vor allem wenn die Wegfindung der eigenen Einheiten-KI wieder spinnt, heißt es tief durchatmen. Wer außerdem den Quasi-Vorgänger Ancient Wars: Sparta kennt, für den ist Fate of Hellas keine lohnenswerte Investition. Die angesprochen 14 Aufträge in den zwei Kampagnen, Mehrspielerkarten und ein paar neue Einheiten sind so ziemlich die einzigen Neuerungen im vorliegenden Spiel.

Hinzu kommt dass man die Makedonier unter Alexander noch nicht einmal im Mehrspielermodus anwählen kann. Von den auf der Hülle versprochenen vier Parteien ist zumindest in diesem Bereich nicht viel übrig geblieben. Auch optisch hat man bei Fate of Hellas scheinbar keine Frischzellenkur riskieren wollen. Polygon- und detailarme Einheiten mit wenigen Bewegungsmustern prügeln sich in eher unspektakulären Umgebungen die Birne ein – über die selbst bei maximalen Details grausig verwaschenen Texturen hüllen wir gleich den Mantel des Schweigens. Immerhin sind die Effekte recht ordentlich, dem netten Physiksystem bei zerstörten Gebäuden oder erschlagenen beziehungsweise überfahrenen Fußsoldaten sei Dank. Was allerdings die Billig-Dudelei als Musikuntermalung sollte, wollte uns keiner klären.

Das Ganze klingt wie einem Saufabend im griechischen Restaurant entnommen – da hört sich die Musik nämlich auch nicht viel besser an. Immerhin haben wir somit unseren Artikelkreis geschlossen und erläutert, warum uns Fate of Hellas irgendwie an den Stammgriechen um die Ecke erinnert – ist ja auch was.

Fazit

Ob World Forge auch mit The Golden Horde so verfahren hat und selbiges nur wenig Neues bietet wie Fate of Hellas? Wir werden es Euch in den nächsten Tagen sagen können. Zumindest für den griechischen Teil ist das Projekt Parallelentwicklung und -veröffentlichung aber fehlgeschlagen: Fate of Hellas ist so unscheinbar wie eine zermatschte Fliege an einer Hochhaus-Fensterscheibe und kann kaum mit Dingen aufwarten, die man nicht schon woanders tausend Mal besser gesehen hätte - vom interessanten, aber ausbaufähigen Einheitssystem einmal abgesehen. Dass auch noch ein Online-Modus auf der 'Nicht haben'-Liste steht, nehme ich den Entwicklern übel. Wer so richtig auf Strategie-Spiele abfährt und zufällig 25,- Euro locker hat, kann durchaus einen Blick wagen - alle anderen soltlen sich nach besseren Alternativen umschauen und zusätzlich unseren Test zu The Golden Horde abwarten.

Fate of Hellas [PC , looki.de]

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