Gesamtwertung78%/10 |
GrafikSehr gut SoundGut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegSehr gut |
BedienungGut |
Die Bundesligasaison 2005/2006 ist erst einige Wochen alt und schon zeichnen sich zwei Dinge mal wieder glasklar als nahezu traditionelle Ereignisse ab: Bayern München nistet sich auf Platz Eins der Bundesliga ein und Electronic Arts wirft einen neuen Ableger seiner Fußballsimulation auf den Markt: FIFA 06.
Nun kann man von den bajuwarischen Ledertretern halten was man will, erfolgreich sind sie! Sie stecken Unsummen an Gehältern und Ablösesummen in die Mannschaft, gewinnen meist durch überlegendes Fußballspiel oder aufgrund von dusseligen Gegnern und stemmen in fescher Lederkluft fast jedes Jahr eine lustige Schüssel in die Münchner Stadtluft und feiern ihren Meistertitel.
Electronic Arts war auch lange Zeit ein unumstrittener Meister in Sachen Fußball-Spielen, was aber weniger dem tollen Spiel als vielmehr dem Umstand zu verdanken war, dass es schlicht keine nennenswerten Konkurrenztitel zumindest für PCs gab. Alljährlich kam ein neuer FIFA-Ableger auf den Markt, der sich meist nur aktualisierten Spielerdatenbanken, einigen mehr oder minder sinnvollen Steuerungsänderungen unterschieden. Unabhängig davon gab es jedoch immer reichlich kosmetische Überarbeitung und nicht zuletzt eine Jahreszahl hinter dem Spielnamen immerhin. Und dann kam Konamis PC-Umsetzung von Pro Evolution Soccer und zeigte den verdutzten PClern, wie Fußball richtig aussieht.
Dies konnte und kann EA natürlich nicht auf sich sitzen lassen, denn schließlich hat man einen Ruf zu verlieren.
Also bastelte man hier, änderte dies, verbesserte jenes, korrigierte Schwachpunkte, feilte an der Grafik, an der Steuerung, an der spielerischen Abwechslung und heraus kam dieses Jahr: FIFA 06. Das Spiel stützt sich auf die vollständige FIFA-Teamdatenbank vom 24.08.2005. Somit sind alle Transfers, die bis zu diesem Zeitpunkt stattfanden, in Fifa 06 berücksichtigt. Und wir reden hier von 21 lizenzierten Ligen und über 10.000 Spielern.
Lust auf eine Managerkarriere abseits von Managerspielen wie Fussball Manager 06 oder Anstoss? Nun, FIFA 06 lockt mit einer bis zu 15jährigen Managerkarriere, die es dem Spieler erlauben soll, die Geschicke des Vereins zu lenken. Allerdings sind die Managerfähigkeiten arg begrenzt. Man kann am Saison-Beginn mit Sponsoren handeln, kann die Eintrittspreise von Heimspielen einstellen, in unregelmäßigen Abständen mit einem Journalisten reden und sofern der Verein über genügend Finanzmittel verfügt spielstarke Spieler ein- und schwache Spieler verkaufen. Nebenbei wird in Statistiken geschmökert und an der Aufstellung und Spielformation geschraubt. Das wars dann auch schon.
Spielerisch beschränken sich die Änderungen im Vergleich zur Vorjahresversion auf Flickschusterei im Detail. Das 'Off the Ball'-Feature flog raus und nichts anderes kam rein. Dafür wurde an der KI der Gegner geschraubt - allerdings nicht gerade zum Guten verändert!
Einfache Flanken oder der simple Pass in die Mitte, um die gegnerische Abwehr auszuschalten, klappen jetzt seltener und man muss sich also was überlegen, um diese auszutricksen. Anders sieht es leider bei den eigenen Kickern aus, denn diese rennen oftmals wie verschreckte Hühner über den Platz und bieten gegnerischen Stürmern nur allzu oft genug Platz zum Toreschießen. Ist der Gegner oder man selber aber erst einmal in den Strafraum eingedrungen, ist alsbaldiger Toresjubel fast vorprogrammiert, denn die Torhüter-KI macht leider viel zu oft Mittagspause. Nervig ist auch, dass ein und dieselbe Taktik fast immer egal bei welcher Mannschaft und in welchem Schwierigkeitsgrad zum Erfolg führt. Rennt man von der 16-Meter-Linie im flachen Winkel auf das Tor zu und schießt, greift der Torwart in vier von fünf Versuchen hinter sich. Ferner hat FIFA 06 noch immer mit den gleichen Problemen zu kämpfen, die schon die Vorgänger plagten: Eine unglaubwürdige Ballphysik, statischer Spielauflauf, Tore im Minutentakt und eine unpräzise Steuerung. Letzters ist besonders enervierend, denn wenn man nach links oben passen will, wieso kullert dann das Leder in eine andere Richtung?
Einzige nennenswerte Neuerung bei FIFA 06 ist die so genannte Teamchemie. Nun ist es eigentlich fast schnuppe, ob man die teuersten und besten Spieler der Welt im Kader hat, denn wenn sie sich nicht mögen beziehungsweise harmonieren, dann kann das Spiel ganz böse enden. Ein klassisches Beispiel für Teamchemie ist ein Rückstand. Hat die Mannschaft die Kraft und vor allem den Willen, den Ausgleich zu machen oder gar das Spiel zu drehen? Im einfachen Spiel hat dies fast keine Auswirkungen, dafür aber im Managermodus. Holt man sich beispielsweise einen Superstar als Stürmer in eine eingespielte Mannschaft, kann es schnell passieren, dass die Sturmkollegen ob der übermächtigen Konkurrenz massiv an Moral verlieren und dem Geschehen nur noch hinterhertrotten.
Auch Niederlagen gegen vermeintlich schwächere Mannschaften trüben die Teamchemie, während der Sieg gegen den amtierenden Meister und Tabellenersten das Wir-Gefühl festigt.
Technisch leistet sich EA bei FIFA 06 - wie kaum anders zu erwarten kaum eine Schwäche. Die Animationen der Spieler sind wie immer überzeugend und abwechslungsreich. So ähnelt ein Torjubel selten dem vorherigen und auch das offensichtliche Hadern mit dem Schicksal, wenn der Stürmer das x-te mal am Kasten vorbei ballert, wirken wie bei einer Fußballübertragung im TV. Auch sonst versucht FIFA 06 mit allen Mitteln, Fernsehatmosphäre aufzubauen. Wechselnde Kameraperspektiven und SloMo-Wiederholungen bei Treffern sind nur zwei Beispiele. Allerdings hat EA bei der Auswahl der Sprecher etwas gepatzt. Während Thomas Herrmann noch einigermaßen erträglich das Geschehen auf dem Rasen kommentiert, scheint Patrick Wasserziehr eine neue Form der Unlust auszuleben. Selten vernahm man bei einem FIFA-Titel einen dermaßen unmotivierten Sprecher. Zum Glück sind auf der DVD auch die englischen Kommentatore vorhanden.
Einen weiteren Fauxpas, der der Qualitätssicherung von Electronic Arts einfach nicht unterlaufen durfte, da das Problem seit der Demo bekannt ist, ist der USB-Steuergeräte-Bug. Wer eine USB-Tastatur und USB-Maus am Rechner angestöpselt hat, kann unter Umständen FIFA 06 nicht spielen, da sich diese Steuergeräte in das Spiel einklinken und wild Menüs öffnen und schließen und ein Steuern der Spielfiguren unmöglich machen. Abhilfe schafft zwar hier und da das Installieren von Maus- und Tastaturtreibern des jeweiligen Herstellers, aber Kundenfreundlichkeit sieht anders aus.