Gesamtwertung80%/10 |
GrafikGut SoundGut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Pro Evolution Soccer oder FIFA?Jährlich beschäftigt und spaltet diese Frage gleichzeitig eine ganze Spielerschaft aufs Neue. Entwickler EA lockt mit Originallizenzen und einer mehr als eindrucksvollen Präsentation, wohingegen Spieleschmiede Konami dem Spieler in PES ein authentisches Gameplay und perfekte Ballphysik bietet. Auf Microsofts NextGen-Konsole soll EA nun aber die Revolution glücken, der Fangemeinde das realistischste FIFA aller Zeiten zu präsentieren. Ob dies gelungen ist und wie sich FIFA 07 im Vergleich zu PES 6 schlägt, erfahrt ihr in unserem Looki-Review.
Riesiger Umfang trotz wenig Ligen
Im Vergleich zum beschnittenen Pro Evolution Soccer 6 kommt der Konkurrent aus dem Hause EA mit einer Fülle an Modi, Einstellungsmöglichkeiten, sowie einem mehr als ausreichenden Editor daher. Neben dem klassischen schnellen Spiel, verfügt FIFA 07 beispielsweise über einen verbesserten Managermodus, in welchem es dem Spieler diesmal möglich ist, Sponsoren an Land zu ziehen, oder einen Assistenten auf Talentsuche zu schicken.
Dabei werdet ihr wöchentlich mit Nachrichten in Form von E-Mails oder mit Meldungen aus der Tageszeitung versorgt. Ein Manko, welches hier deutlich ins Gewicht fällt ist die Tatsache, dass nur sechs Ligen zur Verfügung stehen. Somit ist es weder möglich den Verein von der zweiten in die erste Liga zu führen, noch kann man bekannte Talente aus unteren Klassen verpflichten. Ein Abstieg ist dadurch ebenfalls unmöglich. Schade auch aufgrund der Tatsache, dass sich Spieler jetzt weiterentwickeln können, indem man sie in bestimmten Bereichen aufstuft. Somit werden also nur gestandene Spieler aus den ersten Ligen weiter aufgestuft. Darüber hinaus fielen der Xbox 360-Version zahlreiche Stadien zum Opfer, sodass man sich erst langsam daran gewöhnen muss mit dem HSV die Heimspiele im Estadio Delle Alpi anzutreten.
Weiterhin findet der Herausforderungsmodus, in welchem man auf internationaler Bühne zahlreiche Aufgaben meistern muss, wieder Einzug ins Spiel. Schnell stellt man fest, dass die knapp 80 Aufgaben ausgewogen und innovativ sind. So muss zum Beispiel ein 1:0 Rückstand ab der 60. Minute durch das Tor eines Einwechselspielers wieder wettgemacht und dann in einen Sieg umgemünzt werden. Wie auch in FIFA Fußballweltmeisterschaft 2006 darf man sich bei erfolgreich abgeschlossener Aufgabe über Punkte freuen, die wiederum im EA Sports Shop gegen verschiedene Bälle, Trikots, Stadien, Fotos, Mannschaften, Schuhe oder auch Torjubel eingetauscht werden können.
Letztere können dann einem selbst erstellten Spieler zugewiesen werden. Zu guter Letzt bietet FIFA 07 die so genannte FIFA-Lounge. Hier können bis zu acht Spieler gegeneinander antreten, um den Champion untereinander zu krönen.
Mit einem gelungenen Handicap-System wird es dabei auch für schwächere Spieler einfacherer die stärkeren zu bezwingen.
Auch die enorme Fülle an Statistiken sind Fans der FIFA-Reihe nicht gewohnt. So finden sich vor und nach dem Spiel, sowie in der Halbzeitpause nicht nur teamspezifische, sondern auch spielerspezifische Statistiken. Auf einem kleinen Spielfeld wird ebenfalls angezeigt, wo Ereignisse, wie Tore oder Fouls stattgefunden haben. Wer nun aber denkt, dass die Statistiken keine weiteren Auswirkungen haben, irrt gewaltig. Je mehr Fehlpässe, gelbe Karten oder Fehlschüsse ihr produziert, desto schneller sinkt die Motivation eurer Spieler. Diese hat wiederum Auswirkungen auf das eigentliche Spielgeschehen.
Neue Engine, neue Macken?
Mit einer neuen Engine versehen, versucht Entwickler EA nun auch in Sachen Gameplay und Ballphysik gegen den Konkurrenten PES zu punkten. Eines vorweg, FIFA 07 wirkt auf jeden Fall realistischer als jemals zuvor. Die Bälle verspringen nun öfter, Flanken erreichen nun eine realistische Höhe und Schüsse schlagen nicht mehr ins Tor ein, als wären sie Geschosse aus einem Gewehr. Dadurch wird das ganze Spielgeschehen authentischer und man stellt fest, dass FIFA nicht mehr statisch und vorbestimmt, sondern durchaus flexibel und lebendig wirkt. So gleicht kein Tor dem anderen, auch wenn ab und an das Prinzip, den Torwart anzuschießen und dann den Abpraller zu verwandeln dennoch aufgeht.
Auffällig ist jedoch, dass Schüsse, die auf oder am Tornetz landen, dort zu kleben scheinen, als wären sie auf ein Spinnennetz getroffen. Dadurch erkennt man manche Tore erst auf den zweiten Blick. Auf Tricks, wie Übersteiger, dem Okocha-Move oder Scheren wurde zudem gänzlich verzichtet, sodass der rechte Analogstick in diesem Jahr lediglich dazu dient, den Ball einige Meter weiter vorzulegen. Ob diese Änderung wirklich sinnvoll ist, sei dahingestellt, in unserem Test jedoch führten diese Aktionen meist zum Ballverlust. Somit bleibt dem Spieler nichts anderes übrig, als durch Passspiel und geschickte Dribblings, die am besten gelingen, indem man das Tempo aus dem Lauf nimmt, den Gegner zu überlisten.
Ein Manko, welches bei wiederholtem Spielen auffiel, sind die unrealistischen Grätschen, welche die zum Großteil vom Schiri wie eine Blutgrätsche geahndet werden. So hatten wir nach knapp zehn Testspielen ganze elf rote Karten auf dem Konto verbucht. Wer also nicht schnell in Unterzahl geraten will, setzt die Grätsche überlegt ein, oder verzichtet gänzlich auf dieses Mittel der Ballgewinnung. Damit bleibt dem Spieler dann nur noch der normale Zweikampf, der darin besteht neben dem gegnerischen Spieler herzulaufen und ihm mit kleineren Remplern den Ball zu stehlen. Vorsicht ist jedoch auch hier geboten, pfeift der Schiedsrichter, wie auch im Konkurrenten PES, solche Attacken ebenfalls des Öfteren. Gefahr durch schnell ausgeführte Freistöße drohen jedoch dann nicht, da dieses Feature dem Konami-Titel vorbehalten ist.
Weiterhin wirkt das Spiel an den meisten Stellen zu schnell und zu überzogen. Hier rasen die Spieler in einem enormen Tempo von einem zum anderen Ende des Platzes; lediglich der Erschöpfungsbalken, welcher erstmals in langfristige und kurzfristige Ermüdung aufgeteilt ist, bremst den Spieler nach langen Sprints und verlangsamt das Spielgeschehen, das dadurch dann gegen Ende des Spiels immer glaubwürdiger wird.
Die KI Schwach wie immer
Leider kommt neben der verbesserten Ballphysik und dem authentischen Gameplay die KI wieder einmal zu kurz. Der Gegner verliert sich, wie bereits auch in den Vorgängern, oftmals in sinnlosen Dribblings an der Strafraumkante, anstatt einen Schuss zu wagen.
Auch von den individuellen Eigenschaften der Spieler ist im Spiel gegen den Computer nichts zu sehen.
Dies lässt sich jedoch ebenfalls durch die mehr als dürftige KI erklären, denn steuert man beispielsweise Frank Lampard selbst, so lässt sich eine bessere Schusstechnik, sowie eine Haltung erkennen, die dem Vorbild eindeutig gleicht. Auch die Torhüter sind von der KI betroffen, lassen sie doch des Öfteren harte Schüsse direkt vor des Gegners Füßen abprallen, sodass dieser nur noch einschieben muss. Besserung bietet dann nur noch die Flucht in einen höheren Schwierigkeitsgrad, der dann aber den Computer zu einem schwer zu bezwingenden Gegner macht.
Hexenkessel oder Geisterspiel?
Wenn eines in den letzten Jahren außer Frage stand, dann die grafische Präsentation der FIFA-Reihe. So bietet EA von den Spielermodellen, welche nun ein täuschend ähnliches Abbild ihrer realen Vorbildern darstellen, bis hin zu den Stadien einen erstaunlichen Detailgrad. Auch wenn die meisten Spieler wie Wachsfiguren wirken, so zeigen sie nun erstmals glaubhafte Emotionen bei Fehlschüssen, verursachten Elfmetern oder begangenen Fouls.
Auch wenn die meisten Spieler wie Wachsfiguren wirken, so zeigen sie nun erstmals glaubhafte Emotionen bei Fehlschüssen, verursachten Elfmetern oder begangenen Fouls. Schön ist auch zu sehen, dass lange Haare, Trikots und Hosen sich nun ebenfalls mitbewegen und nicht nur starr am Körper des Spielers sitzen. Lediglich bei den Zuschauern hat EA wieder einmal geschlampt. Leblose 2D-Texturen ersetzen hier den begeisterten Fan auf den Rängen, auch wenn diese Tatsache der Stimmung im Stadion Abbruch tut. Erneut fiel uns hierbei der oft verwendete Blur-Filter auf; vielleicht versucht man dadurch das Augenmerk auf die Spieler zu lenken, um gleichzeitig von den grafisch anspruchslosen Zuschauern abzulenken? Nebenbei bemerkt sind die Fangesänge unsrer Meinung nach ebenfalls in vielerlei Hinsicht nicht up to date, so erklingen bei einem Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft immer noch Es gibt nur einen Rudi Völler-Rufe. Alles in Allem ist die Atmosphäre im Stadion dennoch gut gelungen.
Das Kommentatorenduo erweist sich dagegen als eines der schwächsten Features, die FIFA 07 bietet. Oftmals wird der eigene Torwart als unterirdisch schlecht bezeichnet, obwohl er später in den Statistiken als Spieler des Tages aufgeführt wird.
Ebenfalls Kommentare in Bezug auf klare Fouls erweisen sich meistens als daneben. Wer jedoch gerne mehr über die Geschichte des Fußballs erfahren will, sollte dem Duo Bayer und Hellmann aufmerksam zuhören. Nicht selten gibt es hier einige interessante Informationen zu jeweiligen Vereinen; schade nur, dass sich diese schon nach wenigen Spielen wiederholen. Über die in FIFA 07 verwendeten Musikstücke lassen sich dagegen nur Lobeshymnen anstimmen. Die Auswahl ist wie jedes Jahr exzellent und reicht von Rock über Techno bis hin zu Electro-Pop.
'Jetzt ist die (Online)-Saison'
Während der Testphase überraschte uns der Multiplayermodus noch am meisten. In verschiedenen Modi, wie dem schnellen Spiel, oder der FIFA-Lounge könnt ihr dabei gegen zahlreiche Spieler antreten, um auf der Rangliste nach oben zu klettern. Das Hauptaugenmerk liegt aber ganz klar auf dem Multiplayer-Coop Modus, in welchem man mit bis zu vier Freunden gleichzeitig gegen Spieler aus aller Welt antreten kann.
Dadurch, dass die schwache KI des Computers echten Gegnern weicht, spielt sich der Mehrspieler schneller und schwieriger. Der Spieler wird hier wirklich gefordert und schon nach kurzer Zeit muss man feststellen, dass Aktionen, wie das Anschneiden eines Schusses erst hier merklich zum Tragen kommen. Komischerweise blieben im Onlinespiel, so schien es zumindest, die roten Karten auch bei härteren Grätschen in der Hosentasche des Schiedsrichters; stattdessen wurde lediglich der gelbe Karton gezückt.
Mit neuer Engine, einer gelungener grafischen Präsentation, die Besitzern eines HDTV-Fernsehers am meisten zu Gute kommt, und einem bestechenden Multiplayer, erweist sich der Titel als würdiger Konkurrent zu Konamis Fußballsimulation.
Dennoch bleibt FIFA 07 hinter PES 6 zurück. Dies liegt vor allen Dingen am zu schnellen und hektischen Gameplay, an schlecht animierten Zuschauern, sowie an der schwachen KI. Auch die müden Kommentatoren fallen im Rennen, um den Fußballthron ins Gewicht. Alles in allem bin ich fest davon überzeugt, dass mit der neuen Engine eine Grundlage geschaffen wurde, die es möglich machen könnte PES##zitat| im nächsten Jahr ernsthaft zu gefährden; dann vielleicht auch mit mehr als sechs Ligen und 23 Stadien.