Gesamtwertung85%/10 |
GrafikGut SoundGut |
LanzeitspaßSehr gut SpieleinstiegGut |
BedienungBefriedigend |
Ein bisschen Geschichte
Alles begann im Jahre 1994 mit Fifa 95. Grafisch setzte der erste Spross der Reihe auf eine 2D Engine, die zumindest damals durchaus überzeugen konnte. Der Durchbruch gelang EA Sports allerdings erst mit Fifa 96, eines der ersten Sportspiele mit einer leistungsfähigen 3D Engine. Zudem fungierte in dem zweiten Fifa Teil Wolf-Dieter Poschmann als Kommentator.
Der Nachfolger Fifa 97 bot eher wenige Neuerungen, neben dem Co-Kommentatoren Kalli Feldkamp gab es noch einen recht lustigen Hallenmodus. Fifa 98 sorgte hingegen schon für deutlich mehr Aufsehen und bot die Möglichkeit, die lange WM-Qualifikation zu spielen. Der satte Soundtrack von Blur und die wunderschöne Grafik taten ihr übriges. Fifa 98 gilt unter Fifa-Kennern noch immer als bester Teil. Danach erschien das WM Add-On Frankreich 98, nicht sonderlich spektakulär und vor allem sehr teuer! Fifa 99 unterschied sich stark von Fifa 98, und war deutlich arcadelastiger und schneller, was vielen Fans missfiel. Der Champions League Modus konnte allerdings überzeugen und stellte sich im Nachhinein als sinnvolle Neuerung heraus.
Fifa 2000 war danach wieder deutlich langsamer, und erinnerte stärker an Fifa 98, allerdings ohne dessen Klasse zu erreichen. Vor allem der viel zu einfache Schwierigkeitsgrad verärgerte Fifa Veteranen. Das EM Add-On Euro 2000 konnte weder grafisch noch spielerisch so richtig überzeugen, und wurde dementsprechend für Fifa Verhältnisse auch nur schlecht bewertet. Fifa 2001 glänzte mit dem neu eingeführten Pass-Balken, mit dessen Hilfe man die Stärke des Passes regulieren konnte. Endlich gab es auch weniger Tore vom Schlage eines Ich laufe Richtung Eckfahne, haue eine Flanke rein und per Fallrückzieher wird schon ein Spieler verwandeln.
Mit Fifa 2002 konnte man erstmals die Tastaturbelegung ändern, ein längst überfälliges Feature, welches Fans schon lange forderten. Der Teil glänzte mit einem deutlich höheren Simulationsanteil, einem Schuss- sowie Passbalken und einem höheren Schwierigkeitsgrad. Sogar das nachfolgende WM Add-On konnte überzeugen, zwar nicht in Sachen Umfang, dafür aber in Punkto Schwierigkeitsgrad, Grafik und Gameplay.
Nun kommt Fifa 2003, mit dem EA Sports alles gut machen will.
Keinen Grund zu Kritik gibt es hingegen bei den 18 Original Stadien. Neben dem Hexenkessel Westfalenstadion wurden auch Stadien wie die Anfield Road grafisch detailgetreu umgesetzt. Unverständlich, warum EA Sports in letzter Zeit keine Rücksicht mehr auf Original Stadien nahm.
Die richtige Hardware vorausgesetzt, sieht Fifa 2003 wie gesagt jedoch richtig gut aus. Vor allem der wunderschöne Rasen und die sehr gut nachgestellten Stadien können überzeugen. Die Spielermodels hinterlassen einen zwiespältigen Eindruck, zum einen sehen Star Spieler wie Roberto Carlos oder Oliver Kahn gut aus, zum anderen aber können die meisten anderen Spieler Models nicht überzeugen, weil sie sich viel zu oft wiederholen. Alles in allem sieht Fifa 2003 wie immer ziemlich gut aus, aber der erhoffte Quantensprung bleibt aus, Fifa WM 2002 sieht mindestens gleich gut aus.
Die darauffolgenden Co-Kommentatoren Werner Hansch und Jörg Dahlmann hingegen wirkten fehl am Platze. Ersterer, weil er aufgrund seiner mehr als merkwürdigen Kommentare schlicht vom Spiel ablenkte. Letzterer wirkte dagegen einfach nur unmotiviert und kommentiere viel zu distanziert zum Spielgeschehen.
Fifa 2003 begeht neue Pfade in Sachen Kommentatoren, das Urgestein Wolf-Dieter Poschmann musste seinen Posten ebenso wie Jörg Dahlmann räumen. Die Rolle von Poschi übernahm Tom Bartels, die von Jörg Dahlmann übernahm Florian König. Die beiden RTL Recken hinterlassen einen zwiespältigen Eindruck, denn während Tom Bartels als Wolf-Dieter Poschmann Ersatz voll und ganz überzeugen kann, wirkt Florian König einfach nur deplaziert. Letzterer wirkt fast schon übermotiviert und wirft nur so mit unpassenden Phrasen um sich.
Der Menüsoundtrack wertet EA Sports untypisch mit keinem wirklich bekannten Star wie Robbie Williams, Blur oder Flatboy Slim auf. Während früher nur zwei-drei Stücke ertönten, sind es nun mindestens doppelt so viele. Die Jungs vom Safri Duo wirken dabei genauso fehlerhaft am Platze wie die Sportfreunde Stiller. Gelungen ist hingegen vor allem der Remix des aktuellen Charbtreakers von Avril Lavigne. Insgesamt gilt für den neusten Fifa-Spross in Sachen Sound jedoch das Motto: Quantität statt Qualität und nicht umgekehrt.
Ecken werden nach dem ähnlichen Prinzip gestoßen, die Kontrollanzeige steht für Timing und den Effet, mithilfe eines roten Punktes könnt ihr das passende Ziel anwählen. Klingt gewöhnungsbedürftig, ist es auch, zumindest für Fifa-Veteranen der ersten Stunde. Ansonsten hat sich nicht viel ändert, noch immer gibt es eine Sprint-, Pass- und Schusstaste. Früher wunderten sich die Spieler zu dem über kleine kunterbunte kryptische Punkte auf dem Rasen, die die mögliche Passrichtung anzeigen sollten, bzw. den Raum, in den ihr passen könnt. Dies wurde als Standardfeature entfernt und mit einer Taste belegt, was völlig unnötig erscheint.
Gravierendster Negativpunkt an der Steuerung ist allerdings die fehlende Dribbling Taste, mit denen sich grazil anmutende, aber unrealistische Dribblings anstellen ließen. Zwar war das dribbeln vorausgesetzt man hatte es nach vielen Übungsstunden erlernt - vor allem für Einsteiger frustrierend, aber für Profi-Spieler unverzichtbar. Nun wird nur noch mit den Standard Tasten gedribbelt, das sieht nicht nur unrealistisch aus, sondern ist auch um einiges uneffektiver.
Wer übrigens früher über Fingerkrämpfe, Blasen und sonstiges klagte, kann sich beruhigen, endlich reicht es wie bei dem Eishockey Pendant NHL aus, die Sprinttaste gedrückt zu halten um den Spieler wie einen Blitz über den Rasen zu scheuchen.
Da wäre z.B. das Pass-System, welches es Euch nicht ermöglicht, wie in Fifa 2002 und Fifa WM 2002 haargenau auf den Spieler und in freie Räume zu passen. Das neue bzw. alte Pass-System erinnert sehr stark an das von Fifa 2000. Theoretisch sollte der von euch gesteuerte Spieler dahin passen wo ihr wollt das passiert jedoch viel zu selten. Praktischerweise werden viel zu viele Fehlpässe gemacht, ohne dass ihr darauf Einfluss nehmen könnt. Zudem wird meistens der Spieler angespielt, den ihr überhaupt nicht anspielen wolltet. Durch die neue Ballphysik, die dem Ball bei Schüssen, Pässen und Tricks zu mehr Realismus verhelfen sollte, klebt der Ball bei Dribblings nun nicht mehr am Fuß, sondern liegt immer ein bisschen vor dem Spieler. Das mag sehr realistisch sein, ist aber oftmals demotivierend, denn selbst beim gemächlichen Gehen über den Platz liegt der Ball wie weggeschossen vor euch und kann somit locker von den Gegnern geschnappt werden. Die als sehr realistisch angepriesene Ballphysik lässt trotz alledem völlig unrealistische Freistoßtore von mehr als 40 Metern Entfernung zu. Das mag in einem echten Spiel vielleicht mal ab und zu, aber sicher nicht ständig passieren. Löblich zu vermerken ist hingegen, dass EA Sports die in Fifa WM 2002 völlig unnötig implementierten Tricks rausgenommen hat, die euch z.B. ermöglichten, mit dem Ball zu jonglieren.
Ein großer Kritikpunkt war mitunter der unausgegorene Schwierigkeitsgrad, während in Teilen wie Fifa 2000 schon nach kurzer Zeit Langweile herrschte, sorgte Fifa 2002 für erschreckte Gesichter aufgrund seines enormen Frustfaktors. Fifa 2003 ist der mit Abstand schwerste Fifa Teil. Das mag überraschend klingen, hinsichtlich der Vereinfachungen im Pass- und Standardsituationen Bereich, ist aber Fakt. Schon der erste der vier Schwierigkeitsgrade dürfte Einsteigern Schweißperlen auf die Stirn treiben. Der Weltklasse Modus beim ohnehin schon recht fordernden Fifa WM 2002 ist nun vergleichbar mit dem dritten Schwierigkeitsgrad Profi.
Doch erfahrene Fifa Profis wird dies freuen, der Weltklasse Modus verdient nun auch endlich seinen Namen und macht die ansonsten völlig unintelligent agierenden Abwehrreihen wieder wett.
Doch EA Sports hat auch kräftig Unnützes vollzogen, z.B. was das Kopfballsystem angeht, welches bei Fifa WM 2002 endlich perfekt war. Fifa Spieler werden das kennen, praktisch kein Kopfballduell wird in der gegnerischen Hälfte gewonnen, egal was man tut. Auch bei Ecken verlieren Stürmer quasi automatisch jedes Kopfballduell, das ist nicht nur nervig, sondern auch unnötig. Ebenfalls für Stirnrunzeln sorgt das weggenommene Sternchen Feature von Fifa WM 2002. Es wirkte zwar etwas komisch, bekannte Star-Akteure wie Beckham oder Ronaldo mit Sternchen zu versehen, ergab aber trotzdem Sinn. Eigentlich hatte EA Sports versprochen, dieses Feature leicht verändert beizubehalten, leider hielt man sich nicht an seine Worte.
Neu ist hingegen wie jedes Jahr das Intro, doch nie war es so schlecht wie dieses Jahr. Die drei bekannten Akteure Edgar Davids, Roberto Carlos und Ryan Giggs vollführen zwar wunderschöne Tricks, wirken aber ziemlich lustlos und kämpfen gegen den monotonen weißen Hintergrund und die grausige Musik an. Das Intro stimmte sonst immer auf das Spiel ein, diesmal tut es das leider nicht.
Insgesamt fallen weniger Tore, und dadurch kommt es auch oftmals zu vielen Glückstreffern, die vor allem jene begabteren Spieler ärgern dürften. Nicht so talentierte Fifa Spieler dürfte das freuen, während sie eben noch in Fifa WM 2002 zweistellig besiegt wurden, reicht es in Fifa 2003 für einen Sieg nach Elfmeterschiessen.
Ärgerlich an dem Multiplayer Modus ist aber nach wie vor, dass es nicht möglich ist, mit einem Freund eine ganze Saison zu spielen. Man wird wie jedes Jahr quasi dazu genötigt ein Freundschaftsspiel zu spielen, dies wirkt sich vor allem im Bezug auf die Langzeitmotivation negativ aus.
EA Sports hat in Fifa 2003 hingegen die angeblich so revolutionären Neuerungen in Punkto Ballphysik, Passsystem und Standardsituationen entweder völlig verhunzt oder einfach bei den alten Teilen geklaut. Es wäre auch zu schön gewesen, ein Fifa zu Spielen, bei dem es Neuerungen pur ohne Nachwirkungen gibt.
Was zurückt bleibt ist ein nach wie vor unheimlich motivierendes Fußballspiel (sonst würde es ja nicht für den Award reichen), was technisch zwar nicht ganz so gut ist, wie erwartet, aber trotzdem über Wochen hinweg motiviert. Ich, als Fifa Spieler der ersten Stunde, wünsche mir für Fifa 2004 keinesfalls eine Komplettüberarbeitung, ein Niveau auf Höhe von FIFA WM 2002 würde schon reichen - zumindestens was das Geschehen auf den Rasen angeht. Dieses würde ich nur leicht verändern, denn ansonsten war Fifa 2003 schon der richtigen Fährte auf der Spur.
Fazit von Marian Härtel
FIFA 2003 ist leider auch nicht der perfekte Titel der Serie, den vielleicht jeder erwartet hat. Gut, EA Sports hat die Grafik noch weiter verbessert, denn die Realitätsnähe, z.B. bzgl. der Gesichter, Animationen und der Texturen, ist inzwischen nahe an der Perfektion. Was jedoch an Stimmung durch die geniale Präsentation (auch durch Geräusche, Sprachausgabe, Zauschauerlärm und vielem mehr) generiert wird, büßt auch der neueste Ableger durch Schnitzer in der KI der Spieler und dem Gameplay ein.
Wer jedoch FIFA als Arcadespiel ansieht und nicht mit dem Anspruch, eine Simulation spielen zu wollen, die Installation der 2 CD's beginnt, wird mit FIFA 2003 über Wochen eine Menge Spaß haben und Abende genialer Fußballatmosphäre erleben.
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