Gesamtwertung71%/10 |
GrafikSehr gut SoundBefriedigend |
LanzeitspaßAusreichend SpieleinstiegBefriedigend |
BedienungMangelhaft |
Es geschieht immer wieder, dass Spiele, die unter einem bestimmten Namen angekündigt wurden, unter einem anderen auf dem Markt erscheinen. Die Gründe sind oft mannigfaltig. Meist sind Probleme bei den Namensrechten eine Erklärung für dieses Phänomen. Doch ab und zu wird für ein fast fertiges Produkt schnell noch eine Buch- oder Filmlizenz erworben und fertig ist das Spiel zu eben jenem Buch oder Film.
Dieses Schicksal ereilte auch das von vielen Spielern sehnsüchtig erwartete Sea Dogs 2 des russischen Programmierteams Akella. Disney, die gerade mit der Film-Produktion des Piratenspektakels Pirates of the Caribbean zu deutsch Fluch der Karibik - beschäftigt war und Bethesda Softworks, der Publisher von Sea Dogs und Morrowind, einigten sich schnell über eine finanziell gewinnbringende Spiel zum Film-Lizenz, sodass Sea Dogs 2 zum Fluch der Karibik wurde.
Wir schreiben das Jahr 1630 und der junge Nathaniel Hawk, seines Zeichens stolzer Besitzer des Schiffes Victory, hat wichtigen Geschäften in Oxbay, einer englischen Kolonie in der Karibik, nachzugehen. Dem hiesigen Händler soll nämlich eine Lieferung Schokolade und Leder verkauft werden, die sich, man ahnt es bereits, auf Nathaniels Schiff befinden. Sein erster Maat gibt unserem Helden noch den Tipp, sich aus irgendwelchen seltsamen Gründen gleich noch ein neues Fernglas zuzulegen und schon steht Nathaniel am Pier der Stadt Oxbay. Nach kurzem Ein- und Verkaufs-Trip in Oxbay, bei dem er auch den Auftrag erhält, Ware zu den Spaniern zu transportieren, sticht die Victory wieder in See. Just in diesem Moment kreuzt eine französische Flottille auf und erobert Oxbay im Handstreich, die Franzosen haben den Engländern wohl den Krieg erklärt. Für Nathaniel ist klar, das der englische Gouverneur in Redmond einer anderen englischen Kolonie - umgehend informiert werden sollte.
Doch anstatt Dankbarkeit zu zeigen, wird die Victory requiriert und Nathaniel zum Dienst in der Marine seiner Majestät, des englischen Königs, zwangsverpflichtet. Im Laufe des Abenteuers steht Nathaniel nicht nur die Aufgabe zu, bei der Vertreibung der Franzosen aus Oxbay mitzuhelfen, sondern auch einen Verräter dingfest zu machen und hinter das Geheimnis von scheinbar unsterblichen Piraten zu kommen, die mit dem Schiff Black Pearl das hiesige Archipel unsicher machen.
Hat man aber irgendwann genügend Erfahrungspunkte gesammelt, erfährt unser Held einen Stufen- bzw. Levelaufstieg. Nun kann er zwei Punkte auf insgesamt zehn Talente wie beispielsweise Nahkampf, Kanonen oder Handel, und einen Punkt für knapp über zwei Dutzend Fertigkeiten wie Kritischer Treffer oder Verbesserte Verteidigung vergeben.
Die Talente, die man von Stufe 1 bis Stufe 10 steigern kann, beziehen sich dabei indirekt auf das Können des eigenen Charakters, während sich die Fertigkeiten wie beispielsweise dem Verteidungswert des eigenen Schiffes oder aber der Nachladegeschwindigkeit der Kanonen eher auf das allgemeine Können von Schiff und Mannschaft beziehen.
Während des Abenteuers trifft Nathaniel in den diversen Tavernen der sieben ansteuerbaren Inseln auf die unterschiedlichsten Offiziere, die, sofern sie angeheuert werden, ihre eigenen Talente mit einbringen können und so beispielsweise zur Verbesserung des Kanonen-Wertes beitragen können.
Was das bedeutet, ist logisch. Man tingelt die Inseln ab, kauft hier Ware günstig auf der einen ein und verkauft sie mit sattem Gewinn wieder auf einer anderen. Man kann sich allerdings auch als Schmuggler verdingen und so genannte Konterbande also verbotene Güter auf den Inseln verticken. Dies bringt zwar einen höheren Gewinn, die Gefahr, durch Soldaten oder gar eine ganze Flotte beim Verkauf eben jener Ware erwischt zu werden, ist extrem hoch.
Ein nettes Nebeneinkommen sind Geleitzug-Aufträge. Der Auftrag ist meist einfach und gefahrlos: Das Schiff eines reichen Adligen zu einer bestimmten Kolonie geleiten. Aber auch Mordaufträge, die man in Tavernen vorgetragen werden, oder die Lieferung von Ware zu einem bestimmten Ort innerhalb einer festgesetzten Zeit können so manch klingende Münze einbringen. Nicht vergessen sollte man aber, sein sauer verdientes Geld in größere, sprich kampfstärkere Schiffe mit mehr Ladevolumen zu investieren, denn ansonsten ist beim ersten Piratenschiff das Spiel aufgrund von absoluter Unterlegenheit schon so gut wie beendet.
Gespräche mit möglichen Auftraggebern oder anderen Personen laufen meistens in einer Art Multiple-Choice-Verfahren ab, das heißt, gelegentlich hat man mehr als nur eine mögliche Antwort auf beispielsweise eine Frage parat. Gelegentlich deshalb, weil viele Gespräche extrem und fast immer auf das gleiche Resultat hinauslaufen. So gibt es, um mal ein Beispiel zu nennen, die Aufgabe, sich in die von den Franzosen eroberte Kolonie Oxbay einzuschleichen. Doch bevor man die Stadt von der Landseite her betreten kann, fangen ein paar französische Soldaten Nathaniel ab und fragen nach seinem Begehr. Was man nun als Antwort wählt ist dabei irrelevant, da es so oder so zum Kampf kommt. Da dies aber leider nicht die Ausnahme sondern vielmehr die Regel ist, kann von Rollenspiel, wie von Hersteller angepriesen, eigentlich kaum die Rede sein.
Die Kämpfe auf hoher See sind dabei erfrischend spannend. Trifft man unterwegs auf Piraten oder andere feindlich gesinnte Schiffe, wechselt die Darstellung von einer 2D-Kartenansicht, auf der man sein Schiffchen normalerweise von Insel zu Insel steuert, in eine recht eindrucksvolle 3D-Ansicht, in der die Schlacht ausgefochten wird. Von nun an heißt es, das eigene Schiff aus der Feuerrichtung des Gegners halten und sich dabei selber in eine möglichst vorteilhafte Position zu manövrieren, um eine Breitseite abfeuern zu können. Möchte man das gegnerische Schiff aber lieber kapern als versenken, fährt man dicht an den Feind heran und beginnt ein Entermanöver, in dem der das Schiff mit Degen und Muskete übernommen werden muss.
Bombastisch hingegen sind die Kanonengeräusche und das Bersten des Holzes der Schiffe bei den Seeschlachten. Wenn ein Schlachtschiff mit seinen knapp 35 Kanonen pro Seite eine Breitseite abfeuert und sich darunter die Explosionen des getroffenen Schiffes mischen, kommt wahre Piraten- und Seeschlachtstimmung auf, aber leider auch nur hier.
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