Gesamtwertung81%/10 |
GrafikGut SoundSehr gut |
LanzeitspaßBefriedigend SpieleinstiegSehr gut |
BedienungSehr gut |
Oh Schreck! Der zweite Weltkrieg wird schlagartig mit dem Wurf einer sovietischen Atombombe auf Berlin beendet. Dieses Ereignis sorgt für ein Ungleichgewicht der Mächte: ganz Europa gerät unter Kontrolle der roten Supermacht - sogar England wird einige Jahre nach Kriegsende ein kommunistischer Satelliten-Staat. Die NATO hat nie existiert. Die Amerikaner wurden nach und nach immer weiter isoliert. Höhepunkt des 'eisigen' Krieges ist die erfolgreiche Stationierung von Atombomben auf Kuba und die Entsendung kommunistischer Truppen nach Mexiko. Wann wird die USA - letzter Außenposten demokratischer Werte - fallen?
Der in New York ansässige Christopher Stone ist von Beruf ein gewöhnlicher Klempner. Eines schönen Tages haben er und sein Bruder einen außergewöhnlichen Kundenbesuch: bei der Sprecherin der Anti-Kommunistischen Bewegung Warnung vor den Roten. Mit einem Schraubenschlüssel bewaffnet, fahren beide zur Kundin, um mal wieder ein Abflussrohr zu reinigen eigentlich ein völlig routinierter Auftrag. Doch dann passiert das schier unfassbare ... schwer bewaffnete uniformierte Soviets stürmen in die Wohnung der Kundin und nehmen alle anwesenden Personen fest... bis auf Chris, dieser kann sich rechtzeitig verstecken. Leider hatte sein Bruderherz nicht so viel Glück. Ein kurzer Blick aus dem Fenster bestätigen die schlimmsten Befürchtungen... Invasion! New York wird von der Roten angegriffen ein Alptraum ist wahr geworden!
Auf dem Weg nach draußen gelingt es Christopher einen Gefangen zu befreien, der rein zufällig Aktivist beim Anti-Kommunistischen Wiederstand ist. Als beide die Straße betreten, erkennen sie ihre Heimatstadt nicht mehr wieder: es ereignen sich Szenen, die aus Independence Day stammen könnten und wahrlich dem jüngsten Gericht gleichen. Überall Rauchschwaden, ganze Fassaden werden von einschlagenden Raketen aus Wolkenkratzern gesprengt und deren Trümmer regnen auf schutzlose Passenten herab. Von Geschossen in Brand gesetzte Autos dienen verzweifelten Menschen als Sichtschutz vor heranrollenden Panzern und der Infanterie.
Hubschrauber geben dem letzten bisschen Widerstand den Rest. Eine ganze Stadt brennt und wird von einem kommunistischen Schreckenregime besetzt! Ist dies das Ende? Nein, schließlich gilt es ein Land zu befreien und den Bruder aus der Gefangenschaft zu retten. Was liegt also näher sich dem Untergrund anzuschließen und die Besetzer ein wenig zu ärgern?
Freedom Fighters ist ein 3.-Person-Shooter, bei dem man sein Glück als Freiheitskämpfer versuchen darf. Fernes Ziel ist es natürlich, die Invasoren zu vertreiben, aber zuerst gilt es kleinere Missionen, wie die Befreiung von Gefangenen oder gar die Zerstörung von Treibstofflagern, zu erfüllen. Vom Hauptquartier des Untergrunds aus, darf man als freier Freiheitskämpfer selber entscheiden, wohin der Weg führen soll. In jedem Kapitel des Spiels stehen mehrere Orte mit unterschiedlichen Aufträgen zur Auswahl bereit, die nach belieben besucht werden können. Nach einem erfolgreich absolvierten Kapitel wird der Spieler mit gut gemachten Cut-Scenes belohnt. Besonders hervorzuheben sind hier die zynischen und verdrehten Nachrichtenansagen des sovietischen Propagandafernsehens, die teilweise urkomisch wirken und so für die ein oder andere Aufheiterung, in der sonst sehr ernsten und beklemmenden Story, sorgen.
Je nachdem in welcher Reihenfolge die Missionen abgearbeitet werden, macht sich dies anderorts bemerkbar. So ist es sinnvoll zuerst in einem Waffenlager C4 zu ergattern und damit einen Hubschrauberlandeplatz zu zerstören. Folglich ist der gegnerische Wiederstand in anderen Einsatzgebieten geschwächt, da der Feind nicht mehr auf Luftunterstützung hoffen kann. Schafft man es jedoch auf einem meist hochgelegenen Gebäude die Soviet-Fahne gegen Stars and Stripes auszutauschen, sind automatisch alle Unteraufträge am jeweiligen Ort erledigt. Nach erfolgreich absolvierten Missionen oder fürs verarzten von verwundeten Personen gibt es vom Untergrund jede Menge Respekt, der sich in einen Charisma-Zuwachs bemerkbar macht. Mit der Zeit füllt sich ein Energiebalken, der den Charismastand symbolisiert. Ist dieser voll, erhält das Alter Ergo einen Charisma-Punkt. Pro Punkt darf ein Mitkämpfer angeheuert werden, der beim Kampf gegen die Unterdrücker behilflich ist und auf Befehle wie Rückzug, Angriff oder Verteidigung hört.
Jedoch ist man zu Beginn einer Mission in der Regel alleine unterwegs und muss sich erst seine Truppe mühsam zusammensuchen. Meistens befinden sich andere Untergrundkämpfer in der Nähe von Kanalisationsdeckel, welche gleichzeitig als Fluchtmöglichkeit und Verbindung zwischen verschiedenen Orten dienen. Manchmal schließen sich auch verwundete Personen, die man mittels Medi-Pack geheilt hat, aus Dank der eigenen Untergrundarmee an. Solche Medizinkoffer sind häufig in gegnerischen Stellungen zu finden und können auch zur eigenen Heilung eingesetzt werden.
Anfangs noch alleine unterwegs ist es so mit der Zeit möglich, eine schlagkräftige Gang aufzubauen. Natürlich bringen die Mitstreiter auch ein gewisses Eigenleben mit. So gehen diese bei Angriffen selbstständig in Deckung und setzen sich vehement zur Wehr. Falls verfügbar, besetzen die Kollegen auch Maschinengewehrnester, um den Feind sprichwörtlich niederzumähen. Wird ein eigener Mann zu großem gegnerischem Feuer ausgesetzt, bricht er zusammen und benötigt medizinische Versorgung in Form eines Medi-Packs.
Bei der Bewaffnung darf sich der Hobby-Freiheitskämpfer als Primärwaffe mit einem Gewehr oder Panzerfaust und als Sekundärwaffe mit einer Pistole bestücken. Waffen sind Vielerorts in den Missionen verstreut, können aber auch getöteten Gegnern abgenommen werden. Es gibt als Primärwaffen immerhin drei verschiedene Maschinengewehrtypen dazu ein Scharfschützengewehr, eine Schrotflinte und eine Panzerfaust.
Leider fehlt es hier etwas an Abwechslung, da die meisten Tötungsgeräte mangels Munition nicht zu gebrauchen sind. Das Scharfschützengewehr oder die Panzerfaust sind sogar nur einigen speziellen Einsätzen vorbehalten. So gibt es Situationen, mit der ein hartnäckiger Aussichtsturm mit einer Panzerfaust zerstört werden kann und dadurch ein Sturm auf eine Festung vereinfacht wird.
Die Sekundärwaffen, darunter eine Pistole und ein Colt, setzt man eigentlich nur dann ein, wenn absolut keine Munition mehr für die Primärwaffen vorhanden ist. Zur Not darf auch mit dem Gewehrkolben oder gar mit den bloßen Händen übrigens äußerst effektiv auf Gegner eingeschlagen werden. Sehr effektiv und in großen Mengen vorhanden sind Handgranaten, die Feinde durch die Luft wirbeln lassen und kräftig für Verwirrung sorgen: der Feind versucht selbstständig Deckung aufzusuchen und verlässt dabei auch manchmal ein schwer einzunehmendes Maschinengewehrnest.
In Sachen 3D-Grafik kommt die Hitman 2 Engine zum Einsatz, welche auch heute noch einen soliden Eindruck macht. Grafisch wäre aber bei Freedom Fighters noch ein wenig mehr Steigerung möglich gewesen, da viele Texturen, selbst auf höchster Detailstufe, undetailliert und matschig wirken. Die Objekte strotzen auch nicht gerade vor Details und sind teilweise grobklotzig und kantig. Resultat sind klumpige Autos im Plastiklook, eckige Tonnen, hässliche Sandsäcke und grobe herumliegende Trümmer mit wenigen Strukturen. Die Levels selber sind zumeist so aufgebaut, dass es einen alternativen Weg zum Ziel gibt. So kann man in einem versteckten Hinterhof über einen Mülleimer klettern und damit den Weg zum Ziel abkürzen oder eine schwer bewachte feindliche Stellung elegant umgehen. Dennoch strotzt Freedom Fighters nicht gerade vor Bewegungsfreiheit: Türen lassen sich generell nicht öffnen oder eintreten, Level sind grundsätzlich mit Mauern und Zäunen eingegrenzt. Schade eigentlich! Eine etwas dynamischere Umgebung hätte sicherlich nicht geschadet.
Im Gegensatz zur Grafik ist die Musik über aller Kritik erhaben. Das Spiel wird von einem absolut erstklassigen Soundtrack begleitet, der mit aufwändigen Chören und schwermütigen Klängen etwas an den Film Jagd auf Roter Oktober erinnert. Teilweise sorgt der Soundtrack für echte Gänsehaut und untermalt die packende Rahmenstory. Soundtechnisch geizt Freedom Fighters ebenfalls nicht. Überall gibt es bombastische Explosionen und kernige Zischeffekte der Kugeln, was zu einer imposant Klangkulisse führt. Gut gewählte Synchronsprecher sorgen für ungetrübten Spielgenuss und unterstützen die Glaubwürdigkeit der Story.Leider gibt es beim Speichern von Spielständen ein dickes Manko, da es keine PC-übliche Speicherfunktion gibt, bei der man zu jedem Zeitpunkt im Spiel speichern kann. Stattdessen darf nur beim öffnen von Kanaldeckeln gespeichert werden, welche rar anzutreffen sind.
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