Gesamtwertung85%/10 |
GrafikGut SoundSehr gut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Die Geschichte wiederholt sich. Keiner der Missionstitel von Frontlines: Fuel of War eignet sich angesichts der Lehren, die die Menschheit aus dem Kalten Krieg eigentlich hätte ziehen müssen, für eine Beschreibung der Handlung des Spiels so perfekt wie dieser. Wenn es nach dem Erstlingswerk der Kaos Studios ehemals Entwickler der überaus erfolgreichen Battlefield 1942-Modifikation Desert Combat geht, soll die internationale Nachfrage nach Öl diesen Sommer die Menge übertreffen, die von Lieferanten des schwarzen Goldes überhaupt bereitgestellt werden kann. Allzu abwegig ist das ja nicht, dazu reicht bereits ein Blick in die Tageszeitung, die Nachrichten im Fernsehen oder einfach nur die Anzeige an einer Tankstelle Eurer Wahl.
Action am laufenden Band...
In der gar nicht so fiktiven Welt von Frontlines hauen sich daraufhin im Kampf um die begehrte Ressource die westliche Koalition und die sogenannte, russisch-chinesische Rotstern-Allianz die Köpfe ein und Ihr seid als Westsoldat mittendrin! Und leider nur als Westsoldat, denn eine Rotstern-Kampagne gibt es leider nicht aber vielleicht würde sich ja ein Addon darum kümmern, wenn sich die Entwickler sich erbarmen würden. Fast Addon-gleich ist folglich auch der Umfang des Einzelspielermodus, der sich in sieben große Missionen aufteilt, die wir auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad in knapp sechs Stunden erfolgreich absolvierten.
Wiederspielwert? Fehlanzeige! Und dennoch zieht die Kampagne einen unweigerlich in ihren Bann. Das fängt bei den gelungenen, teils spannenden, aber nie zu langen Rendersequenzen an und hört bei der eigentlichen Action auf. Frontlines bedient sich dabei eines Kniffs, um wenigstens in den Filmchen immer wieder Sympathiefiguren aufblitzen zu lassen: Während der Sequenzen gibt es echte Charaktere, wie zum Beispiel den embedded journalist oder den Leiter der sogenannten Stray Dogs. In der Mission jedoch tauscht Frontlines: Fuel of War abgesehen von einer Ausnahme im ersten Auftrag - die vorher gezeigten Personen gegen Klonsoldaten aus eine Konsequenz die zumindest verhindert, dass man sich um dämliche und unglaubwürdige Eskortierungseinsätze kümmern muss, oder bekannten Gesichtern den virtuellen Arsch freihalten muss, damit diese es ja noch bis zur nächsten Zwischensequenz schaffen ein Umstand, der zumindest mir gehörig auf den Keks geht, denn was ich will, ist schließlich Action. Babysitterarbeiten kenne ich schließlich zur Genüge von Die Sims.
Die bereits erwähnten, sieben Missionen schicken Euch dabei an die unterschiedlichsten Gebiete: Vom tollen Auftakt in Turkmenistan bis in die umliegenden Gebiete, dann nach Tadschikistan über Nord-Kasachstan, nur um in Süd-Russland durch einen Verteidigungswall durchzubrechen, dann vor den Toren Moskaus anzuklopfen und schließlich in der letzten Mission symbolträchtig die russische Hauptstadt von innen heraus zu erobern und gleichzeitig die Chinesen somit unter Machtaspekten zu isolieren. Die meisten Missionsziele beschränken sich darauf, die titelgebende Frontlinie zugunsten der Westkoalition zu verschieben und die Gegner somit nach und nach zurückzudrängen. Das klappt mit einer Ausnahme auch meistens einwandfrei:
Nur in den Umlandgebieten Turkmenistans mussten wir einmal aufpassen, dass eingenommene Punkte nicht zurückerobert werden die Rotsterne setzten uns hier mit massivem Fahrzeug- und Infanterieinsatz gehörig unter Druck.
Ansonsten und das ist echt schade müsst Ihr Euch nicht um bereits eingenommene Stützpunkte sorgen, die bleiben nach Eroberung dauerhaft in Eurer Hand. Gut ausgebildeten Shooter-Fans können wir folglich nur den bereits von Anfang an verfügbaren Hardcore-Modus ans Herz legen denn erst dann fordert Euch Frontlines so, wie man sich das vorstellt. Maßgeblich dafür verantwortlich ist die leider etwas missratene künstliche Intelligenz, die die meiste Zeit keine echte Taktik aufblitzen lässt. Zwar gehen die Feinde in Deckung, feuern aus selbiger heraus und wissen auch, wann man sich zurückziehen muss, doch Flankenmanöver oder Ähnliches beherrscht keiner der Gegner. Auch in den Fahrzeugen könnt Ihr daher Widersacher umgehen und von den Seiten oder teils auch aus dem Rücken heraus angreifen. Eine Schelte für die KI, die auch in den eigenen Reihen nur mit wenig Spürsinn gesegnet ist. Eigene Truppen ballern zwar was das Zeug hält und gehen in schützende Positionen - geben Euch also somit ein Gefühl, Teil eines großen Ganzen zu sein -, doch treffen meistens irgendwie nichts oder nur wenig.
Dumme Intelligenz...
Ein Großteil des Erfolges hängt also von Eurer Arbeit ab, die durch dumme Aktionen wie etwa dem Verweilen vor einem gerade bemannten Geschütz, hier und da etwas behindert wird. Komisch auch, dass manche Recken geballt auf einem Fleck (!) in der Gegend herumstehen, während Ihr Euch vor Angriffen kaum noch retten könnt. Hier besteht noch genügend Handlungsbedarf, obwohl wir den Test bereits mit dem ersten Update vollzogen. Selbiges hebt Frontlines auf die Versionsnummer v1.01 und bringt eine Reihe kleiner und großer Verbesserungen mit sich. Darunter wurde die Servernavigation erleichtert und das Spiel stabiler gemacht, zudem funktioniert nun die Parental Control unter Windows Vista. Einer der großen Pluspunkte der Kampagne den auch eine verhunzte künstliche Intelligenz nicht zunichte machen kann ist die Atmosphäre auf den recht abwechslungsreich gestalteten Schlachtfeldern:
Die Umgebungen sind teils riesig, reichlich mit feindlichen Schergen, Vehikeln, Stationen oder auch explosiven Fässern Conflict: Denied Ops lässt grüßen! - gefüllt und vor allem kracht es an allen Ecken und Enden. Die bekannte Ruhe vor dem Sturm gibt es zwar trotzdem an manchen Stellen, doch meistens werdet Ihr Euch dabei ertappen, eine Schutzposition unter schepperndem Beschuss einzunehmen und um die Ecken zu schauen oder mit schweren Verletzungen hastig atmend in einem gesäuberten Areal zu verharren - denn Medipacks gibt es wie schon bei Call of Duty 4 nicht.
Werdet Ihr verletzt ein drastische dunkle Färbung indiziert dabei erfolgreichen Beschuss -, reicht es somit, Euch in einer sicheren Ecke ein paar Sekunden zu verschanzen - die Gesundheit wird von alleine regeneriert. Solltet Ihr wider Erwarten doch einmal in virtuelle Gras beißen, dürft Ihr und das ist neu an eroberten Punkten da beginnen, wo ihr gerade aufgehört habt. Das Gefecht läuft also weiter. Natürlich könnt Ihr nicht beliebig oft respawnen - eine für jede Mission festgelegte Anzahl an Einstiegen gibt Euch ein Limit, dass Ihr mit erfolgreichen Agieren im Auftrag zudem etwas aufstocken könnt.
Wenn Ihr der Meinung seid, dass Euch Eure Waffenauswahl gerade etwas ungünstig erscheint, dann nutzt am Besten gleich die Gelegenheit und kümmert Euch um neue Ausrüstung. Solltet Ihr verrecken, wählt den Punkt Ausrüstung verändern - hierbei wählt Ihr wie später auch im Mehrspielermodus eine Klasse, die im Einzelspielermodus jedoch nur hinsichtlich der Schießprügel relevant ist. Neben dem standardmäßigen, normalen Angreifer, der mit einer Kombination aus Maschinengewehr und Granatwerfer, einer Pistole sowie Granaten ausgerüstet ist, stehen noch weitere Presets zur Auswahl: Hobby-Rambos werden sich dabei wohl der Fahrzeugabwehr verpflichten.
Der einfache Grund: Neben der Pistole befindet sich der überaus durchschlagskräftige Guardian-Raketenwerfer und das etwas schwächere Pendant ebenfalls eine RPG-Kanone im Gepäck. In einer Mission mussten wir uns auch mit der Scharfschützenklasse übers (noch) ruhige Schlachtfeld bewegen.
Nicht alle Klassen, die Ihr in der Kampagne anwählen dürft, haben jedoch genau das im Gepäck, was sie auch im Mehrspielermodus bei sich tragen ein weiterer Indikator für die Prioritäten, die seitens der Entwickler offensichtlich gesetzt wurden.
Natürlich macht auch Frontlines regen Gebrauch von Vehikeln, in die Ihr einsteigen dürft: Neben dem bekannten Humvee das nun neben einem MG auch einen RPG bietet werdet Ihr in den Arealen noch auf genügend Panzer treffen, denen übrigens eine eigene Mission spendiert wurde. Viel wollen wir von diesem dramatischen Auftrag nicht verraten, aber eins sei gesagt: Wir haben im wahrsten Sinne des Wortes vor Freude gestrahlt. Daneben dürft Ihr hier und da noch einen Helikopter steuern, sowie MP-exklusiv einen fixen Jet. Etwas misslungen ist die Steuerung des Helis, gerade von den Kompetenzen, die bei der Desert Combat-Mod an den Tag gelegt wurden, hatten wir sowas eigentlich nicht erwartet.
Ein bisher so nicht dagewesenes Feature begeistert jedoch sowohl im Einzel-, als auch im Mehrspielermodus: Die Westkoalition und auch die Rotstern-Allianz setzen auf den Einsatz von Drohnen. Wer jetzt an Ghost Recon: Advanced Warfighter denkt könnte auch beim ähnlichen Look der westlichen Soldaten passieren liegt da jedoch nur zur Hälfte richtig. Drohnen gab es zwar auch beim Taktik-Shooter aus dem Hause Ubisoft, jedoch konnten diese sich nicht wehren und dienten vorrangig zur Erkundung des Terrains sowie der Markierung von Feinden auf Eurem HUD und der Minimap. In Frontlines schlagen die kleinen technologischen Wunder die Handlung wurde in der nahen Zukunft angesetzt mit teils brachialer Waffengewalt zurück. Sollte es Euch passieren, dass Ihr durch heftigen Beschuss nicht vordringen könnt, ohne gleich das Zeitliche segnen, schickt einfach beispielsweise eine Angriffsdrohne in Form eines C&C-Orcas los selbigen steuert Ihr in der 3rd-Person-Ansicht und löst auf Knopfdruck eine Detonation aus, die gepanzerte Geschütze aushebt.
Mehrspielerfreuden ohne Ende!
Cool ist auch das kleine Rennfahrzeug der Rotsterne, eine Art ferngesteuerter Selbstmordattentäter. Damit rollt Ihr auch unter die Ketten eines dicken Panzers. Doch passt beim Einsatz auf: Sämtliche Drohnen verfügen über einen eingeschränkten Signalbereich, in dem ihr das Ding steuern könnt EMP-Verteidigungen legen Vehikel und Drohnen gleich ganz lahm. Ihr dürft die Drohne also nicht vom Startpunkt der Mission bis zum Ende steuern das wäre nebenbei gesagt auch ganz schön doof.
Wenn die Kampagne schon einen gehörigen Tick zu knapp ist, widmen wir uns halt dem Mehrspielermodus und der ist mal richtig gelungen, auch dank des Updates. Über den verbesserten Serverbrowser, der nun per LAN- oder Onlineverbindung übersichtlich das anzeigt, was man sich wünscht und noch die wichtigsten Filteroptionen bietet, haben wir uns ja bereits geäußert. Viel wichtiger sind jetzt die echten Gefechte mit Mitspielern aus Fleisch und Blut die stellen sich wenigstens nicht vor Geschütze, aus denen wir eigentlich gerade feuern wollten und wenn doch, haben wir halt einfach mal Pech gehabt.
Wie aus der Battlefield-Reihe bekannt, dreht sich auch in Frontlines: Fuel of War alles um die Eroberung von bestimmten Punkten auf der jeweiligen Karte und insgesamt um die Verschiebung der Frontlinie bis zur außersten Grenze, um so dem gegnerischen Team nicht nur die Spawnpunkte, sondern auch den Teamscore abzuluchsen. Fällt dieser auf Null, ist Schluss für die Mannschaft, die ihre letzte Respawn-Location bereits eingebüßt hat. Anders jedoch als beim offensichtlichen Vorbild unterscheidet das Spiel zwischen Klasse und Rolle. Drei Klassen haben wir Euch bereits vorgestellt, hinzu kommen noch Nahkampf, Spezialeinsatz und schwerer Angriff. Bei Letzterem könnt Ihr unter anderem ein MG mit Trommelmagazin Euer Eigen nennen, wer sich für den Spezialeinsatz entschieden hat, darf sich zudem über eine schallgedämpfte Maschinenpistole freuen. Nahhämpfer ziehen derweil mit einer Schrotflinte ins laufende Gefecht.
Zusätzlich zur Klasse dürft Ihr Euch außerdem für eine Rolle entscheiden: Soll ich meinem Team normal als Bodenunterstützung dienen, oder doch lieber als EMP-Techniker Verteidigungen gegenüber Drohnen und Luftangriffen aufbauen?
Andernfalls könnt Ihr auch derjenige sein, der im Zoom seiner Waffe einen gerade initiierten Splitterbombenangriff auf einen feindlichen, ungesicherten Stützpunkt beobachtet. Nicht neu, aber wirklich schön ist die Idee des Stufenaufstieges, den man sich pro Runde jedoch erst wieder erarbeiten muss. Stimmt, eine Sicherung der erhaltenen Aufstiege für ausstehende Runden wäre der bisher überzeugenden Balance auch nicht gerade zuträglich, Einsteiger hätten einen schweren Anfang. Bis zu 64 Spieler tummeln sich auf den bereits jetzt gut besuchten PC-Servern von Frontlines chronische Lags oder andere Ärgerlichkeiten haben wir bis jetzt vergeblich gesucht.
Das wäre auch ein Schlag ins Gesicht des Mehrspieler-Fans, der sich auf taktische und dennoch actionreiche Kämpfe um Eroberungspunkte gefasst machen darf. Der Drohnen- und Rolleneinsatz geben dem tollen Multiplayer-Feeling zusätzlich eine eigene Note. Optisch ist Frontlines abgesehen von einigen verwaschenen Texturen und der vor allem im Endteil negativ auffallenden, einen Tick zu kurzen Weitsicht voll auf der Höhe der Zeit und kann mit hervorragenden Animationen auch wenn selten ein Feind mal etwas merkwürdig aus der Welt scheidet -, imposanten Explosionen und schicken Außenarealen punkten.
Zudem sind immerhin ein Großteil der Texturen detailliert, die erwähnten Ausnahmen bestätigen die Regel.
Die Systemanforderungen sind angesichts des Gebotenen okay, sollten aber nicht unterschätzt werden.Das Testsystem bestehend aus einem Intel Core 2 Duo E6700, vier Gigabyte DDR2-RAM (667 Mhz) und einer 512 MB Radeon X1950XTX war aber nur äußerst selten überfordert und lieferte bei maximalen Details und einer Auflösung von 1280 mal 1024 Bildpunkten meistens gute Werte von ca. 40 Frames pro Sekunde. Wie die Unterschiede dabei aussehen, könnt Ihr auf unserer Infoseite unter Anforderungen einsehen.
Der Hammer ist Frontlines: Fuel of War jedoch im akustischen Bereich: Ein Großteil der Waffen klingt so knackig, die Explosionen so markerschütternd und die Geschosse so zischend, dass sich die Finger wohlwollend Richtung Boxen-Lautstärkeregelung bewegen, nur um diese noch einen Tick lauter zu stellen. Ebenfalls gelungen ist die deutsche Synchronisation sowohl in den Cutscenes, als auch direkt im Spiel und die atmosphärische Hintergrundmusik, die sich zu keiner Zeit störend in der Vordergrund drängt. Die deutsche Version mit der Kennzeichnung keine Jugendfreigabe ist übrigens ungeschnitten - obwohl recht wenig Blut fließt und Leichen verschwinden.
Mach Dir einen Namen im Dark Orbit. Allein oder mit Verbündeten wagst Du Dich in weit entfernte Sternen- systeme vor und kämpfst um 10.000 € zum Spiel...
Frontlines: Fuel of War im Test.
Was halten Sie vom neuen Spiel von Kaos Studios?
Teilen Sie Ihre Meinung mit anderen Yahoo!-Usern.