Fussball Manager 2003

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Electronic Arts
Entwickler
EA Sports
Erscheinungsdatum
-
Genre
Andere
USK
0
Fussball Manager 2003 [PC , looki.de]

Gesamtwertung

84%/10

Grafik

Gut

Sound

Gut

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Sehr gut

Bedienung

Sehr gut

Fussball Manager 2003

Als geborener Frauentyp hat man nur drei Gelüste, nämlich raue Mengen Alkohol, seine Kumpels und natürlich ein paar hübsche pralle Bälle. Wenn man alles beisammen hat, kann die Fussball-Saison beginnen. Und ob man mit dem Fussball Manager 2003 als direkter Konkurrent von Anstoss 4 etwas anstellen kann, erfahrt Ihr in unserem Test.

Dem Statut der Statistik...

Fussball ist für viele Bürger dieses Vizeweltmeister-Landes ein wichtiger Aspekt des Lebens. Seien es die Millionen Fans, die in den Stadien und vor dem Fernsehern mit ihren Lieblingen mitfiebern, seien es die Bierhersteller, die den „Stoff“ für den Proll von heute brauen und nicht zu vergessen die Hersteller illustrer Fussball Manager, die mit ihren Werken manch Winterpause zu überbrücken verstehen.

EA Sports hatte schon seit einer kleinen Ewigkeit eigene Fussball-Manager in der Produktionsline, die weder sonderlich erfolgreich noch beliebt waren, da sie eher Kalkulations-Tabellen denn Spielen glichen. Aber da man bei EA ein paar kluge Köpfe beschäftigt, kam irgendwann in einem Land vor langer Zeit in einer weit weit entfernten Galax... ähm.... wo war ich? Ach ja, also man hat bayernmünchen-like den Entwicklungschef von Anstoss 3, dem damaligen Genrespitzenreiter, abgeworben und ihm mit der Verantwortung des Gesamtkonzeptes betraut. Herausgekommen ist ein hervorragendes Fussball Manager 2002, dass zwar erst nach einem grossen Patch absolut fehlerfrei war, ab diesem Zeitpunkt dennoch als Genrereferenz gewertet werden konnte und nun, jahresgerecht, eine Fortsetzung findet.

Die Aufgaben eines Managers/Trainers in Personalunion sind klar umrissen: Sei Mädchen für alles. Egal, ob es Gehaltsverhandlungen, Kartenverkauf, Ausbau des Stadiums und dessen Umfeld, die Trainingseinheiten der kostbaren Spieler, die Spielaufstellung der selbigen, der Einkauf auf dem Transfermarkt... unsereins hat viel zu tun, um den Verein, bei dem man angestellt ist, zu Aufstiegen, Meisterschaften und internationalen Erfolgen zu verhelfen. Doch der Reihe nach. Sofern die Wahl des Vereins erfolgreich war, findet man sich quasi im Hauptmenü wieder, das man, im Gegensatz zum Vorgänger, aus zwei Möglichen auswählen darf.

Einerseits die schon aus dem FM2002 bekannte, rechtsseitige, aufploppende Shortcut-Leiste und andererseits die aus den älteren Anstoss-Titeln bekannte Büro-Ansicht, die zwar nett anzuschauen, dafür aber auch recht unübersichtlich wirkt. Die klar gegliederte und übersichtliche Menüführung vermag es, innerhalb kürzester Zeit und mit wenigen Mausklicks in alle wichtigen Bereiche des Managerlebens zu führen, und davon gibt es erstaunlich viele. Ob nun Aufstellung, Finanzplan, Training, Infrastruktur, Jugend, Fanbetreuung, Taktik, News-Center, Mitarbeiter oder die obligatorischen Statistiken – alle Bereiche, die die Aufmerksamkeit des Spielers verlangen. Ich kann sie hören, die Geräusche, die entstehen, wenn die flache Hand gegen die Stirn klatscht, gepaart mit einem seufzenden „Boah, so viel? Ist das nicht ziemlich zeitaufwändig und öde/langweilig/mopsig?“. Dazu ein standhaftes „JEIN!“. Denn: Wenn Bereiche als unwichtig, zeitaufwändig oder überflüssig geachtet werden, dürfen/können/sollten sie von qualifiziertem Personal geführt werden, die man zu diesem Zwecke einstellen kann.

Und selbst das Personalmanagement kann an einen Assistenten vergeben werden. Um einen Vergleich zu bieten: Sollte man sämtliche „wichtigen“ Aspekte selber koordinieren wollen und für jede Aufgabe pro Spieltag mehr als eine Minute opfern, kann eine einzige Saison locker ein paar Tage dauern. Wird allerdings auf 'Teufel komm raus' delegiert, schrumpft die Spielzeit einer Saison auf vielleicht fünf bis sechs Stunden. Sollte man irgendwann einen Assistenten sein Eigen nennen, ohne dessen Mitarbeit der Verein vor die Hunde geht, sollte sehr genau auf dessen Vertrag gachtet werden. Während auslaufende Spielerverträge von den Mitarbeitern angezeigt und entsprechend automatisch – sofern ein Mitarbeiter mit dieser Aufgabe betraut wird - verlängert bzw. aufgelöst werden, enden die Arbeitsverhältnisse der Assistenten ohne Rückmeldung. So kann es schnell passieren, dass man im der Hitze des Meisterkampfes übersehen hat, die Verträge aller Co-Trainer auslaufen und man ohne Stab dasteht.

Der wahre Reichtum eines Fußballvereins rennt, meist kurzhosig, allwöchentlich auf dem Stadiongrün hin und her und versucht, rundes Leder in eckige Kästen zu versenken. Und dafür wollen die dann auch noch Geld haben, nämlich das, das ihnen vertraglich zugesichert wurde. Womit wir beim drittwichtigsten Punkt eines Fussballmanagers angelangt sind: der Kader. Dank der fast 100%igen Fifa-Lizenz dürfen wir uns an reale Spieler-Namen und -Werte erfreuen. Nur wieso die echten Manager und Trainer der Vereine Fantasie-Namen besitzen, vermag man nicht wirklich zu verstehen. Sind die eigenen Spieler irgendwann zu alt, zu doof zum Tore schiessen oder wäre ein Verkauf profitabel, enden sie meist auf der Transferliste.

Hat man beim Studium der Liste bzw. beim Nutzen der „Freien Spielersuche“ einen Kandidaten für den Kauf gefunden, geht’s ans Handeln. Ganz nach klassischer Marktplatz-Manier wird geschachtert und gepokert und mit Zahlen jongliert, so dass einem bei den exorbitanten Gehaltsvorstellungen die Schwindelgefühle ereilen.

Im Vergleich zum Vorgänger können wir uns entscheiden, wem wir zuerst ein Angebot machen, Spieler oder Verein. So kann es dann passieren, dass der Spieler Feuer und Flamme ist, der Verein aber lieber dankend ablehnt oder umgekehrt. Sollten aber alle Seiten mehr oder minder einverstanden sein und nur noch die Frage der Ablöse im Raume stehen, finden wir uns in einer interessanten Darstellung wieder. Auf einem Balken schweben dabei zwei Bälle, die in einer gewissen Zeit, je nach Gutdünken, in Richtung Verhandlungspartner oder eigenem Verein hin und her geschoben werden dürfen.

Beide Seiten haben einen Ball und eine Einigung ist nur dann gegeben, wenn beide Bälle übereinander liegen. Interessant ist diese Version der Verhandlung aber nur, wenn man nicht die vorgegebene Ablösesumme aufbringen kann oder möchte und den Dialog sucht. Wer jedoch genügend Geld besitzt, zahlt einfach das Verlangte und wird diese Ballschiebereien niemals erblicken. Wer jedoch einen armen Verein hat, wird sich dafür hier öfters wiederfinden und vielleicht sogar eine Menge Geld sparen.

Allerdings war es für den Tester eher ein Quell von Ärger und Frustration, da die geldgierige Gegenseite mehr als nur einmal kurz vor Vertragabschluss den Bereich der Vereinbarung verließ und so der Vertrag nicht zustande kam.

Ja, wo laufen sie denn?

Des Balltreters Aufgabe ist einfach und leicht zu verstehen. Ballere das Leder in das Tor des Gegners und hindere diesen wiederum daran, selber Tore zu schießen. Um einen Ball treten zu können, brauchen die Spieler viel Liebe, Geld und Trainingseinheiten. Speziell letzteres ist wichtig, da die Herren ansonsten den Überblick verlieren und ein Spiel nach dem anderen haushoch verlieren. Fortan darf man also die Herren rennen lassen, die Kondition verbessern, Torschüsse üben oder einfach relaxen lassen.

Die restlichen zwei Dutzend Trainingseinheiten sollten aber auch berücksichtigt werden, damit die Mannschaft auf alle Eventualitäten vorbereitet ist. Wenn man den Kader aber zu hart trainieren lässt, können sie zwar theoretisch den Gegner in Grund und Boden spielen, sind aber einfach stehend K.O., sodass man gezwungen ist, das Trainingspensum entsprechend einzuteilen. Aber zum Glück gibt’s ja Co-Trainer, die eben zu diesem Zweck eingestellt werden können. Selbstverständlich sollte man aber auch auf des Können des Co- bzw. Torwart-Trainers achten, denn sonst kann es passieren, dass die Spieler entweder falsch oder nicht leistungsgerecht trainiert werden. Ein ebenfalls trainingspolitisch fundamentaler Bereich, der nur in den Wochen der Saison-Vorbereitung bzw. der Winterpause zum Tragen kommt, ist die Wahl der Trainingslager. Hier können die Spieler, je nach Trainingsort, viel lernen oder einfach nur entspannen. Nur welche Auswirkung die Wahl eines bestimmten Lagers nun hat, wird leider nicht angegeben und damit wird das Trainingslager eher ein Pokerspiel denn eine wirkliche Hilfe.

Irgendwann ist die Vorbereitungszeit vorbei, das Training sollte mittlerweile erfolgreich sein und auch Tickets wurden an den Fan gebracht. Der erste Gegner der laufenden Saison klopft vorsichtig an. Klar, das Spiel sollte gewonnen werden, also begibt man sich zur Aufstellung.

Und hier sind der Einstellmöglichkeiten kaum Grenzen gesetzt: Sollen die Spieler nach Form oder Stärke, nach Talent, nach Anzahl der Spiele, nach Alter und nach einigen anderen Kriterien aufgestellt werden? Werden Spieler immer aufgestellt oder verwehrt man ihnen jegliche Einsätze? Und sollte eine Rotation Beachtung finden? Wenn ja, für die Abwehr, das Mittelfeld oder gar dem Sturm? Diese Aufgabe kann auch dem Co-Trainer überlassen werden, sollte aber dennoch vor jedem Spiel eingehendst beäugt werden, da selbst der beste Assistenz-Trainer gelegentlich die absurdesten Aufstellungen bietet und einer Niederlage damit Tür und Tor öffnet.

Ebenfalls nicht zu vernachlässigen ist die Taktik, denn hier versuchen wir den Rasenhüpfern einzutrichtern, dass sie durch die Mitte oder über den Flanken zu spielen haben, dass sie gefälligst mit Pressing an den Gegner gehen sollten und mit bzw. ohne Abseitsfalle zu agieren haben. Einmal in der Saison darf die Mannschaft hier auch darauf hingewiesen werden, dass das bevorstehende Spiel extremst wichtig ist und dass der Vereinspräsident und auch unsereins sich sehr über einen Sieg freuen würden. Hat man also erst Aufstellung und Taktik weitergegeben, wird’s spannend, denn nun zeigt es sich, ob sich die Mühen gelohnt haben und ob die Spieler alles verinnerlicht haben und in der Lage sind, ein Spiel zu gewinnen. Dabei habt man drei verschiedene Möglichkeiten, dem Spiel beizuwohnen.

Entweder man beobachtet das Spiel in der schon in Fifa 2002 genutzten 3D-Engine mit gesprochenem Kommentar oder man verfolgt die Partie als Textdarstellung oder wir lassen die Ansetzung einfach berechnen und wundern/freuen uns anschließend über den Ausgang. Vor wichtigen Spielen kann es ab und an auch zu (abschaltbaren) Interviews kommen, die, nach gestellter Frage und gegebener Antwort, die Moralwerte der Spieler oder die Beliebtheitswerte der Fans sinken und steigen lassen.

Der 3D-Part nutzt, wie schon erwähnt, die recht aktuelle Fifa 2002-Engine und bietet damit zeitgemäße Präsentation eines Fussballspieles. Die Akteure tummeln sich dabei recht überzeugend über das Spielfeld und man hat wirklich das Gefühl, eine echte Fussballspiel-Übertragung zu verfolgen. Per Tastendruck kann der Trainer zudem bestimmte Aktionen wie Abspiel oder Torschuss quer über das Spielfeld brüllen, in der Hoffnung, das man auch erhört wird. Kurios ist übrigens, dass man auf Auswechslungen teilweise eine halbe Halbzeit warten muss, da diese erst bei Spielunterbrechungen stattfinden. Wenn also die Herren auf dem Grün 30 Minuten lustlos im Mittelfeld rumkicken, kann es passieren, dass die Stürmergranate ganze Ewigkeiten am Spielfeldrand steht. Lobenswerterweise darf man mit den Funktionstasten aber die Spielzeit raffen, was dann allerdings aussieht, als ob alle 25 Protagonisten (Spieler, Torwarte, Schiris) ein gehöriges Koffein-Problem hätten.

Der Ball selber scheint eine gewisse Eigendynamit zu besitzen, da er manchmal nicht wirklich den Gesetzen der Physik gehorcht.

Mittlerweile wurde aber ein Ballphysik-Patch released, der diesem Problem ein Ende setzt. Unschön ist ferner, dass sich die Auflösung der Partien nicht ändern lassen, so dass die Lichthöfe der Scheinwerfer recht pixelig wirken.

Die zweite Möglichkeit, der Textmodus, ist ein alter Bekannter unter den Fussballmanager-Spielern. Hier werden sämtliche Aktion als Textzeilen wie „Rehmer täuscht links an und spielt rechts ab. Preetz steht goldrichtig und versenkt den Ball im linken Eck. 1:0 Hertha BSC“. Mehr passiert hier nicht wirklich. Die Texte wiederholen sich im Laufe einer Saison mehrmals und nur ab und zu kann man während der Übertragung, wie in dem 3D-Part, Anweisungen geben, allerdings nur, wenn FM2003 die Möglichkeiten dazu gibt. Allerdings kann hier jederzeit die Einsatz-Stärke der Spieler eingestellt werden. Wenn also die eigene Mannschaft mit 0:1 hinten liegt, kann es durch die Einsatzverstärkung passieren, dass die Spieler alles nach vorne werfen und den Ausgleich schaffen... oder aber sie werden klassisch ausgekontert und verlieren stattdessen haushoch.

Schlussendlich kann man sich auch alles sparen und sämtliche Partien, einschliesslich der eigenen, ohne weiteres Zutun berechnen lassen. Klar, dass man hierbei keine eigenen Auswechslungen, Aufstellungsänderungen oder Taktikverfeinerungen mehr vornehmen kann. Seltsamerweise aber waren die Ergebnisse der Berechnungsspiele grundsätzlich torreicher für die eigene Mannschaft als die 3D-Darstellung oder der Textmodus. Ob das Zufall war oder ein seltsamer Bug lässt sich nicht nachvollziehen.

Fazit

Der Fussballmanager ist momentan der unangefochtete Throninhaber seines Genres und nach dem Debakel des aktuellen Konkurrenten, Anstoss 4, vermag wohl nur der sicherlich nachfolgende Fussballmanager 2004 eine ernste Gefahr darzustellen. Glückerlicherweise entpuppte sich der FM2003 nicht als plumpe Jahres-Neuauflage, wie man es von EA Sports ja leider kennt, sondern ist eine saubere Weiterentwicklung. Wieso aber die Manager und Trainer, im Gegensatz zu den Spielern, nicht die realen Namen innehaben und wieso das Transfersystem teilweise nervig rüberkommt, gibt Rätsel auf.

Fussball Manager 2003 [PC , looki.de]

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