Gesamtwertung84%/10 |
GrafikGut SoundBefriedigend |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegSehr gut |
BedienungSehr gut |
Fussball ist für viele Bürger dieses Vizeweltmeister-Landes ein wichtiger Aspekt des Lebens. Seien es die Millionen Fans, die in den Stadien und vor dem Fernsehern mit ihren Lieblingen mitfiebern, seien es die Bierhersteller, die den Stoff für den Proll von heute brauen und nicht zu vergessen die Hersteller illustrer Fussball Manager, die mit ihren Werken manch Winterpause zu überbrücken verstehen.
EA Sports hatte schon seit einer kleinen Ewigkeit eigene Fussball-Manager in der Produktionsline, die weder sonderlich erfolgreich noch beliebt waren, da sie eher Kalkulations-Tabellen denn Spielen glichen. Aber da man bei EA ein paar kluge Köpfe beschäftigt, kam irgendwann in einem Land vor langer Zeit in einer weit weit entfernten Galax... ähm.... wo war ich? Ach ja, also man hat bayernmünchen-like den Entwicklungschef von Anstoss 3, dem damaligen Genrespitzenreiter, abgeworben und ihm mit der Verantwortung des Gesamtkonzeptes betraut. Herausgekommen ist ein hervorragendes Fussball Manager 2002, dass zwar erst nach einem grossen Patch absolut fehlerfrei war, ab diesem Zeitpunkt dennoch als Genrereferenz gewertet werden konnte und nun, jahresgerecht, eine Fortsetzung findet.
Sofern die Wahl des Vereins erfolgreich war, findet man sich quasi im Hauptmenü wieder, das man, im Gegensatz zum Vorgänger, aus zwei Möglichen auswählen darf. Einerseits die schon aus dem FM2002 bekannte, rechtsseitige, aufploppende Shortcut-Leiste und andererseits die aus den älteren Anstoss-Titeln bekannte Büro-Ansicht, die zwar nett anzuschauen, dafür aber auch recht unübersichtlich wirkt.
Aber bleiben wir zunächst bei der Shortcut-Leiste. Die klar gegliederte und übersichtliche Menüführung vermag es, innerhalb kürzester Zeit und mit wenigen Mausklicks in alle wichtigen Bereiche des Managerlebens zu führen, und davon gibt es erstaunlich viele. Ob nun Aufstellung, Finanzplan, Training, Infrastruktur, Jugend, Fanbetreuung, Taktik, News-Center, Mitarbeiter oder die obligatorischen Statistiken alle Bereiche, die die Aufmerksamkeit des Spielers verlangen.
Ich kann sie hören, die Geräusche, die entstehen, wenn die flache Hand gegen die Stirn klatscht, gepaart mit einem seufzenden Boah, so viel? Ist das nicht ziemlich zeitaufwändig und öde/langweilig/mopsig?. Dazu ein standhaftes JEIN!. Denn: Wenn Bereiche als unwichtig, zeitaufwändig oder überflüssig geachtet werden, dürfen/können/sollten sie von qualifiziertem Personal geführt werden, die man zu diesem Zwecke einstellen kann. Und selbst das Personalmanagement kann an einen Assistenten vergeben werden. Um einen Vergleich zu bieten: Sollte man sämtliche wichtigen Aspekte selber koordinieren wollen und für jede Aufgabe pro Spieltag mehr als eine Minute opfern, kann eine einzige Saison locker ein paar Tage dauern. Wird allerdings auf 'Teufel komm raus' delegiert, schrumpft die Spielzeit einer Saison auf vielleicht fünf bis sechs Stunden.
Sollte man irgendwann einen Assistenten sein Eigen nennen, ohne dessen Mitarbeit der Verein vor die Hunde geht, sollte sehr genau auf dessen Vertrag gachtet werden. Während auslaufende Spielerverträge von den Mitarbeitern angezeigt und entsprechend automatisch sofern ein Mitarbeiter mit dieser Aufgabe betraut wird - verlängert bzw. aufgelöst werden, enden die Arbeitsverhältnisse der Assistenten ohne Rückmeldung. So kann es schnell passieren, dass man im der Hitze des Meisterkampfes übersehen hat, die Verträge aller Co-Trainer auslaufen und man ohne Stab dasteht.Kohle, Zaster, Pinke-Pinke
Der wahre Reichtum eines Fußballvereins rennt, meist kurzhosig, allwöchentlich auf dem Stadiongrün hin und her und versucht, rundes Leder in eckige Kästen zu versenken. Und dafür wollen die dann auch noch Geld haben, nämlich das, das ihnen vertraglich zugesichert wurde. Womit wir beim drittwichtigsten Punkt eines Fussballmanagers angelangt sind: der Kader. Dank der fast 100%igen Fifa-Lizenz dürfen wir uns an reale Spieler-Namen und -Werte erfreuen. Nur wieso die echten Manager und Trainer der Vereine Fantasie-Namen besitzen, vermag man nicht wirklich zu verstehen.
Sind die eigenen Spieler irgendwann zu alt, zu doof zum Tore schiessen oder wäre ein Verkauf profitabel, enden sie meist auf der Transferliste. Hat man beim Studium der Liste bzw. beim Nutzen der Freien Spielersuche einen Kandidaten für den Kauf gefunden, gehts ans Handeln. Ganz nach klassischer Marktplatz-Manier wird geschachtert und gepokert und mit Zahlen jongliert, so dass einem bei den exorbitanten Gehaltsvorstellungen die Schwindelgefühle ereilen. Im Vergleich zum Vorgänger können wir uns entscheiden, wem wir zuerst ein Angebot machen, Spieler oder Verein. So kann es dann passieren, dass der Spieler Feuer und Flamme ist, der Verein aber lieber dankend ablehnt oder umgekehrt. Sollten aber alle Seiten mehr oder minder einverstanden sein und nur noch die Frage der Ablöse im Raume stehen, finden wir uns in einer interessanten Darstellung wieder. Auf einem Balken schweben dabei zwei Bälle, die in einer gewissen Zeit, je nach Gutdünken, in Richtung Verhandlungspartner oder eigenem Verein hin und her geschoben werden dürfen. Beide Seiten haben einen Ball und eine Einigung ist nur dann gegeben, wenn beide Bälle übereinander liegen. Interessant ist diese Version der Verhandlung aber nur, wenn man nicht die vorgegebene Ablösesumme aufbringen kann oder möchte und den Dialog sucht. Wer jedoch genügend Geld besitzt, zahlt einfach das Verlangte und wird diese Ballschiebereien niemals erblicken. Wer jedoch einen armen Verein hat, wird sich dafür hier öfters wiederfinden und vielleicht sogar eine Menge Geld sparen. Allerdings war es für den Tester eher ein Quell von Ärger und Frustration, da die geldgierige Gegenseite mehr als nur einmal kurz vor Vertragabschluss den Bereich der Vereinbarung verließ und so der Vertrag nicht zustande kam.
Ein ebenfalls trainingspolitisch fundamentaler Bereich, der nur in den Wochen der Saison-Vorbereitung bzw. der Winterpause zum Tragen kommt, ist die Wahl der Trainingslager. Hier können die Spieler, je nach Trainingsort, viel lernen oder einfach nur entspannen. Nur welche Auswirkung die Wahl eines bestimmten Lagers nun hat, wird leider nicht angegeben und damit wird das Trainingslager eher ein Pokerspiel denn eine wirkliche Hilfe.
Ebenfalls nicht zu vernachlässigen ist die Taktik, denn hier versuchen wir den Rasenhüpfern einzutrichtern, dass sie durch die Mitte oder über den Flanken zu spielen haben, dass sie gefälligst mit Pressing an den Gegner gehen sollten und mit bzw. ohne Abseitsfalle zu agieren haben. Einmal in der Saison darf die Mannschaft hier auch darauf hingewiesen werden, dass das bevorstehende Spiel extremst wichtig ist und dass der Vereinspräsident und auch unsereins sich sehr über einen Sieg freuen würden.
Der 3D-Part nutzt, wie schon erwähnt, die recht aktuelle Fifa 2002-Engine und bietet damit zeitgemäße Präsentation eines Fussballspieles. Die Akteure tummeln sich dabei recht überzeugend über das Spielfeld und man hat wirklich das Gefühl, eine echte Fussballspiel-Übertragung zu verfolgen. Per Tastendruck kann der Trainer zudem bestimmte Aktionen wie Abspiel oder Torschuss quer über das Spielfeld brüllen, in der Hoffnung, das man auch erhört wird. Kurios ist übrigens, dass man auf Auswechslungen teilweise eine halbe Halbzeit warten muss, da diese erst bei Spielunterbrechungen stattfinden. Wenn also die Herren auf dem Grün 30 Minuten lustlos im Mittelfeld rumkicken, kann es passieren, dass die Stürmergranate ganze Ewigkeiten am Spielfeldrand steht. Lobenswerterweise darf man mit den Funktionstasten aber die Spielzeit raffen, was dann allerdings aussieht, als ob alle 25 Protagonisten (Spieler, Torwarte, Schiris) ein gehöriges Koffein-Problem hätten.
Der Ball selber scheint eine gewisse Eigendynamit zu besitzen, da er manchmal nicht wirklich den Gesetzen der Physik gehorcht. Mittlerweile wurde aber ein Ballphysik-Patch released, der diesem Problem ein Ende setzt. Unschön ist ferner, dass sich die Auflösung der Partien nicht ändern lassen, so dass die Lichthöfe der Scheinwerfer recht pixelig wirken.
Die zweite Möglichkeit, der Textmodus, ist ein alter Bekannter unter den Fussballmanager-Spielern. Hier werden sämtliche Aktion als Textzeilen wie Rehmer täuscht links an und spielt rechts ab. Preetz steht goldrichtig und versenkt den Ball im linken Eck. 1:0 Hertha BSC. Mehr passiert hier nicht wirklich. Die Texte wiederholen sich im Laufe einer Saison mehrmals und nur ab und zu kann man während der Übertragung, wie in dem 3D-Part, Anweisungen geben, allerdings nur, wenn FM2003 die Möglichkeiten dazu gibt. Allerdings kann hier jederzeit die Einsatz-Stärke der Spieler eingestellt werden. Wenn also die eigene Mannschaft mit 0:1 hinten liegt, kann es durch die Einsatzverstärkung passieren, dass die Spieler alles nach vorne werfen und den Ausgleich schaffen... oder aber sie werden klassisch ausgekontert und verlieren stattdessen haushoch.
Schlussendlich kann man sich auch alles sparen und sämtliche Partien, einschliesslich der eigenen, ohne weiteres Zutun berechnen lassen. Klar, dass man hierbei keine eigenen Auswechslungen, Aufstellungsänderungen oder Taktikverfeinerungen mehr vornehmen kann. Seltsamerweise aber waren die Ergebnisse der Berechnungsspiele grundsätzlich torreicher für die eigene Mannschaft als die 3D-Darstellung oder der Textmodus. Ob das Zufall war oder ein seltsamer Bug lässt sich nicht nachvollziehen.
Mach Dir einen Namen im Dark Orbit. Allein oder mit Verbündeten wagst Du Dich in weit entfernte Sternen- systeme vor und kämpfst um 10.000 € zum Spiel...
Fussball Manager 2003 im Test.
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