Galactic Assault: Prisoner of Power

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Paradox
Entwickler
Akella
Erscheinungsdatum
-
Genre
Andere
USK
12
Galactic Assault: Prisoner of Power [PC , looki.de]

Gesamtwertung

68%/10

Grafik

Befriedigend

Sound

Gut

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Gut

Galactic Assault: Prisoner of Power

Manch einem Literaturliebhaber und einigen angehenden Weltverbesserern dürften die Gebrüder Strugatzki durchaus ein Begriff sein. Ihre Bücher spiegelten nicht nur ein ums andere mal ihre ganz persönliche Zukunftserwartung und den von ihnen erwarteten Verfall aller Gerechtigkeit in nicht allzu ferner Zeit wider, sondern reizten den Leser auch durch verwirrende und doch anziehende Erzählstränge. Da die Videospielbranche zwar reich an Titeln voller Grafikpracht und wunderschöner Musik, jedoch arm wie keine Zweite an Spielen mit tiefgründigen Geschichten und Idealen ist, versuchten die Entwickler des rundenbasierten Strategiespiels Galactic Assault: Prisoner of Power die Vorlage „Die bewohnte Insel“ von den eben vorgestellten Strugatzki-Brüdern bestmöglich in ihrem Spiel zu adaptieren. Und was könnte sich das Zockerherz mit einer Affinität zu diesem Genre mehr wünschen, als viele taktische Möglichkeiten und eine fesselnde Storyline? Doch ob sich in diesem Falle ein äußerst interessantes Literaturdenkmal mit einem Computerspiel verbinden ließ und die perfekte Symbiose daraus entstehen konnte, versuchen wir im Test zu klären.

Während in der Buchvorlage der junge Maxim Kammerer mit seinem Raumschiff eine nicht zu vermeidende Bruchlandung auf einem ihm unbekannten Planet unbeschadet übersteht und daraufhin erkennen muss in welch einer Hölle er mit einmal gefangen ist, erfährt der Spieler in Galactic Assault so gut wie nichts von der wichtigen Vorgeschichte. Sofort wird man als General Maxim Kammerer in die ersten Schlachten geworfen und bekämpft ohne zu wissen, warum eigentlich, drei übermächtig scheinende Fraktionen. Empfehlenswert wäre es deshalb, sich neben dem Spiel auch gleich das Buch anzuschaffen, um alle Details und sogar ganze Handlungsstränge überhaupt verstehen zu können. Das ist natürlich nicht der Sinn der Sache und dürfte bei literarisch eher weniger angetanen Zockern bereits früh im Spiel zu ersten Verstimmungen führen. Nur so viel: In „Die bewohnte Insel“ muss Maxim erkennen, dass der Planet, auf dem er unfreiwillig gestrandet ist, von kriegerischen Auseinandersetzungen gezeichnet ist, dass Menschenleben nichts wert und Macht alles ist. Vier Fraktionen stehen sich im Kampf um Leben und Tod gegenüber und bekriegen sich bis aufs Blut. Er selbst, von einem kommunistischen Heimatland geprägt, muss sich durch eine für ihn unverständliche Welt schlagen und beschließt sich einer Rebellion anzuschließen, die die Gerechtigkeit und auch ein wenig Hoffnung wieder zum Leben erwecken will. Ab diesem Zeitpunkt übernimmt man auch im Spiel seine Rolle.

Während sich Nichtkenner der Romanvorlage weder an den langen Textpassage, noch deren konfusen Inhalt, zumindest zu Beginn des Spiels, erfreuen können, dürften sie jedoch allein vom gut durchdachten Gameplay angetan sein. Natürlich läuft jede Mission nach dem gleichen Muster ab, dafür limitieren die jeweiligen Landschaften, der Feind und die eigenen Truppen die Möglichkeiten, was immer wieder zu neuen Situationen und neuen Herausforderungen führt. Während die Einheiten auf gut ausgebauten Straßen schneller voran kommen, finden sie zum Beispiel auf stark von Pflanzen bewachsenem Terrain deutlich bessere Deckung. Nur wer alle Eventualitäten mit einkalkuliert und diese auch selbst zu nutzen weiß, kann sich den scheinbar überstarken Gegnern gegenüberstellen und siegreich aus einer Schlacht hervorgehen.

Das Spielgeschehen ist dabei in drei Phasen unterteilt. Begonnen wird mit der sogenannten Einsatzphase. Der Spieler hat hier die Möglichkeit seine unterschiedlichen Truppen erst in Stellung und dann zum Angriff zu bringen. Dabei sollten möglichst alle wichtigen Punkte gut durchdacht sein. Das ist auch durchaus möglich, da man natürlich für alle Züge unendlich viel Zeit zur Verfügung hat. Es sollte also darauf geachtet werden, keiner nachfolgenden Gruppe den Weg zu versperren, das Hauptquartier möglichst für angeschlagene oder neue Truppen offen zu lassen und sich weit genug vom Gegner fern zu halten. Wie man es von rundenbasierten Strategiespielen gewohnt ist, werden die verschiedenen Gruppen auf eingezeichneten Feldern bewegt. Ein Infanteriezug kann sich in einer Runde natürlich weniger weit fortbewegen, als ein Flugzeug.

Greift nun eine befreundete Einheit an, so hat der Feind die Möglichkeit zurück zu feuern, wenn diese ihm zu nah auf die Pelle gerückt ist. Jeder Einheitentyp muss dabei unterschiedlich weit entfernt vom Gegner stehen, um nicht gekontert zu werden. Gerade bei größeren Schlachtfelder benötigt die Logistik daher einiges an Zeit und Hirnschmalz, was die recht hohe Motivationskurve des Spiels stark unterstützt. Gerechtigkeit und auch ein wenig Hoffnung wieder zum Leben erwecken will. Ab diesem Zeitpunkt übernimmt man auch im Spiel seine Rolle.

Schon in Phase Zwei zeigt sich, ob man seine Einheiten korrekt bewegt hat. Denn in der Rekrutierungsphase kann man entweder neue Trupps ausbilden oder angeschlagene reparieren lassen. Ist das Hauptquartier allerdings durch irgendwelche Einheiten blockiert, die da etwa Deckung suchen, bleibt es die Runde ungenutzt. Was die zur Verfügung stehenden Truppen angeht, so kann Galactic Assault mit einer Reihe durchaus aus anderen Spielen bekannter Kriegsfahrzeuge und Militäreinheiten aufwarten.

Teilweise kann man diese während Phase Zwei auch noch ausbauen und mit einer stärkeren Panzerung oder besseren Feuereigenschaften ausrüsten. Alles in allem steht die Vielfalt der möglichen Verbesserungen und die Anzahl der auszubildenden Truppen allerdings weit hinter den taktischen Möglichkeiten der Einsatzphase zurück. Letztlich entscheidet jedoch Phase Drei, ob der Feind oder der Spieler einen Vorteil aus der Runde ziehen kann. Denn in dieser Phase greift der Gegner an. Nun zeigt sich, ob die Einheiten gut postiert wurden und dem Widersacher möglichst wenig Spielraum lassen. Denn dieser nutzt nicht nur taktische Kniffe, wie Hinterhalte, sondern auch die Umgebung zu seinem Vorteil. Gerade auf einem hohen Schwierigkeitsgrad und in späteren Missionen bedarf es einiges an Überlegung um seine Truppen siegreich anzuführen.

Nach einer Runde wird abgerechnet. Die Einheiten erhalten Erfahrungspunkte für getane Leistungen und können sich so im Laufe einer Schlacht verbessern. Leider verfallen die errungenen Fähigkeiten nach dem Sieg in einer Mission, was zwar verkraftbar, allerdings nicht besonders gut gelöst ist. Natürlich sollte man nach einer Runde immer seine komplette Armee durchchecken. Nicht nur, um zu überprüfen, ob alle Einheiten noch stehen, sondern auch, um zu erfahren, wie es um die Moral der Männer bestellt ist.

In Galactic Assault gibt es nämlich drei Moralstufen, die vom Erfolg und Misserfolg der einzelnen Gruppen abhängt. Während Einheiten mit einer grünen Leiste über ihren Köpfen geradezu prädestiniert für die Front sind, sollte man Truppen mit gelben oder roten Moralleisten schleunigst ins Niemandsland zurückziehen, um sie dann in der Base reparieren zu lassen. Vor allem bei einem roten Zustand schrillen die Alarmglocken, da die jeweilige Truppe absolut nicht mehr in der Lage ist sich zu verteidigen oder anzugreifen. Genauso verhält es sich beim Gegner, so dass man öfter gar nicht alle Einheiten ausrotten muss, sondern nur die Kampfunfähigkeit festzustellen hat. Eine Moral, die sich auf die generelle Lage der Kriegssituation bezieht, wie sie auch aus anderen Spielen bekannt ist, gibt es aber leider nicht. Man könnte meinen jede Einheit fechtet einen Privatkrieg aus.

Grafisch nicht mehr aktuell

Leider wurde die Welt von Galactic Assault eindeutig überzeichnet. Von der zerstörten, grauen Welt der Romanvorlage sind die Landschaften des Spiels weit entfernt. Eine bedrückende Stimmung will ganz und gar nicht aufkommen, weil der Planet viel zu bunt und die natürliche Atmosphäre viel zu rein ist. Detailreichtum sucht man ebenfalls vergebens. Natürlich hält dass die Umgebungen nicht davon ab, furchtbar trist zu wirken.

Bäume, Pflanzen und Häuser sehen absolut unzeitgemäß und völlig überholt aus. Selbst die Armeen strotzen vor Eintönigkeit und langweiligem Design. Gefechte wirken viel zu unspektakulär und selbst Explosionen können niemanden beeindrucken. Hier haben die Entwickler leider einiges an Potenzial verschenkt, was auch der Spielspaß und die Langzeitmotivation des Titels zu spüren bekommen.

Fazit

Galactic Assault verspricht vieles, hält davon allerdings nur das, was Profizocker und Genrefreunde anlocken dürfte. Denn leider wurde die Geschichte der Romanvorlage unglaublich verwirrend und irrational gekürzt ins Spiel integriert, was dem gewünschten Effekt der Tiefgründigkeit das genaue Gegenteil beschert. In Prisoner of War geht es um das Schicksal eines Planeten und wiederum eigentlich um nichts. Die grafische Gestaltung ist ein Witz für die heutige Zeit. Die Landschaften sind so detailliert, wie die Bild-Zeitung seriös. Die triste, abwechslungslose und viel zu bunte Spielwelt schafft es überhaupt nicht, der Angelegenheit das nötige Flair einzuhauchen.

Dafür punktet das Spiel durch sein wirklich hervorragendes Gameplay. Galactic Assault schafft es diesem rostigen Genre zumindest in Sachen taktischen Möglichkeiten und Geschick des Feindes einen neuen Anstrich zu verpassen. Wer auf rundenbasierte Strategie steht und wem die grafische Aufmachung so egal ist, wie ein roter Faden in der Geschichte, der sollte zugreifen und spannende Stunden als General Max Kammerer im Galactic Assault-Universum verbringen.

Der Rest schnappt sich World in Conflict und stürzt sich in die neue Generation.

Galactic Assault: Prisoner of Power [PC , looki.de]

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