Game Tycoon

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Modern Games
Entwickler
Enjoy Entertainment
Erscheinungsdatum
-
Genre
Simulation
USK
0
Game Tycoon [PC , looki.de]

Gesamtwertung

52%/10

Grafik

Gut

Sound

Gut

Lanzeitspaß

Befriedigend

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Gut

Game Tycoon

Wer schon immer einmal sein eigenes Spiel entwickeln wollte, bekommt dank Game Tycoon nun die Möglichkeit. Als schräger Vogel in der Entwicklerwelt gründet Ihr eure eigene Spieleschmiede und entwickelt fröhlich drauf zu. Immer im Nacken zwei Kontrahenten, die ebenfalls um die Gunst der Spieler ringen. Wie uns der neuste Titel von Enjoy gefallen hat, erfahrt Ihr in unserer Review...

Entwickel dir dein eigenes Spiel:

Alteingesessene PC-Spieler werden sich mit Sicherheit an Namen wie „Der Planer' oder Rainbow Arts’ „Mad TV' erinnern. Gerade Letzteres brachte den Spielern vor rund 12 Jahren das bis dato eher uninteressante Genre der Wirtschaftssimulation näher. Vier Jahre später erschien Mad News, das, von Ikarion entwickelt, an die Erfolge von Mad TV anknüpfen sollte - Ikarion ging Pleite, soviel dazu.

Nun, im Jahre 2003, versucht der Kölner Entwickler und Publisher enjoy in die Fußstapfen der Klassiker zu treten und mit Game Tycoon das alte Spielprinzip mit neuem Inhalt wieder aufleben zu lassen. Wer kennt es nicht. Man spielt gemütlich vor sich hin, merkt dann aber schnell, dass der erhoffte Toptitel nur biedere Durchschnittskost darstellt. Features fehlen, Missionen sind sinnlos gestellt und die Bedienung gehört ohnehin in die Tonne. In solchen Fällen muss man es als Spieler zähneknirschend hinnehmen, oder aber wie in Game Tycoon, einfach sein eigenes Spiel auf den Markt bringen. Eure Karriere als Leiter eines Softwareunternehmens beginnt in den frühen achtziger Jahren.

Die Zeit, als monotoner Speakersound und für heutige Verhältnisse bescheidene Grafik, bereits ein fertiges Spiel ergab. Als starke Frau oder wahlweise mit einem von zwei männlichen Charakteren steigt Ihr in das große Geschäft der Videospiele ein. Doch schnell wird klar: Zur Entwicklung eines guten Spiel gehört mehr als nur viel Fantasie und gute Ideen. Als erstes steht für euch als frisch gebackener Firmengründer der Gang zur Bank an. Dort besorgt Ihr euch per Kredit das nötige Kleingeld für erste zaghafte Programmierversuche. Denn auch damals gab es Mitarbeiter und Bürofläche nicht umsonst. Als nächstes macht Ihr euch Gedanken darüber, wie euer Spiel aussehen soll. Wollen die Spieler wohl eher ein Adventure oder doch lieber ein Jump n`Run oder konnte man sie vor zwanzig Jahren schon mit einem technisch schwachen Versuch eines Third-Person-Shooters vor den Bildschirm locken? Insgesamt stehen 13 Genres zur Auswahl, welche je nach Marktsituation mehr oder weniger Anklang bei den Käufern finden.

Ein Blick in die Zeitung verrät, was momentan im Laufwerk angesagt ist. Nun geht die Suche nach einer geeigneten Grafikengine los, mit der Ihr euer Konzept umsetzt. Dabei hat man grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Entweder Ihr lizenziert euch eine vorhandene Engine, oder aber Ihr entwickelt euch selbst eine. Diese verliert zwar schneller an Aktualität als Lizenzengines, kann aber dafür auch für mehr als ein Spielprojekt eingesetzt werden, was eurer Firma viel Geld spart. Mit Spielkonzept und Engine im Gepäck geht es weiter zur Universität, wo Programmierer, Grafiker und Komponisten nur darauf warten, einen Job zu bekommen. Für den Anfang reichen hier mittelmäßige Angestellte, die zwar weder besonders gut noch schnell arbeiten, dafür aber auch nur ein Bruchteil des Gehalts der Topleute kosten.

Nun kann die Entwicklung des ersten Spiels endlich begonnen werden. Dazu teilt man die Programmierer, Grafiker und Komponisten dem zuvor ausgearbeiteten Konzept zu und wartet je nach Umfang des Projekts und der Arbeitsgeschwindigkeit der eigenen Leute Wochen oder gar Monate. In dieser Zeit kann man sich um einen geeigneten Publisher kümmern, über den das fertige Spiel erscheinen wird, oder aber man schaltet den Zeitraffer ein und wartet, bis die Entwicklung abgeschlossen ist. Längere Testzeiten in der Entwicklung wirken sich übrigens auf die spätere Wertung positiv aus. Ist die Entwicklung abgeschlossen, geht das fertige Spiel daraufhin ins Presswerk. Hier wird letztendlich auch darüber entschieden, welche Goodies den Weg neben dem eigentlichen Spiel in die Verpackung finden und wie viele Exemplare in der Presse gedruckt werden sollen. Eine Woche später habt Ihr eurer Lager voll mit verkaufsfertigen Spielen, welche nun über einen geeigneten Publisher vertrieben werden. Das Vorgehen wiederholt sich dabei von Spiel zu Spiel, was auf die Dauer aber leider einfach zu wenig Abwechslung bietet.

Der Spieler hat zudem, abgesehen vom Namen, Genre und der Altersfreigabe, keinerlei Einfluss auf den Inhalt des Spiels. Hier fehlen einfach Einstellungsmöglichkeiten die einzelnen Spiele deutlicher voneinander abzugrenzen um es, abgesehen vom Genre, besser auf die Zielgruppen ausrichten zu können.

Das Problem mit den Käfern

Das Geschäft in der Videospielbranche ist hart - noch härter wird es allerdings, wenn unzählige kleine Bugs und Probleme an der Spielbarkeit nagen. So treten beim Starten von Game Tycoon Ladezeiten von bis zu zwei Minuten auf, was ein schnelles Spiel zwischendurch schlichtweg unmöglich macht. Enjoy entschuldigt die Wartezeit mit einer enormen Datenmenge die zu Beginn des Spiel bewältigt werden muss, mit der andere, teilweise umfangreichere Spiele anscheinend nicht zu kämpfen haben. Hat man das anfängliche Laden überstanden, hören die Probleme allerdings nicht auf.

Besonders nach dem Laden ist es vereinzelt nicht mehr möglich Spiele zu entwickeln, da Engines keinen Projekten mehr zugeteilt werden können oder aber die Entwicklungsdauer ins Unendliche schießt. In diesem Fall hilft nur ein kompletter Neustart, der freundlicherweise vom Programm hin und wieder selbst vorgenommen wird. Kleinere Darstelungsprobleme wie die des eigenen Vermögens - anstatt 1000 € steht plötzlich 1,0€ dort - oder aber Menütexte, die trotz der Schließung der Menüs noch immer vereinzelt angezeigt werden, fallen kaum mehr ins Gewicht. Enjoy sollte dies mit dem im Oktober erscheinenden Patch schleunigst beheben.

Das Wirtschaftssimulationen grafisch keine Maßstäbe setzen, dürfte jedem klar sein und so verwundert es auch nicht, dass Game Tycoon hier keine Ausnahme macht.

Nichtsdestotrotz kommt es dennoch im schicken 2D-Comiclook daher, der insgesamt wie aus einem Guss wirkt. Einziger Kritikpunkt ist die Animation der Charaktere und kleinere Grafikfehler die hin und wieder auftreten.

Da sieht es durch Clipping-Fehler schon einmal so aus, als würde es den eigenen Charakter die Hauswand anstatt den Aufzug nach oben ziehen.

Ebenfalls weit oben in der Hitliste der Grafikfehler ist der Charakter, der aus dem ersten Stock direkt auf die Straße geht - ohne Treppe und direkt durch die Wand versteht sich. Im Gegensatz zu den störenden Gameplay-Bugs sind die kleinen Aussetzer in der Grafik aber noch zu verschmerzen.

Was aber besonders zu Beginn des Spiels unheimlich nervig wird ist die Bedienung. Sie geht zwar mit einer reinen Maussteuerung einfach von der Hand, artet aber, zumindest bis man sich eingewöhnt hat, in eine reine Klickorgie aus. Da sich der Mauszeiger nicht vom Untergrund abhebt wenn etwas anklickbar ist, bleibt einem nur übrig alles auszuprobieren um zu sehen, ob sich dahinter eine Funktion versteckt. Auch das sollte mit einem kommenden Patch behoben werden. Beim Sound dagegen gibt es kaum etwas zu bemängeln. Dieser kommt mit unterschiedlichen Musikstücken und einer Sprachausgabe daher, die zwar stellenweise etwas zu leise geriet, aber dennoch verständlich ist. Die Soundeffekte sind passend zum Comiclook des Spiels und wirken bis auf kleine Ausnahmen, wie die mit der Zeit nervigen Kommentare der Passanten, durchweg stimmig und passend.

Fazit

Game Tycoon hätte das neue Mad TV werden können. Eine zeitgemäße Grafik, ein unverbrauchtes Szenario und viel Platz für Ideen hätten das Genre der Wirtschaftsimulation wieder gehörig aufmischen können. Was allerdings am Ende dabei raus kam, ist wieder einmal ein Beweis dafür, dass nicht nur die Idee sondern auch die Umsetzung stimmen muss.

Der Spielablauf wird leider schon nach kurzer Zeit viel zu eintönig. Die Vorgehensweise, um ein Spiel zu entwickeln, wiederholt sich ständig und zudem sind die Möglichkeiten, ein Spiel zu designen, viel zu gering. Größtes Manko sind und bleiben allerdings die Bugs, die trotz eines Patches noch immer nicht vollständig behoben wurden. Für Fans der Thematik und Neulinge im Genre ist Game Tycoon allemal einen Blick wert. Eingefleischte WiSim-Spieler werden dagegen vom eintönigen und recht oberflächlichen Spielprinzip schlichtweg enttäuscht.

Game Tycoon [PC , looki.de]

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