Gesamtwertung85%/10 |
GrafikGut SoundSehr gut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungSehr gut |
Vor etwas weniger als zwei Jahren erschien mit Geheimakte: Tunguska eines der besten Adventurespiele der letzten Jahre. Im Gegensatz zu innovativen Vorreitern wie Dreamfall: The Longest Journey und Fahrenheit besann man sich bei Deep Silver auf alte Werte und präsentierte dem Spieler eine moderne 3D-Welt, die jedoch durch altbekannte Point 'n Click-Elemente untermalt wurde. So gab es in jeder Szene bestimmte Punkte, denen man sein Interesse schenken sollte, Gegenstände die eingesammelt und kombiniert werden mussten, um voran zu schreiten. Eine gut erzählte und spannende Geschichte sorgte dafür, dass auch Adventuregegner lange vor der Mattscheibe gefesselt blieben und mit Verbissenheit die knackigen Rätsel zu lösen versuchten.
Es gab nicht viel, was man dem Spiel hätte vorwerfen können. Da es zudem gut beim Konsumenten ankam, war es nur eine Frage der Zeit, bis Teil 2 erscheint. In zwei Wochen ist es nun soweit. Wir haben Geheimakte 2: Puritas Cordis bereits durchgespielt und daher ausführlich unter die Lupe genommen. Ob auch das zweite Abenteuer rund um Nina noch genauso viel Spaß macht, klären die nachfolgenden Seiten.
Alles beim Alten?
Eigentlich wollte die gute Nina sich einige Tage Erholung auf einem netten Kreuzfahrtschiff gönnen, um ihren Exfreund und Forscherkollegen Max zu vergessen. Doch, wie zu erwarten war, wird die junge Frau einmal mehr in merkwürdige Ereignisse verstrickt. Immerhin: Dabei hat sie soviel um die Ohren, dass für Liebeskummer sowieso keine Zeit ist.
Dabei dreht sich die Geschichte um dunkle Bedrohungen, mysteriöse Prophezeiungen, ganz reale Naturkatastrophen und die Wissenschaft.
Alles wird mit einer gehörigen Portion Spannung, Thrill und Liebe zum Detail gepaart, flüssig erzählt und lückenlos, sowie fehlerfrei dargeboten. Geheimakte 2: Puritas Cordis steht seinem Vorgänger in Sachen Story also in nichts nach. Ob man nun zusammen mit einem alternden Priester versucht, die Geheimnisse einer fanatischen Bruderschaft aufzudecken oder als Max Naturkatastrophen auf ihre Ursache untersucht, gut inszenierte Zwischensequenzen, die allerdings in Sachen technischer Qualität der Moderne etwas hinterher hinken, genießt, wird eine Rätseleinlage logisch und gut an die nächste gebunden. Dabei kommt das Spiel meist atmosphärisch düster daher und erinnert an spannende Kriminalromane, verliert dabei aber nie seinen Charme, auf lustige Dialoge und ironische Selbstveralberung muss man also auch bei Puritas Cordis nicht verzichten.
Die Charaktere sind einmal mehr interessant und vor allem die Protagonisten weisen eigene Handlungsstränge, die sich in ihrer Vergangenheit begründen, auf, die den Spieler wiederum mit ihnen mitfühlen lassen. Leider ist Nina, zumindest für uns, eine fast zu perfekte Persönlichkeit, die reine Schönheit wird sogar durch einen Klischee behafteten Leberfleck auf ihrer rechten Gesichtshälfte abgerundet.
Gerade Frauen dürften es da wohl etwas schwerer haben, sich in die Gedankenwelt der Dame hinein zu versetzten. Dafür ist sie um keinen Spruch verlegen und wird auch mal ausfällig, wenn ihr etwas nicht gefällt, was sie wiederum menschlich erscheinen lässt. Wie auch die Trennung von Max etwa, die dem Ganzen ein wenig mehr Hintergrund gibt.
Fast perfekte Rätsel
Von diesen Beispielen gibt es zahllose und sie tragen zur dichten Atmosphäre der Geschichte bei. Ähnlich verhält es sich auch mit Max. Man spielt übrigens insgesamt die Rollen von vier Charakteren. Dabei größtenteils aber mit Nina und Max. Gut gemacht: Teilweise gibt es Szenen, in denen man mehrere Charaktere kooperativ steuern kann. So ergeben sich auch neue Rätselmöglichkeiten, die nicht zuletzt dazu beitragen, dass sich der zweite Teil des Franchise eine ganze Ecke schwerer lösen lässt, als der Vorgänger.
Während sich das erste Kapitel noch zügig von der Leber weg spielen lässt, gehört zum erfolgreichen Abschluss des Titels eine Menge Gehirnschmalz. Meist präsentieren sich die Rätsel dabei logisch und eingängig.
Doch von Perfektion kann dennoch keine Rede sein. Hin und wieder stapft man ein ums andere Mal durch die Szenen, ohne irgendeine Ahnung zu haben, was man eigentlich tun soll. So wacht Nina beispielsweise in ihrer Kajüte des Kreuzfahrtschiffes auf und findet vor der Tür ihren Bikini, der offensichtlich aus ihrem zuvor verloren gegangenen Koffer entnommen und dort platziert wurde. Ihn ziert eine Botschaft, die nicht eben aufschlussreich ist: 'Sie kommen aus dem All, doch von hier unten betrachtet, ist das gar nicht mehr so wichtig'.
Wer hier direkt darauf kommt, das Spielzeugufo an Deck mit einem Rollschuh auszustatten, um dieses dann vor ein Oberlicht zu schieben, eben jenes von unten zu säubern und es mit der Taschenlampe anzustrahlen, um eine dort versteckte Botschaft zu erkennen, dem seien übernatürliche Kräfte attestiert. Warum dreht die Frau das Ufo eigentlich nicht einfach um?
Diese weniger logischen Rätselpassagen sind aber eher selten. Meist folgt man einer klaren Spur und einem klaren Ziel, dass durch logisches Vorgehen und einige Gedankenspiele ohne Probleme zu erreichen ist. Das Inventar ist so übersichtlich, wie in Teil 1 und so benutzerfreundlich obendrein. Ewige Kombinationsversuche bleiben aus, da ein Objekt, sofern es zu einem anderen kompatibel ist, dieses dem Spieler auch zu verstehen gibt, wenn man es anklickt und über sämtliche andere Objekte zieht. Für Einsteiger bietet der so genannte Snoop Key, der bereits aus dem Vorgänger bekannt ist, eine gute Hilfestellung. Klickt man das Icon am rechten, unteren Bildschirmrand an, so wird die jeweilige Szene mit kleinen Lupen untermalt, die dem Spieler zeigen, wo er was untersuchen oder gar an sich nehmen kann. Die Steuerung des Spiels verhält sich ebenso einfach. Mit der Maus sucht man die einzelnen Räume ab. Trifft man auf etwas, was es zu untersuchen gilt, wird man darauf durch eine erscheinende Maus hingewiesen. Genau, wenn man ein Objekt nehmen kann. Das können übrigens auch schon mal ganze Ruder sein. Die Entwickler waren sich nicht zu schade, indirekt auch über andere Adventures 'herzuziehen'.
Wann hat Guybrush noch gleich das Ruder in seine Hose gesteckt? Natürlich spielt auch der gesprochene Dialog eine wichtige Rolle in Geheimakte 2. Zwar muss man hier nicht seine verbalen Fähigkeiten, wie in Monkey Island, unter Beweis stellen. Um jedoch nicht ewig an jedem x-beliebigen Charakter fest zuhängen, sollte man seine Gesprächstaktik clever auswählen. Wie immer, gibt es meist mehrere Antwort- oder Fragemöglichkeiten.
Neben den normalen Rätselpassagen warten auch wieder die bekannten Einzelrätsel auf den Spieler. Da muss man schon mal ein Zahlenschloss knacken, dass mit vier Stellen gesichert ist. Hier heißt es dann, nach Hinweisen suchen. Oder man rätselt sich durch kleine Minispiele, wie etwa das Hacken eines Computers. All das bringt Abwechslung ins Geschehen. Trotzdem fragt man sich zwischendurch immer mal, was eigentlich das wirklich Neue an Geheimakte 2 ist.
Und wird am Ende feststellen, dass man eine optimierte und inhaltlich andere Version des Vorgängers spielt, die jedoch noch immer bis zum Schluss, der gut 12-15 Stunden andauernden Geschichte fesselt.
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Geheimakte 2: Puritas Cordis im Test.
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