Gesamtwertung84%/10 |
GrafikGut SoundSehr gut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Mach's nochmal, Scott!
Nach einem nervenaufreibenden und lebensgefährlichen Einsatz noch nicht einmal die Chance haben, nach Hause zu reisen um Frau und Kind zu umarmen, ja nicht einmal eine echte Havanna zu qualmen und es sich bei einem Gläschen Jack Daniels im heimischen Garten auf der weichen Hängematte bequem zu machen? Für Action-Götter wie Chuck Norris wäre das sicher genauso ein Klacks, wie ein vollbesetztes Guerilla-Dorf mit einer Haarspange auszulöschen.
Doch sehen wir das Ganze mal unter realistischen Gesichtspunkten: Scott Mitchell, Held des ersten Ghost Recon: Advanced Warfighter-Teils, hatte gerade einmal einen Tag dafür Zeit, zu verschnaufen, nur um sich danach wieder um allerlei böse Buben zu kümmern, die diesmal eine besonders fiese Aktion planen. An der Grenze zu den USA lagern zwei Atomsprengsätze und warten nur darauf, ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu rollen und dort alles dem Erdboden gleich zu machen. Mögen wir nicht, mag auch Mitchell nicht. Schneller als gedacht befindet sich der Recke mit seinem Team wieder auf gefährlichen Schlachtfeldern und in turbulenten Missionen.
Statt den Terroristen aber direkt auf die virtuellen Finger zu hauen, nehmen wir einen kleinen Umweg in Kauf und beginnen unser Abenteuer in einem Talsystem knapp zwei Dutzend Meilen vor dem vermuteten Ort der Atombomben-Deponierung.
Scheinbar deshalb, weil das Niveau der Aktionen doch zuweilen arg schwankt: Gut versteckte Scharfschützen benötigen z.B. gerade einmal einen Schuss, um Euren Lebensbalken auszulöschen. Normale Soldaten hingegen stehen entweder oft einfach nur in der Gegend herum oder reagieren viel zu spät.
Und noch bevor wir uns aus dem Heli abseilen, springt uns während des Briefings ein neues Feature förmlich ins Gesicht: Wir haben nämlich die Wahl zwischen zwei verschiedenen Punkten, an denen wir starten möchten. Bevor die Spieler allerdings in Begeisterungsstürme ausbrechen, sei gesagt, dass uns diese Option nicht bei jeder Mission zur Verfügung steht und auf den folgenden Einsatz keinen wirklichen Einfluss hat. Ein wirklich überzeugendes System der freien Startwahl wird uns wohl erst Medal of Honor: Airborne bieten.
Taktische Mahlzeiten...
Doch zurück zu den Ghosts: Habt Ihr nach Belieben die Team-Ausrüstung gecheckt die Standard-Einstellung ist meistens die Beste kann es auch schon losgehen. GRAW 2 fühlt sich fast exakt so an wie der erfolgreiche Vorgänger: Auch hier haben wir wieder das Kommando über ein dreiköpfiges Team, das mal mehr, mal weniger erfolgreich unsere Befehle ausführt. Zu Hilfe kommt uns hier technisches Schnickschnack, wie das weiterentwickelte Crosscom, Sucherdrohnen und MULE-Unterstützungsfahrzeuge.
Letztere dienen als Deckung und ständiger Waffenschrank, während zweitere auch tief versteckte Feinde ausfindig machen. Das Crosscom bedient sich der nun endlich frei bewegbaren - Helmkameras Eures Teams. So könnt auch Ihr sehen, was Eure Truppe sieht. Gemeinsam haben alle drei Helferchen aber, dass ausgespähte Gegner rot markiert und fiese Überraschungsangriffe so fast unmöglich werden.
Lange Rede, kurzer Sinn: Gleich in der ersten Mission müssen Scharen von Terroristen und sogar eine Brücke dran glauben. Ballereinlagen könnt Ihr Euch jedoch gleich abschminken, virtuelle Möchtegern-Rambos fressen schneller mexikanischen Sand, als es ihnen lieb ist. Im Gegensatz zur Xbox 360-Version setzt die PC-Version vor allem wegen den erweiterten Steuerungsmöglichkeiten der Tastatur und der Genauigkeit der Maus seinen Schwerpunkt auf Taktik. Wo auf Konsole noch frontale Sturmangriffe möglich waren, ist dies auf dem Rechner nahezu undenkbar, was vor allem an der - scheinbar - intelligenten künstlichen Intelligenz der Feinde liegt. Scheinbar deshalb, weil das Niveau der Aktionen doch zuweilen arg schwankt: Gut versteckte Scharfschützen benötigen z.B. gerade einmal einen Schuss, um Euren Lebensbalken auszulöschen. Normale Soldaten hingegen stehen entweder oft einfach nur in der Gegend herum oder reagieren viel zu spät.
Böse Alternative: Sie sehen Euch aus den unmöglichsten Entfernungen und lassen Euch keine Zeit, auch nur zu das Feuer zu erwidern. Dadurch verkommen manche Missionen auch auf dem einfachen Schwierigkeitsgrad zur künstlichen Unmöglichkeit.
Now it's your turn!
GRAW 2 ist ein Taktik-Shooter wie er im Buche steht: Sucherdrohnen vorschicken, markierte Feinde im Auge behalten und als Absicherung das Ganze per taktischer Karte noch einmal persönlich sondieren. Der letzte Schritt besteht darin, das Team zu befehligen: Entweder gebt Ihr Routen per Karte vor oder gebt Ingame-Anweisungen.
Soll Euer Squad nun offensiv oder defensiv agieren, direkt angreifen, sich an eine Deckungsposition begeben oder doch lieber den Punkt halten? Es liegt an Euch. Sicher ist jedoch, dass Euer Team ohne Befehle oft aufgeschmissen ist. Und auch im Verhalten der KI-Kollegen gibt es den ein oder anderen Schnitzer:
Nicht selten bleiben die Jungs an bestimmten Ecken hängen, die Wegfindung bedarf jedenfalls noch einer Verbesserung. Oft hilft in solchen Momenten nur, dass Ihr Eure Leute um bestimmte Objekte lotst. Die abwechslungsreiche Einzelspieler-Kampagne des Spiels ist in Akte unterteilt, für die Ihr bis zum Ende ca. zehn Stunden auf dem einfachen Schwierigkeitsgrad benötigt. Auf Normal kommen dann noch einmal knapp drei Stunden wegen gewiefterer Feinde und verringerter Schadensempfindlichkeit hinzu. Wie schon in der Xbox 360-Version von GRAW 2, erlebt auch die PC-Fassung ihr erstes Hoch, sobald Ihr Euch in der direkten Nähe zu den Sprengsätzen befindet.
In der mexikanischen Stadt Juarez prasseln nämlich Fußsoldaten und Panzer im Akkord auf Euch ein. Deckungsmöglichkeiten gibt es jedoch zuhauf: Fahrzeuge, jede Menge Häuser und Straßensperren dürfen als temporäre Schutzschilde verwendet werden.
Schade: Statt wie auf Konsole passend zum Objekt auch eine Deckungsansicht zu bieten, verharrt das Spiel auf dem PC in der Ego-Ansicht. Ergo gibt es auch keine vernünftige Möglichkeit, aus der Deckung heraus zu feuern.
Unterhaltsame Mehrspielergefechte!
Habt Ihr Euch durch den spannende Kampagne gekämpft, erwartet Euch noch die umfangreiche LAN/Online-Mehrspieleroption, die mit fünf Modi daherkommt. Auf ein echtes Free for all wurde verzichtet, stattdessen bekommen Leute, die die schnelle Action suchen, mit dem Team-Deathmatch einen guten Ersatz spendiert. Als Nächstes wäre da noch der Hamburger Hill-Modus, der ein Angreifer- und ein Verteidigerteam gegeneinander antreten lässt, die dann - je nach Gruppe - eine Zone möglichst lange halten bzw. attackieren müssen.
Auf eine Art Erfolgssystem setzt der brandneue Recon vs. Assault-Modus, der im Wesentlichen dem Assault-Modus aus Unreal Tournament 2004 ähnelt. Wieder gibt es zwei gegnerische Teams, die diesmal aber echte Missionsziele z.B. Artilleriestellungen sprengen bzw. verteidigen verfolgen. Motivierend: Erfolge bringen Verbesserungen der eigenen Waffe mit sich.
Das Highlight des MP-Modus ist aber die Koop-Kampagne, die gemeinsam mit drei Freunden bestritten werden darf. Gaudi macht das Ganze sicherlich, doch etwas mehr Umfang hätte dem Missionspaket gut zu Gesicht gestanden. Technisch gibt sich GRAW 2 im Gegensatz zum Vorgänger auch mit nicht so schnellen Rechnern zwar verträglicher, ein Dualcore-Prozessor und 2 GB RAM sollten es dann für maximale Details und hohe Auflösungen schon sein. Und dennoch wäre aus dem Spiel grafisch mehr herauszuholen gewesen.
Trotz toller Explosionen, geschmeidiger Animationen und vielfältiger Szenerien wird man durch die ein oder andere Wischiwaschi-Textur das Gefühl nicht los, dass es auch noch hätte besser gehen können vor allem wenn man die Xbox 360-Fassung kennt. Akustisch zieht GRAW 2 jedoch wie zu Erwarten alle Register: Pfeifende Kugeln, ohrenbetäubende Explosionen und eine gelungene deutsche Sprachausgabe sorgen zusammen mit der dramatischen Musikuntermalung für eine gelungene Klangkulisse.
Der Mehrspielermodus ist mindestens genauso gelungen, muss aber auf lange Sicht zeigen, wie gut er sich angesichts der starken Konkurrenz etablieren kann. Eine echte Weiterentwicklung ist GRAW 2 jedoch nicht, dafür fehlen echte Änderungen in Bezug auf KI, Grafik und Story. Wer sich jedoch auch nur ansatzweise für Taktik-Shooter interessiert und auch den Vorgänger mochte, sollte bei GRAW 2 nicht lange nachdenken. Im direkten Vergleich mit dem Konsolenpendant verliert die PC-Fassung jedoch.