Gesamtwertung92%/10 |
GrafikSehr gut SoundSehr gut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegSehr gut |
BedienungGut |
Das Böse ist tot, es lebe das Böse
Die Schläfer, der fiese Endgegner des ersten Teiles von Gothic, wurde besiegt, aber unser Held unter einem riesigen Steinhaufen begraben. Das Ende unserer glorreichen Heldentat? Mitnichten. Durch die magische Kuppel sollten nicht nur die Gefangenen in den Minen festgehalten werden, sondern auch das Böse von Kohrinis ferngehalten bleiben. Beides konnte jetzt entkommen und es bedarf wieder eines Helden, um das Königreich zu retten und das Gute auf der Welt zu bewahren. Wer aber könnte der erforderliche Held sein? Da war doch einer? Genau! Xardas, der Schwarzmagier, ehemals Mitglied der Feuermagier rettet uns und betreut den Spieler erneut mit einer Aufgabe. Dummerweise bewirkt ein Schlag auf den Kopf, durch Tonnen von Getein, nie etwas Gutes und wir haben unser gesamtes Gedächtnis und unsere Ausrüstung veloren.
Die Personen gehen ihrer Tagesbeschäftigung nach, arbeiten auf dem Feld, kochen für ihren Mann, besuchen die Kneipe und gehen auch schlafen. Auch merken Personen sich stellenweise Euer Verhalten, wenn Ihr z.B. ungefragt deren Haus betreten habt. Allerdings darf man von diesem Tagesablauf nicht zu viel erwarten: Zum einen ist die Menge der Aktionen sehr begrenzt und werden diese auch sinnlos weitergeführt (das Feld z.B. bestellt, obwohl alle anderen auf dem Bauernhof tot sind), zum anderen gibt es auch viele Charaktere die immer an der gleichen Stelle stehen und sich miteinander unterhalten. Ingesamt ist der Tag- und Nachtwechsel und der Versuch eine realistische Welt abzubilden sehr gut gelungen. So greifen sich auch Tiere in den Wäldern untereinander an oder fressen an den Überesten von von uns erlegten und ausgeweideten (das bringt mit der entsprechenden Fähigkeit gutes Geld) Tieren. Viele der Gegner stehen aber auch hier sturr an einer Stelle.
Damit der Spieler jedoch Mitglied der jeweiligen Gruppierung werden kann, müssen zuerst bestimmte Aufgaben absolviert werden, um u.a. die eigene Loyalität zu beweisen.
Die diversen, sich aus der Wahl ergebenen, Nebenaufgaben, werden zwar extrem geschickt mit der Hauptaufgabe verbunden, spiegeln aber ebenso perfekt die Wahl des Spielers wieder. Hier zeigt sich mit wieviel Liebe zum Detail und wie perfekt die Spielwelt, die Charaktere, die Dialoge und die Rätsel designed wurden. Dies geht sogar soweit, dass man als Gag auf einigen Grabsteinen die Namen der Programmierer findet.
Die Kämpfe wirken ebenfalls realistisch. Die Animationen der Gegner sind gut gelungen. Mit wilden Tönen oder aggressiven Sprüchen greifen Gegner an. Diese schlagen mit ihren Waffen zu, blocken die eigenen Angriffe oder treffen den Spieler derart hart, dass man 5 Meter durch die Luft geschleudert wird. Sogar riesige Drachen gibt es endlich zu bekämpfen.
Dabei ist auch die KI der Gegner gelungen, den zwei Orks z.B. werden versuchen einen einzukreisen, um dem Spieler Schläge in den Rücken versetzen zu können. Die Kämpfe beeinhalten daher auch eine Portion Taktik und sind meistens spannend. Es kommt auf die gute Kombination von Blocken, Rechts- Links-Schwüngen oder auch Angriffen an. Leider kämpft man die meiste Zeit allein. Nur sehr selten bekommt der Held einen Mitstreiter zur Seite.(abgesehen davon, dass Gegner zu Menschenansammlungen gelockt werden können damit diese ebenfalls mitkämpfen).
Ebenfalls nicht zu unterschätzen sind die Fernwaffen. Mit einer sehr guten Armbrust bewaffnet und genug Talent ausgestattet, ist bald auch eine größere Gruppe Gegner kein Problem mehr. Hier wäre eventuell etwas mehr Balancing notwendig gewesen; inbesondere da es sehr unrealistisch wirkt, dass eine schwerfällige Armbrust auch im Nahkampf benutzt werden kann.
Was gut gefällt ist, dass Piranha Bytes konsequent fortsetzt, dass bei einem Levelaufstieg nur Lernpunkte hinzugewonnen werden. Die Fähigkeiten selber können nur bei Trainern verbessert werden, die zuerst einmal gefunden werden müssen und dann oft auch noch für ihre Hilfe entlohnt werden wollen.
Während das Spiel zu Beginn recht schwierig anmutet, gibt es ab einem gewissen Level kaum noch einen Gegner, der eine Gefahr darstellt. Auch der Endkampf ist, außer mit Nahkampfwaffen, kaum eine Schwierigkeit. Die Welt ist zwar vier mal größer, als jene vom ersten Teil, kann aber trotzdem nicht mit anderen monumentalen Rollenspielen mithalten. Dafür ist sie - wie schon geschrieben - umso detailierter. Erst nachdem man in ein neues Kapitel vorgedrungen ist, tauchen neue Gegner auf, die sich ein wenig dem Level des Spielers anpassen.
Wirkliche Profis und Rollenspielnarren könnten somit von Gothic 2 enttäucht sein, alle anderen werden trotzdem eine realistische Welt und genug zu entdecken finden.
Die Atmosphäre, die Gothic 2 im gelungenen Zusammenspiel von Grafik, Sound und Leveldesign erzeugt und durch die der Spieler über Stunden an den Bildschirm gefesselt wird, ist einfach perfekt!
Die Spielwelt ist derart überzeugend, dass es extrem motivierend ist, sich darin zu bewegen, darin zu leben und das Abenteuer unseres Helden nachzuerleben.
Sicher gibt es auch einige negative Punkte. So ist das 'Eigenleben' der Nicht-Spieler-Charakter nur sehr begrenzt vorhanden, die Spielwelt nicht wirklich monumental, sondern recht klein, die Hintergrundgeschichte etwas banal etc. Das alles ändert aber einem Aspekt nichts, der wohl das wichtigste Augenmerk an einem Spiel sein dürfte: Dem Spielspaß, denn Gothic 2 macht einfach Spaß. Das Spiel ist extrem kurzweilig und eine fantastische Beschäftigung am heimischen PC.
Da der Schwierigkeitsgrad relativ gering ist und die Spielwelt, Charaktere, Gegenstände und Quests sehr überschaubar sind, ist Gothic 2 perfekt für Anfänger und Fans von Rollenspielen. Eine absolute Kaufempfehlung für diese Gruppe. Wer wirklich tiefgründiges Rollenspiel und eine monumentale Spielwelt eher mag, sollte jedoch lieber zu Morrowind greifen.
Bleibt zu sagen: Ich kann das im Abspann angedeutete Gothic 3 nicht mehr erwarten. Bis dahin kann man aber durch die Spieltiefe und Wiederspielbarkeit von Gothic 2 locker 150 Stunden puren Spielspaß erwarten.
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