Gesamtwertung75%/10 |
GrafikSehr gut SoundSehr gut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
2006 ist ein Festjahr mit viel Grund zur Freude für Rollenspielfans. Zunächst erschien das hoch gelobte The Elder Scrolls IV: Oblivion, welches zahlreiche Preise abräumte. Demnächst steht und noch das Addon zu World of Warcraft ins Haus. Doch nun ist es, nach langem Warten und zahlreichen Verschiebungen endlich so weit. Gothic 3 ist fertig und bereitet bereits in den ersten Tagen zahlreichen Fans schlaflose Nächte. Ob dies jedoch ausschließlich am Spiel selbst liegt und warum Gothic 3 den Genrethron verfehlt, erfahrt ihr in unserem Test.
Its a long way to go
Wer den Vorgänger kennt, der wird sich beim dritten Ableger der Gothic-Reihe recht schnell heimisch fühlen. Denn inhaltlich beginnt Gothic 3 dort, wo der zweite Teil geendet hat. Der immer noch namenlose Hauptcharakter hatte sich ja auf seiner Reise von Khorinis nach Myrtana befunden. Nun ist er mit seinen Weggefährten auf dem sicheren Land angekommen. Doch der Schutz, den er in Myrtana sucht, wird er nicht finden.
Tausende Orks, haben das einst so idyllische und friedfertige Land nahezu dem Erdboden gleich gemacht, bevor sie weiter zogen. Wer nicht vertrieben, versklavt oder dahingemetzelt wurde, hat sich, um sein karges Dasein überhaupt noch zu ertragen, auf die Seite des Feindes geschlagen. Also müsst ihr nun versuchen, gegen das Böse und gegen ehemalige Freunde anzutreten, um Recht und Ordnung wieder herzustellen. Dass dies gar nicht mal so einfach ist, stellt ihr bereits nach wenigen Minuten fest.
Freiheit die ich meine
Denn nicht nur, dass ihr zunächst relativ schwach seid. Auch die gigantische Spielewelt, in der ihr euch befindet, wird euch zu schaffen machen. Wer dachte, mit Morrowind oder Oblivion bereits das non plus Ultra an Größe kennen gelernt zu haben, wird sich bei Gothic 3 winzig vorkommen. Gerade die Größe der Welt wird die Geister scheiden.
Hardcore Rollenspieler begrüßen die schier unerschöpflichen Möglichkeiten, die Myrtana bietet. Anfänger werden hingegen heillos überfordert sein. Ein weiteres großes Manko ist das wirklich miserable Quest-Logbuch. Während ihr in The Elder Scrolls IV: Oblivion fast schon mit Informationen erschlagen wurdet, sparen sich hier die Entwickler entscheidende Hinweise und lassen euch so unnötig oft im Dunkeln tappen.
Ein Ärgernis, welches hätte vermieden werden können und müssen. Wenigstens gibt es wieder die bekannten Teleport-Runen, mit denen ihr euch im Handumdrehen von einem erforschten Punkt zum Nächsten bewegen könnt. Die Minimap und die Weltkarte sind nämlich alles andere als gut gestaltet worden, und bergen mehr Verwirrungen als Hilfe in sich.
Und auch die Quests sind allzu bekannte Standardkost, welche ihr aus dem Genre kennt. Mal sollt ihr eine wichtige Person von A nach B eskortieren. Ein anderes Mal heißt es, einen wichtigen Gegenstand zu besorgen oder ein Rebellennest auszuräuchern. Leider bringt Gothic 3 bei weitem nicht den Spielspaß mit sich, welcher von der Reihe zu erwarten war. Das liegt vor allem an der Einfältigkeit der Quests, welche euch abseits der Story begegnen, und die ihr braucht, um euren Charakter aufzuleveln.
Gut hingegen ist die Tatsache, dass ihr nun noch eigenständiger entscheiden könnt, auf welche Art und Weise ihr Quests lösen wollt. Denn um euren Weg zu gehen, könnt oder müsst ihr euch manchmal auch auf die Seite des Feindes schlagen, um Geheimnisse herauszufinden, oder Verstecke aufzustöbern, in welchen Gefangene auf ihre Befreiung warten. Dadurch gestaltet sich euer Ruf. Der wiederum ist wichtig, um bestimmte Quests meistern zu können, beziehungsweise, um sie überhaupt erst anzunehmen.
Was soll denn das bitte?
Schlagt ihr euch so durch das Spiel und metzelt alles nieder, was euch in den Weg kommt, müsst ihr, aufgrund eigenartiger KI, oft nicht einmal mit direkten Konsequenzen rechnen. Viele Charaktere wehren sich nicht einmal, als hätten sie Spaß an Schmerzen.
Manche hingegen agieren extrem aggressiv, obwohl sie nicht einmal zu den höheren Gegnerklassen gehören. Oft werdet ihr auf eurer Reise dann enttäuscht feststellen: Das Balancing von Gohtic 3 ist nicht wirklich gut gelungen.
Einen besseren Eindruck hinterließ während unseres Tests der Aufbau des Skill-, und Charaktersystems. Hier hat man sich eines einfachen Systems bedient, in dem es für das Lösen der diversen Quests und das Töten der Gegner so genannte Lernpunkte gibt, welche für euer Aufleveln zuständig sind.
Doch verteilt ihr eure Attributwerte nicht schnöde auf die unterschiedlichen Werte, sondern tauscht die gut geschriebenen Punkte bei verschiedenen Ausbildern gegen neue Werte ein. Dass diese Ausbildung nicht umsonst ist, versteht sich da nahezu von selbst. Wie ihr euer alter Ego denn nun trainiert und in welche Richtung ihr geht, bleibt euch dabei selbst überlassen. Die altbekannten Klassen gehören nämlich bei Gothic 3 nun endgültig der Vergangenheit an. Geblieben ist hingegen die Möglichkeit, sich selbst Waffen herzustellen. Hierfür kauft ihr Gegenstände bei den unterschiedlichen NPCs oder sammelt Items aus den Truhen und Verstecken, welche in der Spielwelt verstreut sind.
Immer auf die 12
Was uns arg auf den Magen schlug, war das simple Kampfsystem. Stundenlanges stumpfes Klicken mit der Maus auf irgendwelche Gegner sind auf Dauer einfach nur ermüdend und dem Spielspaß abträglich. Auch im Fernwaffenmodus erstickt die ungenaue Trefferzonenabfrage jedwede Taktik schon im Keim. Auch die Kollisionsabfrage scheint für die Entwickler von Gothic 3 oftmals ein Fremdwort gewesen zu sein. So laufen einige Gegner einfach in Felsen, schweben in der Luft oder lassen sich erst nach Dutzenden Treffern niederstrecken. Wenigstens haben sich die Macher für eine Quicksave-Funktion entschieden, die wir auf unserer Reise etliche Male nutzten, sofern dies trotz der zahlreichen Bugs überhaupt möglich oder sinnvoll war.So etwas darf einfach nicht sein. Ebenso sinnlos ist das Inventar. Warum müssen Helden immer Tonnen von Ausrüstung mit sich herum schleppen können? Gut gefallen hat uns hingegen die Leiste mit diversen Slots für Heil- und Zaubertränke oder ähnliche Gegenstände.
Grafisches Allerlei
Der größte Kritikpunkt, den wir bei Gothic 3 zu bemängeln haben, ist allerdings die Grafik. Welch einen Quantensprung haben wir erwartet und wie sehr enttäuscht wurden wir vom finalen aber anscheinend noch lange nicht fertigen Produkt! Auch wenn die unterschiedlichen Regionen von Myrtana mit ihrer Vielfalt und Detailverliebtheit ein Oblivion fast schon alt aussehen lassen und auch die Figuren exzellent modelliert und dank ihres individuellen Aussehens leicht wiedererkannt werden können, ist dies dennoch kein Grund zum bedingungslosen Jubeln.
Oftmals wird die Weitsicht durch irgendwelche Wände gestoppt. Oder zahlreiche Pop-Ups ziehen während des Laufens ins Bild. Ein weiteres Manko ist die nur teilweise umgesetzte Physik. Viele Gegenstände, die ihr in Gothic 3 findet, besitzen überhaupt keine oder eine wenig logische Physik.
Hier wäre mehr drin gewesen. Leider kommen auch nur Besitzer eines High-End Rechners in den wirklichen vollen Grafikgenuss. Alle anderen müssen mit zum Teil herben Einbußen der Grafik leben. Und auch das häufige Nachladen ist nicht wirklich zeitgemäß. Ein Lob hingegen verdienen sich die Sounddesigner. Sowohl bei der Sprachausgabe, als auch beim Klangteppich und der beeindruckenden musikalischen Untermalung von Gothic 3 haben die Entwickler eindeutig gegenüber der Konkurrenz die Nase vorn.
Der Sound und die Akustik sind hingegen über nahezu jeden Zweifel erhaben und wissen auch nach Stunden noch zu unterhalten. Warum der Titel so voll von Logik-, KI und Grafikfehlern ist und auch der Patch kaum Abhilfe schafft, ist uns wirklich ein Rätsel. So lässt sich über die vermeintliche Rollenspielhoffnung des Jahres 2006 abschließend in einem Satz nur resümieren: Insgesamt bietet Gothic 3 solide Rollenspielkost mit einer überwiegend beeindruckenden Grafik. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Bei XBlaster ist die Welt, wie wir sie kennen, Vergangen- heit. Als Mechpilot kämpfst Du zur Belustigung der Menge und monatlich 10.000 € zum Spiel...
Gothic 3 im Test.
Was halten Sie vom neuen Spiel von Piranha Byte?
Teilen Sie Ihre Meinung mit anderen Yahoo!-Usern.