Gesamtwertung80 %/10 |
Grafik8 Sound7 |
Lanzeitspaß7 Spieleinstieg7 |
Bedienung8 |
"Abyssus abyssum invocat!" hieß es im alten Rom und bedeutet soviel wie: "Ein Fehler zieht einen anderen nach sich". Warum diese Redensart geradezu perfekt auf den Imperium Romanum-Nachfolger Grand Ages: Rome zutrifft und was wir vom Aufbau-/Wirtschaftsstrategie-Hybriden halten, der ab morgen die Läden stürmt, erfahrt Ihr im Review.
So, jetzt seid Ihr aber sicherlich sehr gespannt darauf, was es mit dem eingangs erwähnten Sprichwort auf sich hat, was? Gelinde gesagt ist dies eine perfekte Umschreibung für die teuflische Spirale, die sich nach einem von Euch begangenen Fehler in Euren eigens erbauten Wirtschaftssystem vollzieht. Ihr baut zu wenig Ziegeleien? Pech gehabt, entweder Ihr reißt bestehende Gebäude ein, um an die benötigten Rohstoffe zu kommen, oder Ihr könnt keine weiteren wichtigen Bauten herstellen. Was, Ihr habt für die benötigten Ziegel eine Schweinefarm geopfert?
Nun gut, Ihr habt zwar jetzt erst einmal Ziegel, aber Euer Nahrungsnachschub leidet und somit auch Eure Popularität, was unter der Bevölkerung im schlimmsten Fall zu Hungersnöten, Verbrechen und bei mieser Stimmung auf jeden Fall zu brennenden Gebäuden führt, die Ihr dann auch gleich abreißen statt reparieren oder löschen dürft.
Habt Ihr die vom wütenden Mob in Brand gesetzten Bauten dem Erdboden gleich gemacht, kann es gar gleich direkt den Bach hinunter gehen und Ihr dürft die Mission bestenfalls gleich neustarten. Das Spiel mit dem Feuer ist die Entscheidung, Eure Stadt nach vorwiegend eigenem Gusto zu gestalten und tatsächlich können falsche Vorgehensweisen ohne Umschweife zur brennenden Konsequenz für Euch werden.
Doch nicht so schnell: Für jeden Spielertyp und sei es selbst derjenige, der bereits mit Imperium Romanum Erfahrung sammeln konnte, empfehlen sich definitiv die beiden Tutorials, die Euch im Hauptmenü begrüßen. Der erste interaktive Ratgeber erklärt Euch die grundsätzlichen Regeln, die es beim Aufbau Eurer Stadt zu beachten gilt: Welche Rollen spielen Aqädukte und Brunnen, wie sorgt man für eine zufriedene, arbeitseffektive Bevölkerung, wie weitet man das eigene Herrschaftsgebiet aus und wie kann man nach neuen, verbesserten Technologien forschen und so weiter und so fort.
Das zweite Tutorial hingegen widmet sich dem Militär: Wie bereitet Ihr Euer Herrschaftsgebiet auf militärische Bauten vor, welche erforschten Technologien erfordern diese, wie könnt Ihr sie einsetzen etc.. Und es sei nochmals jedem empfohlen: Bitte, bitte, nehmt Euch die Zeit und merkt Euch diese Tutorials, denn sie bringen die benötigten Grundlagen bei, für die Ihr im richtigen Spiel nur selten Zeit und Chancen habt, um jene auszuprobieren.
Nach dem römischem "Ignorantia iuris nocet!" schützt Euch die beteuerte Unkenntnis nicht vor beinharter Strafe. Und die kann in der Kampagne unverhofft, aber oft auf Euch einprasseln: Vor der ersten Mission entscheidet Ihr Euch für eine der insgesamt fünf Familien. Wer nun jedoch auch auf ebenso viele unterschiedliche Einzelspielerkampagnen hofft, wird enttäuscht.
Statt jeder der Familien ein echtes Gesicht - abgesehen vom männlichen und weiblichen Avatar sowie spielerisch marginalen Unterschieden - und eine echte Story samt Handlung zu verpassen, belässt es Grand Ages: Rome bei einer, immerhin recht umfangreichen Kampagne mit fixer Hintergrundgeschichte. Knapp 40 Missionen gilt es zu bewältigen und im Spaziergang sind diese nun wirklich nicht zu schaffen.
Schon die erste Mission wirkt nur vordergründig freundlich, zeigt aber schnell Ihre hässliche Seite: Fünfzehn Insulae, also Unterkünfte für das arbeitende Plebejer-Volk gilt es zu errichten. Wir nehmen uns die Freiheit heraus, jetzt einfach mal ein Manko dazwischen zu schieben: Wieso muss für jede kleine Produktionsstätte, jede Bäckerei, Schweinefarm, Schlachterei, Schule, Taverne, Gaststätte je eine Insula errichtet werden?
Nein, wir sind wirklich nicht baufaul, aber bei ungünstiger Positionierung der rasant ansteigenden Menge an Unterkünften kann es schnell passieren, dass Ihr ressourcenabhängigen Gebäuden wie Wassermühlen und Weizenfarmen den Weg versperrt. Schnell landen wir wieder beim Fehler, der uns den späteren Missionsverlauf versauen kann. Vorsicht ist also besser als Nachsicht. Je mehr Gebäude und Technologien Ihr erbaut beziehungsweise erforscht, desto mehr Optionen und Verbesserungen stehen Euch später zur Verfügung.
Schulen erforschen mehrstufige Technologien wie Bewässerung, Kräuterkunden oder Militärvoraussetzungen, die Ihr bei erfolgreichem Abschluss entweder direkt in die Tat umsetzen und Bauten herstellen könnt, oder Eure Weizen- und Schweinefarmen, Holzfällerhütten oder Steinbrüche auf höhere Stufen verbessert, die natürlich mehr Ertrag abwerfen als zuvor.
Je größer Eure Stadt wird, desto wichtiger wird die geforderte Konzentration: Mangelt es den Einwohnern auch wirklich nicht an Nahrung, Arbeit und Unterhaltung? Besitzt jedes Gebäude eine entsprechende Insula? Sind meine Rohstoffbestände ausreichend, um mit umliegenden Gebieten zu handeln oder kann der Verkauf schnell zum Knieschuss werden und über drei Ecken zur Stagnation führen? Und wie sieht es mit meinem Militär aus: Sind die mürrischen Knaben versorgt oder verliere ich die Kontrolle über sie?
Grand Ages: Rome ist zwar mit zahlreichen Tipps und den zwei guten und vor allem nicht zu gestreckt wirkenden Tutorials einsteigerfreundlich, erfordert vor allem aber auch Geduld und Frustresistenz - gerade deswegen sind wir äußerst froh über die Autosave-Funktion, die aller zehn Minuten durchgreift und nervige, komplette Neustarts verhindert. Dennoch dürften sich blutige Anfänger oft innerlich beschweren: "Homines sumus, non dei!", oder zu deutsch "Menschen sind wir, keine Götter!". Stichwort Götter: Je nach Laune können die mit einem gewaltigen Erdbeben schon einmal ein Theater mit ins Verderben reissen, an anderer Stelle verschonen sie uns jedoch vor solcherlei Naturkatastrophen. Wieso wir manchmal begnadigt wurden und manchmal leiden mussten, haben wir jedoch nicht herausfinden können. Der Militärpart wurde im Gegensatz zum Erstling verbessert und erlaubt Euren Truppen - darunter beispielsweise Bogenschützen und Reiterstaffeln - nun auch Spezialfähigkeiten im Getümmel einzusetzen. Die Orientierung mit dem Nager (drehen, zoomen, neigen) und der Tastatur (Kamerabewegung) klappt derweil ganz gut.
Sicherlich kein schwerwiegender Fehler, aber dass es besser geht, zeigen zig andere Genrekonkurrenten. Technisch liefert sich Grand Ages: Rome eine mehr als solide Vorstellung: Knackige Texturen, dank des zahlreich vertretenen Fußvolks lebendige Städte, ein netter Tag- und Nachtwechsel, schicke Wassereffekte und eine gute Skalierbarkeit sprechen für sich. Gerade aber gerade beim beachtlichen Zoom per Mausrad kann es hier und da schon einmal vorkommen, dass Ihr beim Herauszoomen schnell in der meilenweit entfernten Gebietsübersicht landet. Die Soundeffekte bestehen aus dezenten Geräuschen wie - ja, trampeln wir ruhig darauf herum - brennenden Gebäuden, einem wuchtigen Göttergrollen oder Lauten der arbeitenden Bevölkerung. In Zwischensequenzen und Missionsbeschreibungen stoßen wir dagegen auf gute deutsche Synchronsprecher. Nicht immer überzeugend ist jedoch die Hintergrundmusik, die zuweilen dazu tendieren lässt, den Lautstärkeregler gen Null zu schieben. Den Mehrspielermodus konnten wir indes leider noch nicht ausprobieren - sobald die ersten öffentlichen Server bereit stehen, aktualisieren wir aber natürlich den Test an entsprechender Stelle.
"Ut sementem feceris, ita metes": Wie Recht Ihr doch habt, liebe Römer! Streue ich meine Saat auch nur einen Tick vom vorgesehenen Pfad, kann dies nervige, stressige und frustrierende Konsequenzen haben - da lobe ich mir die integrierte, im 10 Minuten-Takt tätige Autosave-Funktion, sonst hätte ich mich wohl schon längst selbst als Frewilliger in die Gladiatorenarena einweisen lassen, die meine Bevölkerung fordert, da sie ansonsten wieder meine rohstoffliefernden Gebäude niederbrennt. Argh! Und das alles tut so verdammt weh, weil es wirklich ein spaßiges und motivierendes Unterfangen ist, Plebejern, Equiten, Patriziern und wie sie nicht alle heißen, ein adäquates Wohn- und Arbeitsumfeld zu bieten, feindliche Dörfer dem Erdboden gleich zu machen, um die ergaunerten Stoffe in das Wohl der Bevölkerung und die Verschönerung und Expansion der Stadt zu stecken und letztlich stolz und zufrieden auf den funktionierenden Kreislauf zu blicken, den man mit voller Konzentration aus dem Boden gestampft hat. Summa summarum: Strategen, die gerade nichts Besseres zu tun haben (außer Dawn of War 2 zu zocken), dürfen sich getrost auch den Vorzügen des römischen Herrscherlebens hingeben, sollten aber eine gewisse Frustresistenz mitbringen.
Du bist Gladiator, der Held der Spiele im Kolosseum. Besiege Deine Gegner und erkämpfe Dir die Cance auf 10.000 €. zum Spiel...
Grand Ages: Rome im Test.
Was halten Sie vom neuen Spiel von Haemimont?
Teilen Sie Ihre Meinung mit anderen Yahoo!-Usern.