Gesamtwertung85%/10 |
GrafikSehr gut SoundGut |
LanzeitspaßSehr gut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Neulich beim Durchblättern alter Zeitschriften konnte auch ich mir den altklugen Satz Früher war eh alles besser nicht verkneifen, als mein Blick auf einen für damalige Verhältnisse spektakulär designten Artikel fiel. In dicken gelben Buchstaben strahlte mich die Mutter aller Strategiespiele an: Westwoods Dune II, das mir anno dazumal Augenringe in der Größe von Autoreifen ins Gesicht zauberte, war der Startschuss für eine bis heute anhaltende Welle an Echtzeitstrategiekost. Doch irgendwo, so scheint es, ging zwischen 1992 und Sommer 2004 der Spielspaß ein wenig verloren. Kein Wunder wenn scheinbar wöchentlich ein neues RTS am Markt erscheint.
Nichtsdestotrotz steht heute mit Vivendis Ground Control II erneut ein Echtzeitstrategiespiel auf dem Prüfstand, das im Vorfeld hauptsächlich optisch zu überzeugen wusste, sich aber vielmehr mit frischen Ideen vom Einheitsbrei absetzen möchte...Wir schreiben das Jahr 2741. Die Erde wie wir sie kennen, ist nur noch ein kleiner, unbedeutender Fleck irgendwo im All. Seit Jahrhunderten hat sich die Menschheit aufgemacht, weit entfernte Galaxien zu besiedeln und neue Welten zu erschließen.
Für die Nordstarallianz (NSA), der größten menschlichen Vereinigung, ist der erdähnliche Planet Morningstar Prime zur neuen Heimat geworden. Doch die Idylle währt nur kurz. Obwohl sich die Meldungen von vereinzelten Angriffen auf die Vorposten von Morningstar Prime häufen, werden sie vom befehlshabenden Kommandanten der NSA ignoriert. Als die Truppen der Terraner jedoch vor der Hauptstadt stehen, scheint für viele der Anfang vom Ende gekommen zu sein...
Die schwedischen Entwickler von Massive schlugen trotz des eher mäßigen Verkaufserfolges des Vorgängers in die selbe Kerbe und blieben ihrer Linie treu. Nach wie vor steht das actionreiche Spielprinzip und der taktische Tiefgang im Vordergrund, was dem Wegfall des langwierigen Basenaufbau zu verdanken ist. Einmal im Spiel, geht es Schlag auf Schlag weiter. Mit einer Hand voll Einheiten auf dem Schlachtfeld fangen alle der insgesamt 24 Missionen an. Verstärkung erhält man nur per Luftunterstützung, sofern man strategisch wichtige Punkte auf der Karte hält. Um diese sogenannten Siegpositionen (SPs) toben daher auch die heftigsten Kämpfe. Da neben dem Basenbau auch das sammeln von Rohstoffen wegfällt, sind sie die einzige Einkommensquelle. Je mehr Siegpositionen man hält, desto mehr Geld, im Spiel Beschaffungspunkte (BPs) genannt, steht für die Anforderung von Truppen zu Verfügung. Der aus anderen Strategiespielen bekannte Tank n' Rush, also das Überrennen der gegnerischen Einheiten mit eine riesigen Armee, gehört durch die begrenzte Anzahl der Mittel somit der Vergangenheit an. Wird der Unterhalt der eigenen Einheiten zu hoch und sind zudem alle Siegpositionen bereits eingenommen, bekommt man keine Beschaffungspunkte mehr auf sein Konto gutgeschrieben. Erst wenn der Unterhalt für die eigenen Truppen durch Verluste auf dem Schlachtfeld wieder abnimmt, steht wieder genügend Geld für Verstärkung zur Verfügung. Vor allem in Onlinepartien oder im LAN, wo es gegen menschliche Spieler geht, sind abgesehen von den Siegpositionen vor allem die Landezonen ein beliebter Angriffspunkt.
Sie sind neben genügend Beschaffungspunkten auf dem Konto Vorrausetzung für die Anforderung von Truppennachschub, die per Frachtschiff an eben diesen Zonen abgesetzt werden. Schafft man es, alle Landezonen des Gegners unter Kontrolle zu bringen, steht dem Sieg eigentlich nichts mehr im Weg. Schade nur, dass der Computergegner dies anscheinend nicht immer im Hinterkopf behält. Er versucht fleißig Siegpositionen einzunehmen und vernachlässigt dabei oft die Landzonen des Gegenspielers. Selbst wenn nur eine Handvoll leicht gepanzerter Soldaten die Landezone verteidigen, erlebt man es häufiger, dass lieber eine gut bewachte Siegpositionen angegriffen wird, die dabei nicht einmal ein Steinwurf entfernt von der weitaus wichtigeren Landezone liegt.
Trotz dieser kleinen Schwäche zeigt sich die KI im Kampf von ihrer besten Seite. Der Computergegner agiert geschickt und nutzt die taktischen Finessen von Ground Control 2 vorbildlich aus. Fußtrupps werden zur besseren Verteidigung in Häusern und Bunkern stationiert, Wälder als Sichtschutz vor feindlichen Einheiten genutzt und selbst Anhöhen sind aufgrund der besseren Übersicht ein hart umkämpfter Ort für die Errichtung von Befestigungen. Ständig wechselnde Witterungsverhältnisse nehmen zudem Einfluss auf die Sichtradien der Einheiten.
Taktikfreunde kommen wie man sieht voll auf ihre Kosten. Was den Entwicklern von Massive besonders lobenswert anzurechnen ist, ist die Tatsache das man sich endlich auf Klasse statt Masse konzentriert. Riesige Armeen, die alles überrennen, haben ausgedient , dafür kommen kleine, gut ausgebildete Verbände zum Einsatz. Wer mit ihnen überlegt vorgeht, wird zudem belohnt: Mit jedem Abschuss des Gegners werden Erfahrungspunkte vergeben, die die eigenen Einheiten im Rang aufsteigen lassen. Die erfahrenen Soldaten haben einen besseren Verteidigungswert und verursachen deutlich mehr Schaden, als Neulinge auf dem Schlachtfeld.
Die insgesamt 24 Missionen der beiden Kampagnen, die man wahlweise auf Seiten der NSA oder des terranischen Wiederstandes spielen kann, konzentrieren sich erfreulicherweise nicht nur auf stumpfsinnige Hauallesklein-Missionen. Vielmehr bekommt man eine gelungene Mischung aus Eskortaufträgen, Infiltrations- und Zerstörungsmissionen, die durch häufig wechselnde Auftragsziele während des laufenden Spiels nie langweilig werden.
Der Schwierigkeitsgrad wurde im Vergleich zum Vorgänger zudem an die breitere Masse angepasst. Vor jeder Mission hat man in Ground Control 2 nun die Wahl zwischen drei Schwierigkeitsgraden so dass für jeden etwas dabei sein sollte. Die Möglichkeit jederzeit speichern zu können, erspart zudem so manchen Frustmoment. Natürlich haben die schwedischen Entwickler außer am Schwierigkeitsgrad im Vergleich zum Vorgänger auch gehörig an der Grafik geschraubt. Ground Control 2 ist das derzeit wohl schönste Echtzeitstrategiespiel am Markt.
Die einzelnen Level wurden mit zahlreichen Lichteffekten und Spiegelungen beeindruckend in Szene gesetzt. Das Highlight im Spiel ist jedoch die frei dreh- und zoombare Kamera, die wahlweise die typische Vogelperspektive zulässt, oder euren Einheiten sprichwörtlich über de Schulter schaut. Mittendrin statt nur dabei, wirken die Kämpfe mit ihren tollen Partikeleffekten gleich doppelt so realistisch. Wenn dazu noch der stimmungsvolle Sound und die professionelle Sprachausgabe aus den Boxen schallt, ist es um jeden Technikfreak geschehen. Die richtige Hardware vorrausgesetzt, erwartet einen ein optisches Feuerwerk, das im Genre derzeit seinesgleichen sucht.
Ground Control 2 - Operation Exodus im Test.
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