GT Legends

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Atari
Entwickler
SimBin Development
Erscheinungsdatum
-
Genre
Simulation
USK
0
GT Legends [PC , looki.de]

Gesamtwertung

90%/10

Grafik

Sehr gut

Sound

Sehr gut

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Gut

GT Legends

Im Gegensatz zu den meist mit modernem Fahrgerät ausgestatteten Rennsimulationen kommen bei GT Legends Rennwagen der 60er und 70er Jahre zum Einsatz. Da es damals technische Innovationen wie ABS, ESP oder Traktionskontrolle noch nicht gab, mussten die Fahrer richtiges fahrerisches Können aufweisen, um überhaupt auf der Strecke zu bleiben.

GT Legends simuliert trotz der offiziellen Lizenz der FIA GTC '65, FIA TC '65 und der FIA GTC-TC '76 mitnichten einen Rennzirkus von vor über 30 beziehungsweise 40 Jahren. Als Fahrer nimmt man eher an den aktuellen Oldtimer-Rennen der FIA teil und kommt in die beneidenswerte Situation, weit über 90 Klassiker der Rennfahrhistorie wie beispielsweise dem Astin Martin Cooper oder der Corvette Stingray über den Asphalt von etwas mehr als zwei Dutzend Strecken zu lenken.

Neben dem obligatorischen ‚Offenen Training’- und den Einzelrennmodi bietet GT Legends auch einen Karrieremodus. Da anfangs nur zwei Fahrzeuge zur Verfügung stehen, heißt es zu Beginn erst einmal, so genannte Credits zu verdienen, indem man das eine oder andere Rennen gewinnt. Diese anfänglichen Rennen - auch Cups genannt - sind in der Regel nur fünf bis acht Runden lang, während die Wettbewerbe im späteren Verlauf bis zu 60 Runden lang werden können. Inwiefern Credits bei den Rennen abspringen hängt dabei nicht nur von der Platzierung ab, sondern auch vom gewählten Schwierigkeitsgrad. Von Fahrhilfen wie automatischer Kupplung über Traktionskontrolle bis hin zur Bremshilfe lässt sich einiges ein- und abstellen beziehungsweise regeln.

Ein Renntag gliedert sich grundsätzlich in drei Teile: Das Training, die Qualifikation und das eigentlichen Rennen. Während im Training das recht komplexe Setup – das von Getriebeübersetzung bis hin zur Fahrwerkseinstellung reicht – bis zum Abwinken getestet werden kann, versucht man sich in den Qualifikationsrunden eine gute Platzierung fürs Rennen zu sichern. Die Garage ist bei GT Legends der Dreh- und Angelpunkt des fahrerischen Erfolgs. Ist das Setup suboptimal, fährt man dem Fahrerfeld hinterher oder der Wagen ist derart nervös zu steuern, dass eine leichte Lenkbewegung den Wagen sofort von der Strecke schleudert.

Wer den Anpressdruck außer Acht lässt, kann sogar erleben, wie sein Fahrzeug fliegt. Fährt man zu schnell und gerät zu viel Fahrwind unter das Fahrzeug, erlebt man die gleichen physikalischen Ergebnisse wie bei einer Flugsimulation. Der Wagen hebt von der Strecke ab, dreht sich in der Luft und landet dann sich brachial überschlagend auf oder neben der Strecke. Schade nur, dass das Schadensmodell bei GT Legends nicht wirklich überzeugt. Haben sich die Fahrzeuge der damaligen Zeit bei einem Crash teilweise in unzählige Einzelteile zerlegt, gibt’s hier nur ein paar Kratzer und Beulen.

Darüber hinaus vermittelt eine Statistik die jeweiligen Platzierungen der restlichen Rennteilnehmer. Für Statistik- und Vergleichfreaks gibt es sogar die Möglichkeit, beispielsweise Zwischenzeiten von einzelnen Streckenabschnitten zu vergleichen und daraus Schlüsse für weitere Fahrzeugeinstellungen zu ziehen.

Unabhängig von den Fahrwerkseinstellungen lassen sich die alten Boliden in GT Legends erstaunlich leicht steuern – zumindest nach einer gewissen Einarbeitungszeit, denn technische Spielereien wie Traktionskontrolle oder ABS sind und waren für die ältesten Oldtimer im Spiel unbekannt. Obwohl man bei der Steuerung via Joystick gute Platzierungen erreichen kann, ist GT Legends ein guter bis sehr guter Grund, sich ein Lenkradsystem anzuschaffen, denn nur so lassen sich wohl dosiert die Lenkung beziehungsweise die Gas- und Bremspedale einsetzen. Die Tastatursteuerung hingegen ist nicht zu empfehlen.

Mit am Wichtigsten bei einer Rennsimulation sind allerdings die computergesteuerten Rennteilnehmer, denn wenn diese immer nur in einer Reihe fahren und den Spieler ignorieren, sind alle anderen Features nur Makulatur. Zum Glück kann GT Legends bei der KI der CPU-Fahrer punkten. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit starten diese – teilweise – waghalsige Überholmanöver, beginnen zu drängeln oder sich gegenseitig auszubremsen.

Die Gefahr, durch dusselige Kamikaze-Aktionen seitens der KI einfach von der Strecke geschossen zu werden, besteht nicht beziehungsweise kaum. Falls man wirklich einmal von der Strecke bugsiert wird, kann man das immer auf einen Fahrfehler des KI-Fahrers zurückführen, dessen Fahrzeug in der Sekunde beispielsweise schlicht und ergreifend den Grip verliert und in andere Vehikel schleudert. Die KI ist zuweilen derart listig, dass man zu glauben meint, gegen menschliche Fahrer anzutreten. So täuschte während eines Rennens ein KI-Bolide ein Überholmanöver über links an, nur um dann über rechts und mit quietschenden Reifen zu überholen.

Der zweite wichtige Aspekt einer Rennsimulation ist das Fahrverhalten. Was nutzt es, wenn man zig Fahrzeuge im Repertoire hat, sich diese aber alle gleich steuern und auf äußere Begebenheiten reagieren. Nun wäre es vermessen zu behaupten, die Fahrzeuge entsprächen ihrem Original, denn dass ist kaum überprüfbar. Allerdings spürt man Unterschiede bei den Fahrzeugen.

Während die einen ein nervöses Lenkungsspiel haben, brechen andere gerne am Heck aus oder kommen nur langsam auf Touren. So hat der Fahrer einiges zu tun, die Stärken und Schwächen des Fahrzeugs auszuloten und diese dann gegebenenfalls in der Garage über das Setup einigermaßen auszugleichen oder gar zu verstärken.

Grafisch ist GT Legends die bislang beeindruckendste Simulation auf dem Markt. Dank der hochauflösenden Texturen, den originalgetreuen Fahrzeugen und Strecken, en Masse eingesetzten DirectX-9-Effekten, einem animierten Fahrer und all den kleinen Details am Streckenrand hat man – bei maximalen Einstellungen – das Gefühl, einem wirklichen Rennen beizuwohnen. Allerdings spiegelt sich das in den Hardware-Voraussetzungen wider. Auf dem zum Test eingesetzten System mussten beispielsweise viele Einstellungen auf Mittel oder niedrig gesetzt werden, um nicht nur an einer Diashow teilzunehmen. Ebenfalls ein Erlebnis für sich sind die Motorensounds in GT Legends. Lässt man den Motor aufheulen, dröhnen satte Bässe und markiges Motorengespucke aus den Boxen. Während der Startphase eines Rennens, wenn alle Fahrzeuge auf Vollgas gehen, dröhnt ein derart markerschütterndes – und begeisterndes – Gedonnere auf den Spieler ein, dass man sich kurzzeitig wirklich wie bei einem Rennen vorkommt.

Fazit

Ja, so stelle ich mir eine Rennsimulation vor. Hart, authentisch, schnell! Und es macht einfach Spaß, die Oldtimer über die Strecken zu heizen und Gewinne einzufahren. Und die alten Kisten sind verdammt schnell unterwegs. Was soll ich mit einem langweiligen Formel-1-Boliden, wenn ich Klassiker der Renngeschichte haben kann? Na bitte. Also Kaufen, Spielen, Siegen…

GT Legends [PC , looki.de]

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