GTA: Vice City

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Take 2
Entwickler
Rockstar Games
Erscheinungsdatum
-
Genre
Andere
USK
-
GTA: Vice City [PC , Justgamers]

Gesamtwertung

92%/10

Grafik

Gut

Sound

Sehr gut

Lanzeitspaß

Sehr gut

Spieleinstieg

Sehr gut

Bedienung

Gut

GTA: Vice City

15 Jahre ist es nun her, dass Tommy Vercetti stellvertretend für seinen Boss Sonny in den Knast wanderte. Jetzt, mitten in den 80igern, wird er aus der haft entlassen und von seinem Boss nach Vice City geschickt, um dort die „Marktmöglichkeiten“ für die Mafia auszuloten und nebenbei einen Drogen-Deal abzuwickeln. Doch, wie sollte es anders sein, die Geld- und Drogenübergabe wird von Unbekannten unterbrochen, Geld und Drogen werden gestohlen und zu allem Überfluss gibt es auch noch Tote. Klar, dass Tommy’s Chef Sonny ob dieser Nachricht leicht erregt ist aber Tommy dennoch die Chance gibt, sein Geld und seine Drogen wieder zu beschaffen.

Bekloppte Schotten

Höher-Schneller-Weiter war wohl die maßgebende Devise, als die Designer von Rockstar North nach dem Erfolg von GTA 3 an die Arbeit zu GTA:Vice City gingen. Mehr Waffen, mehr Fahrzeuge, mehr Waffen, mehr Musik, mehr Mehr. Doch ein Spiel wie GTA: VC lebt vor allem, wie sollte es anders sein, von der Missionsqualität und –quantität und der Atmosphäre. Und gute und abwechslungsreiche Missionen hat Vice City en Masse. Beispiel gefällig? Ein „befreundeter“ Musikunternehmer hat eine schottische Rockgruppe unter Vertrag, die ein kleines Problem hat: einen scheinbar geistig verwirrten und extrem gefährlichen Fan. Tommy soll das Sicherheitsrisiko ein für alle Mal ausschalten. Gesagt getan: Der Geisteskranke gibt sich zu erkennen, erschießt einen Wachmann und flüchtet in einem Auto quer durch die Stadt. Nachdem Tommy den Irren nach einer wilden Verfolgungsjagd aus dem Weg geräumt hat, ist die Rockgruppe namens „Love Fist“ schon viel entspannter und bittet Tommy, die Band ganze 100 Meter zum Auftrittsort zu fahren. Doch der irre Fan installierte eine Bombe im Fahrzeug, die explodieren wird, wenn der Wagen zu langsam fährt – der Kinofilm „Speed“ lässt grüssen. Also heißt es mit Bleifuß durch den Verkehr von Vice City zu heizen und dabei die wohl witzigste „Bombenentschärfung“ der Film- und Softwaregeschichte durch die bekloppten Schottenrocker mitzuerleben.

GTA:VC bietet nebenbei, wie schon sein Vorgänger – storyrelevante und freie Missionen. Während die storyrelevanten logischerweise die Handlung von GTA:VC vorantreiben, haben die „freien“ Missionen eher die Aufgabe, sowohl das Finanzpolster von Tommy anzureichern als auch weitere Waffen, Fahrzeuge oder neue Kleidung frei zu spielen. Es steht dem Spieler übrigens frei, was für Missionen er spielen will. So werden während des Spieles immer mehr Gesprächspartner und damit potentielle Auftraggeber frei gespielt, die meist fünf bis sechs Aufträge im Petto haben, die, nachdem sie erfolgreich gemeistert wurden, viel Geld einbringen können. Im weiteren Laufe des Spieles ist es sogar möglich, sich Gebäude zu kaufen. Wenn man beispielsweise den Malibu-Club käuflich erwirbt, kann man dort nicht nur regelmäßig zwischen den Missionen abspeichern, sondern auch eine Anzahl von Missionen für den Club erledigen, dessen Resultat anschließend eine stattliche Summe Geld TÄGLICH bietet. Hat man alle wichtigeren Etablissements eingekauft, können diese zusammen locker mehr als 20.000 $ an Tageseinnahmen einbringen. Aber auch skurrile Missionen, die sich durch kleine rotierende Totenkopf-Icons bemerkbar machen, gibt es. Denn wenn Tommy das Symbol berührt, darf man ein wenig Amoklaufen, vorzugsweise mit einer Waffe und ebenfalls vorzugsweise zielgerichtet gegen Gangmitglieder. So darf/muss/soll man in einigen Aufträgen in einer Zeitspanne von zwei Minuten 35 Gangster aus einem Auto oder von einem Motorrad aus erschießen. Klappt es, gibt’s Geld, wenn nicht, dann Pech gehabt. Oder aber man hüpft in ein Taxi und chauffiert Kunden, übernimmt im Polizeiauto oder Apache-Hubschrauber (!) Bürgerwehrdienste, in denen man andere Gangster ausschaltet oder liefert auf einem Pizzaboten-Moped Pizzen aus.

Übrigens: die Schneider der Stadt bieten, je nach Geschmack des Spielers, mehrere Outfits wie Sportanzug, Golfkleidung oder dem modischen Mafia-Zweireiher an, in die Tommy jederzeit schlüpfen kann und so, neben dem optischen Effekt, praktischerweise auch den Fahndungslevel der Polizei senken kann.

Tatü Tata

Der Slogan „Polizei – Dein Freund und Helfer“ gilt nicht immer für Tommy Vercetti und seine Geschäftspartner. Denn wenn man in Ausübung einer Mission beispielsweise ein halbes Einkaufszentrum in Schutt und Asche legt oder einen Cop bei einem Autounfall niedermacht, haben die Verbrechensbekämpfer einen recht guten Grund, den Helden des Spieles dingfest zu machen. Das Interesse der Polizei richtet sich dabei an den so genannten Fahndungslevel, der von „ein Stern“ bis „sechs Sterne“ reicht. Während ein Stern eher eine Bagatelle darstellt und von der Polizei schnell vergessen wird, bedeuten drei Sterne den Einsatz von Hubschraubern und Sondereinsatzkommandos. Sollte man nun ein paar Polizisten erschießen und/oder einen Hubschrauber zum Himmel holen, kann der Fandungslevel schnell auf sechs Sterne hochschnellen, was neben FBI-Agenten auch den Einsatz von Militär – und damit auch ramm- und schiessfreudigen Panzern – auf den Plan ruft. Doch glücklicherweise kann man etwas gegen die Fahnungslevel tun. Entweder man wechselt, wie bereits erwähnt, die Kleidung oder aber man lässt sein Fluchtvehikel in einem der „Pay’n’Spray“-Werkstätten umspritzen und mit einem neuen Motor versehen. Die Bull… ähm, Entschuldigung, die Polizei wird uns so nicht mehr so schnell finden. Ach ja, sollten die „Auseinandersetzungen“ mit der Staatsmacht während einer Mission begonnen haben, wird das Fahndungslevel-Konto bei erfolgreichem Abschluss der Mission sofort gelöscht. Es ist zwar schwer nachzuvollziehen, wieso die Polizei nach einem erfolgreichem Mord jegliches Interesse an uns verliert. Nun gut, wäre es anders, wäre GTA:VC erheblich schwieriger und aus Lust würde schnell Frust.

Eine Minigun und ein paar Granaten bitte…

Um sich der Polizei aber hauptsächlich irgendwelchen Gegnern zu entledigen, legt GTA:VC dem Spieler mehrere Scharfschützengewehre, Pistolen, Uzis, Sturmgewehre, Granaten, Schrotflinten, MGs und Miniguns, aber auch Hämmer, Schwerter, Kettensägen und vielerlei mehr an destruktivem Instrumentarium in die virtuellen Patschehändchen. Die Waffen unterscheiden sich dabei in Feuerstärke und Feuerrate. Je schneller und „mächtiger“ die Waffe, umso schneller tot sind die Gegner. Leichte Schnellfeuerwaffen, wie die Uzi, erlauben es Tommy unter anderem auch, beispielsweise aus einem Auto heraus in klassischer „Drive-by“-Manier Gegner nieder zu schießen. Zu finden sind die Waffen entweder in den Ammu-Nation-Waffenläden, in den Bunch-of-Tools-Werkzeuggeschäften oder irgendwo versteckt in der Stadt. Viel Spaß beim Suchen.

Brumm, Brumbrumbrum…

Um sich in Vice City relativ schnell bewegen zu können, hat Tommy die Auswahl aus mehr als 100 Fahrzeugen. Ob nun Jeeps, Trucks, Laster, Sportwagen, Cabrios, Familienkutschen, Motorroller, Chopper, Motorräder, Boote, Golf-Caddies, Taxen, ein Panzer, Truppentransporter, Rettungswagen, Hubschrauber oder ein Wasserflugzeug - für Fortbewegungsmöglichkeiten ist gesorgt. Die Fahrzeuge unterscheiden sich dabei in Geschwindigkeit, Beschleunigung, Motorenklang, Kurvenlage und allgemeinem Handling. So knattert das Gelände-Motorrad zwar vor sich hin, bringt aber dank hoher Endgeschwindigkeit und dem geringen Gewicht beachtliche Ergebnisse bei Sprungeinlagen, während beispielsweise die Infernus eine flache Rennflunder darstellt, die extreme Ähnlichkeiten mit einem Lamborghini Diablo aufweist und bei Verfolgungsjagden fast jedes Polizeigefährt weit hinter sich lässt.

Als wahrer Geniestreich stellt sich übrigens wie in GTA III der das Autoradio heraus, das diesmal durchgehend mehr oder weniger bekannte Oldies der frühen achtziger Jahre abdudelt. Die acht Radiosender bieten dabei Ohrfutter für jeden Geschmack. So spielt V-Rock Metall-Songs, Wildstyle Pirate Radio eher frühe Rap- und HipHop-Hits und Emotion 98,3 Schmuse- und Softrock-Titel. Coolness-Faktor 100: Mit einem Sportwagen nachts zu „Crocketts Theme“ ganz im Miami Vice-Stil über die durch farbenfrohe Halogenlampen erleuchtete Strandpromenade heizen, bringt nicht nur eine Extraportion Atmosphäre rüber sondern lässt so manchen Spieler sicherlich gedankenverloren an die „gute alte Zeit“ sinnieren.

Toitsch und Änklisch und irgendwie ist’s auch brutal

Wie in allen actionlastigen Spielen der letzten Zeit wurde auch in GTA:VC für den deutschen Markt die Schere angesetzt. So gibt es keinerlei Blut und auch keine Verstückelungen zu sehen. Während letzteres nicht wirklich vermisst zu werden braucht, ist die Sache mit dem Blut leider etwas anderes, denn die Blutwölkchen, die beim Treffen eines Gegners entstehen, sind bei Beschuss aus der Ferne ein wichtiges Indiz dafür, das man auch getroffen hat und so Munition sparen kann. Auch andere grafische Gimmicks wie blutverschmierte Umrisszeichnungen fehlen völlig, Leichen verschwinden nach gewisser Zeit einfach auf Nimmerwiedersehen. Ohne das Ende vorwegnehmen zu wollen, aber im Gegensatz zu GTA III wird der Spieler für virtuelle Straftaten wie Mord, Zuhälterei und Drogenhandel nun mehr und intensiver belohnt. Oder kurz erläutert: Während virtuelles Blut und digitale Zerstückelung möglicherweise ein Grund für eine Altersfreigabe ab 18 Jahren bedeutet hätte, sind virtuelle Zuhälterei, (Massen-)Mord/Amoklauf und Drogenhandel ohne Konsequenzen – dafür aber mit sichtbaren Belohnungen - mehr oder weniger nicht ausschlaggebend für eine höhere Altersfreigabe gewesen - Ergo: Organisierte Kriminalität mit Mord - kein jugendschutzrechtliches Problem, aber bitte ohne Blut! Dafür ist es umso seltsamer zu verstehen, wieso GTA:VC „nur“ eine USK 16 Wertung bekam. Nicht falsch verstehen, der Tester begrüßt die Entscheidung, nur wirklich nachzuvollziehen ist sie nicht.

Einen weiteren Superlativ in Sachen „positive Atmosphäre“ steckt in der grandiosen Synchronisation aller Spiel- und Nichtspielercharaktere, die in GTA:VC auftreten. Hollywoodstars wie Ray Liotta („Goodfellas“), der dem Helden Tommy Vercetti die Stimme leiht, Phillip Michael Thomas (Tubbs aus „Miami Vice“), Lee Majors ( „Ein Colt für alle Fälle“), Burt Reynolds („Cannonball“), Dennis Hopper („Easy Rider“), Tom Sizemore („Pearl Harbor“), Pornosternchen Jenna Jamesson und viele andere bekannte Schauspieler verleihen GTA:VC im Allgemeinen und deren Charaktere im Besonderen eine sehr überzeugende Atmosphäre. Nicht zu vergessen die schrullig-bekloppten Schottenrocker, die dank ihrer „Sprachgewalt“ zum Lachen einladen.

PC oder PS2? Auf jeden Fall Gamepad!

Wer als PC’ler Konsolenbesitzer, speziell PS2-Anhänger, zum näheren Freundeskreis zählen kann, weiß, wie nervtötend es war, als die Mistkerle mit der Original-PS2-Version vor unserer Nase rumwedelten, ein mitleidiges Gesicht aufsetzten und was von „Oooch, ihr habt’s noch nicht? Wie schade….“ krächzten. Die Zeiten sind nämlich ein für alle vorbei, die Konsolenschmuser können nämlich einpacken. Wieso? Weil die PC-Version der PS2-Version in so ziemlich allen Punkten überlegen ist. Höhere Auflösungen, bessere Texturen, sattere Farben, genauere Steuerung, man kann eigene Spielfigur-Texturen und/oder eigene MP3-Musik einbinden, schnellere Ladezeiten und nicht zuletzt eine Replayfunktion, die es erlaubt, die letzten 30 Sekunden noch einmal zu betrachten und ggf. abzuspeichern. Und dass die PC-Verpackung auch noch schicker ist, kann man denen ruhig auch unter die Nase reiben. Ha!

Die Steuerung der Fahrzeuge und des Helden gehen dabei denkbar einfach von der Hand. Mit der Tastatur steuert sich so ziemlich alles einfach… bis auf ein paar Ausnahmen. So gibt es einen Level, der den Tester bei der Tastaturnutzung in schiere Verzweiflung trieb. Mittels kleiner Modellhubschrauber sollten Bomben in einem verwinkelten Gebäude deponiert werden. Nach mehreren erfolgreichen und nervenaufreibenden Versuchen dann der Griff zum Gamepad und beim ersten Versuch hat es funktioniert. Auch Drive-By-Shootings, also das Schiessen links oder rechts aus einem fahrendem Auto heraus, oder Wheelies, also das Fahren eines Motorrades auf dem Hinterrad, verlief mit einem vernünftigen Gamepad bzw. Joystick nerven- und fingerschonender als mit der Tastatur/Maus-Alternative.

Bewegungen zu Fuß bzw. Kämpfe lassen sich aber einfacher und komfortabler mit Maus/Tastatur bewerkstelligen, da Waffenwechsel einfach via Mausrad zu realisieren sind und der Blickwinkelwechsel mit Maus sehr schnell anspricht.

Die Achtziger – bunt und schrill und witzig

GTA:Vice City basiert zwar auf der leicht erweiterten „GTA III“-Engine, sieht aber viel besser aus als sein Vorgänger. Viele Gebäude weisen Halogen/Neon-Beleuchtung auf, die des Nächtens eine unbeschreibliche Lichtflut in die Stadt wirft. Die Animationen aller beteiligten Charaktere und der Passanten auf der Strassen wirken um einiges schwungvoller und lebendiger und bei der Architektur der Häuser und Villen scheint man eine Extraportion Liebe und Detailversessenheit hineingesteckt zu haben. Die Fahrzeuge sind durchweg alle realen Vorbildern nachempfunden, allerdings besitzen sie scheinbar aufgrund von rechtlichen Gründen reine Fantasie-Namen.

Dass echte Könner am Werk sind, merkt man auch am Schnitt der Zwischensequenzen, die in der Regel eine Mission einläuten. Man hat in den Momenten das Gefühl, einen Film zu schauen, bei dem auch der Humor nicht zu kurz kommt. So gibt es eine Szene, in der Tommy eine Filmproduktionsfirma übernimmt und mitten in einen Pornodreh platzt. Wer bei der folgenden Diskussion zwischen Tommy und dem Regisseur nicht lauthals lachen oder zumindest ein wenig schmunzeln kann, dem kann man nicht mehr helfen.

Fazit

Wow, eine Offenbarung. Hatte ich GTA III nach einiger Zeit genervt aus der Hand gelegt, hat mich GTA:VC völlig erwischt. Alle Fehler, die der Vorgänger hatte wurden bei Vice City ausgemerzt. Superbe Sprachausgabe, witzige Charaktere, reichlich überzogene Handlungen, eine fantastische Atmosphäre und ein genialer Soundtrack bilden einen spieletechnischen Hochgenuss. Wer GTA III mochte, wird GTA:Vice City lieben. Für mich, trotz Hits wie Enclave und Freelancer, momentan das Spiel des Jahres 2003.

Fazit von Tobias Kühnlein

Jawollja, hier passt nahezu alles. Tolle Grafik, ein genialer Soundtrack, eine spitzenmäßige Atmosphäre und abwechslungsreiche Missionen machen GTA Vice City zum absoluten Überflieger des Sommers. Viele kleine und auch größere Veränderungen im Vergleich zum Vorgänger bringen das Spiel noch näher an den Perfektionismus, als es bei GTA 3 der Fall war. Die ganzen kleinen aber nervigen Fehlerchen am Vorgänger (z.B. die fehlerhaften Replays) wurden fast ausnahmlos ausgebessert. Und mit dem Motorrädern und Hubschraubern macht das Wüten in Vice City gleich noch mal so viel Spaß. Klasse, Rockstar - dieses Spiel wird mich so schnell nicht wieder loslassen.

GTA: Vice City [PC , Justgamers]

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