Gesamtwertung91%/10 |
GrafikSehr gut SoundSehr gut |
LanzeitspaßSehr gut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Gentlemen, start your Engines! Nach dem erfolgreichen GT Legends von Entwickler SimBin steht allen Rennfanatikern nun der vielversprechende Nachfolger ins Haus. Mit jeder Menge Verbesserungen will GTR 2 nun das versuchen, was sein Vorgänger nicht ganz geschafft hat: den Genrethron an sich reißen. Ob das Spiel auf die Pole Position fährt oder doch im Kiesbett landet, verraten wir Euch in unserem Review.
Von bestandenen Fahrprüfungen und Frustmomenten...
Seelenruhig begeben wir uns auf unsere Position und haben dabei die ganze Zeit die Startampel im Auge. Nach einigen Sekunden heißt es: Rot! 'Okay, noch ein paar Sekunden' denken wir uns und schieben uns den Fahrersitz in die gewünschte Richtung. Jetzt wird es ernst: Alle anderen Fahrer beschleunigen gleichmäßig und werden allmählich immer lauter. Nun ist es nur noch eine Frage von Millisekunden. Und dann plötzlich: Grün! Wir jagen unseren Boliden in den ersten Drehzahlen gleich in den zweiten Gang, um so schneller zu beschleunigen. Der Geruch von verbranntem Gummi kriecht uns schon nach kurzer Zeit in die Nase: Ja, das ist der Stoff, aus dem Männerträume sind!
Nach dem stimmigen Intro verschlägt es uns als Erstes ins Hauptmenü: Hier haben wir die Auswahl zwischen einer Fahrschule für blutige Anfänger, einem 24-Stunden-Rennen sowie verschiedenen Meisterschaften, die wir aber erst freischalten müssen. Doch alles zu seiner Zeit. Es ist dringend ratsam als erstes die Fahrschule in Angriff zu nehmen, denn wenn Ihr denkt, das Handling der Fahrzeuge sei arcadelastig: Vergesst es! Die Boliden in GTR 2 sind selbst mit aktivierten Fahrhilfen alles andere als einfach zu steuern.
Wo waren wir stehen geblieben? Ach ja, bei der Fahrschule. Diese schickt Euch durch Dutzende von kleineren Rennaufgaben wie dem optimalen Fahren in Kurven bei allen möglichen Wetterverhältnissen. Weiter werdet ihr in verschiedenen Beschleunigungstests oder dem Überholen auf gerader Strecke geprüft. Das alles geschieht natürlich unter Zeitdruck. Die Anzahl der Prüfungen ist dabei enorm und die Lernkurve ist tatsächlich so steil, wie sie sein soll. Außerdem erfüllen die Trainingsrunden noch einen anderen Zweck: Es können so schon erste Meisterschaften und andere Extras freigeschaltet werden, was für Anfänger natürlich einen enormen Ansporn darstellen dürfte.
Doch seid nicht zu stolz, wenn Ihr alle Disziplinen erfolgreich absolviert haben solltet. Na gut, Ihr habt schon erste Erfahrungen, aber was dann in den echten Rennen abläuft, stellt in Sachen Realismus alles bisher dagewesene in den Schatten, und zwar in die äußerste Ecke.
So habt Ihr in den Optionen eine umfangreiche Auswahl an Fahrhilfen wie einer Traktionskontrolle oder dem Antiblockiersystem. Wenn Ihr nun denkt, die Hilfestellungen wären schon die halbe Miete, dann habt Ihr falsch gedacht.
Nach wie vor müsst Ihr in jeder Kurve aufpassen, dass Ihr Euch nicht aus selbiger hinausbefördert. Wer zuviel Gas gibt, landet eher im Kiesbett, als dass der Pfarrer 'Amen' sagen kann. Es ist außerdem sinnlos, die KI-Fahrer wie in anderen Spielen von der Strecke zu schieben, um sich somit einen Vorteil zu 'erschummeln'. Die Leidtragenden heißen sowieso meistens Euer Motor und Eure Karosserie. Außerdem umgehen die clever agierenden Gegner Unfallstellen, somit wäre auch eine andere beliebte Überholmethode passé.
Schon mal Kies gefressen?
Ganz dick kommt es dann mit ausgeschalteten Fahrhilfen: Dann müsst Ihr wirklich alles allein machen. Soll heißen: Zündung betätigen, Kupplung treten, manuell den Gang einlegen und langsam die Kupplung kommen lassen.
Wie im echten Leben: lasst Ihr die Kupplung zu schnell los, meckert Euer Fahrzeug ab, die gesamte Prozedur muss von Neuem gestartet werden.
Ebenfalls realistisch: Quält Ihr Euer Auto in den ersten zwei Gängen bis an die äußersten Drehzahlen, macht sich das nicht nur akustisch, sondern auch dadurch bemerkbar, dass Euer Bolide irgendwann zu streiken anfängt. Dann solltet Ihr schleunigst hoch schalten, um Eure Karre vor dem Übertouren zu bewahren. Das ist Realismus at it's best, birgt aber gehörig Frustpotenzial für Anfänger. Schade nur, dass ausgerechnet die Steuerung ab und zu etwas übersensibel reagiert, egal wie weit man die Empfindlichkeit herunterregelt.
Vor jedem Rennen habt Ihr übrigens die Möglichkeit, den Wagen nach Belieben in der Werkstatt zu konfigurieren. Hier gilt: Wer nicht gerade eine KfZ-Mechanikerausbildung hinter sich hat, wird wohl dankend abwinken und dem Spiel eine automatische Anpassung der Fahrzeuge überlassen. Denn soviel Möglichkeiten zur Konfiguration gab es bisher nur beim Konsolenprimus Gran Turismo. Wer die Nase voll von gewöhnlichen Meisterschaften hat und sich für hartgesotten hält, kann sich ja vielleicht für das 24-Stunden-Rennen begeistern, dass je nach Belieben genauso lange dauert, wie es heißt. Ansonsten lässt sich die Dauer des exzessiven Rennvergnügens auch - glücklicherweise - herunterregeln.
Optisch ist GTR 2 ein wahrer Hochgenuss: Habt Ihr in einem Rennspiel schon mal solch fotorealistische Fahrzeuge gesehen, die vor allem in den Replays so richtig gut zur Geltung kommen? Nein? Wir auch nicht. Am coolsten ist aber die Cockpitperspektive: die vermittelt nicht nur Rennfeeling pur, sondern wurde auch extrem detailliert gestaltet. Einzelne Lenkbewegungen des Fahrers wurden akkurat animiert, genau wie der beherzte Griff zur Gangschaltung oder sonstige Kniffe, perfekt! Man kann alles erkennen: Knöpfe um Kontakt mit der Boxengasse aufzunehmen, Drehzahlmesser, Tachometer, alles da. Einzig und allein die etwas leblosen, dafür aber dank exakter Telemetrie den realen Vorbildern entsprechenden Strecken trüben den exzellenten Eindruck, hier hätten die Entwickler auf jeden Fall noch zulegen müssen.
Der wohl viel wichtigere Teil des Spiels ist der Sound: Herr Gott im Himmel, die Motoren der Fahrzeuge klingen verdammt realistisch und lassen selbst die von Spielen wie DTM Race Driver 3 weit, weit hinter sich. Um so besser kommt es, wenn Ihr ein Surround-System Euer Eigen nennen dürft. Mehr Power geht (fast) nicht! Und das Schöne daran: Fast alle Fahrzeuge unterscheiden sich markant voneinander, Schwächen leisten sich nur wenige Autos. Die musikalische Untermalung dient hingegen nur einem Zweck: dass überhaupt eine da ist.
Denkt Ihr nun, dass das alles war? Haben wir da nicht vergessen? Ja, Ihr habt Recht: GTR 2 hat natürlich noch einen Multiplayermodus, in dem Ihr Euch mit bis zu 27 anderen Freunden über Netzwerk oder online auf den Strecken des Einzelspielerparts austoben dürft.
Einziger Wermutstropfen: optionale KI-Gegner gibt es leider nicht, um das Fahrerfeld z.B. bei kleinen LAN-Partys auszufüllen. Aber vielleicht reicht SimBin das ja mit einem Update nach. Wir hoffen es jedenfalls.
Doch die Frage ist: Wird das Spiel deswegen auch erfolgreich? Anfänger werden auch nach der absolvierten Fahrschule ihre lieben Mühen haben, die Fahrzeuge sicher über die Strecke zu manövrieren. Frustmomente sind die Schattenseite des Realismus und die gibt es leider Gottes zuhauf. Kurzum: Profis können ohne Bedenken zuschlagen, Anfänger sollten trotz der sehr guten Wertung probespielen.
Mach Dir einen Namen im Dark Orbit. Allein oder mit Verbündeten wagst Du Dich in weit entfernte Sternen- systeme vor und kämpfst um 10.000 € zum Spiel...
GTR 2 im Test.
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