Guild Wars

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Flashpoint
Entwickler
NCSoft
Erscheinungsdatum
-
Genre
RPG
USK
12
Guild Wars [PC , Justgamers]

Gesamtwertung

91%/10

Grafik

Sehr gut

Sound

Gut

Lanzeitspaß

Sehr gut

Spieleinstieg

Sehr gut

Bedienung

Sehr gut

Guild Wars

ArenaNet wagt sich mit ihrem Debütitel Guild Wars gleich auf das dünnste Eis der Branche. Kaum ein anderes Genre ist derzeit so hart umkämpf wie das der immer beliebter werdenden Onlinespiele. Bei kaum einem Genre liegen Erfolg und Pleite aber auch so nahe beieinander. Während Blizzards World of Warcraft derzeit die Spieler wie ein Magnet anzieht, fristen andere Onlinerollenspiele ein eher bescheidenes Dasein. Warum Guild Wars dennoch das Zeug zum Erfolg hat, verraten wir euch in unserer Review...

Onlinerollenspiele haben es dank der Dominanz von Blizzards World of Warcraft am Markt nicht einfach. Kein Wunder, schließlich will und kann kaum einer jeden Monat die Kosten für mehrere MMORPGS vom hart Ersparten abzweigen. So fällt die Wahl – wie bei bereits zwei Millionen anderen Onlinespielern – auf den Platzhirsch aus dem Hause Blizzard.

Diesem Problem wollen die Entwickler von ArenaNet mit ihrem Erstlingswerk Guild Wars nun Abhilfe schaffen. Mit einem einzigartigen Vertriebsmodell, dass dem Spieler keine monatlichen Gebühren aufbrummt, wollen die Debütanten ihren ehemaligen Arbeitgeber das fürchten lehren – schließlich wurde ArenaNet von Ex-Blizzard Entwicklern gegründet, die in der Vergangenheit bereits an Meilensteinen wie Starcraft, Warcraft oder Diablo mitgearbeitet haben.

Guild Wars (25 Bilder)

Die Welt ist Böse

Die Welt ist böse und gemein. Wieder einmal treibt es den Abschaum der Unterwelt und die hässlichsten Kreaturen auf Erden aus ihren Löchern, um der Menschheit und allen voran das idyllische Königreich Tyria das Fürchten zu lehren. Nur die Klingen und Bögen der stärksten Krieger des Landes können den Einmarsch der Bestien stoppen und den Fall Tyrias aufhalten. Klar, dass es nun an euch hängt, die Untoten zurück in die Unterwelt zu prügeln und den behaarten Kreaturen das Fell über die Ohren zu ziehen. Doch keine Angst, wie es sich für Onlinerollenspiel gehört, stehen euch Tausende von Verbündeten zur Seite, die euch mit einem Arsenal an Waffen und Zaubersprüchen hilfreich unter die Arme greifen.

Aller Anfang ist schwer...

Das schwierigste an Guild Wars ist der Einstieg. Nicht etwa weil die Entwickler einen auf den ersten Streifzügen durch Tyria völlig im Regen stehen lassen, sondern weil man sich auf das Aussehen und die Charakter-Klasse des Alter Ego festlegen muss. Keine einfache Sache, stehen doch sechs vollkommen unterschiedliche Klassen zur Auswahl. Vom klassischen Krieger und Waldläufer, bis hin zu exotischen Zeitgenossen wie dem Nekromanten oder dem Mesmer, sollte jeder den passenden Charakter für seine Abenteuer in Tyria finden. Wer sich nicht entscheiden kann, muss aber auch nicht gleich verzweifeln. Zwar bestimmt die gewählte Klasse eure Grundfertigkeiten und die Fähigkeit, bestimmte Waffen und Rüstungen tragen zu können, trotzdem steht jedem die Möglichkeit offen, weitere sogenannte sekundäre Fertigkeiten der anderen Klassen zu erwerben. Ein Waldläufer kann so neben Pfeil und Bogen auch mächtige Zaubersprüche erlernen, die eine eindeutige Einteilung in Klassen im späteren Spiel nebensächlich machen.

...danach wird’s einfacher

World of Warcraft hats vorgemacht – leichter Einstieg und durchschaubare Skilltrees waren der Weg zum Erfolg, als es darum ging Genreneulinge für Onlinerollenspiele zu begeistern. Guild Wars geht hier sogar einen Schritt weiter. Der Einsteig geht unglaublich leicht von der Hand und bereits nach wenigen Minuten hat man seine ersten Monster niedergestreckt. So kanns weitergehen, denkt sich der motivierte Krieger und zieht tiefer in die monsterverseuchten Gegenden Tyrias. Wo bei anderen Rollenspielen nun Schluss ist, setzte Guild Wars erst an. Selbst wer noch grün hinter den Ohren ist erlebt schnell erste Erfolgserlebnisse und kann sich auch ohne Bedenken an stärkere Gegner wagen. Bei Guild Wars zieht man nämlich nicht unbedingt den Kürzeren, wenn der Gegner einen Kopf größer ist. Mit der richtigen Taktik gehören auch stärkere Widersacher der Vergangenheit an. Das Stein-Schere-Papier Prinzip aus anderen MMORPGs scheint auch den Entwicklern bei AreaNet auf die Nerven gegangen zu sein, und musste einem realistischeren und weniger frustrierenden Kampfsystem weichen. Wer will schon grundsätzlich verlieren, wenn man sich bei der Wahl des Gegners etwas verschätzt hat.

Das bei Guild Wars allgemein weniger Wert auf Leveln gelegt wurde, wird dabei auch schnell klar. Während man bei anderen Genrevertretern nach ein wenig Gemetzel die ersten Erfahrungsstufen schnell hinter sich gelassen hat, zieht sich das Aufleveln in Guild Wars lange hin. Hier werden vor allem Leute, die ansonsten wie blöd „grinden“ (stundenlang Monster metzeln, nur um eine Stufe aufzusteigen), Augen machen. Ein hohes Level bedeutet im Kampf nicht unbedingt den sicheren Sieg. Mit etwas Taktik und der richtigen Skillung werden Charakterlevel in Guild Wars zur belanglosen Nebensache.

Diablo lässt grüßen...

Guild Wars schafft es, das alte Diablo-Gefühl wieder aufleben zu lassen. Es wird gemetzelt, gesammelt und hin und wieder eine der unzähligen motivierenden Missionen gemacht. Dazu gesellen sich ähnlich wie in Blizzards BattleNet Tausende von menschlichen Mitspielern, mit denen man durch die Welt von Tyria ziehen kann. Wer nun allerdings denkt, Guild Wars sei ein waschechtes MMORPG liegt nicht ganz richtig. Wer eine zusammenhängende Welt wie in World of Warcraft erwartet wird vielleicht enttäuscht die Nase rümpfen. Die Welt von Guild Wars ist in zahlreiche Gebiete unterteilt, die alleine, oder in der Gruppe betreten werden können. Der Unterschied zu gewöhnlichen MMORPG ist dabei, dass jedes Gebiet für die Dauer der Mission nur für euch und eure Gruppe, bestehend aus bis zu acht Spielern „erschaffen“ wird und ihr in diesen sogenannten Instances euer Missionsziel erfüllen könnt. Die Mitspieler könnt ihr in Städten oder in Außenposten vor den Missionen in eure Gruppe aufnehmen – dies sind auch die einzigen Gebiet, wo sich alle Spieler gleichzeitig aufhalten, direkt austauschen und Handeln können. Das Prinzip ist in etwa mit dem Onlinemodus von Diablo 2 oder den Instancedungeons in World of Warcraft vergleichbar. Im Gegenzug verlangt ArenaNet aber auch keine monatlichen Gebühren für die Nutzung der Server.

Auge um Auge, Zahn um Zahn

Wer vom NPC kloppen genug hat, kann sich in die Arenen von Guild Wars wagen. Die hier ausgetragenen Player vs. Player (PvP) Kämpfe sind Herzstück des Spiels und werden von Spielern ausgefochten, die sich zuvor meist in Gilden zusammengeschlossen haben. Außer Spass und Erfahrungspunkte kann man in den Arenen jedoch nichts gewinnen. Der Reiz liegt ganz klar in den Gildenkämpfen, bei denen sich ganze Gilden bekriegen und um die besten Plätze auf den internationalen Ranglisten kämpfen. Wer sich hier besonders bewährt, bekommt sogar die Ehre eine eigene Gildenhalle errichten zu dürfen, die es möglich macht, andere Gilden zum Kampf herausfordern zu können. Das besondere dabei ist, dass selbst blutige Anfänger sofort aufs Schlachtfeld ziehen können, ohne ihren Charakter erst mühevoll aufleveln zu müssen. Guild Wars bietet die Möglichkeit per Knopfdruck einen Charakter für den PvP-Kampf zu erstellen, der es mit den meisten Gegnern aufnehmen kann. Individualisten können natürlich nach wie vor ihren eigenen Helden erstellen und in den zahlreichen Quest nach ihren Wünschen skillen. Für Motivation ist also gesorgt...

Oh wie schöön...

Grafisch lässt Guild Wars den Großteil der Konkurrenz weit hinter sich. Von verwaschenen Texturen und klobigen Animationen, wie man sie aus anderen Onlinerollenspielen gewöhnt ist, wollte ArenaNet nichts wissen. Vielmehr überraschen die Jungs mit aufwändigen Texturen, butterweichen Animationen und viel Liebe zum Detail. Flaggen wehen im Wind, Sträucher ranken sich an verfallenen Säulen empor und die Baumwipfel wiegen sich langsam im Wind und verdecken dabei für kurze Zeit die Sonne, die die gesamte Umgebung in weiches, überzeichnetes Licht taucht. Die Grafik wirkt durchweg wie aus einem Guss und erinnert dabei stark an den Xbox Rollenspielhit Fable. Wer mit dem Comic-Stil von World of Warcraft nichts anfangen konnte, liegt hier genau richtig.

Musikalisch erwartet einen zwar keine Offenbarung von Fahrstuhlmusik kann jedoch auch nicht die Rede sein. Stimmige Titel, die auch auf Dauer nicht an den eigenen Nerven kratzen unterlegen die märchenhafte Fantasiewelt passend. Am liebsten hört man aber ohnehin das Krächzen der Gegner, wenn der eigene Zauber Felsbrocken vom Himmel regnen lässt. Für die Zukunft kündigte man sogar einen Addon an, das gegen eine geringe Gebühr weitere musikalische Untermalung in das Spiel integriert. Dies ist bereits ein Teil der optionalen Addons, über die sich das Spiel in Zukunft finanzieren wird.

Fazit

Wow...was ArenaNet mit ihrem Erstlingswerk Guild Wars abgeliefert hat, katapultiert sich kurzerhand an die Spitze des Genres. Seit Diablo 2 hat es kein Spiel mehr geschafft, den Jäger und Sammler in mir derart zu wecken, wie es Guild Wars getan hat. Der einfache Einsteig, die tolle Atmosphäre und die Beschränkung auf das Nötigste machen Guild Wars zur Motivationsbombe. Wer einen Fuß nach Tyria setzt darf sich auf drei Dinge gefasst machen: Action, Action und nochmals Action. Wer es schon immer leid war, täglich Stunden vor dem PC zu verbringen nur um den Anschluss an die breite Masse nicht zu verlieren, ist hier genau richtig. Ein kurzes Match zwischendurch ist ebenso drin wie abendliche Streifzüge mit seinen besten Freunden durch die riesige Welt Tyrias. Doch sein Ass schüttelt Guild Wars erst am Ende des Monats aus dem Ärmel - im Gegensatz zu anderen Onlinerollenspielen finanziert sich Guild Wars nicht durch monatliche Gebühren, sondern durch geplante optionale Add-Ons, die in Zukunft zum Kauf angeboten werden. Wir sehen uns in Tyria...

Guild Wars [PC , Justgamers]

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