Gesamtwertung91%/10 |
GrafikGut SoundGut |
LanzeitspaßSehr gut SpieleinstiegSehr gut |
BedienungGut |
Seit über einem Jahr begeistert die Guild Wars-Saga eine ganze Spielergemeinde. Angesichts der großen Konkurrenz aus dem Hause Blizzard war dieser Erfolg nicht immer abzusehen; so gingen bereits zahlreiche Online-Rollenspiele verschiedenster Entwickler aufgrund des Genreprimus WoW sang- und klanglos unter. Doch anscheinend funktioniert das Konzept des in Seattle ansässigen Unternehmens ArenaNet, ein MMORPG anzubieten, welches sich allein durch den Verkauf der Spiele finanziert und man somit auf monatlichen Gebühren verzichten kann. Dabei soll nun auch der mittlerweile dritte Guild Wars Teil mit dem Beinamen Nightfall helfen, welchen wir im großen Looki-Test mal genauer unter die Lupe genommen haben.
Elona, das Land der goldenen Sonne
Im Vergleich zur Factions-Kampagne, die sich bekanntlich einem asiatischen Hintergrund bediente, findet man in Nightfall den Kontinent Elona, der durch riesige Wüsten- und Steppengebiete, aber auch durch zahlreiche Oasen und Küsten einen orientalischen Touch erhält, vor. Hier herrscht die finstere Kriegsherrin Varesh Ossa, die mit Hilfe des längst verstoßenen Gottes Abbadon das ganze Land in Finsternis und Chaos stürzen will. Nun ist es also die Bestimmung des Spielers als Mitglied der Sonnenspeere, einer Gruppe tapferer Krieger, die es sich zur Aufgabe gemacht hat Elona zu schützen, dem Wahnsinn Einhalt zu gebieten. Dabei stehen nicht nur knapp 350 neue Fertigkeiten, sondern auch mit dem Derwisch und dem Paragon zwei völlig neue Klassen zur Verfügung.
So liegen die Attribute beim Derwisch, einem sensenschwingender Kämpfer, welcher mit einem Schlag gleich mehrere Schergen zu Fall bringen kann, auf Mystik und Sensenbeherrschung. Weiterhin kann dieser mit Hilfe von Erd- und Windgebeten Gegner ausschalten, oder eigene Kräfte zusätzlich verstärken. Weiterhin darf sich der Derwisch auf göttliche Unterstützung freuen, durch welche er für kurze Zeit unverwundbar wird. Die Paragone hingegen, welche mit Speer und Schild bewaffnet die Schutzengel Elonas darstellen, bedienen sich Motivationszaubern und Führungsfertigkeiten, um eigene Verbündete zu stärken und ihnen taktische Anweisungen zu geben. Dieser eher passive Charakter ist damit eine Maßanfertigung für Rollenspielstrategen, die aggressive Zauber gerne vermeiden. Doch um die 75 Fertigkeiten des Paragons wirklich ausnutzen zu können, kommt ein weiteres Feature in Nightfall zum tragen.
So kann man nun auf so genannte Helden zurückgreifen, die jedoch nicht mit Gefolgsleuten verwechselt werden dürfen. Denn während diese den eigenen Charakter nur hinreichend unterstützen, sind Helden meist Gefährten verschiedenster Klassen, die der Spieler in den Städten anwerben und dann individuell anpassen darf.
Gemeint sind damit Verteilung der Attributpunkte, sowie Auswahl von Fertigkeiten und Ausrüstung; jedoch verfügt der Spieler bei mehreren Helden lediglich über ein einzelnes Inventar, welches sich aber mit zusätzlichen Beuteln, Taschen oder Rucksäcken erweitern lässt. Wer nun aber glaubt gleich mehrere Partymitglieder gleichzeitig steuern zu müssen, irrt gewaltig, denn immerhin handelt es sich um non-playable-characters.
So steuert der Computer den Helden für den Spieler, führt Zauber eigenständig aus und setzt Fertigkeiten äußert geschickt ein. Dennoch kann der Spieler den Gefährten mit Wegpunkten vom Kampfgeschehen entfernen oder einfach patrouillieren lassen. Darüber hinaus lässt sich das Verhalten des Helden einstellen, wodurch er auf Gegner aggressiv oder passiv reagiert.
Missionsdesign überzeugt!
Betrachtet man den Aufbau von Haupt- und Nebenmissionen nun genauer, so stellt man fest, dass auch in diesem Bereich Änderungen vorgenommen wurden. Mit der Einbindung der Helden sind nun auch die Aufgaben zum Großteil schwerer geworden, sodass die Gefährten in den meisten Fällen zum Lösen notwendig sind. Positiv sei hierbei angemerkt, dass das lästige Warten auf Mitspieler, die einen durch die Missionen ziehen können, gänzlich wegfällt. Weiterhin ist die riesige Menge der gestellten Quests überwiegend abwechslungsreich und fordert vor allen Dingen PvE-Spieler. Mit Intrigen, Fallen und Gewissensfragen gespickt reicht so die Aufgabenstellung vom einfachen Beschaffen einer Blüte, über die Verteidigung bestimmter Bauwerke, bis hin zu einer Gerichtsverhandlung, in der der Spieler seine Talente unter Beweis stellen muss.
Leider haben sich auch in diesem Bereich einige Fehler eingeschlichen. So werden beispielsweise Missionen einfach abgebrochen, wenn man eine Reise per Karte startet; somit müssen sämtliche Wege zu Fuß zurückgelegt werden. Auch getötete, für die Mission notwendige, NPCs können in vielen Fällen nicht wiederbelebt werden. Dies ist in erster Linie nervig, betrachtet man die geringe Anzahl an Lebenspunkte über die diese verfügen. Damit muss auch hier der Quest neu gestartet werden.
Zuletzt jedoch bieten die Hauptmissionen viele Ingame-Cut-Szenen, die vor allen Dingen durch animierte Lippenbewegung eine weitere Neuerung in Nightfall und erstklassige deutsche Synchronsprecher glänzen.
Verbesserte Rollenspielelemente
Ein weiterer Schwerpunkt in Nightfall liegt auf den Rollenspielelementen, die deutlich ausgebaut und verbessert wurden. So wird der Titel vor allen Dingen für PvE-Spieler interessanter. Als erste Änderung ist dabei die Speicherung verschiedener Klassen-Templates zu nennen, mit denen man nun einfacher Charaktere gestalten kann. Weiterhin können die Attribute, sofern man sich in einer Stadt befindet, beliebig umverteilt werden. So können beim Ausrüsten mit einem Schwert Punkte auf das Attribut Schwertkunst vergeben werden, findet man nun jedoch einen seltenen Hammer, so verteilt man diese einfach auf Hammerkünste, ohne irgendwelche Mali in Kauf nehmen zu müssen.
Auch PvP-Spieler kommen in Nightfall ganz auf ihre Kosten. So darf man zum ersten Mal 1vs1 Kämpfe, die wahlweise mit oder ohne Helden geführt werden, bestreiten. Dadurch wird man zusätzlich gefordert seine Gefährten geschickt auszustatten und Fertigkeiten taktisch klug auszuwählen.