Half-Life 2

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Sierra Studios
Entwickler
Valve
Erscheinungsdatum
-
Genre
Shooter
USK
18
Half-Life 2 [PC , Justgamers]

Gesamtwertung

94%/10

Grafik

Sehr gut

Sound

Gut

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Sehr gut

Bedienung

Sehr gut

Half-Life 2

Gestern erschien nach sechs Jahren Entwicklungszeit und frustrierenden Releaseverschiebungen endlich Half-Life 2. Dessen Vorgänger revolutionierte im Jahre 1998 die Spieleindustrie und mischte das Genre der Egoshooter kräftig auf. Nach einer durchzockten Nacht mit diversen Koffeinschocks verraten wir Euch, ob Half-Life 2 an den Erfolg des Vorgängers anknüpfen kann oder ob alles bisher Gesehene bloß heiße Luft war.

Bevor Half-Life 2 veröffentlicht wurde, drangen nur wenige Details über die Story ans Tageslicht. Angeblich wollten die Entwickler niemanden den Überraschungseffekt vermiesen. Wollten oder konnten sie nicht mehr verraten, abgesehen davon, dass die Geschehnisse unmittelbar an das Ende des ersten Teils anknüpfen?

Das Spiel beginnt vergleichsweise harmlos. Als Gordon Freeman dürft Ihr durch die Stadt City 17 schlendern – richtig idyllisch, wären da bloß nicht an jeder Ecke Elektrostock schwingende Combine-Soldaten. Diese beherrschen seit den Vorfällen in Black Mesa die Erde und unterjochen die Bevölkerung. Warum dem so ist, müsst Ihr im Verlauf des Spiels herausbekommen und natürlich gleichzeitig versuchen, diese Plage loszuwerden. Viel mehr gibt es innerhalb der insgesamt 14 Episoden nicht zu tun, was vielleicht etwas mager erscheint.

Ohne zu viel zu verraten: Das grandios in Szene gesetzte Finale entschädigt aber auch den größten Story-Fetischisten! Um bis dahin zu kommen brauchen geübte Spieler je nach Schwierigkeitsgrad zwischen 15 und 25 Stunden. Im Hauruck-Verfahren durch das Spiel zu rennen ist bei Half-Life 2 zwar die schnellste, aber auch die schlechteste Methode: in den verschiedenen Episoden gibt es so viel zu sehen, dass es eine Schande wäre, daran einfach blind vorbei zu laufen. Hauptverantwortlich dafür ist eine überragende Grafik- und Physik-Engine, die es in dieser Art bisher noch nicht gab.

Vorhang auf!

Wer schon zu Beginn des Spiels von der Grafik begeistert ist, dem wird kurze Zeit später die Kinnlade auf die Tastatur fallen. Nachdem Gordon durch eine schlicht gehaltene Bahnhofshalle schreitet und fremde Leute in deren Appartements besucht, kann das Grafikfeuerwerk beginnen.

An einer Dachluke angekommen breitet sich vor Euch die ganze Pracht von City 17 aus. Der prachtvolle Ausblick auf die Stadt mit ihren Straßenzügen, Altbauten und Hochhäusern könnte getrost als Postkarte an die liebe Oma verschickt werden. Ja, jetzt kann Half-Life 2 richtig beginnen!

Sobald sich Kinn und Pupillen nach diesem ersten Feuerwerk wieder in ihre ursprüngliche Position begeben haben, wird es Zeit für eine Zugabe. Die erste Begegnung mit den Verbündeten Dr. Kleinert und dessen Tochter Alyx treibt selbst hartgesottenen Spielern Freudentränen in die Augen. Nicht nur Texturen und Models der NPCs sind hervorragend gelungen, sondern auch deren Animationen samt Mimik und Gestik. So beherrscht jeder Hauptcharakter bis zu 25 Gesichtsausdrücke, was sogar den kritischen TV-Sender ZDF dazu verleiten ließ, von „virtuellen Schauspielern“ zu reden.

Angesichts dieses hohen Detailgrads ist es verständlich, dass Half-Life 2 auf Zwischensequenzen verzichtet und stattdessen auf simple Dialoge setzt, um die Geschichte voranzubringen. Und wer braucht schon gerenderte Videos, wenn alle 14 Episoden dermaßen perfekt aufgebaut sind, dass man sich wie in einem Kinofilm vorkommt?

Der Spaßfaktor kennt keine Grenzen, wenn Gordon in einem von riesigen Propellern angetriebenen Hovercraft durch malerische Landschaften düst und sich ihm allerhand Fußsoldaten und Helikopter, die mit ihren Rotorblättern die Wasseroberfläche aufwirbeln, in den Weg stellen.

Für den nötigen Nervenkitzel sorgen Ausflüge in das von Zombies überfüllte Dorf Ravenholm oder in dunkle, vor Aliens berstende Minen.

Übrigens: die Innenräume, Angstdisziplin eines jeden Grafikers, müssen sich vor den atemberaubenden Außenarealen nicht verstecken. Statt wie Doom 3 auf die immer gleiche Raumgestaltung zu setzen, erwecken die Räume in Half-Life 2 einen realen und erfrischenden Eindruck. Es ist unglaublich, dass die Entwickler neben all den technischen Aspekten auch noch einen Sinn für Ideenreichtum und Abwechslung besitzen.

Hoch lebe die Physik!

Jeder kennt sie, fast jeder hasst sie: die Physik. Sobald dieses Fach in der Schule abgewählt werden kann, nehmen die meisten Schüler ihren Hut und sagen Beschleunigung, Dynamik und Gravitation auf immer Lebewohl. Da kann man von Glück reden, dass sich Valve dennoch dem Thema angenommen und eine mustergültige Physik-Engine programmiert hat.

Jubelte vor ein paar Jahren noch alle Welt über realistisch fallende Gegenstände und Körper, gehört dies in Half-Life 2 zu den einfachsten Disziplinen. Aufmerksame Spieler werden zu Beginn des Spiels eine Kinderschaukel bemerken, mit der sich die ersten Experimente anstellen lassen.

Neben solchen amüsanten Spielereien hat die Physik-Engine zum Glück auch Einzug in den Spielablauf gefunden. Der Spieler wird häufig auf leichtere Rätsel stoßen, in denen er zum Beispiel schwere Steine auf die eine Seite einer Wippe legen muss, damit er eine Anhöhe erreichen kann. Mal was anderes, anstatt dauernd auf irgendwelche Schalter und Knöpfe zu hauen.

Die beste Physik-Engine wäre nur halb soviel wert, wenn sie nicht auch bei den Waffen Verwendung finden würde. Von einer Schrotladung getroffene Gegner haut es von den Beinen, Granaten oder Raketenwerfer sorgen für kostenlosen Flugunterricht und die Gravity-Gun kann ohnehin alles, was des Physikers Herz begehrt. Heizungen lassen sich damit mühelos aus der Wand reißen, damit man sie danach als Schutzschild verwenden kann.

Gegnerische Einheiten prügelt der Gravitationsstrahl windelweich, schleudert in Richtung Gordon geworfene Granaten wieder zurück zu ihrem ursprünglichen Besitzer oder verwandelt sorglos weggeworfene Sägeblätter in tödliche Geschosse. Die Gravity-Gun (auf Deutsch Nullpunkt-Energiegewehr) ist die vielseitigste Waffe in Half-Life 2, wenn nicht sogar die originellste Waffe des gesamten Egoshooter-Genres.

Teamwork

Die meiste Zeit über ist Gordon allein unterwegs. Entweder verbreitet er zu Fuß in den gegnerischen Reihen Angst und Schrecken, oder er klemmt sich hinter das Lenkrad eines Fahrzeuges.

Im Hovercraft rast Gordon unter ohrenbetäubender Geräuschkulisse über das unglaublich realistisch dargestellte Wasser von Half-Life 2. In dem mit einem Maschinengewehr ausgestatteten Buggy schießt oder fahrt Ihr Eure Gegner über den Haufen.

Gegen Ende des Spiels bekommt Gordon allerdings immer häufiger tatkräftige Unterstützung. So stehen Euch beispielsweise beim Häuserkampf in City 17 kleinere Teams von bis zu vier Gefolgsleuten bei.

Bei der Erstürmung eines Gefängnisses sind gefräßige Käfer die einzige Rückendeckung. Mit Hilfe von Duftbeuteln lassen sich die an Starship Troopers erinnernden Biester auf gegnerische Wachen lenken und übernehmen danach die Drecksarbeit für Gordon. Herrlich, wenn man auch mal anderen bei der „Arbeit“ zusehen darf.

Die Saat des Bösen

In Half-Life 2 tummeln sich allerhand altbekannte, aber auch neue Gegnertypen. Jeder von ihnen mit individuellen Eigenschaften, Stärken und Schwächen. Ein paar Gegner haben wir für Euch aufgelistet:

Combine-Soldaten

Gibt es wie Sand am Meer und stehen in City 17 an jeder Ecke. Combine-Soldaten unterscheiden sich von den restlichen Gegnern durch Intelligenz und Taktik: sie werfen Granaten, gehen in Deckung und blasen im Notfall zum Rückzug.

Assassins

Die einzige weibliche Gegnerklasse in Half-Life 2 richtet mit dem Scharfschützengewehr extrem hohen Schaden an. Ihre Zielrichtung wird durch Laser gekennzeichnet, wodurch ihre Position ab dem ersten Schuss kein Geheimnis mehr ist. Ihnen ist meistens nur durch Granaten beizukommen.

Headcrab

Liebt den engen Körperkontakt und saugt sich liebend gerne an fremden Köpfen fest. Kann gut austeilen, aber wenig einstecken. Meistens reicht ein gezielter Hieb mit der Brechstange, um ihm den Garaus zu machen.

Zombie

Sobald ein Headcrab einen Menschen unter seiner Kontrolle hat, lässt er sein Opfer zum Zombie mutieren. Ihre mächtigen Schläge können Gordon durchaus zu Boden zwingen. Allerdings sind Zombies nicht nur langsam, sondern auch extrem dumm. Von einem toten Zombie löst sich automatisch der dazugehörige Headcrab, weshalb direkte Schüsse auf den Kopf ratsam sind.

Fast Zombie

Extrem schneller Zombie, der im Gegensatz zu seinem Kollegen nicht im Rudel auftritt. Springt bevorzugt von Dach zu Dach und ist deswegen auf weite Entfernung schwer zu treffen.

Manhack

Dieser fliegende Roboter verpasst seinen Opfern mit seinen scharfen Klingen ruckzuck einen neuen Haarschnitt. Ist schnell und wendig, hält aber nicht viel aus.

Ant Lion

Diese außerirdische Spezies tritt abwechselnd als Feind und Freund auf. Wer über Duftbeutel verfügt, kann den Ant Lion zu jedem x-beliebigen Punkt schicken und so mit etwas Geschick gegen Feinde einsetzen.

Striders

Diese bis zu 15 Meter hohen Ungetüme sollte man lieber nicht in einem offenen Kampf herausfordern.

Mit einer Laserkanone und Maschinengewehren ausgestattet durchlöchert der Strider sein Ziel innerhalb kürzester Zeit. Zudem verfügt er über eine starke Panzerung und erst mehrere Treffer mit dem Raketenwerfer bringen ihn zu Fall.

Feuer frei

Damit all diese Gegner für Gordon zu keinem ernsthaften Problem werden, kann der Spieler im Verlaufe des Spiels auf die unterschiedlichsten Waffen zurückgreifen. Welche dies unter anderem sind, zeigen wir Euch in einem kurzen Überblick:

Brechstange

Das Markenzeichen von Gordon Freeman darf natürlich auch in Half-Life 2 nicht fehlen. Verteilt nicht allzu viel Schaden, ist aber immer einsetzbar. Besonders geeignet gegen Headcrabs und fliegende Robotereinheiten.

Pistole

Gut einsetzbare Waffe gegen Combine-Soldaten und kleinere Aliens. Aufgrund seiner geringen Durchschlagskraft nur bedingt geeignet.

Magnum

Im Gegensatz zur Pistole richtet die Magnum unglaublich viel Schaden an. Da Munition für die Magnum rar ist, kann sie leider nur selten zeigen, was in ihr steckt.

Maschinenpistole

Dank ausreichend Munitionsquellen ist die Maschinenpistole eine Allzweckwaffe. Die hohe Feuerrate gleicht die vergleichsweise geringe Durchschlagskraft wieder aus. Verzieht auf Entfernung extrem.

Schrotflinte

Ein gezielter Schuss auf den Kopf genügt, um einen Zombie samt Headcrab auszuschalten. Im Nahkampf eine unschlagbare Waffe, auf Distanz verständlicherweise nicht zu gebrauchen.

Raketenwerfer

Der Raketenwerfer ist die einzige nützliche Waffe gegen Helikopter und Striders. Da das Magazin nur drei Schuss umfasst, sollte man mit der Munition sehr sparsam umgehen und sie nicht unnötigerweise für Soldaten oder Aliens verschwenden.

Armbrust

Dank Zielfernrohr auf Entfernung die beste Waffe. Die langsame Fluggeschwindigkeit macht präzises Zielen erforderlich. Wegen Munitionsarmut keine Allzweckwaffe.

Volle Deckung

Für Half-Life 2 versprach Valve eine ausgefeilte Künstliche Intelligenz (KI). Dies ist allerdings leider nur teilweise gelungen. Einerseits werfen gegnerische Combine-Soldaten Granaten, gehen in Deckung und ziehen sich im Notfall teilweise zurück.

Andererseits machen die eigenen Mitstreiter öfters Probleme. Das eigene Team blockiert gerne Türen oder Treppen, die Käfer mögen es anscheinend warm und laufen durch Feuer, obwohl es auch einen sicheren Weg gibt. Zwar ist die KI trotzdem besser als die jedes anderen Egoshooters, trotzdem wäre da mehr möglich gewesen.

Aus deutsch mach englisch

Die deutsche Version von Half-Life 2 unterscheidet sich von der Original-Fassung nur bei der Sprachausgabe und den Menüs. Restliche Inhalte wie beispielsweise die Gewaltdarstellung sind gleich.

Für die deutschen Stimmen der verschiedenen Charaktere wurden glücklicherweise ausschließlich professionelle Synchronsprecher engagiert, die ihre Arbeit mehr als ordentlich machen.

Wer dennoch die englische Sprache bevorzugt, kann dank der oft gescholtenen Plattform Steam innerhalb weniger Sekunden die Sprache umstellen.

Und dafür ist es nicht einmal erforderlich, die Kampagne komplett neu zu beginnen - das Spiel lässt sich zu jedem Zeitpunkt der Story von Deutsch auf Englisch oder umgekehrt stellen. Darüber hinaus können zusätzlich andere Sprachpakete kostenlos heruntergeladen werden – Immerhin ein Vorteil, den Steam mit sich bringt.

Sonnen- und Schattenseiten

Die Vorteile von Half-Life 2 gegenüber Genrekollegen wie Doom 3 oder Far Cry liegen für jeden deutlich sichtbar auf der Hand: Sowohl Grafik- als auch Physik-Engine gab es in dieser Qualität noch nicht. Kein anderes Spiel kann technisch mit Half-Life 2 mithalten. Die abwechslungsreichen und stimmungsvollen Episoden sind das „Tüpfelchen auf dem i“ eines absolut gelungenen Top-Titels. Die Episoden haben allerdings auch ihre Macken. Jede Episode ist in mehrere Sektoren unterteilt, wie man sie aus Spielen wie Deus Ex kennt.

Die dabei auftretenden Ladezeiten sind nicht einmal das Problem, sondern der Spielablauf innerhalb der Sektoren. Zwar unterscheiden sind alle Episoden voneinander, die einzelnen Sektoren sind manchmal aber etwas monoton. Im Hovercraft sitzend flieht Gordon in fast allen Levelabschnitten vor Helikoptern, fliegt über Rampen durch die Luft und betätigt Schalter, um ein Tor oder eine Schleuse zu öffnen. Was am Anfang noch Spaß macht, wird auf Dauer schnell langweilig.

Fazit

Prägt Euch jedes einzelne Bit und Byte dieses Spiels genau ein. Half-Life 2 ist derzeit das Maß aller Dinge, und künftige Spiele müssen sich an ihm messen. Die Messlatte für Grafik- und Physikengine liegt nun um einiges höher als noch am Montag, lässt die für Innovation allerdings unangetastet. Ich hätte mir nur eine neue, vielschichtigere Story für Half-Life 2 gewünscht. So ist es eine nette Weiterführung des ersten Teils, hat aber einige Prozentpunkte verschenkt.

Half-Life 2 [PC , Justgamers]

Ist der Artikel hilfreich? Dann bookmarken Sie ihn bei:

Hilfe?

Copyright © 2007 Next Idea GmbH. Alle Rechte vorbehalten.

Copyright © 2007 Yahoo! Alle Rechte vorbehalten.