Gesamtwertung81%/10 |
GrafikSehr gut SoundSehr gut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Jetzt nochmal bitte langsam!
Episode One, das Standalone-Addon zum Shooter-Primus Half-Life 2, setzt genau da an, wo das Hauptprogramm geendet hat. Die Zitadelle in City 17 steht kurz vor der Zerstörung, Alyx scheint bei der Explosion ums Leben gekommen zu sein. Mit diesem fiesen Cliffhanger wurden die Spieler bei Half-Life 2 aus dem Singleplayermodus gerissen. Das Addon klärt uns nun auf - stellt dabei jedoch noch mehr offene Fragen in den Raum als den Fans lieb sein dürfte.
Fakt ist: Alyx stirbt nicht bei der Explosion, sondern wird im letzten Moment von mysteriösen, dennoch freundlich gesinnten Aliens per Teleport vor dem sicheren Tod gerettet. Gordon, unser Alter Ego, wird durch die Wucht der Detonation unter allerlei Schutt begraben und von Alyx und ihrem Roboter 'Dog' befreit. Ein großes Problem stellt sich nun: Der Kern der Zitadelle steht kurz vor dem absoluten Fallout, was den sicheren Exitus der gesamten Stadtbevölkerung bedeuten würde.
War es im Hauptprogramm also noch das Ziel, die Zitadelle in Schutt und Asche zu legen, so müssen wir selbige nun wieder in Ordnung bringen, was auch das Kernstück der ersten zwei Kapitel von Episode One darstellt. Im Innern des Komplexes angekommen, erwarten uns gleich mehrere Combine-Truppen, die wir leider nur provisorisch erledigen können, da anfangs nur die Gravity Gun zur Verfügung steht. Weitere, bereits aus Half-Life 2 bekannte, Waffen gibt es erst im späteren Verlauf des Spiels. Neue Schießprügel gibt es leider keine.
Nachdem wir den Zustand des Zitadellenkerns wieder stabilisiert haben, heißt es nun, die Beine in die Hand nehmen und den Rückzug antreten. Die Verstärkung unserer Feinde lässt garantiert nicht lange auf sich warten und auch die ungeliebten Zombies wollen wieder an unserem Fleisch nagen. Also nichts wie raus hier!
Die Besonderheit an Episode One liegt darin, dass Ihr ungefähr 90% des Spiels zusammen mit Alyx unterwegs seid, der im Addon eine wesentlich größere Rolle zukommt, als es beim Hauptprogramm der Fall war. Daraus ergeben sich spannende und fordernde Gefechte mit den Feinden, getreu dem Sprichwort 'Eine Hand wäscht die andere'. Zum Glück macht uns die KI anders als in vielen Fällen hier keinen Strich durch die Rechnung: Alyx hat nur sehr selten Probleme, an Hindernissen vorbei zu kommen und stellt mit ihrer präzisen Feuerkraft definitiv eine Hilfe für den Spieler dar.
Mehr Schockeffekte und weniger Umfang!
Ebenfalls etwas anders gestalten sich die Missionen: Man könnte meinen, die Herren von Valve seien riesige Doom 3-Fans. Vor allem am Anfang des Spiels tappst man durch sehr schlecht beleuchtete Räume. Hilfe schafft da nur die Taschenlampe, die allerdings von den Batterien Eures Schutzanzuges abhängig ist und ständig aufgeladen werden muss.
Ergo: Die Gefechte in den Parkhäusern zu Anfang des Spiels sind kein Zuckerschlecken und der ein oder andere Schockeffekt bietet sich bei so einer mageren Beleuchtung geradezu an.
Später geht es dann aber wieder kurz raus an die frische Luft: So dürfen wir Rebellen bei Anschlägen helfen, ein mutantenverseuchtes Krankenhaus säubern, Zivilisten eskortieren oder auf einem scheinbar verlassenen Bahnhof gegen einen meterhohen und bis an die Zähne bewaffneten Strider kämpfen. Die Palette an verschiedenen Zielen ist mehr als ausreichend und die gebotene Abwechslung macht Spaß - zumindest solange, bis man vom Spiel wieder mit einem fiesen Cliffhänger als Hinweis auf Episode Two aus dem Geschehen gerissen wird.
Und das ist leider schon nach vier bis fünf Stunden der Fall: Für Half-Life-Fans der absolute Horror! Der Wiederspielwert ist trotz der interessanten optionalen Kommentare der Entwickler nur recht gering, da Episode One - wie es schon in der bisherigen Half-Life-Reihe der Fall war - vorrangig auf vorberechneten Skriptsequenzen basiert. Selbst für ein Addon ist der gebotene Umfang sehr mager, zumal auch nur ein Gegnertyp hinzugekommen ist, der so genannte 'Zombine', eine Mischung aus Zombie und Combine. Immerhin enthält Episode One den Deathmatch-Modus des ersten Half-Life-Teils auf Basis der Source-Engine.
Grafisch ist Episode One wie schon das Hauptprogramm ein wahrer Augenschmaus: Neben den fantastischen Animationen - genialer Physik-Engine sei dank - überzeugt vor allem das Design der Charaktere, wobei man vor allem die fast schon lebensechte Darstellung von Alyx hervorheben kann. Selten hatte eine Spielfigur eine derart emotionale Bindung mit dem Spieler, was durch das perfekte Zusammenspiel von Mimik und Gestik hervorragend abläuft. Dennoch muss man sich eingestehen, dass auch an der Source-Engine langsam der Zahn der Zeit nagt: Die eine oder andere matschige Textur trübt das ansonsten gelungene optische Gesamtbild.
Wie gewohnt spektakulär sind die Soundeffekte: Schon im Hauptprogramm ertönten wuchtige Explosionen und klirrende Scheiben in einer superben Qualität aus den Boxen, das Addon macht da keine Ausnahme. Einziger Wermutstropfen: Die schlechte deutsche Synchronisation kratzt an der coolen Atmosphäre. Zum Glück lässt sich die Sprache der Sprecher verändern: Wir empfehlen die gelungene englische Sprachausgabe.
Leider ist Episode One auch für Addon-Verhältnisse viel zu kurz. Das mag zwar den günstigen Preis rechtfertigen, aber ein bisschen mehr hätte es dann doch schon sein können. Vor allem, weil die Entwickler nicht einmal neue Waffen oder Multiplayermaps spendiert haben. Insgesamt stellt Episode One aber vor allem für Half-Life-Fans eine lohnenswerte Investition dar. Und auch wenn man nur nach weiterer Shooter-Kost sucht, wird man bei diesem Spiel fündig, zumal Ihr für den Genuss kein vorinstalliertes Half-Life 2 benötigt.