Gesamtwertung77%/10 |
GrafikAusreichend SoundBefriedigend |
LanzeitspaßSehr gut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Heiße Gefechte oder langweiliges Rumschieben von Icons? Hearts of Iron spaltet die Gemüter und der Nachfolger macht es nicht viel anders. Wir zeigen euch ob sich der zweite Teil besser macht und ob es sich endlich auch für Einsteiger lohnt, in dieses höchst interessante Hardcore Genre einzusteigen. Aber auch wer einfach nur Interesse am zweiten Weltkrieg hat, sollte sich dieses Review zu Hearts of Iron 2 auf keinen Fall entgehen lassen.
Wie ihr seht ist Hearts of Iron 2 äußerst penibel, wenn es darum geht, ein akkurates und vor allem detailliertes Bild des zweiten Weltkriegs abzuliefern. Für Neulinge mögen das anfangs viel zu viele neue Informationen sein, für den wahren Historiker ist es jedoch ein Festmahl mit Hunderten von Gängen. Wem der ganze Rummel jedoch zuviel wird, der kann statt des Endlosmodus auch einfach ein realistisches Szenario spielen wie z.B. die Ardennen-Schlacht oder den Kampf um den schwarzen Kontinent Afrika. Zu aller erst würde ich Nicht-Veteranen jedoch das Tutorial ans Herz legen.
Dieses erklärt euch in mehreren Abschnitten und Schritten jede Funktion, die das Spiel zu bieten hat. Geduld ist auf jeden Fall von Nöten, denn das Spiel hat eine Menge Features. Das komplizierte an der ganzen Sache: Ihr müsst die Features auch gut kombinieren können, um erfolgreiche Strategien zu entwickeln. Einfach ein paar Einheiten in ein feindliches Gebiet schicken, um dieses zu übernehmen, klappt so gut wie nie. Wer noch mehr Hilfe braucht, kann ruhig einen Blick ins ausführliche Handbuch wagen, denn dieses beinhaltet viel mehr als sinnlose Einheitenbeschreibungen und liefert viele hilfreiche Starttipps. Übrigens stammt das Werk von einem Fan der Serie höchstpersönlich und ist dementsprechend auch sehr verständlich und enthält nur wenige Fachbegriffe.
Zum einen ist das natürlich Geld, Öl für den Benzinverbrauch der Fahrzeuge, Eisen für die Produktion neuer Einheiten, Energie damit die Produktion überhaupt läuft und zu guter letzt seltene Materialien, die ebenfalls für die Produktion benötigt werden. Wie viel ihr von diesen Rohstoffe pro Tag hinzubekommt entscheidet sich durch die Anzahl der Regionen und der darin vorhandenen Rohstoffe. Um eventuelle Engpässe auszugleichen, könnt ihr jederzeit mit verschiedenen Nationen handeln. Wie und gegen was ihr handelt ist dabei allein euch überlassen. Selbstverständlich kommt es jedoch auf die Beziehung mit der jeweiligen Nation an, wie weit ihr euch aus dem Fenster lehnen dürft. Um das Verhältnis zu einer anderen Nation zu verbessern, habt ihr eine Vielzahl von diplomatischen Fähigkeiten, wie man sie bislang noch von keinem anderen Spiel her kennt. So könnt ihr beispielsweise eurem Verbündeten Geschenke machen oder einem unterwürfigen Staat das Geld aus der Tasche ziehen oder Gebietsansprüche stellen. Über längere Zeit hinweg werdet ihr immer mehr Tricks und Kniffe herausfinden was die Diplomatie anderer Länder betrifft. Um jedoch erfolgreich zu handeln, braucht ihr immer genügend Konvois denen ihr auch einen Geleitschutz zuweisen könnt. Macht ihr das nicht, hat die feindliche Armee viel leichtere Karten, euren Handel und damit auch eure Rohstoffversorgung zu unterbrechen.
Viel Zeit zum Überlegen habt ihr dann nicht mehr, denn Hearts of Iron 2 ist eines der wenigen Spiele seiner Gattung welches in Echtzeit über euren Bildschirm läuft. Übrigens bringt es nicht besonders viel, Einheiten zu produzieren, ihr müsst auch genügend Ressourcen in die Forschung stecken, denn nur so erhaltet ihr auch über einen längeren Zeitraum hinweg einen kleinen Bonus durch die moderne Technik. Außerdem müsst ihr euch erstmal durch einen hundertfach verzweigten Technologiestammbaum kämpfen bis ihr beim Tiger Panzer angelangt sein. Ressourcen Management ist das A und O.
Wer anfangs zu wenig forscht und später dann die riesige Menge an Produktionen nicht bewältigen kann, wird den Krieg schnell verlieren. Wenn jedoch alle Faktoren funktionieren, werdet ihr bald mit einer riesigen Armee über das Schlachtfeld ziehen. Das Steuern der Einheiten ist relativ simpel, so lassen sich mehrere Einheiten zu Divisionen unter der Leitung eines Kommandanten zusammenfügen und ein einfacher Rechtsklick befördert die ausgewählte Division in die angewählte Region. Alles was ihr jetzt noch festlegen müsst, ist die Art des Angriffs. Entweder startet ihr mit einer Division einen normalen Angriff und zieht andere Divisionen als Unterstützung dazu, oder ihr wählt die brachiale Methode und schickt alle verfügbaren Divisionen auf den Gegner. Das ganze lässt sich auch zeitlich aufeinander abstimmen.
Etwas komplizierter sieht es da bei den Luft- und Marineeinheiten aus. Diese haben noch viel mehr Angriffsmöglichkeiten. So könnt ihr mit euren Jägern in einem bestimmten Gebiet beispielsweise den Kanal von England patrouillieren, um dort die Luftüberlegenheit sicher zu stellen. Mit den Bombern dagegen könnt ihr Landeinheiten angreifen, Versorgungsrouten lahm legen oder ganze Städte bombardieren. Die Marine ist dagegen noch flexibler. Je nach Art der Flotte könnt ihr feindliche Konvois angreifen, U-Boote jagen oder ganze Küstenstreifen unter Beschuss nehmen.
Übrigens müsst ihr keine Angst haben, dass Einheiten die ihr 1939 erbaut habt 1942 schon nicht mehr modern sind. Durch ein System von Schiebereglern könnt ihr die industrielle Stärke eurer Nation dazu verwenden, entweder eure Einheiten aufzurüsten oder mehr Wert auf die Produktion neuer Einheiten zu legen. Je nachdem wie viele Einheiten modernisiert werden müssen oder wie viele ihr produzieren müsst, gibt es immer wieder Engpässe in eurer Versorgung. Einheiten können übrigens nur dann versorgt werden, wenn eine Landverbindung zu eurer Nation besteht. Eingekesselte Einheiten sind demnach vom Nachschub abgeschnitten, was die Werte bei Kampfkraft und Motivation selbstverständlich stark senkt. In diesem Fall hilft nur ein Befreiungsschlag von außen. Hier merkt man schon wie realistisch sich die Schlacht um die Ardennen nachspielen lässt. Selbstverständlich könnt ihr den zweiten Weltkrieg aber auch auf eine ganz andere Weise bestreiten, Strategien stehen euch jedenfalls genügend zur Verfügung.
Das Terrain ist da schon etwas vorhersehbarer. Dank vieler verschiedener Kartenmodi könnt ihr schon von vornherein sehen, welches Terrain welche Region beheimatet. So könnt ihr schon früh entscheiden wo der Einsatz von Spezialeinheiten wie beispielsweise Gebirgsjäger von Nöten ist. Diese Spezialeinheiten kommen in ihrem bestimmten Terrain schneller voran als normale Einheiten und harren zudem längere Zeit ohne Nachschub aus. Ideal für Flankenangriffe oder Angriffe aus dem Hinterhalt. Zudem besitzt Hearts of Iron 2 einen realistischen Tag und Nachtwechsel. Ihr könnt also vollkommen frei entscheiden ob ihr lieber Nacht und Nebelaktionen plant oder lieber auf der sicheren Seite bleibt und das Tageslicht nutzt.