Hearts of Iron 2

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Koch Media
Entwickler
Paradox
Erscheinungsdatum
-
Genre
Strategie
USK
12
Hearts of Iron 2 [PC , looki.de]

Gesamtwertung

77%/10

Grafik

Befriedigend

Sound

Gut

Lanzeitspaß

Sehr gut

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Gut

Hearts of Iron 2

Heiße Gefechte oder langweiliges Rumschieben von Icons? Hearts of Iron spaltet die Gemüter und der Nachfolger macht es nicht viel anders. Wir zeigen euch ob sich der zweite Teil besser macht und ob es sich endlich auch für Einsteiger lohnt, in dieses höchst interessante Hardcore Genre einzusteigen. Aber auch wer einfach nur Interesse am zweiten Weltkrieg hat, sollte sich dieses Review zu Hearts of Iron 2 auf keinen Fall entgehen lassen.

Der zweite Weltkrieg mit all seinen Details

Wir erinnern uns sicher noch wie der Geschichtslehrer uns den zweiten Weltkrieg damals in der Schule erklärt hat. Doch wie komplex das ganze wirklich war, das wissen nur sehr wenige. Klar ist, dass das deutsche Reich nicht davor zurückgeschreckt hat, ganz Europa und große Teile Afrikas und Asiens anzugreifen, aber wie ist es überhaupt dazu gekommen? Wie endete das verheerende Wettrüsten, wodurch entstand das rettende Bündnis der Alliierten? All das ist jedoch nur der Anfang mit dem sich Hearts of Iron 2 befasst. Genau wie im ersten Teil dreht sich wieder alles um den zweiten Weltkrieg und zwar von dem Moment an als das Wettrüsten begann. Bis ihr schließlich am Ende des Krieges angekommen seid, habt ihr schon viele Tage vorm PC verbracht und so ziemlich jede Schlacht, die in echt stattgefunden hat, unter realistischen Bedingungen nachgespielt.

Wie ihr seht ist Hearts of Iron 2 äußerst penibel, wenn es darum geht, ein akkurates und vor allem detailliertes Bild des zweiten Weltkriegs abzuliefern. Für Neulinge mögen das anfangs viel zu viele neue Informationen sein, für den wahren Historiker ist es jedoch ein Festmahl mit Hunderten von Gängen. Wem der ganze Rummel jedoch zuviel wird, der kann statt des Endlosmodus auch einfach ein realistisches Szenario spielen wie z.B. die Ardennen-Schlacht oder den Kampf um den schwarzen Kontinent Afrika. Zu aller erst würde ich Nicht-Veteranen jedoch das Tutorial ans Herz legen.

Dieses erklärt euch in mehreren Abschnitten und Schritten jede Funktion, die das Spiel zu bieten hat. Geduld ist auf jeden Fall von Nöten, denn das Spiel hat eine Menge Features. Das komplizierte an der ganzen Sache: Ihr müsst die Features auch gut kombinieren können, um erfolgreiche Strategien zu entwickeln. Einfach ein paar Einheiten in ein feindliches Gebiet schicken, um dieses zu übernehmen, klappt so gut wie nie. Wer noch mehr Hilfe braucht, kann ruhig einen Blick ins ausführliche Handbuch wagen, denn dieses beinhaltet viel mehr als sinnlose Einheitenbeschreibungen und liefert viele hilfreiche Starttipps. Übrigens stammt das Werk von einem Fan der Serie höchstpersönlich und ist dementsprechend auch sehr verständlich und enthält nur wenige Fachbegriffe.

Das Schlachtfeld des zweiten Weltkriegs erstreckt sich wie erwartet über die ganze Welt. Ähnlich wie bei Knights of Honor, ist die gesamte Karte in viele kleine Regionen unterteilt. Um euren Feldzug immer erfolgreich fortzusetzen, müsst ihr mehr und mehr Regionen einnehmen. Insgesamt sind das dann zusammen mit den Seeregionen 2500. Wie ihr seht, habt ihr einiges vor euch, falls ihr es wirklich anstrebt, die ganze Welt unter eurer Flagge zu vereinen. Die Wahl der Nation ist übrigens total frei, bringt aber, was die Einheiten betrifft, nur sehr wenige Unterschiede. Dafür sind die regionalen und wirtschaftlichen Aspekte um einiges vielfältiger. Ja ihr merkt schon, Kämpfen allein ist nicht der Schlüssel zum Sieg, denn was wirklich zählt, ist das was dahinter steckt. Ohne regelmäßigen Truppennachschub versinkt euer Vormarsch schneller im Matsch als eine Zitterspinne im Treibsand. Zudem kommt der Faktor der Bevölkerung hinzu. Ist diese müde von Angriffen und Kriegen, sinkt schnell die Moral, was vor allem Auswirkungen bei die Wehrpflichtigen und die Chance von Revolutionen hat. Außerdem müsst ihr euch um fünf weitere Rohstoffe kümmern.

Zum einen ist das natürlich Geld, Öl für den Benzinverbrauch der Fahrzeuge, Eisen für die Produktion neuer Einheiten, Energie damit die Produktion überhaupt läuft und zu guter letzt seltene Materialien, die ebenfalls für die Produktion benötigt werden. Wie viel ihr von diesen Rohstoffe pro Tag hinzubekommt entscheidet sich durch die Anzahl der Regionen und der darin vorhandenen Rohstoffe. Um eventuelle Engpässe auszugleichen, könnt ihr jederzeit mit verschiedenen Nationen handeln. Wie und gegen was ihr handelt ist dabei allein euch überlassen. Selbstverständlich kommt es jedoch auf die Beziehung mit der jeweiligen Nation an, wie weit ihr euch aus dem Fenster lehnen dürft. Um das Verhältnis zu einer anderen Nation zu verbessern, habt ihr eine Vielzahl von diplomatischen Fähigkeiten, wie man sie bislang noch von keinem anderen Spiel her kennt. So könnt ihr beispielsweise eurem Verbündeten Geschenke machen oder einem unterwürfigen Staat das Geld aus der Tasche ziehen oder Gebietsansprüche stellen. Über längere Zeit hinweg werdet ihr immer mehr Tricks und Kniffe herausfinden was die Diplomatie anderer Länder betrifft. Um jedoch erfolgreich zu handeln, braucht ihr immer genügend Konvois denen ihr auch einen Geleitschutz zuweisen könnt. Macht ihr das nicht, hat die feindliche Armee viel leichtere Karten, euren Handel und damit auch eure Rohstoffversorgung zu unterbrechen.

Kernpunkt des Spiels ist jedoch natürlich nicht die Beschaffung von Ressourcen oder Handel zwischen verschiedenen Nationen, sondern selbstverständlich der Krieg selber. Aber da sich die 2500 Regionen ja nicht von alleine erobern lassen und die Nazis mit Sicherheit nicht einfach so aufgeben werden, habt ihr, bevor es richtig los geht, erstmal ein paar Jahre Zeit, um eure Armee ordentlich aufzustocken. Ansonsten werdet ihr im späteren Spielverlauf keine Chance mehr haben, Defizite wieder gut zu machen. Ihr müsst euch schon früh darauf einstellen, was für eine Art von Krieg ihr führen werdet. Baut ihr beispielsweise vorwiegend Schiffe und kümmert euch so gut wie gar nicht um eure Luftwaffe, steht ihr bei einem späteren Krieg auf Land ziemlich auf verlassenem Posten.

Viel Zeit zum Überlegen habt ihr dann nicht mehr, denn Hearts of Iron 2 ist eines der wenigen Spiele seiner Gattung welches in Echtzeit über euren Bildschirm läuft. Übrigens bringt es nicht besonders viel, Einheiten zu produzieren, ihr müsst auch genügend Ressourcen in die Forschung stecken, denn nur so erhaltet ihr auch über einen längeren Zeitraum hinweg einen kleinen Bonus durch die moderne Technik. Außerdem müsst ihr euch erstmal durch einen hundertfach verzweigten Technologiestammbaum kämpfen bis ihr beim Tiger Panzer angelangt sein. Ressourcen Management ist das A und O.

Wer anfangs zu wenig forscht und später dann die riesige Menge an Produktionen nicht bewältigen kann, wird den Krieg schnell verlieren. Wenn jedoch alle Faktoren funktionieren, werdet ihr bald mit einer riesigen Armee über das Schlachtfeld ziehen. Das Steuern der Einheiten ist relativ simpel, so lassen sich mehrere Einheiten zu Divisionen unter der Leitung eines Kommandanten zusammenfügen und ein einfacher Rechtsklick befördert die ausgewählte Division in die angewählte Region. Alles was ihr jetzt noch festlegen müsst, ist die Art des Angriffs. Entweder startet ihr mit einer Division einen normalen Angriff und zieht andere Divisionen als Unterstützung dazu, oder ihr wählt die brachiale Methode und schickt alle verfügbaren Divisionen auf den Gegner. Das ganze lässt sich auch zeitlich aufeinander abstimmen.

Etwas komplizierter sieht es da bei den Luft- und Marineeinheiten aus. Diese haben noch viel mehr Angriffsmöglichkeiten. So könnt ihr mit euren Jägern in einem bestimmten Gebiet beispielsweise den Kanal von England patrouillieren, um dort die Luftüberlegenheit sicher zu stellen. Mit den Bombern dagegen könnt ihr Landeinheiten angreifen, Versorgungsrouten lahm legen oder ganze Städte bombardieren. Die Marine ist dagegen noch flexibler. Je nach Art der Flotte könnt ihr feindliche Konvois angreifen, U-Boote jagen oder ganze Küstenstreifen unter Beschuss nehmen.

Übrigens müsst ihr keine Angst haben, dass Einheiten die ihr 1939 erbaut habt 1942 schon nicht mehr modern sind. Durch ein System von Schiebereglern könnt ihr die industrielle Stärke eurer Nation dazu verwenden, entweder eure Einheiten aufzurüsten oder mehr Wert auf die Produktion neuer Einheiten zu legen. Je nachdem wie viele Einheiten modernisiert werden müssen oder wie viele ihr produzieren müsst, gibt es immer wieder Engpässe in eurer Versorgung. Einheiten können übrigens nur dann versorgt werden, wenn eine Landverbindung zu eurer Nation besteht. Eingekesselte Einheiten sind demnach vom Nachschub abgeschnitten, was die Werte bei Kampfkraft und Motivation selbstverständlich stark senkt. In diesem Fall hilft nur ein Befreiungsschlag von außen. Hier merkt man schon wie realistisch sich die Schlacht um die Ardennen nachspielen lässt. Selbstverständlich könnt ihr den zweiten Weltkrieg aber auch auf eine ganz andere Weise bestreiten, Strategien stehen euch jedenfalls genügend zur Verfügung.

Wer jetzt glaubt, das wäre schon alles, der irrt. Immerhin handelt es sich bei Hearts of Iron 2 nicht um ein lumpiges „Schere, Stein, Papier“- Prinzip sondern auch höhere Ereignisse beeinflussen die Angriffe eurer Truppen. So spielt zum einen das Terrain eine wichtige Rolle, zum andern kann euch aber auch das Wetter einen Strich durch die Rechnung machen. Es kann also passieren, dass kurz vor eurer großen Luftwaffenoffensive das Wetter so schlecht wird, dass eure Flugzeuge nicht mehr starten können. Aber auch Schnee und Matsch kann euren Infanterie-Vorstoß stark behindern, und wenn es noch blöder läuft, bleibt eure Flotte in einem Sturm stecken.

Das Terrain ist da schon etwas vorhersehbarer. Dank vieler verschiedener Kartenmodi könnt ihr schon von vornherein sehen, welches Terrain welche Region beheimatet. So könnt ihr schon früh entscheiden wo der Einsatz von Spezialeinheiten wie beispielsweise Gebirgsjäger von Nöten ist. Diese Spezialeinheiten kommen in ihrem bestimmten Terrain schneller voran als normale Einheiten und harren zudem längere Zeit ohne Nachschub aus. Ideal für Flankenangriffe oder Angriffe aus dem Hinterhalt. Zudem besitzt Hearts of Iron 2 einen realistischen Tag und Nachtwechsel. Ihr könnt also vollkommen frei entscheiden ob ihr lieber Nacht und Nebelaktionen plant oder lieber auf der sicheren Seite bleibt und das Tageslicht nutzt.

Nun zum wohl abschreckensten Problem von Hearts of Iron 2. Wie ihr sicher bemerkt habt, ist das Spiel bis ins kleinste Detail durchdacht, nur die Präsentation lässt stark zu wünschen übrig. So befindet ihr euch die ganze Zeit auf einer farbenschwachen Übersichtskarte und seht wie sich spärlich animierte Einheiten in Icon-Form über die Regionen schlängeln. Eine detaillierte Ansicht des Schlachtfeldes bekommt ihr nie zu Gesicht und alles was ihr von der Schlacht seht, ist ein Balken der sich je nach Kampfkraft für euch oder den Gegner entscheidet. Ist der Balken an einem der beiden Enden angekommen, ziehen sich eure Truppen je nachdem zurück oder haben die Region übernommen. Die einzelnen Menüs sind zwar zweckmäßig und meistens auch anschaulich aufgebaut, wer aber nicht genügend Geduld mitbringt, wird den Titel leider schnell links liegen lassen. Leider genauso mager präsentiert sich der Sound, der an Effekten sehr gespart hat. Zwar ist die Musik stilgerecht, geht jedoch selbst Fans der Ära schnell auf den Wecker. Sehr schön sind jedoch die Schwarz-Weiß-Aufnahmen der vielen Einheiten bei deren ausführlicher Beschreibung. Wer sich jedoch mit der technischen Schwäche zufrieden geben kann oder sich sogar über die daraus resultierenden Hardwareanforderungen freut, sollte Hearts of Iron 2 auf jeden Fall eine Chance geben.

Fazit

Wie erwartet ist Hearts of Iron 2 ein klassisches Zielgruppenprodukt. Statt auf aufwändige Präsentation wird bei dem Spiel wirklich auf das gezählt auf das es ankommt, nämlich ein durchdachtes und ausgereiftes Gameplay. Jede Aktion hat sofort Auswirkung auf eure gesamte Kriegsmaschinerie und die zwar langwierigen aber durchaus spannenden Schlachten können manchmal mehr zum Denken anregen als eine Partie Schach. Gerade wenn ich glaube den Gegner besiegt zu haben, überrascht mich die exzellente K.I. mit einem neuen Manöver mit dem ich nicht gerechnet hab.

Trotz allem muss leider jeder selber entscheiden ob er den Einstieg in dieses Hardcore Strategie Genre wagen will. Fans können jedoch auf jeden Fall zugreifen und werden wohl eines der Referenztitel der nächsten Jahre in den Händen halten, wenn es darum geht, den Krieg so detailgetreu darzustellen wie möglich. Wer nach diesem Review dennoch Lust auf den Titel bekommen hat sollte sich auf keinen Fall die Demo entgehen lassen, bedenkt jedoch, dass diese nur einen sehr kleinen Bruchteil der später möglichen Features enthält.

Hearts of Iron 2 [PC , looki.de]

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