Heinzeljagd

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Modern Games
Entwickler
BWM Software
Erscheinungsdatum
-
Genre
Andere
USK
6
Heinzeljagd [PC , looki.de]

Gesamtwertung

25%/10

Grafik

Mangelhaft

Sound

Befriedigend

Lanzeitspaß

Ungenügend

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Gut

Heinzeljagd

Manche Spiele sind eine wahre Wohltat für so manchen Redakteur, da dieser sich in mehr als einer Hinsicht austoben kann. Das Spiel sorgt für Action und das Schreiben des anschließenden Tests geht flott von der Hand… meistens zumindest. Denn manchmal sitzt der Redakteur sprachlos und mit aufgeklapptem Mund vor dem Monitor und starrt ungläubig auf das, was sich gerade vor seinen Augen abspielt.

Unbeschreiblich...

Ein Tatsachen-Bericht

Samstag 20. September 2003

08:30 Uhr

„Öhmmm….?“ raune ich dem Postboten entgegen, nachdem der jüngst überreichte dicke Briefumschlag geöffnet und der Inhalt inspiziert wurde: Die Heinzeljagd.

Noch schlaftrunken und leicht verkatert lässt sich der Redakteur wenige Minuten später auf seinen PC-Stuhl fallen, startet seinen Rechner quasi instinktiv mit einer kurzen Handbewegung und richtet seine rot geränderten Augen auf die Spielverpackung. „Das kann ja heiter werden“ ist mein einziger, dafür aber prophetischer Kommentar.

Alleine schon die Features, die auf der Rückseite des Spiels angepriesen werden, ließen in mir den Wunsch aufkommen, mich wieder ins warme Bett zu legen und weiter zu schlafen. Doch pflichtbewusst, wie der Schreiber dieser Zeilen nun mal ist, stürzte ich mich in den Test, damit Ihr, werte Leserschaft, voll und gänzlich objektiv über Heinzeljagd in Kenntnis gesetzt werden könnt.

08:40 Uhr

Dem Tester dämmert während der Installation, dass im Grunde Moorhuhn von Phenomedia an der ganzen Sache Schuld hat. Damals, im letzten Jahrtausend, dachte man sich, es wäre sicherlich lustig, mit einem Schrotgewehr innerhalb einer festgesetzten Zeit auf dusseliges Federvieh zu schießen, um dafür Punkte zu erhalten. Wie Recht die Entwickler mit ihrer Idee doch hatten, denn halb Deutschland spielte bald wie blöd dieses kleine, kostenlose Game – selbst am Arbeitsplatz! Kleine Firmen und große Konzerne jammerten daraufhin, dass die lieben Angestellten lieber virtuelle Eierleger abknallen als zu arbeiten, um so das Bruttosozialprodukt in diesem unserem Land zu steigern. Jetzt wissen wir wenigstens, wieso Deutschland heute so pleite ist… Da Installationsprozeduren immer langweilig sind, betrachte ich Tester-Held die Verpackung ein weiteres Mal… oh!... da ist ja ein Goodie beigelegt. Ein so genannter Stresstester im Scheckkartenformat, bei dem man angeblich seinen momentanen Stresslevel ablesen kann, wenn man seinen Daumen zehn Sekunden lang auf ein auf der Karte aufgebrachtes Feld presst. „Da mach ich mal“ denk ich mir und papp meinen schwieligen Daumen auf das Feld. Ah… es färbt sich grün, das bedeutet: „Du bist ziemlich ausgeglichen. Mal sehen, ob dich die Heinzel provozieren können – Du alte Kotztüte!“ Du meine Güte... was für ein Brüller!

08:43 Uhr

Das Spiel ist endlich installiert… der Tester nimmt all seinen Mut zusammen und startet das Spiel. Ja, genau SO stellt man sich Motivationsaufbau auf… man möchte am liebsten bereits nach 2 Sekunden irgendwas abschießen, egal ob Heinzel, Moorhuhn oder… irgendwas oder irgendwen anderes! Die Musik ist nämlich lustig.

Hahaha… Man nehme die Melode von „Ich wollt’ ich wär’ ein Huhn“ aus dem Jahre 1936 und verfeinere ihn mit einem neuen Text „Ich wollt’ ich wäre tot, ich hätte keine Not…“, wobei der Text besonders schrill, ähnlich einem schlecht eingestimmten Kastratenchor, gesungen wird, gepaart mit einem pixeligen Video eines Gartenzwerges im Weihnachtsmann-Outfit… ja, der Wunsch zum Töten steigt ins Unermessliche!

08:45 Uhr

Puh… Endlich im Spiel oder zumindest im Hauptmenü. Tja, was soll man sich zuerst anschauen? Die Highscoreliste? Die Credits oder gar der „Zurück zu Windows“-Knopf? Hmmmm, alles sehr sehr einladend. Vor allem der Riesen-Zwerg im Hintergrund mit dem „Kill me“-Schriftzug auf dem Bauch. Hey, sein Wunsch kann erfüllt werden! Aber zunächst soll entschieden werden, ob man ein Zeit- oder ein Preisschießen absolvieren möchte.

Der Unterschied? Nun, beim Zeitschließen darf/muss/soll man innerhalb eines festgesteckten Zeitrahmens und ohne Munitionsbeschränkung so viele Heinzel wie möglich in eine andere Daseinsform ballern. Im Preisschießen ist es genau umgekehrt. Man kann sich Ewig und drei Tage Zeit lassen, um insgesamt zehn Heinzel zu jagen, allerdings muss man sich das Schießgerät und die Munition vorab in einem Waffenladen kaufen.

Neben einem Schrotgewehr hat der nette Waffenhändler von nebenan noch ein Sniper-Gewehr, ein MG und einen Granatwerfer im Sortiment. Nicht vergessen, die Munition einzukaufen, denn wenn die Muni alle ist, ist das Preisschießen vorbei!

08:50 Uhr

„Ziemlich moorhuhnmäßig“ schießt es dem Schießer und Schreiber dieser Zeilen beim Spiel von Heinzeljagd durch den Kopf. Ein bisschen Landschaft, jede Menge potenzielle Opfer und eine Waffe. Gut, man kann sich um 360° drehen, womit man einen größeren Spielbereich hat, aber weitere Bewegungen wie etwa nach vorn oder nach hinten sind nicht möglich.

Punkte gibt es, wenn man einen der Zwerge ins Jenseits befördert, allerdings gibt es mehr Punkte, je weiter der Zipfelmützenträger vom Schützen entfernt steht und ob er Angst hat. Ja, genau… ANGST….. Harhar.

Die kleinen Scheißer rennen nämlich wie von der Tarantel gestochen davon, wenn man einen der ihren in deren Nähe die Rübe wegballert. Tja, schade nur, dass das den Jagdtrieb noch mehr steigert und man dann versucht, den Flüchtigen abzumurksen.

Schafft man das, bevor sich der Angsthase wieder beruhigt hat, bekommt man für diese Aktion mehr Punkte. Ach, auch sonst tun die Heinzel alles, um niedergemäht zu werden. Da brüllen die kleinen Spinner schon mal rüdes Zeugs wie „Fick dich…. – Nein, mich!“ oder „Wie geht es deinem Genitalherpes?“, während man ein weiteres Mal verwundert nach der Spieleverpackung greift und sich über die Jugendfreigabe „Ab 6 Jahren“ wundert. Oh, da streckt mir einer der Heinzel gerade seinen nackten Arsch entgegen… Zielen, PENG… harharhar.

Gleicher Tag, nur später

23:52 Uhr

Alkohol… lalala… heute war Party *hicks*. Un’ da dachte ich so bei mir “Ulli”, dachte ich, „zeigsch deinen Kumpels doch mal die Heinschel… äh.. Heinzeljagd“.

Gesagt getan… Rechner angeschaltet, die Heinzel gestartet… DIESE MUSIK… herrlich. Was 2 Promille ausmachen können.

0:10 Uhr

Nachbarn klingeln… wollen wissen, wieso wir Suffköppe seit 20 Minuten so laut Musik spielen. Sagte ihr „ischt keine Musik… ischt Heinzeljagd-Intro“. Wir lachen immer noch… nur leiser.

0:15 Uhr

Oha! Völlig neues Spielgefühl. Ok, wir treffen kaum etwas dank unseres Alkoholspiegels, aber hey, wir haben Spaß. Jeder Spruch der Zwerge lässt uns Grölen, jeder Treffer wird mit Punkten durch das Spiel und Flüssigem im Glas durch die Kumpels belohnt. Was für ein Spaß.

Fazit

Meine Güte. Wie soll man das Spiel nur bewerten. Im Solo-Spiel wird es nach den ersten Lachern schnell – GANZ SCHNELL!! – langweilig. Auch die Splittung zwischen Preis- und Zeitschießen bringt da nicht viel. Wenn man es aber mit mehreren - vorzugsweise leicht bis mittel alkoholisierten – Freunden spielt, entwickelt es sich zum lustigen Partyspiel. Besonders das Preis-Leistungsverhältnis passt nicht. 19,99€ für einen wenig inspirierenden Moorhuhn-Clone sind leider ein wenig zu viel. Wenn man allerdings gerade eine Party laufen hat, könnte die Heinzeljagd witzig werden. Sofern niemand auf die Tastatur kotzt….

Heinzeljagd [PC , looki.de]

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