Gesamtwertung78%/10 |
GrafikGut SoundGut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungSehr gut |
Was waren das noch für Geschichten: Diablo begeisterte wegen seiner durch und durch interessanten Story, Neverwinter Nights 2 führte komplexe Charaktere ein und Sacred bot sogar beides. Und Hellgate: London? Nun, das präsentiert in müden Cutscenes eine mehr als simple Geschichte von Monster und Dämonen, die im Jahr 2038 die britische Metropole London überrennen. Langweilig?
Garantiert nicht, das geradezu spektakuläre Intro lässt einem das Wasser im Mund zusammenlaufen und das Ausmaß der höllischen Invasion erkennen. Letzte verbleibende Widerstände haben sich im Kampf gegen die Diener des Teufels formiert. Und wir sind einer von ihnen. Wie Euer Recke dabei aussehen soll, bleibt Euch überlassen.
Mach es dir doch selbst!
Mithilfe der Charaktererstellung wählt Ihr dabei nicht nur Gesicht, Bart und Haarfarbe, sondern auch Partei und Klasse. Zur Auswahl stehen hierbei Kabbalisten, Jäger und Templer, die allesamt verschiedene Unterklassen mitbringen. Während Kabbalisten als Beschwörer oder Angriffsmagier in den Kampf ziehen, unterteilen sich Jäger in Schützen und Ingenieur. Last but not least wären da noch die Templer mit den Klassen Schwertmeister und Wächter. Das Klassengefecht erlaubt dabei nun einmal echte Unterschiede im Gameplay: Schützen ballern vorzugsweise in Ego-Perspektive mit besonderer Perfektionen.
Ingenieure errichten unter anderem Drohnen, Wächter treten mit Schild und Schwert bewaffnet in Aktion und Schwertmeister wetzen gleich zwei Klingen gleichzeitig. Beschwörer hingegen machen das was ihr Name andeutet, also dämonische Mitstreiter beschwören und Angriffsmagier decken sich mit besonderen Zaubern ein.
Anhand eines jederzeit aufrufbaren Talentbaumes dürft Ihr Euren Helden bei Erreichen einer neuen Stufe durch Erfahrungspunkte bei Erfüllen einer Quest oder dem Schnetzeln von Feinden in verschiedene Richtungen aufleveln. Neben verbesserten Angriffs- und Defensivverhalten gibt es auch noch bestimmte Zusatztalente wie Sprungattacken, die Euer Charakter erlernen kann. Obendrauf kann der Spieler unabhängig vom Talentbaum bei einer höheren Stufe noch die Werte Ausdauer, Präzision, Stärke und Willenskraft nach und nach erhöhen. Ob nun Talentbaum oder charakterspezifische Punkte: Jede Investition sei vorher gut überlegt, denn bereits vergebene Punkte und Attribute bleiben danach unwiderruflich.
Die Szenarien von Hellgate: London sind natürlich keine saftigen Wiesen, verschneite Täler, düstere Dungeons oder irgendwelche x-beliebigen Fantasy-Siedlungen mit Orks und Elfen. Nicht umsonst heißt der Zusatz London: Der RPG-Fan sollte sich also demnach mit unterirdischen U-Bahnstationen, städtischen Ruinen und teils auch mit höllischen Areale anfreunden können. Treffpunkt der Widerständler und Überlebenden sind übrigens verstreute U-Bahnhaltestellen, an denen sich der Charakter beim ansässigen Händler mit frischen Items eindeckt, bei bestimmten Personen Quests geben lässt oder sich einfach nur heilt.
Über diverse Portale gelangt Ihr dann an den Ort, der Euch in der Quest verlesen wird. Schade: Statt sämtliche Auftraggeber und sonstige NPCs bei Dialogen zu vertonen, entschied man sich leider nur für öde Texteinblendungen. Nur hin und wieder wird von einigen Figuren ein kleiner Satz abgelassen. Das raubt ein wenig Atmosphäre und lässt sämtliche Charaktere erschreckend blass erscheinen.
Zufallsgeneriert = Falsch kreiert
Habt Ihr eine Quest angenommen, wird der jeweilige Auftrag auch in der unteren Bildschirmhälfte knapp zusammengefasst, damit keine wichtige Information verloren geht. Ein Tipp: Vor den Ausflügen in die düsteren Areale außerhalb der Haltestellen unbedingt regelmäßig beim Händler vorbeischauen, da dieser recht oft frische Gegenstände und Waffen anbietet. Die Abschnitte zwischen den jeweiligen Haltestellen kreiert das Programm dabei immer wieder neu nach dem Zufallsprinzip.
Dass dabei nicht immer die Best-of-Maps des Genres herauskommen ist so sicher wie die Steuererhöhung. Im Gegensatz zu Loki: Im Bannkreis der Götter kränkeln die zufallsgenerierten Areale immerhin nicht mit Abwechslungsarmut.
Dennoch hätte es schöner gehen können: Etliche Presets werden teils bis zum Abwinken recycelt, nach dem hundertsten ausgebranntem Autowrack sollten Puristen die Innenstadt-, Tunnel- und Höllenumgebungen aber zum Halse raushängen. Während Ihr Euch bei den meisten Klassen ausschließlich in einer Art erhöhter Third-Person-Perspektive durch die Gegend bewegt, ist es bei den Jäger-Klassen möglich, das Spiel auch in der Ego-Ansicht zu bestreiten. Hellgate: London sieht dann aus wie ein waschechter Shooter, mangels Orientierung sollten Schützen und Ingenieure aber dennoch ab und zu das Geschehen bis zur 3rd-Person-Kamera herauszoomen. Nur bei Gegnern empfiehlt es sich wieder in die klassische Shooter-Ansicht zu wechseln, da man hier im Gegensatz zu den anderen Ausrichtungen zu 100% treffen muss.
Die Schwerterschwingerei geht also doch ein wenig einfacher. So oder so sind die Kämpfe in Hellgate: London aber die zweifellos schnellsten des Genres. Nicht nur, dass sich der eigene Charakter recht flott über den Screen bewegt bemerkt Euch ein Feind, ist Schnelligkeit und bei Jägern - Treffsicherheit angesagt. Geglückt ist bei der Steuerung des Helden per Pfeil- oder WSAD-Tasten das umstellende Interface. Bestimmte Aktionen sind hierbei etwa der Shift-Taste zugeordnet, wie der vorübergehende Sprint des Charakters.
Hat man jedoch noch eine weitere Shift-Funktion angegeben, wie beispielsweise die Markierung von Zielen beim Engineer -, wechselt der Button die Art der Aktion abhängig vom Geschehen. Ist der Spieler also in Bewegung und kein Dämon ist in Sicht, lässt Shift den Helden rennen. Befindet sich doch ein Monster vor Eurem Visier, wechselt die Belegung automatisch zur Markierung.
Rein- und Rauszoomen sowie Blickrichtung und Angriffe werden nach wie vor traditionell mit der Maus gehandhabt. Ein Wermutstropfen für viele Fans sollten die relativ unspektakulären, abwechslungsarmen Quests sein: Wenn Ihr gerade einmal nicht durch Horden von Fleischbergen, Untoten, schwebenden Dämonen und höllischen Skeletten metzelt und mordet, sammelt Ihr unter anderem mechanische Einzelteile zur Instandsetzung eines Portals ein, beschafft verloren gegangene Beinprothesen wieder, oder rächt Euch angestachelt von auftraggebenden NPCs an bestimmten kleineren Zwischenbossen.
Nur selten wird das Quest-Einerlei aufgelockert und Ihr befindet Euch zum Beispiel in der Psyche eines Irren oder kommandiert einen Soldatentrupp wie in einem Strategietitel durch gefährliche Szenarien. Alles in allem überwiegt jedoch die Durchschnittlichkeit der Aufträge und selbige dienen im Prinzip eigentlich nur dazu, die Handlung voranzutreiben und den Weg frei für neue Items zu machen. Hier verschenkt das Spiel enormes Potenzial: Denn warum sich für eine bestimmte Sache in den Kampf stürzen, wenn man sich nicht ausreichend damit identifizieren kann und der Erfolg der Mission von einem leidlich spannenden Text und dem ein oder anderen Gegenstand honoriert wird?
Willste mehr, zahlste mehr!
Dass was Hellgate: London im Singleplayer-Modus auch nach knapp 50 Stunden Spielzeit und einem gelungenen Outro leider nicht geworden ist, scheint es aber im Mehrspielermodus zu werden: Ein klasse Titel. Ob nun PvE oder PvP: Hellgate: London läuft online bisher recht stabil, nicht gerade selbstverständlich für solch einen Titel. Während wir uns im PvE-Modus (Player versus Enemy) gegen computergesteuerte Dämonen gemeinsam mit anderen Mitspielern zur Wehr setzen, funktioniert PvP (Player versus Player) anders.
Wie schon im Einzelspielerpart fungieren auch hier Haltestellen als Sammeltreffs für Spieler, außerhalb können jedoch Duelle ausgetragen werden. Leider gab es doch einige Mängel, die zum Verkaufsstart noch nicht ausgemerzt waren. Doch Entwickler Flagship hat sich ein Herz gefasst und kürzlich einen ersten Patch veröffentlicht. Das Update führt dabei zu einigen Änderungen. Beispielweise wurde die technische Seite etwas überarbeitet und so die Performance erhöht. Auch wurde das Balancing durch neue Talente für die einzelnen Klassen etwas ausgeglichen und lässt sich nun endlich als gut bezeichnen. Das Interface durfte ebenfalls zur Kosmetik und kommt jetzt mit einigen neuen Möglichkeiten daher. Wichtig: Hellgate: London bietet nur einen Online-Mehrspielermodus, LAN-Fans bleiben also außen vor. Zudem bleibt der Part nicht ganz kostenlos, wenn man wirklich alle Inhalte des Titels geniessen will. Leute, die sich gegen weitere, monatliche Investitionen entscheiden können beispielsweise weniger Charaktere für den MP-Modus erstellen, haben weniger Gegenstandslager, weniger Möglichkeiten zur Individualisierung der Figur und es können keine Gilden gegründet werden. Zudem müssen Nicht-Zahler auf exklusive Quests und Items verzichten. Der Subscriber Mode liegt in europäischen Breitengraden bei 9,95 pro Monat liegen. Der Preis ist somit höher als in Amerika angesiedelt, denn dort zahlt man nur 9,95 US-Dollar.
Optisch präsentiert sich Hellgate: London nicht ganz so gut wie bisher vermutet: Die zufallsgenerierten Areale sind nicht wirklich hässlich, wirken aber größtenteils leer gefegt und aus bekannten Objekten zusammengewürfelt, auch wenn sich das Programm sichtlich Mühe gibt, eben dies zu verhindern. Alles in allem gibt sich das Gebotene aber dennoch äußerst atmosphärisch und stimmig. Der dreckig-urbane Look auf der Oberfläche und in den U-Bahntunneln ist vorzüglich, der Detailreichtum der NPCs und Feinde recht gelungen. Auch die teils knallbunten, grafischen Spezialeffekte befinden sich auf einem hohen Niveau trotzdem hätte da noch mehr gehen können. Über die überraschend wortkargen Figuren haben wir uns ja schon ausgelassen, wenn gequatscht wird, dann mit Ausnahme der Sequenzen - äußerst kurz und etwas übertrieben, aber immerhin in deutscher Sprache. Akustisch gibt sich Hellgate: London ansonsten überzeugend: Wuchtig-intensive Kampfeffekte und passende Musikstücke untermalen das apokalyptische Szenario auf einem ordentlichen Level.
Bei XBlaster ist die Welt, wie wir sie kennen, Vergangen- heit. Als Mechpilot kämpfst Du zur Belustigung der Menge und monatlich 10.000 € zum Spiel...
Hellgate: London im Test.
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