Hired Guns: The Jagged Edge

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Peter Games
Entwickler
GFI Russia
Erscheinungsdatum
-
Genre
Andere
USK
16
Hired Guns: The Jagged Edge [PC , looki.de]

Gesamtwertung

70%/10

Grafik

Gut

Sound

Befriedigend

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Gut

Hired Guns: The Jagged Edge

Wenn eine Spielereihe gefragt ist, in der man gut bezahlte Söldner durch die Gegend scheuchen konnte, werden sich viele alteingesessene Hasen unter uns sicherlich noch mit Genuss an die Jagged Alliance-Serie erinnern. Kein Wunder, so schlug der erste Teil im Jahr 1994 doch ein wie eine Bombe und konnte vor allem Taktiker überzeugen. Dicht gefolgt erschien im nächsten Jahr das als Version 1.5 betitelte Addon Deadly Games, dass statt einer grafischen Politur lieber neue Features ins Geschehen integrierte. Danach war erst einmal Ruhe mit dem Söldnerdasein.

Nach vier Jahren Pause meldete sich Jagged Alliance mit einer dicken „2“ im Namen zurück im Spielebusiness und erweiterte die Serie sinnvoll mit einem rundum verbesserten Gameplay, einem riesigen Umfang und einer nicht-linearen Handlung – nicht umsonst gilt Teil 2 als Bester der Reihe. Wir könnten diesen Überblick jetzt nun noch ausweiten – machen wir aber nicht, denn schließlich wartet Hired Guns: The Jagged Edge ja schließlich noch auf seine Rezension.

Charaktererstellung einmal anders...

Ursprünglich als Jagged Alliance 3D gehandelt, musste der Name durch Rechtsstreitigkeiten wieder verändert werden – der offizielle dritte Teil soll nun über Akella Ende diesen Jahres erscheinen.

Kenner der Serie lassen sich vom geänderten Titel jedoch nicht täuschen: Hired Guns spielt im fiktiven Staat Diamantküste, in dem wir den Stuhl des Präsidenten gewaltsam neu besetzen sollen. Aber immer schön langsam: Zuerst checken wir E-Mails des Auftraggebers, erhalten ganz nebenbei ein Passwort für eine Söldnerbörse – „xep624“ für alle, die es nicht finden sollten, JA-Kenner erleben hingegen ein Déja-Vù - und dürfen dann entscheiden, ob wir uns vorgefertigte, aber nicht gerade günstige Freiberufler angeln oder dank des ergatterten Passwortes einen Killer nach eigenem Gusto erstellen.

Na gut, so ganz offensichtlich ist die Charaktererstellung dann doch nicht: Immerhin werden uns – gemessen an das Metier - recht ungewöhnliche Fragen gestellt, zum Beispiel welchen Superhelden wir gerne wären, wenn wir die Wahl hätten. Was das mit der fertigen Figur zu tun hat, bleibt uns Hired Guns allerdings schuldig. Sei es drum, am Ende des recht kuriosen, aber immer gleichen Fragebogens dürfen wir Punkte auf Fähigkeiten vergeben – mit dabei sind unter anderem Skills als Sanitäter und Schütze.

Und dann darf es auch schon ans Eingemachte gehen: Damit der erstellte Typ nicht schutzlos in den Kampf zieht, dürfen natürlich Schießprügel mitsamt Munition, sowie Westen und Helme eingekauft werden. Gerade hier übertreibt es Hired Guns aber ein wenig mit dem Anspruch: Munition wird nicht zur gekauften Waffe gezeigt und auch nicht umgedreht. Soll heißen, mit viel Pech kauft Ihr die falsche Munition – nur wer genau liest, entdeckt Hinweise nach Kaliber und Kugelanzahl des Clips. Wer es falsch macht, ist erst einmal aufgeschmissen und es kann vorkommen, dass Ihr nun ohne jede Bewaffnung auf dem Spielfeld steht – kein schöner Moment, mit heruntergelassenen Hosen wieder aus dem Geschehen gekickt zu werden! Das kann Euch bei vorgefertigten Söldnern jedoch nicht passieren: Im Idealfall kauft Ihr deren Ausrüstung gleich mit und könnt gegebenfalls ergänzen – aber nur wie gesagt im Idealfall, denn die an sich unterschiedlichen, aber stets gleichen Presets sind nicht nur teurer als eine Eigenkreation, sondern verweigern auch nicht selten den Einkauf, vor allem dann, wenn Ihr Euch als Anführer bisher nicht gerade mit Ruhm bekleckert habt.

Wer sich also allzu doof anstellt, kann irgendwann keine Presets mehr anheuern, sondern muss sich solange auf Kreationen aus dem Eigenbau verlassen, bis er seinen Ruf verbessert hat. Viel zu lange Rede, recht kurzer Sinn: Ab ins eigentliche Spiel! Und schon gleich eine Schelte: Hättet ihr lieben Entwickler bitte die Introsequenz weglassen können? Das Gezeigte ist hässlicher, pixeliger und ruckeliger als man das von einer Sequenz des Jahres 2008 erwarten dürfte, ein Beweisbild lässt sich in unserer Galerie finden. Nur gut, dass die Ingame-Optik von Hired Guns weitaus hübscher ist. Wie schon die JA-Serie setzt auch The Jagged Edge vollständig auf Rundenstrategie – allerdings nur in Kämpfen. Seid Ihr nicht in Konflikte involviert, dürft Ihr Eure angeheuerten Söldner wie einem stinknormalen Echtzeittitel über das Schlachtfeld schicken. Das kommt ehrlich gesagt jedoch äußerst selten vor, da schon früh Feinde auf der Karte auftauchen, manchmal gar direkt zu Beginn. In alter Serientradition dürfen natürlich auch neutrale Kämpfer und zivile NPCs nicht fehlen – von ersteren gibt es nicht selten Rückendeckung, zumindest solange Ihr sie nicht angreift.

Erst nachdenken, dann scheitern...

In der ersten Mission dürfen wir nach einem Gespräch mit einem Eingeborenen und 5.000 US-Dollar Verlust im Sparschwein fortan auf Euren Jeep zurückgreifen, der uns den Wechsel zwischen den eigentlichen Schauplätzen ermöglicht. Bevor wir die aktuelle Lokalität jedoch verlassen, müssen wir entweder als Sieger oder Verlierer vom Feld – so oder so: Der Kampf muss zuerst entschieden werden. Dabei ist uns die Übersicht jedoch manchmal ein Dorn im Auge. So hätten wir uns noch weiter entfernte Zoomstufen gewünscht, um wirklich sinnvoll taktieren zu können. Naja, immerhin drängt uns kein Zeitlimit und wir dürfen uns gut unseren nächsten Zug überlegen. Das Einzige, was den Handlungsspielraum eingrenzt sind die sogenannten Aktionspunkte (AP).

Die benötigt Ihr unter anderem fürs Schießen, Laufen und das Durchsuchen getöteter Feinde. Wer denkt, er könnte Punkte sammeln, wenn er eine Runde aussetzt, irrt dabei gewaltig. „Wage ich nun einen Schuss aus der Hocke oder verschwinde ich lieber und lasse meine Kollegen den Rest erledigen?“ So oder so ähnlich könnte eine der Fragen lauten, die Ihr Euch in den Kämpfen stellt.

Des Weiteren stehen Fähigkeiten wie „Maximales Zielen“ oder ein Wechsel vom Single Shot zum Burst zur Wahl, die aber natürlich mehr AP kosten. Doch seid auf der Hut: Es kommt recht häufig vor, dass Eure Recken nicht treffen – eine Wahrscheinlichkeitsanzeige bleibt uns Hired Guns jedoch schuldig, es bleibt Euch nur das Ausprobieren. Und das dauert in einem solchen Titel nun einmal recht lange. Wer einen schnelles Spiel für zwischendurch sucht, ist hier also definitiv an der falschen Adresse. Wer aber Herausforderung über Tage und Wochen hinweg sucht, wird gemessen an den Umfang mehr als fündig.

Wie gesagt, gemessen an den Umfang, denn The Jagged Edge ist nicht gerade einfach, auch wenn sich die künstliche Intelligenz nicht immer von ihrer Schokoladenseite zeigt und zuweilen merkwürdige Aktionen an den Tag legt, anstatt uns anzugreifen. Es ist aber immerhin realistisch, auf Friendly Fire zu setzen: Acht geben lautet also die oberste Devise, wenn zum Beispiel ein Söldnerkollege in der Schussbahn oder im möglichen Detonationsradius steht.

Gerade bei Letzterem solltet Ihr gut auf Eure AP achten: Habt Ihr nicht genug, kann es auch vorkommen, dass Ihr Euch das Ei vor die eigenen Füße werft. Immerhin dürft Ihr nach Beliebem speichern und laden. Zusätzlich sichert das Spiel Euren Fortschritt bei Betreten einer Location separat.

Technisch zeigt sich Hired Guns: The Jagged Edge besser als erwartet: Die Umgebungen wirken hübsch und können mit einer zuweilen tollen Vegetation überzeugen – Eure Söldner bewegen sich dabei stets geschmeidig durch die Szenerien, auch wenn die ein oder andere Drehung arg gekünstelt wirkt. Löblich auch, dass nicht alle Schauplätze gleich aussehen und mit unterschiedlichen Tageszeiten aufwarten können. An einer Stelle des Spiels dürfen wir zum Beispiel eine Touristengruppe aus den Händen von Bad Guys befreien – oder umnieten und selbst ausrauben, Ihr entscheidet! Akustisch mag das Spiel kein Reißer sein, kann jedoch mit ein paar guten Effekten und einer anfangs guten Musik glänzen – Letztere ist auf Dauer jedoch zu monoton.

Fazit

Das ist er also, der offizielle, pardon, inoffizielle Nachfolger zu Jagged Alliance 2. Ich gebe ehrlich zu: Die ersten zwei Teile haben mich kalt gelassen - zu trocken der Spielablauf, zu hoch der Anspruch, zu bieder die kahle 2D-Optik. Bei Hired Guns: The Jagged Edge ist zwar bis auf die Grafik alles so geblieben, wie ich es als Nicht-Fan der JA-Reihe gewohnt bin, aber insgeheim hat mir das Ganze zuweilen tierisch viel Spaß gemacht. Schon alleine von der Idee bis zur Aufmachung wurde alles so, wie man sich das in der Rolle als Anführer einer Gruppe Freiberufler vorstellt. Für Einsteiger ist Hired Guns freilich zu schwer, Jagged-Kenner aber finden einen wunderbaren Einstieg in ein bekanntes Gameplay, dass sich lediglich in einem neuen Szenario versteckt hat. Fans von Rundenstrategie kommen jedenfalls mit vielen Möglichkeiten, einem großem Umfang und einer guten Atmosphäre auf ihre Kosten. Andere die damit noch nichts am Hut hatten, sollten erst Probe spielen - bevor sie letztendlich noch die falsche Munition kaufen.

Hired Guns: The Jagged Edge [PC , looki.de]

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