Gesamtwertung80%/10 |
GrafikSehr gut SoundSehr gut |
LanzeitspaßAusreichend SpieleinstiegBefriedigend |
BedienungGut |
Als IL2-Sturmovik Ende 2001 erschien, erlebte das totgeglaubte WW2-Flugsimulation-Genre eine kleine Renaissance. Hobby-Piloten aus aller Welt stürzten sich in die bis dato fast gänzlich ignorierten Luftschlachten zwischen Deutschland und der Sowjetunion an der Ostfront. Und ganz nebenbei schuf das russische Entwicklerteam 1C:Maddox mit IL2 mal eben die wohl realistischste Flugsimulation. Klar, dass da eine Ankündigung zu einer Zusatz-CD mit weiteren Flugzeugen, mehr Einsätzen und vor allem eine dynamische Kampagne nicht lange auf sich warten ließ. Doch noch kurz vor Release entschied man sich, aus IL2: Forgotten Battles ein Vollpreisprodukt zu machen.
Wer sich bei IL2 Sturmovik über die wenigen Kampagnen beschwerte, wird bei Forgotten Battles geradezu mit selbigen überrannt. Endlich kann man auf deutscher und auf russischer Seite nicht nur Jägermissionen übernehmen, sondern kann auch in Bomber und Sturzkampfbomber Platz nehmen, um dem Feind dicke Bomben auf den Kopf zu werfen, während die neu hinzugekommenen Finnen und Ungarn nur über Jagdflugzeug-Missionen verfügen.
Die Sturzkampfbomber-Kampagne der Deutschen, geflogen mit der Ju-87 Stuka, versprüht da schon etwas mehr Reiz. Zwar ebenfalls mit lächerlicher Bewaffnung ausgestattet, erlaubt uns ihre Manövrierbarkeit im Vergleich zum Horizontal-Bomber des Typs HE-111 oder des TB-3 zumindest etwas Überlebenschancen. Die russische IL2 hingegen, quasi ein fliegendes Betonbrett, was die Schadensaufnahme angeht, bietet ein völlig anderes Fluggefühl.
Die machtvolle Bordbewaffnung wird sogar mit Panzer fertig und dank der für einen derart schweren Kampfbomber außerordentlichen hohen Manövrierbarkeit sind sogar Luftkämpfe möglich.
IL2:Forgotten Battles bietet auch gleich eine Fülle an neuen steuerbaren Maschinen oder zumindest Umbauvariationen bereits bestehender Exemplare, bei denen meist nur die Bewaffung und/oder die Motorenstärke variieren, was teilweise zu unterschiedlichem Flugverhalten führt.
Die dynamische Kampagne bei IL2:Forgotten Battles krankt vor allem an der historischen Inkorrektheit der Ausgangslage der jeweiligen Kriegs-Nationen und an dem Zufallsgenerator. Nehmen wir die Finnenkampagne. Die Finnen hatten, als historische Ausgangslage, weniger Flieger als die Russen, waren also am Anfang des Krieges hoffnungslos unterlegen. Sie mussten also eine Menge Russen abschießen, allerdings bei minimalen eigenen Verlusten - in der Realität kamen auf eine abgeschossene finnische Maschine knappe 26 russische Maschinen, was daran lag, dass die Finnen besser ausgebildet waren. Bei der dynamischen Kampagne von IL2:Forgotten Battles aber funktioniert das nicht. Erstens ist dafür die KI der jeweiligen Flieger zu ausgeglichen, was bedeutet, der Spieler selbst muss auf Seiten der Finnen eine extreme Abschussleistung bringen, da die eigenen Flügelmänner ebenso gut sind wie die Gegner. Auf der anderen Seite aber spielt der Zufallsgenerator eine gewichtige Rolle. So kann es sein, dass, wenn man eine Mission mehrmals neu startet, jedes Mal eine andere Anzahl und Typus von Gegner auf den Spieler wartet, was sich auch massiv auf den Schwierigkeitsgrad auswirkt. Da kann es schon mal vorkommen, dass man mit sechs B239-Brewster-Buffalo-Jägern und sechs leichten Bombern gegen 14 Feindjäger des Typs I-153 oder LaGG schützen muss. Beendet man das Spiel und startet neu, kann es vorkommen, dass man es nur noch mit drei feindlichen Jägern zu tun bekommt. Auch das Verwalten der Kampagnendaten scheint Forgotten Battles großzügig auszulegen. Und wenn man in der Finnlandkampagne nach neun eigenen Verlusten - bei zehn Abschüssen - in der nächsten Mission wieder zehn Jäger zur Verfügung hat, ist das völlig unglaubwürdig. Hier wird per Zufallsgenerator jedes Mal eine neue Mission zusammengewürfelt. Auf diese Art wiederholen sich die Missionen zwar nicht, aber aufgrund der in jeder Mission gleichen Spielweise und kommt doch ab und an Langeweile auf. In der 'großen' Jägerkampagne der Russen und Deutschen gibt es durch die häufig wechselnden Flugzeugtypen zumindest Anreize, weiter zu spielen. Bei den Finnen und den Ungarn sieht es durch die geringe Zahl der Flugzeuge leider anders aus
Es ist außerdem sehr bedauerlich, dass man sein Einsatzziel nicht frei aussuchen kann. Alles von der Art und Anzahl der am Angriff beteiligten Flugzeuge, über die An- und Abflugroute bis hin zum Primär- und Sekundärangriffziel wird vom Programm bestimmt. Der Spieler hat auf diese Dinge, selbst bei Beförderungen, überhaupt keinen Einfluss, genau wie im Vorgänger IL2.
Einen besonderen Reiz entwickelt die Multiplayer-Unterstützung. Mit bis zu 32 menschlichen Spielern tobt man im Luftkampf bei freier Flugzeugwahl über riesige und sehr detaillierte Karten, während man im als Unterstützung benannten Coop-Mode auch mit Freunden eine HE-111 besteigen und zum Ziel führen kann, während andere Spieler oder aber auch der PC die restlichen (Feind-)Flieger übernimmt. Leider hat 1C:Maddox viel zu wenig Coop-Missionen begefügt, doch glücklicherweise kann jede bessere Fanpage zu IL2:Forgotten Battles hier mit selbstgeschaffenen Missionen aushelfen. Und falls man nichts Interessantes findet, baut man sich mit dem eingebauten Missionseditor seine eigenen Coop-Missionen oder gleich ganze Solo-Spieler-Kampangnen.
Auch der Sound ist, wie schon bei IL2:Sturmovik, erstklassig geblieben. Funksprüche der Piloten, das Rattern der Bord-MGs und Kanonen, das Brummen der Motoren bzw. das Rumpeln der selbigen bei Defekten und letztendlich das wuchtige Dröhnen beim Aufschlag der Maschinen, nachdem die abgeschossen wurde und zu guter Letzt das Heulen der Sirenen der Ju-87 Stuka.
Fazit von Peter Toppe: Die 'vergessenen Schlachten' haben IL2:Sturmovik als Genrekönig mühelos abgehängt. Eine deutliche Steigerung der Anzahl an spielbaren Flugzeugen und der wählbaren Kampagnen machen es möglich. Wer wollte nicht schon immer mal in einer HE 111 oder Ju 87 eine komplette Kampagne fliegen? Es macht einfach Spaß, ähnlich wie in B17-Flying Fortress 2 alle Kampfstationen bemannen zu können und als Pilot, Bombenschütze oder MG-Schütze zu agieren .Wenn ich nach erfolreichem Bombenwurf und 'überlebtem' Jägerangriff mit nur einem Motor noch nach Hause komme, ist die Freude groß und man kann wieder einen Einsatz abhaken. Von der so genannten dynamischen Kampagne bin ich dagegen etwas enttäuscht. Da man als Spieler keinen Einfluss auf das Angriffsziel oder die beteiligten Flugzeuge hat sind die Einsätze wie im Vorgänger IL2 nicht unbedingt abwechslungsreich. Begeistern konnten mich hingegen die neu hinzugekommenen Flugzeuge und auch die neue Finnland-Kampagne .Alles wurde hier mit viel Liebe zum Detail in Spitzengrafik in Szene gesetzt. Kein Zweifel, Maddox Games ist wieder einmal ein großer Wurf gelungen. Auf das demnächst erscheinende 'Lock on' darf man gespannt sein.
Bei XBlaster ist die Welt, wie wir sie kennen, Vergangen- heit. Als Mechpilot kämpfst Du zur Belustigung der Menge und monatlich 10.000 € zum Spiel...
IL2-Sturmovik: Forgotten Battles im Test.
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