Gesamtwertung82%/10 |
GrafikBefriedigend SoundGut |
LanzeitspaßSehr gut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Der Journalist Jack Lorski sammelt in seiner Freizeit alte Videokameras. Eines Tages stößt er auf die Kamera eines Unbekannten, in welcher er ein bespieltes 8mm-Video findet. Auf der Filmrolle befinden sich neben einigen nichts sagenden Urlaubsvideos ein durch Zufall gefilmter Mord - und auch der ehemalige Besitzer ist wohl Opfer der heimtückischen Killer geworden. Nach einiger Recherchearbeit findet Lorski schließlich heraus, wer der Mann hinter der Kamera war und begibt sich mit dessen Tochter Karen auf die Suche nach den Mördern.Soweit so gut, wären die beiden Hobbyermittler nicht plötzlich und spurlos verschwunden und kurz danach ein Video in der Redaktion von Jack eingegangen, welches zeigt, wie Karen - sichtlich geschockt und ängstlich - durch dunkle Kellergewölbe gehetzt wird. Ein paar Tage nach dem Päckchen mit dem Video wird der Redaktion eine CD zugesandt, welche offenbar vom Täter gemacht wurde, der sich selber als 'Phönix' bezeichnet. Und diese CD, welche teils ästhetische, teils fast schon surreale Bilder aus alten Mythologien enthält und wunderbar die Stimmung von Filmen wie 'Sieben' oder 'Die neun Pforten' einfängt, scheint den Schlüssel zu enthalten, der schließlich zu Jack und Karen führt.
Hier kommt ihr ins Spiel. Da die Angehörigen der beiden Entführten eingewilligt haben, die CD zu vervielfältigen, um möglichst schnell zu einer Lösung des Rätsels zu gelangen, seid auch Ihr in die Ermittlungen involviert. Und bis ihr die Phönix-CD schließlich lösen könnt, ist einiges zu tun: Vor insgesamt 37 Rätsel hat euch der Serienkiller gestellt, zahlreiche setzen eine umfangreiche Internetrecherche voraus, um zur nächsten Aufgabe voranschreiten zu können. Das Spiel soll sich dabei so anfühlen, als hättet Ihr tatsächlich eine vom Mörder erstellte CD vor euch liegen.
Die Entwickler Lexis Numérique haben versucht, durch verschiedene Stilmittel Realität und Fiktion miteinander verschwimmen zu lassen. Am Anfang des Spieles muss man seine E-Mail-Adresse angeben. Fortan werden auf diese Adresse zahlreiche Mails von anderen Ermittlern, Jack's Redaktion, Psychologen, Zeugen, etc. zugeschickt. Diese enthalten oft hilfreiche Hintergrundinformationen, manchmal aber auch die Lösung oder sinnvolle Tipps zu einer der Aufgaben. Die Mails - welche übrigens komplett in Deutsch auf eurem E-Mail-Account landen - tragen sehr zur Glaubwürdigkeit des Spieles bei und sind gut integriert worden. Leider ist es manchmal nicht gerade leicht, die Nachrichten von gewöhnlichem Spam zu unterscheiden; erst recht nicht, wenn man die Mails an die eigene JustGamers-Adresse schicken lässt und dann die spielrelevanten Messages aus täglich ca. 40 Spambotschaften herausfiltern darf...
Den größten Teil nimmt wohl das Suchen nach Informationen über das Internet ein. In einem Rätsel gilt es beispielsweise, den Personen auf einem Gruppenbild die richtigen Namen zuzuordnen. Da man diese natürlich nicht kennt, gibt man ein paar der Namen einfach in die Suchhilfe Google ein und voilà: Gleich das erste Ergebnis zeigt das gewünschte Bild plus die Namen der Personen.
Allerdings ist es nicht immer so einfach. So gilt es zum Beispiel, riesige, in der Moschee Hagia Sophia hängende 'Medaillons' an den richtigen Stellen auf einem Grundriss des berühmten Bauwerks anzuordnen. Hierzu stößt man früher oder später auf eine Homepage mit Bildern aus der Moschee, auf der man die Anordnung der Kunstwerke ungefähr erkennen kann. Interessant ist übrigens, dass die entsprechenden Seiten zum Teil extra für das Spiel erstellt wurden, manche allerdings auch schon vorher existierten und einfach in das Spiel 'integriert' wurden. Laut Hersteller stößt man während des Spiels auf über 300 verschiedene Homepages.
Manche Rätsel bestehen auch aus kleinen Mini-Spielen, die mit Shockwave erstellt wurden. Diese sind jedoch überwiegend kurzweilig und schnell zu lösen, wodurch keine Langeweile entsteht - selbst, wenn man eines der Games weniger leiden kann. Immer, wenn man ein paar Rätsel gelöst hat, spendiert der Phönix einen weiteren Videoschnipsel aus dem gefilmten Tagebuch von Jack, welche zusammengenommen langsam entlang der Entdeckungen des Journalisten und seiner Assistentin führen. Dabei geht die Reise durch ganz Europa, bis sich der Kreis dann am Ende schließt.
Die 37 Aufgaben, die dem Spieler vom Phönix gestellt werden, sind mit etwas Überlegung meist schnell zu lösen und vor allem sehr abwechslungsreich. Die eine oder andere Kopfnuss ist allerdings auch dabei, hin und wieder entsteht Frust, weil einem die Lösung so gar nicht einfallen will. Solche Erlebnisse halten sich jedoch in Grenzen, der Frustfaktor bei In Memoriam hält sich auf einem angenehm niedrigen Level. Leider ist die Wiederspielbarkeit eher gering, da die Rätsel, sobald die Lösung einmal bekannt, zu einfach zu lösen sind. In Memoriam ist wie ein guter Krimi: Weiß man erstmal, wer der Mörder ist, macht das wiederholte Sehen/Lesen einfach nicht mehr so viel Spaß.
Zu hoffen ist nur, das Ubi Soft wert auf gute Betreuung des Spieles legt. Sollten nämlich die wichtigen Seiten in der Suchreihenfolge weit nach unten rutschen (momentan werden die wichtigen Ergebnisse ganz oben in der Google-Liste geführt), ist Schicht im Schacht. Noch schlimmer wäre es, wenn bestimmte Seiten ganz von der Bildfläche verschwinden würden, da die Ermittlungen um die Phönix-CD dadurch unlösbar würden. Das wäre sehr schade, hätte man doch dann schließlich knapp 50 Euro umsonst ausgegeben...
Der Sound hält die Atmosphäre des Spiels wunderbar aufrecht und unterstützt an wichtigen Stellen. Allerdings kann man bei dem Spiel nur schwerlich von Hintergrund-Musik reden, da Musik eher spärlich (aber passend) eingesetzt wird. Normalerweise tönen aus den Boxen eher mysteriöse, nicht immer erkennbare Klänge, wie Stimmengewirr, fließendes Wasser und ähnliches. Trotzdem hätte man das kaum besser lösen können, da so zum Teil eine regelrechte Spannung aufgebaut und man selbst noch tiefer ins Spiel hineingezogen wird. Zur Vertonung muss man sagen, dass nur der Sprecher aus dem Off (Jack, der sein Tagebuch spricht) auf Deutsch übersetzt wurde. Alle anderen Schauspieler sprechen englisch was allerdings nicht sonderlich schlimm ist, da alles wirklich Wichtige auch vom Sprecher gesagt wird. Trotzdem ist das ein Stilbruch und stört ein wenig während der Betrachtung der Videos.
Auch bei der Grafik kann man nicht von meisterlichen Effekten sprechen, und das aus einem einfachen Grund: Das Spiel ist nun mal nicht effektlastig, und hat das auch überhaupt nicht nötig. Dafür sind die gezeigten Bilder und Szenen umso besser und lösen auch hin und wieder regelrecht ein beklemmendes Gefühl aus. Schon beim ersten Video ist kaum zu verhindern, dass es einem kalt den Rücken runterläuft. Kleiner Wermutstropfen: Die Auflösung ist fest auf 800x600 eingestellt und lässt sich nicht verändern. Manchmal wünscht man sich schon, das Bild würde über den gesamten Bildschirm gehen, ohne dass man gleich die Desktopauflösung heruntersetzen muss.
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