Gesamtwertung82%/10 |
GrafikGut SoundGut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungSehr gut |
Wirtschaftsimulationen! Ein Genre, welches in Deutschland wohl nie aussterben wird. Für viele oft zu trocken und zu einseitig. Für andere das beste Genre überhaupt. Kann Industriegigant 2 auch überzeugen, wenn man nicht Wirtschaftswissenschaften studiert hat? Wir haben das Spiel getestet und sagen es euch natürlich...
Jedem seien zuerst die 3 Tutorialmissionen empfohlen, um sich an die grundsätzliche Steuerung und Ausrichtung des Gameplays zu gewöhnen. Tiefgehende Taktiken werden dort zwar nicht gezeigt, das ist aber auch gut so, denn das Herausfinden, wie ein Wirtschaftskreislauf am Besten funktioniert, ist einer der süchtigmachenden Aspekte an Industriegigant 2. Zur Auswahl stehen nach dem Tutorial neben LAN und Internet via. Gamespy entweder Endlosspiele oder einige wenige Missionen auf leichtem, mittleren oder schwerem Schwierigkeitsgrad.
Der Aspekt liegt auf der korrekten Planung. Denn sowohl Transportzeit (wann, welches Produkt, zur welcher Zeit, wo sein muß), Transportpreis, Herstellungspreis, Reparaturkosten für die Fahrzeuge etc, müssen einberechnet werden, um am Ende beim Endverbraucher noch Gewinn zu machen. Der Abnahmepreis ist in Prozentwerten zu einem vorgegebenen Preis einstellbar. (Achtung! Diese Funktion kann schnell übersehen werden). Ein Einzugsbereich eines Spezialgeschäftes (z.B. Heimwerkermarkt) hat dann aber bestimmte feste Abnahmnequoten und verkauft diese auch zu einem festen Preis. Die Abnahmequoten änderen sich erst, wenn man den Preis variiert. Ändert man diesen zu sehr von den 100% entfernt, muß man jedoch einen genauen Blick auf den Umsatz werfen, den eigentlich ist der Preis gut ausbalanciert. Erstaunt hat mich dabei wirklich, wie wichtig die genau Planung ist. Während meine ersten intuitiven Versuche noch zu wenig befriedigenden Ergebnissen führten, lernte man schnell aus seinen Fehlern und konnte größere Logistiksysteme aufbauen. Dabei wird alles nicht zu komplex. Die Lastwagen und Eisenbahnen suchen sich ihre Wege selber, man gibt immer nur Start- und Zielpunkt an. Bei den Eisenbahnen kann man noch stellenweise bestimmten, welches Gleis diese benutzen sollen. Stopzeichen oder Regelungsanlagen gibt es aber nicht. Zwischen jeweils zwei Lagern kann nicht gehandelt werden. Hierzu bedarf es dann die Transportsysteme. Allerdings kann ein Produkt eine gewissen Distanz von Fabrik zum nächsten Lager ohne Transportlogistik befördert werden, wodurch mit der geschickten Platzierung der Gebäude viel Eisbahnstrecke etc. eingespart werden kann. Allerdings sollte man darauf achten, ob die Entfernungen noch stimmen, wenn dann z.B. plötzlich die Rohstoffe an einem Ende der Produktionskette zur Neige gehen. Produktionszentren, von denen ein Endprodukt dann zu den Städten transportiert wird, haben sich als effektiver erwiesen. Dies gilt auch, da Städte keine Industrie in unmittelbarer Nähe mögen. Ignoriert man diesen Fakt, kostet es Luxuspunkte und Städtewachstum.
Schließlich und endlich muß aber jeder selber ausprobieren, welche Strategie er nutzen will. Höherwertige Produkte sind komplexer herzustellen, aber versprechen mehr Gewinn. Einfache Landwirtschaft ist simpel, führt aber zu weniger Gewinn und ist abhängig vom Wetter. Industriegigant 2 bietet, auch durch die 50 verschiedenen Transportfahrzeuge, eine ungeheure Masse an Möglichkeiten, weshalb der Wiederspielwert sehr hoch ist. Außerdem kann man auf verschiedenen Karten mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgrad spielen, auf reale Wirtschaftseinflüße verzichten oder nicht, gegen Konkurrenten spielen oder erst einmal alleine ausprobieren und vieles mehr. Durch die große Abwechslung, wird das Spiel nicht so schnell langweilig.
Schade fand ich lediglich, dass das Spiel faktisch 1980 aufhört. Möglich ist es zwar, ca. 7000 Jahre lang zu spiele (soweit die Resourcen ausreichen), aber nach dem Jahr 1980 gibt es keine neuen Produkte. Weitergesponnen wird die Technik erst mit dem dieses Jahr erscheinenden Addon. Auch ist das Spiel stark 'amerikanisiert', was sowohl für die Produkte, als auch die Fahrzeuge gilt. Auch die Städtenamen etc. sind amerikanisch. Im Normalfall stört dies aber nicht allzu sehr.
Die Übersicht geht bei den vielen Produkten nicht verloren, da man auch nicht alle benutzen muß. Es bleibt einem auch vollkommen frei, das Unternehmen nach 30 Jahren umzukrempeln. Im Regelfall soll dann immer noch genug Geld vorhanden sein, um nach 80 Jahren das Ziel der Endlosmission zur erreichen, auch wenn diese (eingeteilt in Bronze, Silber und Goldpokal) nur aus bestimmten Umsatz- und Unternehmenswertschwellen bestehen.
Über die abgesetzten Produkte, den Verdienst und vieles mehr, gibt es detailierte Statistiken, die jedoch sehr einfach gehalten sind und keinesfalls 'staubtrocken' wirken. Sie sorgen lediglich dafür einen Überblick zu gewinnen und einschätzen zu können, welche Industriezweige sich lohnen und welche nicht, bzw. ob die errichtete Logistik effektiv ist. Städte können neben der guten Ausstattung mit Produkten auch wachsen, indem man ihnen Universitäten, Spielplätze und vieles mehr spendiert.
Neben Geld kann man im Endlosspiel auch Luxuspunkte, z.B. durch Umsatzsteigerungen etc. verdienen oder auch verlieren, wenn der Umsatz sinkt, Fahrzeuge nicht richtig gewartet werden oder Industriedas Städtewachstum stört. Diese können dann investiert werden, um prächtige Villen zu bauen oder die Firmenzentrale zu vergößern.
Natürlich gibt es auch einige seltsame Vorkommnisse und Mängel. Z.B. stellt sich die Frage, warum auch der größte Bahnhof nur zwei Ausgänge hat oder warum das Abreisen von Schienen und Gebäuden derart kompliziert ist und dann nicht einmal eine Sicherheitsabfrage hat. Die Probleme sind jedoch von untergeordneten Rang und mindern den Spielspaß kaum. Schade ist lediglich, dass man im Multiplayermodus immer noch nicht ein gemeinsames Imperium aufbauen kann. Außerdem empfand ich es als extrem unrealistisch, dass in einer Wirtschaftssimulation es nicht möglich ist, Kredite aufzunehmen, um den Aufbau zu beschleunigen!
Der Industriegigant 2 bedient dabei alles von Transport über Planung, bis hin zum Absatz. Er spezialisiert sich dabei aber nicht. So gibt es z.b. mit Eisenbahn.exe für Eisenbahnnarren eine bessere Alternative und Capitalism 2 ist um einiges realistischer und tiefgehender als Industriegigant 2. Wer jedoch einfach nur Spaß am Aufbau eines Wirtschaftsimperiums haben will, dabei nicht zu genau auf Details achtet und auch ohne langes Ausprobieren zum Erfolg kommen will, trifft mit Industriegigant 2 die richtige Wahl, denn es macht verdammt süchtig!
Natürlich kommt im Spiel wenig Action vor. Selbst die KI-Mitspieler sind wenig agressiv und stören den Spieler eigentlich nur beim Aufbau. So bleibt Industriegigant 2 natürlich eine Vollblutwirtschaftssimulation, in die aber durch die leichte Erlernbarkeit und durch die Vereinfachung des Wirtschaftskreislaufes gegenüber der Realität, auch einmal jemand reinschnuppern kann, der mit dem Genre sonst noch nichts am Hut hatte.
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