Interview mit Ibrahim Mazari

Review
Plattform
PC
Vertrieb
-
Entwickler
-
Erscheinungsdatum
-
Genre
Andere
USK
-
Interview mit Ibrahim Mazari [PC , Justgamers]

Interview mit Ibrahim Mazari

Während wir in den letzten Tagen nur mit negativen Aspekten des Gamings konfrontiert wurden und uns im letzten Interview mit Dr. Rainer Fromm auseinandersetzten, widmeten wir uns diesmal der Schokoladenseite der Computerspiele. Teamfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit und Organisationsfähigkeit werden im noch jungen eSport vermittelt. Wir haben uns mit Ibrahim Mazari, Pressesprecher bei der ESL, unterhalten und klären auf, warum eSport der beste Jugendschutz ist.

JG: Zuerst: Stellen sie sich unseren Lesern doch einmal vor.

IM: Ich heiße Ibrahim Mazari, mein Nick lautet Ibo. Ich bin studierter Soziologe und Psychologie, habe vor meiner Zeit bei der ESL unter anderem Jugendarbeit gemacht, dort bin ich mit dem Thema Jugendschutz und Computerspiele in Berührung gekommen.Beim ESL-Betreiber Turtle Entertainment verantworte ich die Öffentlichkeitsarbeit, das heißt ich bemühe mich, eSports bekannter zu machen.Da wir in der Öffentlichkeit oft mit Unwissenheit und Vorurteilen konfrontiert werden und gleichzeitig unser Know-How verantwortlich einsetzen wollen, wurde ich zum Jugendschutzbeauftragten ernannt.Ich spiele selbst gerne, vor allem Strategiespiele wie Age of Empires, leider habe ich sehr wenig Zeit dazu.

JG: Was genau ist die ESL? Welche Zielsetzung hat sie? Wo will sie hin?

IM: Die ESL (Electronic Sports League) ist mit über 430.000 Usern Europas größte Liga für professionelles Computerspielen. Die Website www.esl-europe.net ist als Kontaktbörse und Informationsquelle laut IVW mit 50 Millionen Pageimpressions unter den 30 meistbesuchten Websites in Deutschland, noch vor faz.net.Die ESL verfolgt das Ziel, europaweit zu expandieren, überall ProSeries anzubieten, eSports zu puschen, es zu einer breiten Bewegung zu machen. eSports ist keine Nischenerscheinung mehr und benötigt eine professionelle Plattform. Das leistet die ESL heute schon, wir sind die Liga mit der größten Community und mit der besten Umsetzung in Events, Vermarktung und Kommunikation.

JG: Wo sehen sie den eSport in Deutschland? Wie stehen wir international? Wie wird er sich entwickeln? Ist die ESL eher an Profis oder auch an Hobbyspieler gerichtet?

IM: eSports in Deutschland ist in Europa schon ziemlich stark, es hat aber noch viel Entwicklungspotential, wenn man die Situation in Asien betrachtet. Dort werden die Spiele im Fernsehen gezeigt, eSports erreicht ein Millionenpublikum und die Spieler verdienen hunderttausende Euro. Ob in Europa und Deutschland sich eSports so weit entwickeln wird, ist schwer zu sagen. In Asien herrscht eine viel offenere und spielefreundlichere Atmosphäre, jung und alt sind allesamt begeisterte Gamer. Aber auch in Europa ist ein deutlicher Boom zu verzeichnen, der noch lange nicht sein Ende gefunden hat. Ob eSports mal olympisch wird, wage ich nicht vorauszusagen. Dass dieser Vorschlag aus Asien kommt, zeigt, wie weit eSports dort schon in der Gunst der Leute steht.Die ESL ist offen für alle Spieler, egal ob nun Profi oder Gelegenheitsspieler. Das ist die zentrale Stärke: der Einstieg ist ganz leicht, in der Ladder kann sich jeder anmelden und einfach mal drauflospielen. Ambitionierte Spieler können in die EAS (Amateurliga) aufsteigen, und nur die Besten der Besten sind Profis (200 von 430.000 Usern!).

JG: Welchen Einfluss hat der eSport auf die Spieleentwicklung weltweit und in Deutschland?

IM: Die Publisher begreifen die Macht der Community und auch die Chancen, die sich ergeben, wenn man Ligen als Plattform für Wettstreit und Kräftemessen nutzt. Die ESL fördert natürlich durch ihre Existenz Multiplayer-Games. In die Richtung geht die Spieleentwicklung, ohne Frage. Zudem müssen die Spiele Competetion ermöglichen.

JG: Was machen sie täglich für die Imagearbeit?

IM: Wir kommunizieren mit der Community und mit der breiten Öffentlichkeit, informieren über die Angebote der ESL und allgemein über eSports. Unsere Website www.esl-europe.net ist vor allem für unsere User und die Community eine wichtige Anlaufstelle. Darüber hinaus gehen wir an die Presse. Dadurch schärfen wir das Bewusstsein für die professionelle eSports-Szene. Im Jugendschutz veranstalten wir Diskussionsrunden und geben sachliche Informationen an besorgte Eltern und Lehrer weiter. Deshalb gibt es diese Stelle, an die sich jeder richten kann: jugendschutz@turtle-entertainment.de

JG: Befürchtet die ESL eventuelle gesetzliche Restriktionen? Wenn ja, wird sich die ESL solchen Maßnahmen beugen oder versuchen gegen diese Vorzugehen oder andere Schritte zu überlegen?

IM: Wir versuchen die Öffentlichkeit und somit auch politische Kräfte über die Bedeutung des eSports zu überzeugen. eSports ist ein Hobby, das von Millionen Menschen ausgeübt wird, alles Leute aus dem Leben, die keine vereinsamten Soziopathen sind. Zudem wird eSports immer mehr zu einem wichtigen Wirtschaftssektor, wie es die Spieleindustrie schön seit längerem ist. Mit Spielen wird mehr Geld umgesetzt als durch Hollywood-Filme! eSports bedeutet somit auch Arbeitsplätze in einer jungen und innovativen Branche.

JG: Wer nimmt Einfluss auf die Spieleauswahl bei der ESL? Sind die aktuell diskutierten Fragen Teil der Überlegungen?

IM: Wir nehmen die Spiele auf, die von der Community getragen werden. Deshalb ist und bleibt Counter-Strike das wichtigste Spiel in der Liga, einfach weil die meisten genau dieses Spiel wollen. Wir merken ziemlich schnell, ob die Community ein Spiel nicht will: dann fragt es eben keiner nach. Das sind die zentralen Überlegungen, welches Spiel aufgenommen wird. Natürlich muss das Spiel die Voraussetzungen, die ich eben benannt habe, erfüllen, das heißt Competetion ermöglichen, Multiplayer-Modus haben etc.

JG: Wie steht die ESL zum Thema Gewalt in Computerspiele?

IM: Gewaltdarstellungen wirken für den Außenstehenden erschreckend, aber wenn man sich mit dem Spiel auseinandersetzt, dann merkt man schnell, dass dies nicht den Erfolg eines Spieles ausmacht. Es geht um Strategie und den Kick, die Gewaltdarstellung ist im Grunde nur ein Kunsteffekt. Trotzdem ist es für die ESL sehr wichtig, dass die Altersbeschränkungen eingehalten werden. Wir achten sehr sorgsam darauf, in unsere Offline-Events lassen wir nur Zuschauer ab 16 Jahre rein.

JG: Können wirklich nur gewalttätige Spiele erfolgreich sein und im weltweiten eSport längere Zeit Bedeutung haben? Oder welches Genre ist besonders beliebt bei eSportlern?

IM: Besonders beliebt sind Strategie-Spiele, aber auch Sport- und Rennsimulationen. Reines Gemetzel macht kein gutes Spiel aus.

JG: Wird der Entwicklung des eSport in Deutschland durch die momentane gesellschaftliche Diskussion geschadet? Hat dies Einfluss auf die Branche? Wenn ja, was gedenken bekannte Namen wie die ESL hierbei zu tun?

IM: Einfluss ja, vor allem wenn man wie im Frontal21-Bericht vollkommen undifferenziert und unsachlich Ängste schürt und Sensationen schafft. Das lässt sich nur durch permanente Aufklärungsarbeit bereinigen. Jeder soll sich mal eine eSports-Veranstaltung anschauen und mit den Menschen sprechen, erst dann kann man sich ein Urteil erlauben.

JG: Wie kann man besorgten Eltern vermitteln, dass eSport auch eine gewissen Leistung und Können vorausetzt, wenn die breite Masse durch Negativschlagzeilen überschüttet wird? Sollten Unternehmen wie Turtle Entertainment hier nicht aktiver werden und auch die breite Masse über das Thema informieren?

IM: Das ist richtig, wir informieren verstärkt. Dabei vertreten wir und ich als Jugendschutzbeauftragter folgende Haltung: eSports ist das Verständnis von Computerspielen als sportliche Herausforderung. Es geht um Strategie, Taktik und Teamfähigkeit. Die Spieler messen sich untereinander: erfahren so eigene Stärken und Schwächen, lernen mit Niederlagen umzugehen und sich permanent zu verbessern. Die Jugendlichen lernen Leistungsbereitschaft schätzen. Der heraufbeschworene Blutrausch ist nur ein Kunst-Effekt. Die Counter-Strike-Spieler lehnen Gewalt ab und sind mehrheitlich Kriegsdienstverweigerer, gerade die Profi-eSportler.

eSport fördert den Jugendschutz, weil der Spieler Teil einer Gemeinschaft (Community) ist, also nicht isoliert spielt. Gemeinschaft im eSport bedeutet Austausch mit anderen, bedeutet Wissen zu erwerben und weiterzugeben. Der Gamer verbessert seine Fähigkeiten (Skills), erteilt Kritik und lernt Kritik einzustecken. Da eSport bei ESL nicht nur online ausgetragen wird, sondern regelmäßig deutschlandweit in gut besuchten Offline-Events mündet (Intel Friday Night Games), entstehen Freundschaften und ein reger Austausch. Das verhindert die Flucht in eine virtuelle Parallelwelt, wie Sie es bei den vereinsamten Spielern schildern. Auf diesen Offline-Events treten Deutschlands beste eSportler an - Profis ihres Faches, bewundert und nachgeeifert von Fans und Spielern. Jubel bricht nicht aus, weil jemandem auf dem Bildschirm der Kopf weggesprengt wird, sondern weil einer Mannschaft eine unglaublich knifflige Strategie gelingt. Jeder, der die Besucher und Atmosphäre solcher Events erlebt, spürt die Faszination, die vom sportlichen Wettstreit ausgeht und weiß intuitiv, dass hier keine Soziopathen unterwegs sind, sondern junge Menschen mit einem eigenen Lebensstil und außergewöhnlichen Fähigkeiten.Es gibt im eSport eine weitere Stärkung der Gemeinschaft durch die Mannschaften (Clans), die teilweise professionell aufgestellt sind wie Fußballclubs mit Management und Sponsoren. Diese Clans leisten das, was auch Sportvereine leisten: sie vermitteln Werte und erziehen zu Teamfähigkeit, die Spieler werden kommunikativer, sie erwerben ein vernetztes Denken, lernen früh durch ihre Reisen andere Kulturen und Sprachen kennen, erwerben Organisationsfähigkeiten in diesem nicht-virtuellen Leben.

Fazit: eSport ist der beste Jugendschutz, weil er dem Jugendlichen Sportsgeist vermittelt. Dadurch entwickelt der Spieler Fertigkeiten, die seine Persönlichkeit weiter bringt.

JG: Welche Rolle spielt die Games Convention in ihrer zukünftigen Strategie?

IM: Die Games Convention ist ein wichtiger Treffpunkt der Gamer, wie kann es dann sein, dass die größte Liga Europas nicht anwesend sein soll? Aber im Ernst: hier begegnen wir unseren Usern und den Usern von Morgen.

JG: Wenn man in den eSport intensiver einsteigen will: Wie ist der richtige Weg?

IM: Erstmal spielen, viel spielen, am besten direkt bei der ESL in die Ladder einsteigen. Wenn man Fähigkeiten besitzt, die einen immer höher bringen, dann meldet sich irgendwann ein Clan und fragt nach, ob man nicht einsteigen will. Dann lässt sich ein mühsamer Weg zum Profi bewerkstelligen, wobei man sich keinen Illusionen hingeben sollte. Aber dafür ist unsere Liga da, um genau das herauszufinden. Gelingt mir der Schritt vom Amateur zum Profi?

JG: Was spielen sie und warum spielen sie es?

IM: Ich spiele Strategiespiele um der Strategie willen, genieße aber die tolle Grafik und die Animationen der Schlacht- und Kampfszenen.

JG: Danke für das Interview

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