Interview mit Thomas Caric und Roland Austinat
1.) Stellen Sie sich doch einfach mal vor. Wie kamen Sie zu Microsoft?
Thomas Caric: Ich habe zuvor bei einer großen Spielefirma namens Hasbro gearbeitet. Wir waren ein zukunftsorientiertes Unternehmen und hatten Techniken, wie man Regalplätze optimiert. Dies konnte Microsoft damals nicht und dann habe ich mein Konzept vorgeschlagen; Microsoft wollte mich und als dann die Xbox entstand, wurde ich Marketingleiter.
Roland Austinat: Ich war seit 1993 Redakteur bei der PC Player und dann Chefredakteur der Video Games - leider wurde der deutsche Ableger des Future-Verlags geschlossen und so kam ich dann zu WORX. Und da das Schreiben über Videospiele und Xbox ziemlich gut zusammenpasst und auch das junge Team bei Worx richtig cool ist, bin ich hier eingestiegen.
2.) Was für einen Stellenwert hat die GamesConvention und ist sie konkurrenzfähig zur ECTS in London?
Thomas Caric: Ein riesigen Stellenwert. Die ganze Branche will die Messe und auch die, die nicht hergekommen sind, wollen diese Messe. Sie sind deswegen nicht hergekommen, weil sie vielleicht nicht dachten, dass sie erfolgreich werden würde. Aus persönlichen Gesprächen habe ich erfahren, dass die großen Häuser es bedauern, nicht hier her gekommen zu sein. Die GamesConvention ist sehr wichtig, da der Videospielbranche in Deutschland eine solche Messe gefehlt hat. Es gab die IFA, es gab die Cebit, die Cebit Home war ein Versuch, es gab verschiedensten Messen. Aber eine richtige Messe, die jährlich immer wieder kommt und uns die Möglichkeit gibt, passend vor dem Weihnachtsgeschäft unsere Produkte präsentieren zu können, gab es bisher nicht. Wir hoffen, dass dies die GamesConvention ist.
Ist einer der Großen Nintendo?
Thomas Caric: Kein Kommentar.
3.) Blinx versus Mario Sunshine! Welches Spiel bietet in ihren Augen mehr Innovation? Ist der Vergleich überhaupt machbar?
Thomas Caric: Ich denke, es sind zwei sehr gute Titel. Mario Sunshine ist ja eine existierende Marke und deshalb wird es sicherlich ein sehr erfolgreiches Spiel; es ist ja auch ein guter Titel. Aber ich glaube trotzdem, dass Blinx einzigartig ist. Man kann die Zeit manipulieren, also anhalten, in Zeitlupe ablaufen lassen, beschleunigen, oder gar im 'Replay-Modus' parallel neben seinem 'Zeitschatten' spielen, dazu gibt es auch einige nette 'Matrix-Effekte'. Deswegen denke ich, dass Blinx einzigartig ist und den Innovationspreis 2002 verdient.
Ich habe beim Anspielen auf Ihrem Messeplatz bemerkt, dass der Staubsauger-Effekt ziemlich Luigi Mansion ähnelt. Wurde das absichtlich von den Entwicklern eingebaut?
Thomas Caric: Der Gedanke ist, dass wir uns überlegt haben, wie man die Monster nicht erschießt, erdrosselt oder erschlägt, sondern anders zur Strecke bringen kann. Das Besondere an dem Staubsauger ist das Einsaugen von dem Müll, welcher gleichzeitig wieder gegen andere fiese Monster abgeschossen werden kann. Hier bietet sich ein Staubsauger eben sehr gut an. Die Firma Nintendo hat den Staubsauger nicht erfunden.
4.) Halo 2 und Project Gotham Racing 2 wurden erst vor kurzem angekündigt. Wann dürfen wir hier in Europa mit dem Final der beiden Spiele rechnen? Was ist das Besondere an Halo 2?
Roland Austinat: Ich denke mal, beide Titel werden Weihnachten 2003 hier in Europa erscheinen. Es gibt zwar die ersten Trailer, aber die Levels müssen erst noch gebaut werden. Also es dauert noch ein bisschen. Halo 2 wird jedenfalls auch auf unserem Planeten spielen.
Thomas Caric: Das ist noch ein bisschen früh, darüber zu reden. Wir haben ausgefeilte Pläne, wann wir was preisgeben, damit nicht einerseits die Neugierde zu früh geweckt wird und andererseits lange keine Infos mehr erscheinen werden.
Roland Austinat: Vielleicht können wir das noch sagen, was schon auf der E3 bekannt wurde. Beide Titel unterstützen Xbox Live, sprich werden online spielbar sein. So kann der Spieler zu Hause alleine zocken oder vernetzt mit vielen weiteren Gamer spielen.
5.) Spielerisch wirkt die Xbox sehr ausgereift und kann sicher mit der Playstation 2 gleichziehen. Doch warum glauben sie, woran es liegt, dass die Xbox noch nicht den erhofften Erfolg bringt? Oder ist Microsoft mit den Verkäufen der Xbox zufrieden?
Thomas Caric: Natürlich hat Sony einen Vorsprung. Sony ist seit dem 24. November 2000 mit der PlayStation 2 auf dem Markt. Dass heißt, sie haben zwei Jahre Vorsprung und der ist natürlich groß. Aber wenn wir uns anschauen, dass Microsoft weltweit in den ersten acht Monaten drei Spiele hat, die über eine Million mal verkauft wurden (Halo, Project Gotham Racing und Dead or Alive 3), dann hat das bisher keine Konsole geschafft. Und wenn man Microsoft Xbox mit der Sony PlayStation 2 vergleicht, sollte man wenigstens so fair sein und die Zeitspanne miteinander vergleichen. Was hat Sony in den ersten vier Monaten geschafft? Sie sind im November mit 13-14 Titel gestartet. Dann kam lange nichts. Deswegen liegen wir in dem Zeitraum Launch plus 4 Monate auf dem gleichen Niveau und brauchen uns nicht verstecken. Und dies ist für uns ein großer Erfolg, da wir ja keine installierte Basis hatten. Sony hatte etwa 2,5 Millionen verkaufte PSone in Deutschland und dies ist natürlich ein Anlocken der vorhandenen Userbasis für den Nachfolger. Man muss immer die Markteinführungszeiträume vergleichen. Dasselbe gilt für uns im Vergleich mit dem Nintendo GameCube. Es gibt 3,5 Millionen Haushalte, in denen ein Nintendo-System steht. Der GameCube hatte einen super Start, aber inzwischen liegen wir auch auf gleichem Niveau. Deswegen sind wir für Deutschland zufrieden, wobei man noch sagen muss, dass wir die Xbox im März gelauncht haben, was ja nicht die beste Zeit für ein neues Produkt ist. Der Markt macht zwei Drittel seines Geschäftes in den Weihnachtsmonaten. Und mit der Preissenkung auf 249 Euro haben wir jetzt einen Preis, der vielen Gamern den Kauf von Xbox ermöglicht. Zudem sollte man unser Software Line-Up näher betrachten. Wir haben auf der GamesConvention 70 Demo-Stationen aufgebaut, mit 70 verschiedenen Titel, die alle in naher Zukunft auf den Markt kommen werden. Zum Weihnachtsgeschäft präsentieren wir 200 Games und können somit jedes Genre optimal füllen. Egal ob Action, Racing oder Jump'n'Run ...
6.) Microsoft hat kurz nach der Pressekonferenz von Sony ebenfalls den Preis auf 249 gesenkt. Warum? Hat man auf die Preissenkung seitens Sony Computer Entertainment reagiert?
Thomas Caric: Generell ist es so, dass der anfängliche Einstiegspreis mit der Zeit immer günstiger wird.. Es gibt verschiedene Komponenten, die einen Preisverfall ausmachen. So wird die Technik halbjährlich eingeholt. Hinzu kommt die schlechte Konsumbereitschaft hier in Deutschland. Viele kaufen keine Luxusgegenstände mehr ein. Ein weiteres Thema ist der sogenannte 'Teuro'. Es sind somit viele, viele Punkte, die eine Preisgestaltung beeinflussen. Deswegen wird der Preis bei einer Kaufentscheidung noch wichtiger, als er so oder so schon war. Klar, ich unterscheide, ob ich 249 oder 300 Euro ausgebe. Dass jetzt beide Anbieter zur gleichen Zeit den Preis senkten, ist keine große Überraschung. Es geht jetzt auf die Hauptsaison zu, sprich das Weihnachtsgeschäft.
Nur noch 50 Euro Unterschied zum Nintendo GameCube, der bisher günstigsten Variante. Hat das irgendetwas zu bedeuten?
Thomas Caric: Also ich finde, Nintendo sollte den Preis auch ändern auf 249 Euro, dann gibt es drei gleiche Preise. Das wäre Klasse! (lacht) Nein, jetzt aber im Ernst. Nintendo's Differenzierung wird immer kleiner. So waren vor allem die Marken wie Mario oder Zelda, aber auch der günstige Preis ein Kaufgrund für den GameCube. Ohne eine Festplatte konnte sich der GameCube mit guten Spielen etablieren. Gute Spiele haben andere mittlerweile aber auch. Wenn man ein bisschen an Zukunftssicherheit denkt, also was in ein, zwei Jahren sein wird, muss man einfach sagen, dass vieles in Richtung Online gehen wird. Nintendo GameCube kann zwar online gehen, aber wenn man bei Nintendo in die Führungsetage reinhört, merkt man doch eine gewisse Reservierung gegenüber Online-Spielen. Man merkt schon, dass gewisse Gamer online gehen möchten. Deswegen wird es auch für Nintendo eine Herausforderung wie sie dem Preis begegnen.
7.) Wie sehen die Pläne für Xbox Live aus? Wann kommt es hier nach Europa? Gibt es noch Schwierigkeiten bei der Realisierung?
Thomas Caric: Es ist so, dass wir Xbox Live in Amerika zuerst einführen werden. Es gibt noch sehr viele Vorurteile auf dem europäischen Markt, was Onlinespielen betrifft. Der Grund, warum wir in Amerika zuerst starten, ist eigentlich ganz einfach. USA ist ein einheitlicher Markt und es gelten einheitliche technische Bedingungen. Hier in Europa muss man zuerst mit den Unternehmen reden und verhandeln, die Breitband anbieten. Darüber hinaus gibt es die verschiedensten technischen Systeme. Allein bei uns gibt es Breitband schon auf zwei Arten, über DSL und Kabelmodem, und von zahlreichen Providern. Die Franzosen machen es wieder anders, die Engländer ebenfalls. Dies kompliziert die Lage für uns, Xbox Live gleichzeitig mit dem amerikanischen Markt zu starten. Europa ist einfach komplizierter zu steuern und deswegen wird es hier in Deutschland auch später auf dem Markt kommen, als in den USA. Aber wir begrüßen den deutschen Markt. Die Telekom hat momentan etwa zehn Prozent der Haushalte mit Breitband ausgerüstet. Bis Ende des Jahres sollen es nochmals mehr werden. Ein Zufall ist vielleicht auch, dass etwa zehn Prozent in Deutschland Videospieler sind. Nicht nur wegen dieser Zahlen sind wir von einem erfolgreichen Online-Markt in Deutschland überzeugt. Die Fangemeinden werden größer!
Roland Austinat: Es wird Ende September viele neue Infos zu Xbox Live in Europa geben. Die ersten Testserver stehen, Boris und ich haben bereits in einem internen Beta-Test online gespielt. Wir werden dieses Jahr eine geschlossene Betaphase mit rund 3000 Spielern durchführen, die Xbox Live antesten und uns ihre Erfahrungen schildern werden. Dies alles wird intern laufen. Und wer dieses Jahr unbedingt Xbox Live zocken möchte, kann dies auch tun. Nur: Wir werden in diesem Jahr kein überdurchschnittliches Werbeengagement in Deutschland zeigen, wenn es um Xbox Live geht. Richtig promoten werden wir Xbox Live im Frühjahr 2003.
8.) Mittlerweile erhält der Xbox-Controller nur noch positive Äußerungen und Zustimmungen. Kamen Sie von Anfang an klar mit dem großen Pad oder gab es auch bei Ihnen anfangs Schwierigkeiten?
Thomas Caric: Wenn man mit dem Controller länger gespielt hat, lernt man ihn sehr zu schätzen. Er liegt optimal in der Hand und lässt auch ermüdungsfreies Spielen zu. Ich habe beispielsweise große Hände und könnte mit dem kleinen Controller überhaupt nicht spielen. Der Hauptgrund für die anfangs eventuell negativen Äußerungen ist der, dass viele Gamer von Nintendo oder Sony, japanischen Unternehmen, kommen. Deren Controller sind bekannt lich beide eher klein. Alle Neueinsteiger jedoch sind vom Design und der Handhabung des Xbox-Controller begeistert. Es wird jedoch auch den Controller S hier in Deutschland geben. Wann genau steht noch nicht fest, aber wir möchten auch den Spielern mit etwas kleineren Händen optimalen Spielgenuss bieten.
Roland Austinat: Ich habe mir den kleineren Xbox-Controller von der E3 mitgenommen und zu Hause angespielt. Da ich ebenfalls relativ große Hände habe, kam ich mit dem großen Controller um einiges besser klar. Vielleicht sieht der kleinere Pad kompakter aus, aber wer beide Hardwareteile länger anspielt, wird objektiv den großen Standard-Controller besser finden.
9.) Project Ego ist eines der Spielperlen für die Xbox! Wer wird das Spiel vertreiben? Und können Sie uns mehr zu diesem Titel sagen?
Roland Austinat: Project Ego, das ja inzwischen Fable heißt, wird über die Microsoft Studios laufen und somit werden wir das Spiel auch vertreiben.
Thomas Caric: Durch die Festplatte der Xbox wird natürlich einiges neues noch machbar sein. Jedoch tun wir uns noch ein bisschen schwer, was das Thema Fable angeht. Es dauert noch ein bisschen, bis der Titel kommt. Durch die Festplatte haben wir jedoch Möglichkeiten, die Realität noch echter darstellen zu können. Ein Beispiel: So kann der Hauptcharaktere in einem mit 12.000 Bewohnern belebten Dorf einen Apfel klauen. Daraufhin schmeißt der Besitzer einen Stein nach ihm, der die rechte Wange des Charakters berührt, die sich zu einer Narbe bei der Spielfigur entwickelt. Vierzig Jahre später kehrt der Held zu dem Dorf zurück und der Obsthändler erkennt den erwachsenen Mann an dieser Narbe und reagiert entsprechend. Solche Sachen sind nur möglich, wenn die Technologie und die Hardware vorhanden ist. Es wird schon ein toller Titel. Aber bitte jetzt nicht fragen, wann das Spiel in den Handel kommt. (lacht) Sicherlich gibt es sogenannte Projektziele, aber leider wird sehr viel immer wieder verschoben und verschoben. Da müssen wir uns auch an die eigene Nase packen, wenn wir beispielsweise Freelancer aufzählen. Und unseren Kollegen geht es ja auch nicht anders. Deswegen einfach abwarten und wenn was fest wird, geben wir euch schnellstens Bescheid.
10.) Halten Sie es für möglich, dass es in naher Zukunft auch für Konsolenspiele sogenannte Add-Ons geben wird? Oder ist dies technisch nicht machbar?
Thomas Caric: Sicherlich halten wir es für möglich, dass es irgendwann auf der Xbox sogenannten Add-Ons geben wird. Jedoch sollte man dies deutlich differenzieren. Wir werden keine Add-Ons auf der Xbox sehen, die Bugs oder Fehler von Spielen verbessern. Dies würde auch nicht funktionieren. Denn genau das ist doch das Tolle am Konsolenmarkt: Ein fertiges Produkt muss zu 100 Prozent fertig sein und darf einfach keine Fehler haben. Unsere Add-Ons für Konsolen ausschließlich neuer Content. Dass heißt: neue Strecken, neue Charaktere, neue Welten, neue Levels und vieles mehr. Und Add-Ons wird es geben, sobald Xbox Live am Start ist. Zudem wird es intelligente Add-Ons geben. Es wird also nicht heißen, 'Installieren Sie das Add-On auf Laufwerk XY, sondern bei James Bond könnte beispielsweise Miss Moneypenny fragen:'James, ich habe ein neue Mission für sie.
11.) Was können wir zum Weihnachtsgeschäft 2002 von Microsoft erwarten?
Thomas Caric: Knapp zehn Eigenentwicklungen, darunter das schon erwähnte, sehr innovative Blinx. Dann gibt es Brute Force, ein Action-Taktik-Spiel, bei dem man mit vier Charakteren außerirdische Gegner überwältigen muss. Dazu sind außer Nintendo, Sony und Squaresoft ja alle großen Spielehersteller wie Electronic Arts, Infogrames, Ubi Soft oder Sega mit an Bord und liefern Top-Spiele für Xbox, alles in allem rund 200 Titel bis Weihnachten.
15.) Wenn Sie ein Spiel entwickeln dürften, wie sehe es aus?
Thomas Caric: Hmm, jetzt kriege ich bestimmt was um die Ohren gehauen, weil das Thema politisch so ungerechtfertigt ist: Ich würde das Thema Erotik noch mehr in die Spiele einbauen. Damit meine ich keine Pornos, sondern erotische Elemente das interessiert die Leute, das ist spannend und vor allem noch absolut unterentwickelt. Ansonsten gibt es ja alles, was das Spielerherz will, egal ob Racing, Fighting oder Action.
Roland Austinat: Mhh ... gute Frage. Ich würde verrückte, vielschichtige Charaktere wie aus Oddworld nehmen und eine spannende Geschichte dazu packen. Rollenspielelemente dürften auch nicht fehlen. Und wie wäre es mit ungewöhnlichen, spannenden Mini-Spielen? Warum sollte ein Held nicht auch mal abends tanzen gehen, was man dann mit einer Tanzmatte daheim miterleben kann? Ich mag unterhaltsame Spiele mit einer ausgefeilten Story. Was ich nicht mag, sind Titel, in denen nur sinnlos geschossen wird oder mehrere tausend Bananen eingesammelt werden müssen und wo ich mich am Ende frage, warum ich die jetzt eingesammelt habe. Wenn ein Spiel eine überzeugende, mitreißende Story hat, bin ich für alles offen.
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