Gesamtwertung89%/10 |
GrafikGut SoundSehr gut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegSehr gut |
BedienungSehr gut |
Mal wieder ein trotteliger Spieleheld, der am falschen Ort zur falschen Zeit ist: Statt Guybrush Trepwood und George Stobbard ist diesmal die Rede von Jack Keane, seines Zeichens erfolgloser Kapitän der alles andere als charmanten Charming Princess, ein marodes Schiff, dass seine besten Tage schon vor einiger Zeit hinter sich gebracht hat. Bevor wir allerdings überhaupt dazu kommen, irgendwohin segeln, muss sich unser Protagonist mit zwei brutalen Geldeintreibern herumschlagen. Nach bester Adventure-Manier versteht sich. Jack Keane schließt da an, wo andere Adventures schon mittendrin sind: In der Überwindung einer gefährlichen Situation.
An einen Stuhl gefesselt, müssen wir nun also Jack von seinen Leidbringern befreien. So lassen wir uns ein paar Hiebe verpassen, um mit unserer gefesselten Hand ein Messer zu ergattern, welches uns auch schon den Weg ins Freie ebnet. Nun gut, nicht ganz. Schließlich befinden wir uns auf der höchsten Etage des Big Ben. Während wir versuchen, einen Weg nach unten zu finden, versuchen unsere Peiniger die Tür nach draußen aufzubrechen. Ein Zeitlimit für die nun anstehenden Knobeleien gibt es glücklicherweise nicht. Nachdem wir den Torfköpfen ein Schnippchen geschlagen haben und mithilfe einer Seilwinde und eines Plateaus gen Boden fahren, werden wir mit unserer eigentlichen Aufgabe vertraut gemacht.
Ein Wahnsinniger will mit teefressenden Pflanzen die Teeindustrie des britischen Empires zunichte machen. Klingt bescheuert? Ist es auch, aber verdammt witzig, was vor allem an den skurillen Charakteren und lustigen Dialogen liegt. Kein Wunder, Jack Keane wurde von Deck 13 entwickelt, die bereits mit den beiden Ankh-Teilen Überraschungserfolge verbuchen konnten und zeigten, dass Adventures auch ohne eine opulente Schnickschnack-Grafik auskommen und viel mehr von Wortwitzen und ungewöhnlichen Situationen leben.
Zurück zum Spiel: Nicht unser guter Jack, sondern ein britischer Geheimagent die Buddy-Beziehung der Beiden ist übrigens äußerst amüsant - soll Dr. T. das Handwerk legen, wir dienen dabei lediglich als Transportmöglichkeit. Die 10.000 Pfund Sterling Lohn lassen wir uns nicht entgehen. Jack wäre aber wohl nie auf diesen Deal eingegangen, wenn er gewusst hätte, was auf ihn zukommt und dass letztendlich nicht der trottelige Agent Montgomery, sondern er selbst Dr. T. zur Strecke bringen muss.
Bis dahin ist es aber ein weiter Weg, denn Jack Keane bietet eine Spielzeit von rund 15 bis 20 Stunden, mehr also seine ägyptischen Pendants aus gleichem Hause. Viele Rätsel wollen hierbei gelöst werden, manche davon mit mehr, manche mit weniger reinem Menschenverstand.
Herrliche Rätsel und guter Humor!
Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass ein an einer Angel befestigter Holzwurm eine Planke aus dem Wasser fischen könnte oder uns ein frustrierter Ex-Kapitän seine Pfeife, mit der wir Bienen von einer Müslischale vertreiben können, überreicht, wenn wir ihn symbolhaft für einen Neuanfang ein Holzbrett als ersten Schritt für ein neues Schiff schenken? Ihr seht schon, manchmal kommt es auch in Jack Keane auf das reine Herumprobieren an, falls man einmal nicht weiter kommt.
Aber nicht nur Kombinationsaufgaben stehen im Vordergrund, auch muss zuweilen in einigen Dialogen der richtige Ton getroffen werden, um ein Weiterkommen zu ebnen. Wirklich nicht oft hatten wir in Adventures der letzten Zeit allerdings die Möglichkeit, bestimmte Rätsel auf verschiedene Arten zu lösen. Dies und das Bonusarchiv des Spiels, welches durch eingesammelte, handlungsunrelevante Items wie Seesterne oder gestapelte Teedosen, voller wird, sorgen bei Jack Keane sogar für einen gewissen, eigentlich genreuntypischen Wiederspielwert. Verschiedene Enden sollte man dennoch nicht erwarten.
Abwechslungsreichtum wird jedoch groß geschrieben, nicht nur in Hinblick auf die Rätsel, sondern auch auf Szenerien und Gameplay: Während unser Abenteuer in England beginnt, schickt uns das Programm später nach Kapstadt, nur um danach auf die idyllische Tooth Island zu wechseln. Eine Mischung aus festgestellten und schwenkenden Kameraperspektiven sorgt derweilen dafür, dass wir kein wichtiges Detail übersehen. Und auch Jack steuert sich äußerst simpel und lediglich mit beiden Maustasten, da das Spiel nur mit den Befehlen Betrachten und Benutzen auskommt. Das stetig überschaubare Inventar funktioniert ohne Murren.
Ab einem Punkt des Spiels wechselt die Rolle und wir schlüpfen in die Haut von Amanda, Keanes tougher Begleiterin, die eigentlich eine Handlangerin des Bösewichts ist und Jack am Weiterkommen hindern soll, sich klischéehaft jedoch in unseren Protagonisten verguckt. Auch mit ihr müssen wir Rätsel lösen, dank Flinte im Inventar verlaufen diese jedoch teils herrlich anders als mit Jack.
Rein optisch ist Jack Keane natürlich kein Hit, dennoch sehen immerhin die Charaktere recht gut aus und auch die oft knallig bunten 2D/3D-Locations versprühen ihren eigenen Charme. Wie schon in Ankh, durften auch bei Jack Keane nur die besten Synchronsprecher ran: Unser Protagonist beispielsweise wurde die deutsche Stimme von Johnny Depp zuteil, während in weiteren Rollen die Sprecher von Charlize Theron, John Cleese, Bill Murray und wie passend für einen Bösewicht Gary Oldman zu hören sind.