James Bond 007: Nightfire

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Electronic Arts
Entwickler
Gearbox
Erscheinungsdatum
-
Genre
Shooter
USK
16
James Bond 007: Nightfire [PC , looki.de]

Gesamtwertung

70%/10

Grafik

Gut

Sound

Gut

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Gut

James Bond 007: Nightfire

Ein Martini (geschüttelt, nicht gerührt!), leicht bekleidete Damen, markante Bösewichte, verrückte Gadgets, viel Action und eine Prise Humor mit zwei Worten? James Bond. In nun 20 Filmen sorgte der britische Top-Agent für heiße Action auf dem ganzen Globus, das ganze natürlich immer im Auftrag ihrer Majestät.

Bond. James Bond.

Passend zum zwanzigsten, Mitte November veröffentlichten Bond mit Pierce Brosnan, veröffentlicht EA Games nun das erste wirklich ernstzunehmende Bond Spiel auf dem PC mit dem Namen James Bond 007: Nightfire. Was wir von der PC-Umsetzung des Bond Ego-Shooters halten, könnt ihr im folgenden Review selbst nachlesen. Besonders großen Tiefgang in Bezug auf die Story gab es in den meisten Bond-Filmen zwar nicht, dafür glänzten die Filme allesamt in Puncto Action. Das PC-Spiel und die Filme nehmen sich in dem Fall nicht viel, denn die Story von Nightfire ist alles andere als tiefgründig, dafür aber ziemlich spannend. Der beliebte Großindustrielle Rafae Drake plant als Führer der PIC (Phoenix International Corporation) die weltweite Nuklearwaffenabrüstung.

Denn leider erst ab Mission 7(!) fangen die Missionen wirklich an Spaß zu machen. Und damit wären gleich zwei eklatante Probleme von Nightfire aufgeklärt: Die meisten Missionen haben genug Potenzial, um in höheren Sphären mitzuspielen, verschenken aber aufgrund ihres tristen Aufbaus eine Menge Potential. Zum anderen ist der Spielumfang einfach zu gering, denn spätestens in zehn Stunden sollten selbst Anfänger das Mysterium rund um Drake gelöst haben.

Unverständlich ist dabei, warum Gearbox beispielsweise die Verfolgungsjagden, die es in der Konsolen-Fassung gab, für den PC einfach einsparte' Die Schießprügel machen in Nighfire ebenfalls keine besonders gute Figur. Schnell hat man sich auf seine ein, zwei Lieblingswaffen spezialisiert und wechselt diese nur noch bei Munitionsmangel. Das ansonsten etwas blasse 08/15 Waffensortiment wird durch die von Q berüchtigt gewordenen Bond-Gagdets aufgelockert. Ein Türschloss versperrt euch den Weg zu einer Rüstung? Kein Problem, Bond packt die Uhr mit integrierten Laser aus. Ihr braucht dringend ein Seil, um an einer Wand hochzklettern? Kein Problem: Bond packt das Handy mit integriertem Seil aus.

Die Gagdets sind zwar allesamt recht nett, verlieren aber insgesamt ihre Bedeutung, weil sie a) viel zu selten angewendet werden müssen und b) nur dann angewendet werden dürfen, wenn es die Entwickler vorgesehen haben. Die geringe Handlungsfreiheit passt sich somit dem streng linearen Levelaufbau an. Ein Blick auf die verwendete Engine in Nightfire lässt Böses ahnen, dies jedoch zu Unrecht. Zwar hat die „Half-Life-Engine“ bereits schon vier Jährchen auf dem Buckel, wurde von Gearbox allerdings kräftig aufgebohrt. Während die Außen-Missionen überraschend schick aussehen, merkt man den in Gebäuden angesiedelten Missionen das Alter der Engine schon an. Auch die Effekte, allen voran die der Explosionen, sehen recht schick aus, können mit denen eines Unreal Tournament 2003 aber nicht ansatzweise konkurrieren.

Alles in allem muss man Gearbox zwar ein Kompliment aussprechen, dass sie wirklich den letzten Rest an „Grafikpracht“ aus der Engine rausgeholt haben, allerdings ist den Entwicklern anzuraten, die Engine nicht noch einmal zu nutzen, denn Nightfire wirkt an manchen Stellen doch schon arg blass gegenüber der Konkurrenz. Zu kritisieren ist auch, dass das Spiel verdammt hohe Hardwareanforderungen stellt, um ohne Ruckeln in Fahrt zu kommen. Selbst auf einem sehr guten Rechner mit einer Geforce 4 Grafikkarte, ging die Framerate in den höheren Auflösungen mehr als einmal unter die 30 Frames/s. Das Intro sowie die extrem körnigen und schlecht aufgelösten Zwischensequenzen wurden gut vertont. Die Synchronstimmen sind sowohl in der englischen als auch in der deutschen Version gut gelungen und wissen durchaus zu überzeugen. Auch der altbewährte Soundtrack und die neuen Kompositionen wissen dem Sinnesorgan Ohr zu gefallen: auch wenn sie nicht mit denen eines Unreal Tournament, Jedi Knight II und Co. konkurrieren können. Nett: bei der Entdeckung eines Geheimraumes, ertönt kurz der Bond Soundtrack.

In Sachen Steuerung unterscheidet sich Nightfire in keinem Punkt der erhältlichen Ego-Shooter Konkurrenz. Die Mischung aus Tastatur und Maus klappt auch hier wunderbar. Einziges Manko ist das hektische Wechseln zwischen konventionellen Waffenarsenal und Gagdgets, dass manchmal einige Sekunden in Anspruch nehmen kann und in brenzligen Situationen somit zum Tode des britischen Geheimagent führt. Der Multiplayer Modus in Nightfire ist insgesamt ziemlich durchschnittlich geworden. Ihr könnt euch entweder im DeathMatch, Team-DeathMatch oder Capture the Flag austoben, weitere Spielmodi bzw. Überraschungen fehlen. Aufgrund des eher dürftigen Waffenarsenals und der etwas zu einfach gestalteten Maps, macht das ganze nicht all zu lange Spaß, taugt aber als nette Dreingabe für ein paar vergnügliche Minuten. Doch der britische Geheimdienst vermutet dahinter eine Finte.

Zurecht, denn Rafael Drake versucht in Wirklichkeit an die Navigationshardware für die orbitale Waffenplattform der Amis zu kommen. Nun springt Bond ein und muss Drake eben dies nachweisen.

Bei der Jagd nach der Wahrheit wird es selten langweilig. Die insgesamt neun Levels sind auf der ganzen Welt verstreut; so seid Ihr z.B. in der ersten Mission noch auf einem großen Anwesen in Österreich unterwegs, während Ihr in den späteren Missionen nach Japan, auf eine lauschige Südsee-Insel oder gar in einem Hochhaus auf die Jagd nach den Bösewicht gehen müßt. Die meisten Missionen laufen hierbei nach dem üblichen Ego-Shooter Schema ab: Ballern, Ballern und nochmals Ballern. Allerdings haben die Jungs von Gearbox (Tony Hawk 2 PC-Umsetzung, Half-Life: Opposing Force und Blue Shift, Counter-Strike: Condition Zero) dafür gesorgt, dass der Spieler auch sein Köpfchen benötigt. So schleicht Ihr z.B. in einer der Anfangmissionen durch ein Hochhaus (siehe Oben). Was allerdings zunächst noch ganz spaßig ist, wird schnell zur Tortour. Vor allem auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad ist es oftmals unverständlich, warum jetzt eigentlich der Alarm ausgelöst wurde, denn weder eine Kamera noch einer vom Wachpersonal hat euch entdeckt.

Die KI ist dabei, wie in den Baller-Mission, alles andere als eine große Herausforderung, sie spottet nämlich jedem Vergleich. Mehr als einmal kommt es vor, dass euch die Gegner einfach nicht sehen(!). Sogar beim „Anschleichen“ (was so aussieht, dass Ihr im Laufschritt hinterrücks auf den Gegner zu lauft) sieht oder vielmehr hört euch der Gegner nicht. Ebenso, wenn ihr quasi vor seinen Augen einen Kollegen ausschaltet. Ärgerlich ist zudem, dass die Trefferzonen in dem Spiel äußerst schlecht simuliert wurden. Sehr oft ist es von Nöten, dass man mehr als ein ganzes Magazin in einen Gegner pfeffert. Vor allem zu Beginn wird sich der Spieler mehr als einmal die Augen reiben müssen: Nanu, seit wann stapft Bond durch solch öde Lokalitäten?.

Fazit

Triste Anfangsmissionen und Level-Lokalitäten, eine durchschnittliche Grafik, ein schwachbrüstiger Multiplayer-Modus, eine strohdumme KI (die den Namen eigentlich nicht verdient) und ein gegenüber der Konsolenversion bescheidener Spielumfang, machen James Bond 007: Nightfire zu einem Ego-Shooter von der Stange. Einzig und allein der Bond-Bonus, die lustigen, wenn auch grobkörnigen, Zwischensequenzen und die recht überzeugende Story halten das Spiel im 70er Bereich. Insgesamt ist Nightfire aber eine kleine Enttäuschung geworden, wer da zunächst an eine Art Half-Life 2 mit der alten Engine dachte, hat sich geirrt. Eine Kaufempfehlung ist das Spiel somit nur für Hardcore Ego-Shooter- oder Bond-Fans.

James Bond 007: Nightfire [PC , looki.de]

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