Gesamtwertung88%/10 |
GrafikGut SoundSehr gut |
LanzeitspaßSehr gut SpieleinstiegSehr gut |
BedienungSehr gut |
Als vor gut sechs Jahren der 3D-Ego-Shooter Jedi Knight auf den Markt kam, staunten sowohl Fachpresse als auch Spieler nicht schlecht. Kaum einer hatte sich träumen lassen, dass sich so viel von dem Star Wars-Feeling virtuell umsetzen ließ. Doch nicht nur die gut eingefangene Atmosphäre und die Technik wussten damals zu überzeugen, sondern auch die einfallsreiche und gut inszenierte Geschichte rund um den dunklen Sith Jerec ließen die Herzen der Fans höherschlagen.
Die Latte für den im April letzten Jahres releasten Nachfolger Jedi Knight: Jedi Outcast war dementsprechend hoch gesteckt, wurde jedoch locker erreicht. Neben deutlich imposanteren Lichtschwertduellen und einer stark aufgebohrten Quake 3-Engine, überzeugte vor allem wieder einmal der vollbärtige Titelheld Kyle Katarn mit seinem Charme und sarkastischen Sprüchen. Einzig wirkliches Ärgernis waren die vielen, zum Teil unlogisch platzierten Rätsel sowie die sehr kurze Spielzeit von gerade einmal 15 Stunden.
Der dritte Teil der Reihe, Jedi Knight: Jedi Academy, geht in Hinsicht auf die Story neue Wege. Der aus den Vorgängern bekannte Held Kyle Katarn hat mittlerweile sein Domizil in der einzigen Jedi Akademie der Galaxis aufgeschlagen, in der er Luke Skywalker höchstpersönlich bei der Ausbildung von neuen Jedi-Fachkräften als Mentor zur Seite steht.
Auf dem Weg zu dieser Akademie befindet sich nun auch Jaden Korr, der neue Titelheld in Jedi Knight: Jedi Academy. Aussehen und Geschlecht Jadens können dabei frei von euch generiert werden, ebenso die Farbe des Lichtschwerts und die seiner Kleidung.
Die Zwischensequenzen bleiben dabei die Gleichen, eine unterschiedliche Behandlung genießen menschliche oder außerirdische Jedis nicht. Bevor Jaden jedoch die Akademie erreicht, wird sein Transport-Shuttle unliebsam aus der Luft geholt und er landet mitten in der Pampa.
In den folgenden Missionen müsst Ihr wieder erstarkte Sith daran hindern Ragnos, den mächtigsten aller Sith, wieder zu beleben, um so die Galaxis vor Angst, Schrecken und Terror zu bewahren. Dabei bekommt Ihr es meist mit in Kutten und Umhängen gekleideten, fanatischen Kult-Anhängern zu tun, die sich mit den letzten Überresten des stark gebeutelten Imperiums verbündet haben.
Zwar wird die Story durch die vielen Zwischensequenzen gut erzählt, allerdings wirken die Fieslinge wie schon im Vorgänger ein wenig blass. So richtig mag da keine Freude aufkommen, wenn man mehrere Levels hintereinander gegen vermummte Schwert-Akrobaten kämpfen muss. Ein Bösewicht à la Darth Maul oder Lord Vader hätte hier Wunder bewirkt.
Insgesamt bietet Jedi Knight: Jedi Academy bis zu 25 Missionen die in drei Kapitel unterteilt wurden. Bis zu deshalb, weil es erstmalig für die Reihe wie in einem Rollenspiel eine freie Missionswahl gibt. Zumindest theoretisch, denn praktisch wurde das Ganze nur unzufriedenstellend umgesetzt.
Neben Pflichtmissionen habt Ihr in den drei Spielkapiteln die Wahl aus fünf Missionen, von denen Ihr allerdings nur vier absolvieren müsst. Hierbei stellt sich nur die Frage, welcher Spieler sich ernsthaft freiwillig Missionen durch die Finger gehen lässt, auch wenn diese für die Story irrelevant sein mögen. Spannender wäre es sicherlich gewesen, wenn man die Aufträge nicht nur per Kurzbriefings in die Hand gedrückt bekommen, sondern diese vielleicht in Gesprächen mit anderen Akademie-Schülern oder auf anderen Planeten erhalten hätte. Denn so entpuppt sich das neu angepriesene freie Missions-System doch ein wenig konventioneller als es ohnehin schon war.
Die Missionen von Jedi Knight: Jedi Academy sind in den meisten Fällen kürzer und knackiger als die des Vorgängers, was die Vorfreude von Mission zu Mission steigert. Raven Software hat bei der Gestaltung der Level vor allen Dingen Wert auf Abwechslungsreichtum gelegt, wodurch absolute Star Wars-Veteranen mehr als einmal eine Träne vor Freude vergießen werden.
Ob nun der aus den Filmen bekannte Eisplanet Hoth mit seinen irritierenden Nebelschwaden und hohen Bergklippen, ein verlassener Sandplanet auf dem Würmer ihr Unwesen treiben oder eine ehrfürchtig große Basis von Darth Vader, der Fantasie der Level-Architekten scheinen keine Grenzen gesetzt worden zu sein.
Ähnlich abwechslungsreich spielen sich dann auch die Einsätze innerhalb der Missionen, die jede für sich eine eigene, kleine Geschichte erzählt und nur selten stur der Haupthandlung folgt. In einer Mission müssen beispielsweise Gefangene befreit werden, diese können jedoch nur in die Freiheit gelangen, wenn Ihr ihnen ein dickes Ungetüm namens Rancor vom Leib haltet. Andere Missionen, vor allem spätere, wurden hingegen mit turbulent in Szene gesetzten Lichtschwertduellen ausstaffiert, von denen man aufgrund ihres spannenden Ablaufs nie genug kriegen kann.
Im Laufe der Kampagne kann sich Jaden in insgesamt 16 Jedi-Kräften verbessern. Neben den acht Grund-Mächten, wie etwa Schub, Sprung oder Geschwindigkeit, kann er seine nach einer Mission erbeuteten Punkte auch auf vier Mächte der hellen oder dunklen Seite der Macht verteilen. Während die eine Seite mit Fähigkeiten wie Heilen oder Immunität gegen bestimmte Waffen mit sich bringt, liefert euch die andere effektreiche Blitze oder den Würgegriff von Darth Vader. Habt Ihr deutlich mehr Punkte auf die hellen oder dunklen Mächte verteilt, bitten euch Kyle oder Luke schon einmal zum Gespräch um Euch von den Vor- beziehungsweise Nachteilen eben jener Seite in Kenntnis zu setzen.
Etwas ärgerlich ist, dass die Handlung während der Missionen, zum Beispiel das liquidieren neutraler Personen, keinerlei Auswirkungen auf eure Macht-Gesinnung haben.
Neben dem effektreichen Lichtschwert, mit dem Ihr in Jedi Knight: Jedi Academy nunmehr ¾ der Spielzeit absolvieren müsst, könnt Ihr auch auf ein zwölf Schießprügel starkes Waffenarsenal zurückgreifen. Dieses beinhaltet neben nützlichen Laserschussgewehren auch einen Rocket-Launcher oder ein Sniper-Rifle. Der Einsatz des Lichtschwerts ist, wie man schnell bemerkt, wesentlich wichtiger als noch im Vorgänger. Das liegt auch mitunter daran, dass Ihr gegen Ende des Spieles die Wahl zwischen zwei Schwertern oder einem Doppelschwert habt - Darth Maul und Anakin Skywalker lassen grüssen.
Das grafische Gerüst besteht in Jedi Academy noch immer aus der mittlerweile in die Jahre gekommenen Quake 3-Engine. In den Innenlevels stört dies zwar kaum, da diese grafisch ansprechend dargestellt wurden und mit schönen Lichteffekten und pompösen Monumenten glänzen können. Allerdings sind die Außenlevel grafisch weniger gelungen, da sie farbarm sind und meist auch ein wenig kantig wirken. Überzeugend sind trotzalledem nach wie vor die prallen Licht- und Explosionseffekte der Waffen sowie die der Lichtschwerter.
Wenn Jedis butterweich animiert per Salti durch die Luft fliegen oder beim Lichtschwertkampf die Funken sprühen, kommt man stellenweise nur noch ins Staunen. Sehr schön geworden sind auch die Gesichter der Charaktere, die aufgrund der vorhandenen Mimik lebendig wirken und vorhandene Schwächen der mittlerweile schwachbrüstigen Quake 3-Engine vergessen machen.
Wie es sich für ein Star Wars-Spiel gehört, ertönt beim Spielen von Jedi Knight: Jedi Academy die Musik von John Williams aus den Boxen. Die spannungsgeladenen, orchestralen Töne passen besonders gut zu den häufigen Lichtschwertduellen und unterstreichen diese gekonnt. Auch die Waffengeräusche wurden gut vertont und sind denen aus den Filmen nachempfunden worden. Ob wild piepende Detonationspakete, surrende Lichtschwerter oder ratternde Laser-Gewehre, hier gibt es nichts zu meckern.
Neben dem gut gelungenen Single Player-Modus weiß der dritte Teil der Jedi Knight-Reihe vor allem aufgrund seiner umfangreichen Multiplayer-Modi zu gefallen. Neben den standardüblichen Capture the Flag, Death- oder Team Deathmatch besticht insbesondere der neu implementierte Belagerungsmodus, der sich selbst vor reinen Multiplayer-Klassikern wie Team Fortress Classic oder Tribes 2 nicht zu verstecken braucht. In diesem Modus gilt es in einem von zwei Teams mehrere Aufgaben zu erfüllen. Während die einen dann meist irgendwelche Hebel betätigen oder Computer in der feindlichen Basis zerstören müssen, sind die anderen Kombattanten dazu angewiesen dies anhand von Verteidigungsanlagen oder Schutzstellungen so gut wie es eben geht zu verhindern. Das Ganze bekommt eine zusätzliche taktische Würze durch Charakterklassen wie Techniker, Waffenspezialisten oder Jedi-Ritter, die sich in ihrer Ausrüstung oder Laufgeschwindigkeit zum Teil stark unterscheiden.
Lobenswert ist es auch was die Jungs von Raven Software aus der stark angestaubten Quake 3-Engine herausgekitzelt haben und wie sie den Multiplayer-Modus um weitere Nuancen verbessern konnten.
Warum es nicht zur 90er-Wertung gereicht hat liegt ganz einfach daran, dass Spiele wie Unreal 2 grafisch einfach besser aussehen und der Geschichte von Jedi Academy ein richtig kantiger Spielbösewicht fehlt. Mir hat Jedi Academy jedenfalls genauso vorzüglich wie der Vorgänger gefallen und kann somit bedenkenlos jedem Action- und Star Wars-Fan ans Herz gelegt werden. Möge die Macht mit euch sein!
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