Kabus 22

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Frogster Interactive
Entwickler
Frogster Interactive
Erscheinungsdatum
-
Genre
Andere
USK
18
Kabus 22 [PC , looki.de]

Gesamtwertung

52%/10

Grafik

Mangelhaft

Sound

Befriedigend

Lanzeitspaß

Befriedigend

Spieleinstieg

Befriedigend

Bedienung

Mangelhaft

Kabus 22

Eine Übermacht aus blutgierigen Monstren, größtenteils feststehende Kameraperspektiven und eingestreute Rätseleinlagen? Moment mal, das ist doch...ja, erinnert Euch das nicht auch stark an die ersten drei Teile der Resident Evil-Serie? Kabus 22 (dt.: Albtraum 22), das Erstlingswerk des türkischen Entwicklerstudios Son Isik, erinnert tatsächlich von Anfang bis zum Ende an Capcoms Survival-Klassiker, macht dabei jedoch längst nicht alles richtig. Zumindest optisch kommt der Titel Resident Evil: Nemesis verdammt nahe – das liegt wohlgemerkt aber schon knapp acht Jahre zurück. Kurz und prägnant könnte man das folgendermaßen zusammenfassen: Detailarme Figuren bewegen sich mit durchschnittlichen bis miesen Animationen durch vorwiegend auf 08/15-getrimmte Außen- und Innenszenarien. Und so will anfangs noch kein rechtes Horror-Gefühl aufkommmen, was übrigens nicht nur an der hoffnungslos veralteten Technik liegt, sondern auch an der nicht zu verachtenden Steuerung mit der Tastatur.

Albtraum hoch zehn: Die Steuerung

Es ist alles wie beim Survival-König – nur schlechter. Argh, Figur drehen, Waffe ziehen, Waffe abfeuern: Das alles will mit dem Tastenbrett vor uns nie so recht und wenn, dann überhaupt erst viel zu spät klappen.

Lasst das Stück komprimierte Nutzlosigkeit also vor Euch liegen und schnappt Euch gleich ein Gamepad, das geht schon wesentlich besser von der Hand. Okay, wir vergessen die anfänglichen Mühen und starten das Spiel nochmals: Kabus 22 erzählt die Geschichte eines Wesens, dass vor einiger Zeit auf die Erde kam und durch wundervolle Kräfte eine regelrechte Schar an Anhängern um sich versammeln konnte – erfüllte es zuerst noch Wünsche, stellte sich sehr bald heraus, dass nicht weniger als eine gänzlich neue Weltordnung auf den Plan gerufen wurde, die sich daran machte, alles und jeden zu assimilieren. Wer sich nicht fügen wollte, bekam den Zorn der Kreatur und seiner dämonischen Anhänger zu spüren. Es bildeten sich Guerilla-Fraktionen, die gegen den wahrgewordenen Albtraum ankämpfen wollten.

Nach dem eher misslungenen, da pixeligen Intro, dürft Ihr auch schon die Kontrolle über den Widerständler Demir übernehmen, einer Art türkischer Chris Redfield.

Es dauert auch nicht lange, da sehen wir uns schon konfrontiert mit dem ersten Gegner der - nebenbei gesagt – wohl nervigsten Feindgruppe der letzten Jahre. Das Teleportationswesen sieht in seiner Vorstellungssequenz zwar verdächtig nach dem Licker aus RE2 aus, hat jedoch gänzlich andere Fähigkeiten. Eine davon nervt beständig: Wie der Name schon sagt, teleportiert sich das Wesen vor Eure Nase – und das nicht nur einmal, sondern ständig.

Wegrennen könnt Ihr dabei nicht - umso ärgerlicher dass der Charakter beim Schießen stehen bleiben muss. Zwar dürft Ihr in kritischen Situationen auch auf eine Nahkampfattacke übergehen, doch die hilft wirklich nur dann, wenn Ihr gerade einmal nicht nachladen könnt. Denn recht selten steht Ihr schon mal mehr als einem Gegner gegenüber: Bei den Teleportationswesen artet das zuweilen in regelrechte Frustmomente aus, wenn Ihr gleich von drei Monstern dieser Gattung „angebaggert“ werdet.

Nicht der beste Einstieg in die Welt von Kabus 22, wenn Ihr uns fragt. Im Verlaufe des Spiels seid Ihr jedoch nicht nur auf Demir beschränkt, sondern dürft auch auf zwei weitere Charaktere steuern: Da wäre zum einen Demirs Freundin Ebru und zum anderen der mysteriöse Inzar, der statt Waffen Nahkampf- und Magieattacken im Kampf gegen die höllische Brut einsetzt. Getreu dem Sprichwort „Das Beste kommt zum Schluss“ machen auch die Passagen mit Letzterem am meisten Spaß im doch recht eintönigen und hinlänglich bekannten Gameplay. Für Déja-Vu-Momente ist in Kabus 22 ausreichend gesorgt, das sagten wir Euch ja bereits zu Beginn: Aber es sind nicht nur die Grafik oder die Steuerung, die so an heftigen Anleihen triefen, es sind zusätzlich noch das Inventar sowie die Kamerapositionen. Werdet Ihr verletzt oder benötigt einen Gegenstand aus Eurem Fundus, schaltet Ihr auf Knopfdruck ins Inventar, dass – welch Überraschung – dem von Resident Evil verdächtig nahe kommt. Das eigentliche Spiel wird dabei pausiert, Ihr könnt Euch also ausreichend Zeit lassen.

Unendlicher Albtraum: Die Kämpfe

Kommen wir zur Kameraführung: Die wird wie bekannt vom Spiel übernommen, kostet Euch gelegentlich aber an Übersicht. Ausgerechnet bei der ersten Konfrontation kommt auch schon der erste Patzer zum Tragen: Demir steht am rechten Bildschirmrand, die Zwischensequenz startet und deutet den ersten Kampf an. Als das Filmchen endet, stehen wir immer noch am Rande des Screens. Laufen wir weiter zur nächsten Kameraposition, laufen wir gleichzeitig auch in die Arme des Monstrums. Bewegen wir uns hingegen wieder in die Mitte des Screens, müssen wir uns erst wieder mühselig umdrehen. In diesem Zeitraum hat uns das Vieh trotzdem erreicht und wir kassieren dennoch Schaden. Diese Szene lässt sich auf viele Stellen von Kabus 22 übertragen, bei der die ungünstige Kameraposition Euch einen Strich durch die Survival-Rechnung macht.

Ganz nett, aber viel zu simpel sind die Rätsel. Ob man nun einen Generator mithilfe von Schalterstellungen, die man zuvor an einer Tafel mit einer gefundenen Zahnbürste sichtbar gemacht hat, aktiviert, Vorhängeschlosse mit einem Allzweckwerkzeug und Falltüren mithilfe eines Leiterkabel-Mechanismus öffnet, oder verrostete Eingänge mit einem Rostentferner zugänglich macht: Die Lösung ist meistens offensichtlich.

Benötigte Gegenstände werden natürlich per Benutzen-Button im Inventar – wie eben in Resident Evil – ausgewählt. Und selbst in Sachen Speichersystem geht Kabus 22 keine neuen Wege, sondern verlässt sich stattdessen auf ein Relikt alter Tage: Frei speichern dürft Ihr nicht, weswegen Ihr Euch auf vereinzelt platzierte Kreise verlassen könnt, über die einfach nur drüberlaufen müsst. Alternative Spielstände zum Herumprobieren können jedoch nicht gespeichert werden.

Die bisher genannten Mängel wären gar nicht mal so übel, wenn wenigstens das zentrale Element des Games, die Kämpfe nämlich, stimmen würden: Tun sie durch einige Makel aber nicht. Schlimm auch, dass keine der Spielfiguren nach oben oder unten zielen kann: Im offensichtlichen Vorbild ließen sich so immerhin gute Headshots erzielen oder die Fortbewegung durch das Amputieren der Beine erheblich vermindern. In Kabus 22 wird hingegen nur aus einer Standardhöhe geschossen: Bei kleinen Flugmonstern bekommt Ihr hier Probleme.

Diese können nur dann getroffen werden, wenn sie sich im Sinkflug befunden. Halten sie sich über Euren Köpfen auf, müsst Ihr wohl oder übel die Giftbatzen schlucken, die Euch entgegenfliegen. Ein erfolgreiches Wegrennen könnt Ihr auch hier vergessen. Überhaupt verkommen die Kämpfe zum nervigen Mitbringsel eines ansonsten antiquiert wirkenden, aber nicht unbedingt schlechten Survival-Actioners – hier hätte sich Son Isik vielleicht doch auf geballten Nahkampf – wie es Inzar an den Tag legt – oder nervenzerfetzende Fluchtpassagen im Stile eines Clock Tower verlassen sollen.

Denn zumindest akustisch kommt durchaus Atmosphäre auf: Die Qualität der Soundeffekte mag vielleicht nicht die Beste sein, selbige untermalen Schockmomente jedoch ansprechend. Vor allem der fiese Beep-Ton ist unserem Trommelfell nachträglich in Erinnerung geblieben. Schade nur, dass es keine deutsche Synchronisation gibt: Stattdessen dürft Ihr zwischen englischen und türkischen Sprechern wählen. Die Hintergrundmusik wirkt stimmig in Hinblick auf Szenario und Grundtenor, hätte aber mehr Abwechslung vertragen können. Habt Ihr Euch durch die Kampagne von Kabus 22 gekämpft, dürft Ihr Euch noch im Minispiel K22 Mode: Demolition Day austoben. Ziel des Spiels ist es, mithilfe eines Multifunktionsgeschützes in der Ego-Perspektive soviele Kreaturen wie möglich abzumurksen – ein Zeitlupenmodus und verschiedene Aufsätze machen das Ganze zumindest für ein paar Minuten recht interessant.

Fazit

Da ist er also, der wahrgewordene Albtraum? Für Leute, die kein Gamepad besitzen, ja. Für Spieler, die auch mal abseits hinlänglich bekannter Survival-Pfade wandern wollen, ja. Für Puristen, die sich nur wegen bildschirmfüllender Explosionen und höchst detaillierten Charakteren mitsamt geschmeidiger Animationen neue Hardware und danach ausgerechnet Kabus 22 gekauft haben, ja. Das erste Werk der Son Isik-Studios muss sich vor allem eins vorwerfen lassen: Mangelnden Mut zur Innovation. Beinahe jedes Gameplay-Element hat man irgendwie, irgendwo und irgendwann schon mal gesehen - leider meistens auch besser. Dass die Optik dabei von vorvorgestern ist, stört mich eigentlich kaum - wenn ich aber mein Gamepad in zwei Hälften reißen muss, nur weil sich wieder ein bescheuertes Teleport-Monstrum vor die eigene virtuelle Visage gestellt hat und mir unfairerweise Healthpunkte abzieht, dann ist auch für mich Schluss mit lustig. Kein spielenswerter Albtraum also!

Kabus 22 [PC , looki.de]

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