Kaiser - Das Erbe

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Comport Interactive
Entwickler
GamesArk
Erscheinungsdatum
-
Genre
Simulation
USK
0
Kaiser - Das Erbe [PC , looki.de]

Gesamtwertung

15%/10

Grafik

Mangelhaft

Sound

Mangelhaft

Lanzeitspaß

Befriedigend

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Befriedigend

Kaiser - Das Erbe

Im Genre der Wirtschaftssimulationen gibt es nur wenige Titel, die es bis zum Kultstatus gebracht haben. Neben Hanse, Vermeer und Die Fugger prägte speziell Kaiser die spielerische Landschaft der C64 und Amiga-Besitzer. Jetzt, über 15 Jahre später, beschert uns Gameark eine Art Renaissance des Klassikers Kaiser. Wieso das Ergebnis aber eher einer Leichenfledderei statt einer Ehrerbietung ähnelt, kann der geneigte Leser in unserer Review erfahren.

Liebe Leserschaft, wenn der Klappentext eines PC-Spieles aus dem Jahre 2003 irrsinnig atemberaubende Features wie „Einfache und gut strukturierte Menus“, „Stimmungsvoller Hintergrund“ und vor allem „Grafik zwischen 8 und 16 Bit umschaltbar“ verspricht, weiß ein Spieletester des Jahres 2003 leider meist sofort, was ihn erwartet. Kurzfriste Urlaubsanträge oder gar Suiziddrohungen werden von oberster Stelle kategorisch ignoriert, sodass die arme Testerseele keine Wahl hat, dem Testexemplar zu entgehen.

Geschichte, die keiner wissen will

Damals, als ein Großteil unserer Leser wahrscheinlich noch nackt mit der Trommel um den Weihnachtsbaum rannte, erschien auf dem C64 – wer nicht weiß, was das ist, bitte im Museum nachfragen – ein Spiel namens Kaiser, das wenige Jahre später auch auf dem Amiga – genau, im Museum nachfragen – eine blühende Fangemeinde fand. Das Spielprinzip war denkbar einfach. Als niederer Landadel mit Zukunftsperspektive investiert man seine Gelder in Getreidefelder und Mühlen, um die Nahrungsversorgung der Bevölkerung zu decken, baut sich eine kleine Armee auf, um den Nachbarn Land streitig zu machhen, dreht hier und da an der Steuerschraube, was sich übrigens immens auf das Wachsen oder Sinken der Einwohnerzahl niederschlug und hortet dabei derartig viel Geld, um nach und nach in der Hierarchie des Adels aufzusteigen und irgendwann einmal als Kaiser zu „enden“.

Spiele, die keiner spielen will

Zumindest dachten sich die Jungs und Mädels von Gameark, es sei sicherlich eine gute Idee, einen Quasi-Nachfolger bzw. eine PC-Portierung mit dem sinnigen Namen „Kaiser – Das Erbe“ zu programmieren. Puh, langer Satz für ein simples Spiel. Wieso es damals allerdings einen ungeheuren Suchtfaktor hervorrief und für durchzechte Nächte sorgte, ist im Nachhinein nicht mehr wirklich rekapitulierbar.

Die ungemein innovative Handlung: Der alte Kaiser segnete das Zeitliche und die vier größten Fürsten – einer davon ist man selber – beanspruchen den nunmehr verwaisten Thron… kriegerisch natürlich: wie herzzerreißend und doch irgendwie romantisch, hach. Noch immer ist es Aufgabe des Spielers, Felder und Mühlen zu kaufen und auf den eigenen Ländereien zu verteilen, eine Armee aufzustellen und diese dann gegen den Feind zu schicken. Und noch immer versucht man durch geschickte Lebensmittelrationierung und Steuerschrauben-Hin-und-Herdreherei eine fröhlich steigende Einwohnerzahl zu erarbeiten, um so irgendwann als Kaiser zu „enden“. Man sieht, so wirklich Neues gibt’s nicht.

Menüs, die keiner bedienen will

Nun, etwas Neues gibt es schon: Die garantiert eingebaute Langeweile. Denn neben einer für ein knappes Dutzend Menüs recht drögen und teilweise hirnrissigen Steuerung verströmt Kaiser-Das Erbe bodenstämmige Monotonie. Im Grunde schläfert sich Kaiser innerhalb von 10 Spielrunden selber ein. Als Paradebeispiel für die beknackte Steuerung sei der „Kampfbildschirm“ zu nennen, der eigentlich gar keiner ist. Also, hat man irgendwann genügend Geld zusammen, um sich ein paar Soldaten und Kanonen für Kriegsspiele zu kaufen, wechselt man in bereits genannten Kampf- bzw. Soldatenverschiebebildschirm.

Kämpfe, die keiner auskämpfen möchte.

Das Kaiser-Reich ist praktischerweise ausschließlich rechteckig und die insgesamt 48 Provinzen allesamt quadratisch. Jeder Fürst beginnt dabei in einer der vier Ecken des Reiches. Hat man seine Armee gekauft, bewegt man sie auf ein noch nicht annektiertes Nachbarfeld. Klingt schon mal unheimlich spannend, oder? Nun, nächste Runde meldet dann ein Bildschirm, wie viele Schlachten man insgesamt führte und wie viel von denen man gewann. Ach ja, die rechnerisch nicht nachvollziehbaren Verluste werden auch angezeigt.

Nun, da man eine Armee pro Runde immer nur um ein Feld bewegen bzw. ein anderes Feld angreifen lassen kann, hat man bei 48 Feldern einiges zu tun. Irgendwann allerdings möchte man vielleicht eine neue Armee ausheben und an die Front schicken. Doch, oh Schreck.

Die neuen Truppen erscheinen wieder im „Hauptland“ des Spielers, was bedeuten kann, dass man mehr als 14 Runden braucht, bis man seine neuen Truppen in den Kampf schicken kann. Der Feind ist währenddessen allerdings nicht untätig. Wer also nicht auf Teufel komm raus Truppen aushebt und mühsam Runde für Runde übers Spielfeld schiebt, hat schlechte Karten: ABSOLUT NERVTÖTEND!

Juchuuu, hat man endlich eine Provinz erobert, darf man feststellen, dass die Gesamteinwohnerzahl nicht zwangsläufig steigt. Scheinbar gibt es dort keine Bevölkerung mehr. Andererseits darf man dort nun Felder, Mühlen oder beides bauen, um die Gesamtnahrungsmittelproduktion anzukurbeln. Dabei ist es wurscht, ob man in einer Provinz ausschließlich Getreide oder Mühlen anbaut. Sofern man insgesamt etwa gleich viele Mühlen und Felder hat, haben die Einwohner was zu futtern, und das alleine zählt

Man kann, um die Einwohnerzahlentwicklung nachhaltig zu beinflussen, die Lebensmittelrationen und die Steuersätze verändern. Nach der Logik müssten sich Einwohner, die viel zu mampfen und wenig an Steuern zu zahlen haben, im allgemeinen des Lebens erfreuen und wie die Wilden… Nachwuchs zeugen. Machen sie auch manchmal, nur halt nicht nachvollziehbar. Mal sind die Geburten extrem hoch, dann mal wieder die Sterblichkeitsrate und so weiter. Argh!

Kaiser-Das Erbe ist hässlich. Selbst noch zu Zeiten von Dos-Spielen Anfang der 90iger Jahre wäre Kaiser-Das Erbe ein sicherer Augenkrebskandidat gewesen. Alles ist in fäkalbraun Farben gehalten, Animationen nicht vorhanden. Die einzigen bewegten Bilder sind die kleinen, arg verpixelten Renderfilmchen, die den Ausbau der heimischen Burg widerspiegeln.

Fazit

Nachdem ich das Jewel-Case zu Kaiser:Das Erbe das erste Mal in Händen hielt und mein Blick über die angepriesenen Features schweifte, hatte ich ein mulmiges Gefühl. Leider hat sich mein Eindruck nicht getäuscht und außer einer schnöden Grafik, die fast ausschließlich auf Standbildern basiert, einer verwirrenden Steuerung und einem immer gleichen Spielablauf wird dem Spieler nichts geboten. Deswegen sollten wirklich alle Spieler einen Bogen um dieses Spiel machen.

Kaiser - Das Erbe [PC , looki.de]

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