Knights of Honor

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Sunflowers
Entwickler
Sunflowers
Erscheinungsdatum
-
Genre
Strategie
USK
-
Knights of Honor [PC , Justgamers]

Gesamtwertung

84%/10

Grafik

Befriedigend

Sound

Gut

Lanzeitspaß

Sehr gut

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Gut

Knights of Honor

Civilization ist tot, es lebe Civilization? Ha, falsch geraten, denn ein absoluter Newcomer im Strategiegenre erhebt Anspruch auf den Thron. Als Herrscher eures eigenen Königreichs ist es in Knights of Honor euer Ziel, das zu schaffen, was zum Glück noch keiner in der Geschichte Europas geschafft hat, nämlich die Herrschaft über die ganze bekannte Welt.

Von A wie Anglia bis Z wie Zypern

Dieses Spiel ist einfach gigantisch, auf jeden Fall was die Zahlen angeht. Denn die Entwickler haben Sage und Schreibe 100 Original Völker in drei Epochen in Knights of Honor eingebaut. Diese 100 Völker sind auf riesige 164 Gebiete verteilt, die sich alle mit der richtigen Armee und Taktik einnehmen lassen. Doch aller Anfang ist schwer, denn wer die Wahl hat, hat auch die Qual. Erst einmal müsst ihr euch fürs frühe, mittlere oder späte Mittelalter entscheiden, denn je nachdem wofür ihr euch entscheidet, sind verschiedene Völker schon erobert oder vereint. Dennoch ist die Auswahl durchaus abwechslungsreich denn auch asiatische und afrikanische Völker sind vertreten. Stilecht mit Wüstenkriegern oder Mongolenreitern wie man es ja von vielen Strategiespielen, die sich im Mittelalter ansiedeln bereits kennt. Die Wahl des Volkes bestimmt nicht nur euer Startgebiet, sondern auch eure militärische und wirtschaftliche Stärke, denn in der Wüste gibt es noch lange nicht so viele Handelswaren, wie im sonnigen Frankreich. Dennoch ist kein Volk wirklich einem anderen überlegen, denn wie immer zählt das, was ihr draus macht.

Der Sprung in die Echtzeit

Anders als das Vorbild Civilization spielt sich Knights of Honor vollends in Echtzeit. Für Strategen bedeutet das ein hartes Zeitmanagement, denn alle Aktionen laufen gleichzeitig ab. Was allerdings vor allem im militärischen Bereich viel mehr Taktiken und Überraschungsangriffe ermöglicht. Ein weiterer Unterschied ist die Tatsache, dass alle Städte schon von Anfang an fest auf der Karte verteilt sind. Selbstverständlich orientieren sich diese an Vorbildern der heutigen europäischen Städte. Neue Städte ansiedeln ist dennoch nicht drin. Auch die Gebiete orientieren sich stark an Grenzen des alten Europas. Wer sich also für ein relativ kleines Volk wie beispielsweise die Dänen entscheidet, muss sich nicht wundern, wenn er von Anfang an viel weniger Regionen als Frankreich oder Deutschland besitzt.

Seid ihr dann erst einmal im Spiel angekommen, gilt es, erst mal eure vorhandenen Städte durch Gebäude zu erweitern. In jeder Stadt stehen gleichviele Slots zur Verfügung, die ihr mit Gebäuden füllen könnt. Leider machen sich diese grafisch überhaupt nicht bemerkbar, es erscheint nur ein kleines Icon in der Slot-Ansicht. Dennoch sind die Auswirkungen der Gebäude immer sofort sichtbar, so sorgt der Kornspeicher für mehr Nahrung in der Stadt und eine Taverne sorgt für höhere Zufriedenheit und mehr Arbeiter. Letztere sind wichtig, damit eure Gebäude schneller errichtet werden und ihr Truppen rekrutieren könnt. Zusätzlich lassen sich die Gebäude jedoch auch noch weiter ausbauen, um an neue Einheiten zu kommen oder die Stadt gegen Belagerungen besser schützen zu können. Die einzigen Ressourcen, die ihr hierfür braucht sind Gold, Bücher oder Religion. Ersteres lässt sich durch Steuern eintreiben oder in feindlichen Gebieten plündern.

Auch Handel ist möglich, hierfür wird jedoch ein Handelsabkommen mit einer anderen Nation benötigt. Durch Handel kommt ihr zusätzlich auch noch an Handelswaren, die in euren eigenen Gebieten nicht vorhanden, oder erschlossen sind. Mit diesen könnt ihr dann noch weitere Gebäude freischalten und in euren Städten errichten lassen, was zudem auch die Zufriedenheit in eurer Stadt erhöht. Sinkt diese nämlich zu weit in den negativen Bereich, kommt es sehr schnell zu Revolten, welche sich jedoch mit einer stationierten Armee immer leicht niederschlagen lassen aber dennoch der Wirtschaft der einzelnen Stadt schaden. Dieser Wert wird aber auch von anderen Ereignissen beeinflusst, wie z.B. ein langer Krieg, viele Schlachten oder auch der Tot des Königs oder die Übernahme durch ein feindliches Königreich. Um den Wert jedoch im grünen Bereich zu halten, könnt ihr Gebäude errichten oder die Steuern senken lassen. Auch eine erhöhte Machtposition hilft, den Eindruck des Volkes zu verbessern. Die Machtposition wird auf einer Skala bestimmt und kann durch die korrekte Ausübung der eigenen Religion erhöht werden. Im Spiel bedeutet das: viele Kirchen bauen oder einen Kleriker ernennen. Sollte euch dies dennoch nicht reichen, könnt ihr euch auch durch Bücher und Gold die Macht praktisch erkaufen.

Ritter der Ehre

Schon ziemlich früh werdet ihr von feindlichen Völkern attackiert und müsst euch dementsprechend verteidigen. Anfangs stehen euch hierfür nur Bauern zur Verfügung. Durch weitere Gebäude wie Schwertschmieden oder Bogenmacher kommt ihr jedoch schnell an neue schlagkräftigere Truppen. Um einen Trupp Bogenschützen jedoch letztendlich rekrutieren zu können, benötigt ihr einen Marshall und genügend Nahrung und Gold. Spezialeinheiten sind dementsprechend teurer und verzehren mehr Nahrung als einfache Axtschwinger. Alle Einheiten werden dann um euren Marshall versammelt und können nur dadurch über die Karte bewegt werden. Während sie das tun verbrauchen sie einen Nahrungsvorrat welcher sich entweder durch den Besuch einer freundlichen Stadt oder die Plünderung von feindlichen Dörfern wieder auffüllen lässt. Kommt es jedoch einmal zu einer Schlacht habt ihr die Wahl, ob ihr dem Kampf selbst übernehmen wollt oder ob die CPU ihn für euch errechnen soll. Wählt ihr die erste Option, schaltet das Spiel in eine ISO-Ansicht auf das Schlachtfeld. Dort findet ihr alles vor, was ihr auch von der taktischen Ansicht schon erahnen konntet. So wird bei Belagerungen eure Stadt mit allen ausgebauten Burganlagen oder die des Feindes angezeigt oder aber ihr kämpft in der puren Natur. Selbstverständlich befinden sich auch euer Marshall und die von euch rekrutierten Truppen und gegebenenfalls sogar Belagerungsmaschinen auf dem Schlachtfeld. Ist gerade ein anderer Marshall in der Nähe, lässt sich dieser sogar noch als Verstärkung hinzuziehen. Was jedoch dann beginnt, hat leider mit Taktik nicht mehr viel gemein.

Zwar gibt euch das Spiel genügend taktische Möglichkeiten, wie z.B. die Auswahl verschiedenster Formationen und die Wahl zwischen Sturmangriff oder Verteidigung, sind die Truppen jedoch erst einmal ineinander verkeilt, liegen alle Entscheidungsfreiheiten bei Fräulein Fortuna. Deshalb lässt man auch spätestens ab dem zweiten gescheiterten Kampf das ganze lieber per CPU errechnen. Diese ist übrigens absolut fair. Während des Kampfes wird am unteren Bildrand eine Leiste eingeblendet, die euch über die verschiedenen Truppen eures eigenen Marshalls und die des feindlichen informiert und euch gleichzeitig den aktuellen Stand der Schlacht anzeigt. Zusätzlich zeigen euch zwei Statusbalken die Moral der Armeen an.

Sinkt diese beim Gegner, habt ihr schon so gut wie gewonnen; sollte sie jedoch auf eurer Seite sinken, ist es wohl besser den Rückzug anzuordnen. Denn die Moral bestimmt über Sieg und Niederlage. Ist die Schlacht jedoch gewonnen, erhält der Marshall Erfahrungspunkte und kann diese in Spezialfähigkeiten stecken. Diese erhöhen eure Moral oder senken die des Gegners oder verschaffen euch Vorteile bei Belagerungen. Über die Zeit könnt ihr so echte hochgradige Sterne Generäle ausbilden. Ab diesem Zeitpunkt rechtfertigt sich auch das Lösegeld welches von anderen Königreichen verlangt wird, wenn sie euren Marshall gefangen nehmen. Genauso könnt ihr es aber auch mit deren Marshalls machen und sie gegebenenfalls hinrichten lassen, wenn sie das Lösegeld nicht zahlen wollen oder können.

Mehr Beziehungen als in 'Die Sims'

Das Diplomatiesystem von Knights of Honor ist durchaus komplex. So ist es möglich euch bei anderen Völkern einzuschleimen oder diese zu verärgern oder sogar Besitzanspruche zu stellen. Seid ihr bei einem fremden König äußerst unbeliebt, könnt ihr diesem Geschenke in Form von Gold oder Ländereien anbieten. Steht ihr kurz vor einer herben Niederlage in eurem letzten Gebiet, könnt ihr auch Vasalentum beantragen. Dies bedeutet, dass ihr von nun an weiter leben dürft, jedoch immer eine Gebühr an euren neuen Herrscher zahlen müsst. Seid ihr jedoch wieder zu voller Stärke angereift, könnt ihr versuchen, euch zur Unabhängigkeit durchzuschlagen. Natürlich geht das ganze auch andersrum. So könnt ihr durch viele Vasallen eine echte Einnahmequelle aufbauen.

Sollte jedoch einmal euer König sterben und keine Nachkommen vorhanden sein, ist das Spiel sofort beendet. Darum gilt es immer für genug Nachwuchs zu sorgen. Nachwuchs gibt es selbstverständlich nur wenn eine Königin vorhanden ist. Diese kann unter Umständen auch direkt aus dem Volk kommen, in den meisten Fällen heiratet ihr jedoch eine Königin eines anderen Landes. Hier ist wieder diplomatisches Geschick gefragt, denn wer will schon einen Feind heiraten? Zur Sicherheit könnt ihr eure kleinen Prinzen auch schon vor der Thronfolge mit anderen Prinzessinnen verheiraten, und somit auch gleich für neue Freundschaften sorgen.

Sollte es einmal passieren, dass ein angeheiratetes Land alle Thronfolger verliert, könnt ihr selbst entscheiden, ob ihr deren Gebiete übernehmen wollt oder ob ein anderer Herrscher von nun an für Recht und Ordnung sorgen soll. Beides hat Auswirkungen auf die Zufriedenheit der Einwohner des fremden Gebiets. Reißt ihr die Macht an euch, sind sie selbstverständlich nicht sonderlich glücklich darüber, auch wenn ihr die Prinzessin angeheiratet habt. Solltet ihr das Land jedoch einem neuen Herrscher übergeben, wird dieser ewig in eurer Schuld stehen. Zudem könnt ihr Spione in ein feindliches Land schicken, um dort Truppen zu demoralisieren oder gegen ihren eigenen Herrscher aufzuhetzen.

Leider nur Allein gegen Alle

Der Multiplayer Modus ist leider nicht ganz so ausführlich wie die Singleplayer Kampagne. Statt auf der riesigen Karte des Kontinents Gebiete zu erobern, könnt ihr nämlich nur die Schlachten in der ISO Ansicht spielen. Dafür könnt ihr jedoch große Schlachten des Mittelalters eins zu eins nachspielen und live miterleben. Außerdem lassen sich noch einige kleine Spielmodi wie den Kampf um Türme oder Belagerungsschlachten spielen, die bei bis zu maximal sechs Spielern durchaus für Spaß sorgen. Eine große Community wird sich wohl dennoch nicht bilden, denn hier hat stärkster Konkurrent Rome: Total War ganz klar die Nase vorn.

Grafik direkt aus dem Mittelalter

In Sachen Technik hat sich Entwickler Black Sea Studios nicht sonderlich ins Zeug gelegt. Stattdessen setzte das Entwicklerteam viel mehr auf genretypische Grafik, sprich ISO-Ansicht und 2D Übersichtskarte. Zwar werden Einheiten in den Schlachten noch recht detailliert dargestellt, dafür ähnelt die Landschaft jedoch eher einer Texturwüste. Auf der 2D Übersichtskarte seht ihr eure Truppen als kleine Haufen unter einem riesigen Banner, um diesen rum wuseln allerlei Fußgänger und Handelskarren, die allerdings keinerlei spielerische Funktion besitzen. Nebenher trödelt übrigens echt mittelalterliche Musik aus den Boxen. Fans mittelalterlicher Musik dürfen sich Freuen, denn als kleinen Bonus gibt es alle Musikstücke komplett auf der CD im praktischen OGG Format. Außerdem tummeln sich noch einige Outtakes und jede Menge Bonus Material auf der kleinen runden Scheibe.

Immerhin setzen euch die Entwickler keiner Menüflut aus und auch die diplomatische Übersichtskarte strahlt durchaus durch Übersichtlichkeit, was gar nicht so leicht ist bei so vielen verschiedenen Königreichen. Alles in allem wirkt es durchaus strukturiert und logisch. Ein paar Zwischensequenzen, die euch über größere Ereignisse informieren, wären dennoch ganz nett gewesen.

Fazit

Knights of Honor hat genau das was es braucht, nämlich absolutes Suchtpotential. Ständig sitzt man vor der Kiste und schwört sich nur noch eine Stadt einzunehmen, um dann endlich ins Bett zu gehen, doch stattdessen fängt man dann immer wieder damit an, seine Armee zu erweitern und neue Städte weiter auszubauen, um sie gegen den Feind verteidigen zu können. Leider ist das aber auch nur der Hauptgrund warum man Knights of Honor spielen sollte, denn grafisch ist es ganz klar hinten dran. Auch die Schlachten wissen nicht so richtig zu überzeugen und Freunde der hohen strategischen Kunst greifen zur Zeit sowieso viel eher zu Rome – Total War. Dennoch kann man dieses Spiel einfach nicht zur Seite legen, bis man der einzige wahre Herrscher über Europa ist.

Knights of Honor [PC , Justgamers]

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